Die Menschen, die es nicht verdienen – Hjroth / Rosenfeldt

Unbenannt
gelesen von Douglas Welbat

Mich als jemand, der sich beruflich genau mit der Materie beschäftigt, die sich in Krimis wiederfindet, schrecken die meisten Krimis eher ab. Nichts ist schlimmer, als wenn man über etwas liest, womit man sich auskennt und immer wieder den Kopf schütteln muß, weil es so ganz bestimmt nicht ablaufen würde.

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt treffen da aber immer sehr gut den richtigen Ton und auch die Übersetzung ist hier stimmig. Da werden die richtigen und passenden Begriffe an den richtigen und passenden Stellen gebraucht. Der Ablauf einer Mordermittlung ist stimmig und gut erzählt, natürlich werden hier die langweiligen Details zu Gunsten der Geschichte ein wenig gekürzt, aber doch, so wie die beiden Schriftstelle es erzählen, so könnte es durchaus ablaufen, mit kleineren Einschränkungen hier oder da, aber nichts was mich massiv die Stirn runzeln ließe oder mir total widerstreben würde.
Die Krimis der beiden werden von mir daher immer wieder mit Genuss konsumiert, eine absolute Ausnahme, die meisten anderen Autoren habe es in diesem Genre mittlerweile geschafft mich zu vergraulen, sei es wegen grottenschlechter Recherche, immer wiederkehrender gleicher Story oder furchtbar unpassendem Sprachgebrauch.

Die Hjroth &Rosenfeldt Krimis hingegen höre ich immer wieder gerne. Auch gerade deshalb, weil die Ermittler nicht farblos und profillos bleiben, sondern weil es auch einen privaten Teil in jeder Geschichte gibt, jeder der Leute aus dem Team eine wichtige Rolle spielt und dabei Probleme behandelt werden, die ich durchaus angemessen und wichtig finde. Den zerknitterten drogensüchtigen Ermittler, der sich dann auch noch ins Grab säuft, kennt man zu genüge aus allen anderen Kriminalromanen, hier wird es differenzierter, es ist nicht das platte Alkoholproblem, die Liebelei mit der Kollegin, nein das geht mehr in die Tiefe ist spannender und psychologisch durchdachter und auch das gefällt mir. Jedes Mitglied in diesem Team aus ganz unterschiedlichen Ermittlern hat so sein Päckchen zu tragen, mal spielt der eine eine größere Rolle, mal der andere.

In diesem Teil hatte ich wegen des Schlußmoments des letzten Teils eigentlich damit gerechnet, dass es mehr um Billi gehen würde und war überrascht, dass er sich während der Geschichte eher nicht im Mittelpunkt befindet. Zwischen durch machte sich auch immer mal ein wenig Enttäuschung breit, weil ich endlich wissen wollte, wie er denn nun mit seinem Problem (ich verrate hier mal absichtlich nicht zu viel, vielleicht hat jemand ja den vorgehenden Teil noch nicht ganz gelesen/gehört) umgeht, was er tut, das wird aber immer nur in Nebensätzen oder ganz kurz behandelt. Fast schon war ich ein bisschen böse, dass erst dieser Plot aufgemacht und dann so schmählich vernachlässigt wird und dann, ja dann kommt das Ende und ich war wieder versöhnt. Wenn man den beiden Autoren eins lassen muss, dann dass sie ihre Leser binden können. Mit diesem Ende hatte ich zwar durchaus in einer etwas anderen Variante nach dem letzten Teil gerechnet, aber während des Hörens dieses Teils rückte diese Überlegung immer mehr in die Ferne meiner eigenen Denkweise und als es dann am Ende knallt, knallt es richtig und ich habe mich selbst gescholten, dass ich das so einfach wieder ausgeblendet hatte.

Ich war also durchaus begeistert, warum dieser Teil dennoch ein wenig schlechter abschneidet, als die anderen, ist der Mörder um den es diesmal geht. Der Dokusoap-Killer, der tötet, um die Menschheit auf ihre eigene Dummheit aufmerksam zu machen, der frustriert ist, vom täglich dümmeren Fernsehprogramm und der mangelnden Anerkennung für wirkliche Intelligenz. Grundsätzlich eine gute Idee, trotzdem blieb für mich da die Motivation zu all diesen wirklich schlimmen und drastischen Taten ein wenig zu blass.

Ja, ich kann durchaus verstehen, dass man frustriert ist, mich selbst stören die täglich dümmeren
Dokusendungen im TV auch, deshalb habe ich den Fernseher abgeschafft, eine für mich logische Vorgehensweise. Wieso ein intelligenter Mensch soweit geht und aufgrund dieser Motivation Menschen tötet wurde mich nicht klar genug herausgearbeitet und natürlich haben wir es hier mit einem schwer gestörten Menschen zu tun, aber trotzdem fand ich das im Vergleich zu den vorherigen Fällen etwas weit hergeholt. Es war unterhaltsam, es war durchaus intelligent konstruiert und spannend, aber es war für mich ein wenig fern meiner eigenen Lebenswelt.

Auch die Geschichte um Sebastian und Wanja fand ich diesmal ein wenig anstrengend und bemüht. Ja, die Problematik ist durchaus schwierig und bietet gute Ansätze für viele Nebenerzählungen, das was diesmal passiert fand ich jedoch irgendwie platt und hätte auch von Wanja eine etwas vernünftigere Einstellung erwartet. Auf der einen Seite ist sie immer sehr überlegt und bedächtig, auf der anderen agiert sie leider häufig wie ein kleines Kind und eine beleidigte Leberwurst, das passte für mich diesmal nicht 100%.
Hingegen gefällt mir Ursula diesmal sehr gut, ihren Charakter mag ich ohnehin sehr und diesmal wird sie ein wenig verletzlicher dargestellt und nicht so taff, wie in den Vorgängerbüchern, das hat mir gefallen.

Das Hörbuch ist wie immer sehr gut gelesen. Gut betont und ich lausche dieser rauchigen Stimme einfach sehr gerne. Sie passt perfekt zu den Geschichten und sobald ich den Sprecher Douglas Welbat höre, bin ich sofort in der Geschichte um Sebastian Bergman drin.
Das gefällt mir sehr gut.

Außerdem war das Jewelcase diesmal etwas stabiler, als sonst und die einzelnen Klappmechanismen sehr robust und nicht so hakelig. Sollte da etwas verändert worden sein, war es sehr positiv…

Das Mädchen, das verstummte von Hjorth und Rosenfeldt

Unbenannt

erschienen im AUDIOBUCH Verlag

Wie schon die ersten Bücher von Hjorth und Rosenfeldt, hat mir auch dieses hier ganz fantastisch gefallen und ich habe es als Hörbuch gehört.
Zwar hatte ich hier hin und wieder wegen der etwas seltsamen rechtlichen Übersetzungen oder auch nicht passenden strafrechtlichen Einordnungen, eine etwas gerunzelte Stirn, (Jemand fährt beispielsweise mit voller Absicht mit Personen in seinem Auto in einen See und erwähnt wird lediglich eine fahrlässige Körperverletzung…) dennoch hat vorallem das Ende all das wieder herausgerissen. Die beiden Autoren haben ein Gefühl für passende und dennoch überraschende Wendungen, wie ich es sonst noch bei kaum einem Autoren erlebt habe. Dabei erscheint dem Leser, das was dann passiert als ganz logische Folge, aber gerechnet hat man damit eigentlich nicht.
Hier war es mir allerdings an einer Stelle dann doch etwas zu offensichtlich, ohne zu viel verraten zu wollen, ahnte ich bereits sehr früh, wer hier außerdem noch seine Finger im Spiel hatte, das war zu deutlich und wenn man die anderen Bücher kennt, zu offensichtlich, wer hier ganz heimlich in die Geschichte geschubst werden sollte.
Trotzdem wurde ich sehr gut unterhalten. Die Geschichte ist wirklich gelungen und ein sehr interessanter Aspekt der hier beleuchtet wird.
Sebastian Bergmann bleibt mir trotz seiner Allüren in dieser Folge ein wenig zu blaß, er ist mir nicht fies genug. Ich mag ihn mehr, wenn er pöbelt und stänkert, das fehlte mir ein wenig.

Aufgrund der letzten Wendung würde ich mir bitte sofort eine Fortsetzung wünschen und bin äußerst gespannt, wohin das führen wird, es bleiben so viele Möglichkeiten. Doch obwohl es einfach gemein ist, dem Leser so etwas zu präsentieren und dann einfach das Buch zu beenden, fühle ich mich nicht, wie in einem Cliffhanger gefangen, denn die Geschichte dieses Buches ist beendet und abgeschlossen, trotzdem will ich jetzt sofort das nächste haben.

Der Spreche liefert hier übrigens eine sehr gute Leistung ab und auch wenn ich hin und wieder nicht mit seiner Aussprache bestimmter Dinge konform gehe, höre ich ihm gern zu und finde Stimme und Betonung sehr angenehm.

Dieses Ekelpaket ist einfach so schrecklich unterhaltsam!

Die Reihe um Sebastian Bergmann hat es mir angetan, sonst bin ich ja eher mäkeliger Krimileser, habe hier was zu meckern, dort was zu nörgeln, hier nicht. Sebastian Bergmann und Torkel Höglund haben es mir angetan, realistisch, spannend, interessant und intensiv sind alle drei Hörbucher aus dem Audiobuch Verlag.

Ich habe bereits beide Vorgänger gehört und fand sie ausgesprochen gut gelungen, selbst kleine Fehler in der Logik des Buches (beispielsweise die Handyortungen, die den Autoren offenbar als Lösungsansatz im zweiten Buch entfallen war) konnten meine Begeisterung nur unwesentlich schmälern.
Daher war ich sehr froh, als ich dann auch den dritten Teil in den Player schieben konnte. Die Qualität von Jewelcase und Aufnahme möchte ich hier beim Audiobuch-Verlag noch mal kurz lobend erwähnen, denn normalerweise gehöre ich zu den Menschen, die diese dummen CD-Verpackungen immer äußerst schnell zerlegt oder zerbrochen haben. Dieses hier hielt, obwohl es ja häufig geöffnet und geschlossen werden mußte und durch mein Auto flog.

Die Geschichte ist diesmal eine eher politische, wenig persönlichen Bezug zum eigentlichen Mord gibt es, was ja bei den Vorgängern anders war, dennoch zog auch diesmal die Handlung meine Aufmerksamkeit auf sich. Denn wieder gelingt es den Autoren, ihre Figuren so realistisch und faszinierend zu zeichnen, ihre Schwächen und Vorzüge so klar dazustellen, daß man als Hörer meint, man kenne sie schon ewig. Die Verwicklungen und Ermittlungen sind spannend, wobei auch hier das Zwischenmenschliche durchaus mehr Raum einnimmt, als die Ermittlungsarbeit an sich. Jeder der Ermittler hat mal wieder sein persönliches Päckchen zu tragen und mit den Anforderungen des Lebens zu kämpfen. Geschickt werden in diesem Band die Fäden der Vorgänger aufgegriffen und weiter gesponnen.
Und dann dieses Ende, damit hatte ich nicht gerechnet, zumal ich eigentlich sicher war, den letzten Band der Reihe in den Händen zu halten, aber da muß jetzt irgendwie noch etwas kommen, das läßt für mich zu viel Raum für Spekulationen. Andererseits wäre es auch reizvoll hier mit den Gedanken allein gelassen zu werden und dies tatsächlich als Ende anzusehen.

Douglas Welbat liest wie schon in den Vorgänger Hörbüchern routiniert und stimmig. Seine Stimme paßt unheimlich gut zu Sebastian Bergmann. Ich mag seine Tonlage und Erzählweise sehr.

Ein feiner Erzähler und ein wirklich spannender und guter Krimi

Ich kannte die Bücher um Sebastian Bergmann nicht, war aber neugierig geworden, weil mir eine Freundin diese ans Herz gelegt hatte, auf deren Empfehlung ich meist zählen kann.

Und sie hatte Recht. Zum einen gefiel mir hier der Sprecher unheimlich gut, der in seiner Lesung wirklich angenehm spricht. Nicht zu laut, nicht zu aufgesetzt, keine Kinkerlitzchen, sondern passend zur Stimmung, langsam und angemessen. Eine wirklich gute Leseleistung wird hier abgeliefert, die mich von der ersten bis zur letzten Hörsekunde absolut überzeugte und ich bin da wirklich pingelig, was die Sprecher von Hörbüchern angeht.
Herrn Welbat lauschte ich sehr gerne und glaube, daß er auch Telefonbücher vortragen könnte und ich wäre hingerissen.

Hier hat er aber nun nicht aus einem Telefonbuch vorgelesen, sondern aus einem Krimi, noch dazu einem Skandinavienkrimi, eigentlich etwas, womit man mich in den meisten Fällen jagen kann. Hier jedoch nicht, die Geschichte wird unheimlich gut aufgebaut, die Ermittlungsarbeit sehr nah an der Realität geschildert, hier spielen nicht Grausamkeit und Grusel die Hauptrolle, sondern Emotionen, Gefühle, Empathie, Antipathie, Sympathie, wer kann hier mit wem. In diesem Buch geht es zwar auchum die Jagd nach einem Mörder aber sehr viel mehr auch um das Drumherum, was bewegt die Menschen die zurück bleiben, wie reagieren diese auf fragende Polizisten und wie schwierig ist es zu vielen einfach nur durchzudringen und zu durchschauen, warum jemand lügt.

Ich bin wirklich begeistert, sowohl vom Text, als auch vom Sprecher. Auch die Qualität der Aufzeichnung hat mir gefallen. Einziges kleines Manko ist, daß ich mir Sebastian Bergmann als sehr attraktiven Mann mittleren Alters vorgestellt habe, das Bild auf der CD paßt daher nicht wirklich zum Text aus meiner Sicht, aber damit kann ich leben.

Besonders gut fand ich übrigens, daß wir hier einen Ermittler mit Ecken und Kanten haben, einen den nicht jeder mag und der trotzdem seinen Weg geht. Einen der sich selbst treu bleibt und der trotzdem nicht am Rande der Illegalität herumtaumelt, wie das in anderen Krimis so häufig der Fall ist auch die anderen Beamten des Ermittlerteams fand ich sehr gut beschrieben und trotz der Fülle an Personen werden diese so gut beschrieben, daß man zu jedem ein gewisses Bild vor Augen entwickelt und einen Blick für die Probleme und Gedanken jedes einzelnen erhält.

Mir hat das sehr gut gefallen, ein wenig erinnerte mich Lesung und auch Text an die Hörbücher zu den Büchern von Claus Cornelius Fischer, die mir damals auch sehr sehr gut gefallen haben.