Der Bruder von Joakim Zander

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Ich habe vor einiger Zeit bereits Joakim Zanders Buch „Der Schwimmer“ als Hörbuch gehört, daher hab ich mich sehr gefreut, dass ich vom Audiobuchverlag auch sein nächstes Buch als Hörbuch erhalten habe.

Der Bruder“ hat zwar hier und dort Berührungspunkte und bedient sich einiger Figuren aus „Der Schwimmer“ ich würde es aber eher nicht so richtig als zweiten Teil bezeichnen, sondern behaupten, dass man beide Bücher auch unabhängig von einander lesen kann, ohne Informationsverlust zu haben. Schöner ist es aber natürlich, wenn man altbekannte Figuren wieder erkennt.

Joakim Zander schafft es auch hier wieder sehr lebendige Figuren zu erschaffen und auch wenn ich nicht immer, der Meinung war, dass die Figuren klug handelten, waren ihre Beweggründe doch zu verstehen und nachvollziehbar erklärt.

Interessant fand ich hier vorallem die Entwicklungen der radikalisierten Jugendlichen in den Vororten und auch die Strippenzieher im Hintergrund, bei der Auflösung macht es sich Herr Zander aus meiner Sicht ein wenig zu leicht und schiebt die Schuld in eine Richtung, die zwar in dieser Geschichte durchaus treffend und richtig ist, die aber sicher nicht als Standarderklärung für jegliche Radikalisierung herhalten dürfte. Das fand ich etwas schade und dafür, dass er sonst sehr schattiert und vielschichtig erzählt, wird es hier dann ein wenig eindimensional und simple. Damit kann ich aber durchaus leben und es verdirbt mir nicht das Buch, denn das ist durchaus unterhaltsam, rasant und schnell erzählt und zieht Dank mehrerer Erzählstränge den Zuhörer rasch in einen Sog.

Ein wenig Schade fand ich allerdings auch hier, dass die Übersetzung unwahrscheinlich schlecht war. Immer dann wenn es um Waffen geht, hatte der oder die Übersetzer (leider war es mir trotz intensiver Recherche nicht möglich herauszufinden, wer das verbrochen hat) eine fast schon naive Ahnungslosigkeit. Wenn Yasmin mal eben das Maschinengewehr durch die Stadt schleppt, wenn eigentlich vermutlich von einer Maschinenpistole oder etwas handlicherem die Rede ist, dann zerstört das beim sachkundigen Leser leider komplett das Bild im Kopf. Das hatte mich bereits bei „Der Schwimmer“ gestört, hier wurde es leider wirklich sehr störend und lästig. Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist, da dann mal kurz wen drüber lesen zu lassen, der immerhin eine vage Ahnung hat, wie man welche Waffen bezeichnet und dem die Absurdität eines mal eben so unterm Mantel mitgeführten Maschinengewehrs auffällt. Ein wenig schade fand ich auch die etwas eindimensionale Darstellung der handelnden Geheimdienstler / Polizisten, das war mir etwas zu verkürzt dargestellt, liegt aber vermutlich hier an der gekürzten Hörbuchfassung.

Wer sich an solchen Feinheiten nicht stört und einen gut gemachten und konstruierten Krimi/Thriller lesen oder hören will, der wird hier gut unterhalten.

Dirk Petrick und Ulirke Hübschmann liefern hier eine sehr gute Leseleistung ab und hauchen den Figuren Leben ein ohne zu theatralisch zu erzählen sondern bestechen durch eine nüchterne Sachlichkeit, das hat mir sehr gut gefallen.

 

Jax Miller – Freedom’s Child

 

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Ich gehöre seit langer Zeit zu den Menschen, die um Krimis und Thriller eigentlich eher einen Bogen machen. Zu selten werde ich hier wirklich zufrieden gestellt. Freedom’s Child vin Jax Miller erschienen im Audiobuch Verlag reizte mich dennoch und so wanderte es in mein Autoradio und ich wurde nicht enttäuscht.
Viele teilweise doch überraschende Wendungen, eine Geschichte, die zwar sehr klischeebehaftet ist, aber dennoch vermochte mein Interesse zu erregen, wird hier erzählt. Freedom Oliver, die Frau im Zeugenschutzprogramm, die dennoch ihre Tochter und ihren Sohn nie loslassen konnte und sich und ihre Familie, die zwar nichts von ihr weiß, plötzlich einer grausamen Gefahr ausgesetzt sieht. Freedom begibt sich auf den Weg, doch so alleine, wie es zunächst scheint, ist sie gar nicht… allerdings sind nicht alle ihre Helfer ihr wohlgesonnen und der ein oder andere nutzt die Verwirrung für seine Zwecke. Hier wird einiges thematisiert, Sekten, Waffen, Selbstmorde, Zeugenschutz, Gewalt, häusliche Gewalt…
Gut so ganz 100%ig realistisch ist auch hier nicht alles, aber die Erzählung ist abgefahren, rasant und schnell und bereitete mir sehr gute Unterhaltung. Die Charaktere sind toll ausgearbeitet und haben alle Ecken und Kanten und jeder schleppt sein eigenes Problemchen noch zusätzlich mit sich herum.
Mir hat gefallen, obwohl mir das Ende ein wenig zu sehr weichgespült war, konnte ich mich damit letztlich doch anfreunden, vorallem weil mir Freedom als Charakter so gefallen hat.
Die Sprecherin Martina Treger kannte ich bislang nicht, zumindest nicht bewußt. Ihre etwas rauchige Stimme haucht Freedom genau das richtige Leben ein und paßt zur Geschichte unheimlich gut.
Sie liest gekonnt, betont und angenehm. Ich habe ihr sehr gerne zugehört und fand das Hörbuch einfach nur sehr gelungen. Das hat mir wirklich gefallen und war nochmal etwas ganz anderes zu meinem sonstigen Hör- und Lesestoff.

Der Schwimmer – Joakim Zander (Hörbuch)

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Joakim Zander

Der Schwimmer / Audiobuch Verlag

Joakim Zanders Buch konnte mich über Stunden hinweg fesseln und in die Geschichte saugen. Die Figuren handelten für mich verständlich, nachvollziehbar und ich verspürte sehr rasch zu Klara eine überraschende Sympathie. Trotz der sehr sachlichen und geradlinigen Sprache werden die Figuren sehr emotional und gut gezeichnet. Mir hat das durchaus gefallen.
Der Sprecher verleiht dem Hörbuch dazu eine besondere Ernsthaftigkeit und ich mag es einfach, wie er die Buchstaben rollt und die Namen sehr nordisch ausspricht. Das war eine sehr gute Leseleistung, die überzeugen konnte. Auch seine Kollegin, die die Ereignisse um Klara erzählt, konnte mich überzeugen.
Sehr gut gefällt mir auch die Geschichte, die anreißt, zum nachdenken anregt, aber dennoch nicht zu viel erzählt, vieles im Dunkeln läßt und den Leser seine eigenen Fantasien entwickeln läßt.
Hier gibt es kein Gut und kein Böse, sondern jeder ist irgendwie irgendwas dazwischen. Diese Zeichnung der Grauzonen fand ich sehr interessant und spannend. Für Leser, die auf der Suche nach klassischer Krimi- oder Thrillerunterhaltung sind, könnte dies jedoch eher nicht passend sein. Ein klassischer Thriller bzw. Krimi ist dies hier nämlich definitiv nicht. Das Buch geht weiter, tiefer und ist nachdenklicher, als ein Spannungsroman es je sein könnte.

Dazu fehlen hier wohltuend die Klischees, die sonst in diesem Genre bedient werden. Weder muslimische Student, noch der amerikanische Spion sind aus den passenden Schubladen genommen und ins Buch geschubst worden, sondern stellen ganz eigene Figuren da, die mir als Leserin deutlich mehr behagten, als es die üblichen Stereotypen täten.

Weshalb ich dennoch nicht vollkommen glücklich war, war die hier etwas unglückliche Kürzung des Buches. Nach der Szene mit Klara und ihrer Freundin auf der Insel (ich hoffe ich verrate hier nicht zu viel) fehlte für mich deutlich spürbar eine Überleitung, ein Teil der Geschichte. Generell mag ich es ja nicht so sehr gerne, wenn Hörbücher gekürzt werden, wenn es dann noch so offensichtlich passiert, stört es mich immer ein wenig.
Die Aufnahme Qualität ist ordentlich und das Case der CDs praktisch zu bedienen. Die Bezifferung der Cds ist auch im dunklen Auto gut zu erkennen.

Abgebrochen – Japan Town von Barry Lancet

Ich habe das Buch im Flugzeug angefangen und war wirklich sehr angetan, spannend, rasant, schnell, die ersten 300 Seiten lasen sich rasch weg, gerne hat man Brodie auf seiner Reise begleitet, selbst Vermutungen angestellt und mitgerätselt. Gut hier und da denkt man bereits, meine Güte, worauf soll das jetzt hinaus laufen oder ist irritiert, weil Brodie erst „schwerstverletzt“ nach einer Messerattacke ist und dann aber erstmal sein Töchterlein versorgt und sich entscheidet doch nicht zum Arzt zu gehen, obwohl sein Oberschenkelmuskel „wie Butter durchtrennt wurde“… ähm ja, das läßt einen mal die Stirn runzeln, man liest aber drüber hinweg, weil es wirklich spannend ist. Leider ist genau diese Spannung dann in Japan plötzlich weg. Brodie ermittelt und sucht vor sich hin, der Leser ahnt längst schon, wie es weiter gehen wird und langweilt sich und dann, ja dann ist die Kreativität offenbar mit dem Autor Schlitten gefahren oder seine Yakuzas sind mit ihm durchgegangen oder was auch immer, auf jeden Fall entwickelt er dann einen so strangen Plot, dem ich nach weiteren 100 Seiten nicht mehr bereit war zu folgen. Nö, das interessiert mich nicht mehr, das fesselte mich nicht mehr, das war einfach nur blöd. Konnte ich auf den ersten 200 Seiten das Buch kaum weglegen, kam es nun immer seltener dazu, daß ich danach griff. Jetzt liegt es seit 4 Tagen unangetastet auf meinem Schreibtisch und ich habe entschieden, reicht jetzt auch.

Dann muß Brodie halt ohne mich ermitteln und kämpfen und seine Tochter beschützen und Held sein und Supermann und was weiß ich noch.
Sehr schade, wäre dieser Aberwitz-Plot nicht gewesen, hätte mir das durchaus sehr gut gefallen können, aber so… nein danke.

Das Echo aller Furcht – Tom Clancy

Passend zum Filmstart des neuen Jack Ryan Films habe ich mir mal wieder ein Hörbuch von Tom Clancy angehört.

Jaja, ich weiß, die Kritiker von Clancy werden jetzt sagen, alles zu flach, alles zu heroisch, zu patriotisch, zu abgehoben, aber mein Gott, mich unterhält das wirklich. Es strengt mein Hirn an, die unterschiedlichen anfangs noch losen Handlungsfäden zu einem zu verspinnen. Die Figuren miteinander zu verknüpfen, Schlüsse zu ziehen, bevor sie es tun, Verdachtsmoment zu äußern, bevor sie ausgesprochen werden und natürlich ein bißchen mit darauf zu hoffen, daß Jack Ryan und Mr. Clark mal wieder die Welt retten. Nennt mich anspruchslos, aber ich mag das. Wirklich!

Diesmal habe ich das Hörbuch angehört, gesprochen von Frank Arnold, erlebte ich hier einen sehr emotionalen Jack Ryan, einen überforderten, fehlbaren und angespannten Jack Ryan, der diesmal nicht nur bei der CIA seinen Mann stehen muß, sondern auch noch mit häuslichen Problemen zu kämpfen hat. Ein sehr realistisches Bild eines, im weitesten Sinne, Ermittlers wird hier gezeichnet, eines daß mir zwar nicht immer gefällt, daß ich mir aber vorstellen kann.

Das weitere Szenario ist beängstigend, wie unschön, eine Atombombe in den Händen skrupelloser Menschen und ein Weltkriegsauslöser. Ja, hier geht es da und dort ein wenig mit dem Patriotismus von Herrn Clancy durch, aber ich fühlte mich dennoch gut unterhalten, wenn mir auch das Frauenbild, daß er in seinen Romanen zeichnet immer weniger gefällt. Selten hat er mal eine Lady in seiner Story parat, die nicht hysterisch, zwanghaft ehrgeizig oder einfach nur nervig ist. Ich hoffe beim nächsten Mal wieder mehr von Mary Pat zu lesen, die ich deutlich unterhaltsamer finde, als Jack Ryans Frau Cathy, die mir auch in diesem Band mal wieder den letzten Nerv geraubt hat, wenn sie auch ein wenig erträglicher war, als die letzten paar Male, habe ich dieses Weibsbild einfach gefressen.

Trotz dieses kleinen Schwachpunktes, wurde hier mal wieder gelungen konstruiert, recherchiert und erzählt. Ich habe mich während der fast 38 Stunden ungekürzten Hörvergnügens nicht einen Moment gelangweilt.

Jetzt ist allerdings erstmal wieder Jack Ryan Pause und ich widme mich einem neuen Krimi von Hjroth und Rosenfeldt, nachdem mir der erste Teil um Sebastian Bergmann sehr gut gefallen hat, rechne ich auch hier mit spannender und intelligenter Unterhaltung.