Der vierte König 

Die Strickelfen waren mal wieder auf Gastrotour. Diesmal hat es uns zum 4. König verschlagen. Wir hatten den Artikel im Stadtanzeiger gelesen und waren neugierig, was uns da wohl geboten würde.

Gestern war es dann so weit, 7 Strickelfen fielen mit hungrigen Bäuchen in den vierten König ein.

Wir wurden vom sehr zuvorkommenden Personal sehr freundlich und humorvoll begrüßt und zu unserem Tisch geleitet. Es war genug Platz für alle an der langen Tafel und die Einrichtung gefällt mir sehr gut. Ein bißchen verspielt, ein bißchen nostalgisch, ein wenig romantisch, von allem nicht zu viel.

Ich saß auf der Holzbank an der Wand und muß gestehen nach einiger Zeit froh gewesen zu sein, dass es Kissen auf der Bank gab, die war so 100%ig bequem nicht.

Das tat aber dem Genuß des Abends keinen Abbruch.

Die meisten von uns hatten sich für das 5 Gänge-Menü entschieden, zweimal gab es das vegetarische Menü und zweimal Speisen a la carte.

Die Portionen waren so bemessen, dass man auch nach 3 Gängen gesättigt gewesen wäre, also ich zumindest. Wir sind aber ja maßlos und wenn es schon so lecker ist, dann will ich auch alles probieren.

Der Gruß aus der Küche war fantastisch, eine Knuspergarnele mit Cocos- Schäumchen (das war toll!!!) und ähm… irgendwas Püriertes, aber sehr lecker, ich war nur reizüberflutet und hab vergessen was….

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

DAS MENÜ ANGEBOT IM JUNI

In indischen Gewürzen geräucherte Lachsforellenterrine mit Algensalat und Koriander-Eis / Das war fantastisch. Der Algensalat war ein Gedicht und das Koriandereis, sehr speziell und lecker. Ich hatte ja letztens im „Kleinpetersberg“ schon mal Pestoeis, das hier war ähnlich, aber nochmal besser und mit Krokant (??) nochmal auf eine andere Stufe gehoben. Das war für mich tatsächlich der beste Gang. Wir rätseln allerdings noch immer, was das orange-gelbe Früchtchen (??) unten rechts im Bild ist. Wir tippen auf Maulbeere oder Mispel, haben aber vergessen zu fragen. Die Blümchen stammen übrigens, wie der Koch uns berichtete, selbst gepflückt aus der Rheinaue in Langel, das kennen wir ja bereits von unserem Besuch im „Zur Tant„.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

und/oder

Ayran-Kichererbsenmehl Suppe mit Kaninchen-Balotine / Das war ebenfalls sehr lecker, ich mag Kaninchen normalerweise nicht sonderlich und finde es schmeckt immer etwas streng. Das hier war wirklich extrem gut und das Popadum hat mich auch überzeugt. Die Suppe war würzig, aber nicht zu scharf und wirklich sehr spannend komponiert.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

****

Beim Hauptgericht haben wir uns alle für den Schweinebauch asiatisch und geschmorte Schweinebäckchen mit Pfifferlingen und Rahmspitzkohl entschieden.

Die Schweinebäckchen waren eine Offenbahrung. Die waren so zart und zergingen auf der Zunge, köstlich. Die Pfifferlinge fand ich auch sehr gut und der Spitzkohl hatte eine sehr ungewöhnliche Würzung, die mir ebenfalls gefallen hat. Der Schweinebauch war auch lecker, leider für mich alte Mimose zu scharf, ich hab zwei Höflichkeitsbissen gegessen, aber mein Magen macht sowas leider nicht mit, daher durfte Soluna meinen Schweinebauchrest futtern. Ich bin aber wirklich sehr sehr empfindlich und sonst fand niemand den Schweinebauch zu scharf, ich bin also wirklich kein Maßstab.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

 

****

Käsevariation mit Chutney / Gut, die Schieferplatte ist eigentlich schon lange nicht mehr hip und ich gebe zu, ich mag es nicht von einer Schieferplatte zu essen, mich stört schon das Geräusch, dass die Gabel darauf macht, aber der Käse hat das einfach wieder wett gemacht. Ich hoffe, ich habe mir alles richtig gemerkt, ich hatte einen sehr weichen und sahnigen Brie mit sehr starkem würzigem Geschmack (oben rechts), dann einen Ziegenfrischkäse mit Aschekruste und einen Bergkäse mit Kräutern. Alle drei waren fantastisch. Sehr lecker. In dem Glasschälchen war Koriander-Karamel (??) was wirklich ganz außergewöhnlich und für meinen Gaumen mit nichts anderem vergleichbar geschmeckt hat und unheimlich gut zum Brie und dem Ziegenkäse paßte. Sehr grandios fand ich auch den eingelegten Knöterich dazu. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Chutney hingegen war gar nicht meins. Ich kann nicht sagen, was es war, ja es war Paprika drin, die vertrage ich ja eh nicht so gut, aber es war noch irgendetwas anderes, das mich gestört hat. Auch hier ist das natürlich Geschmackssache und der Käse und die beiden anderen Beilagen waren fantastisch. Frau Feinmotorik war vom Chutney aber auch eher nicht soooo begeistert. Wir hatten übrigens alle unterschiedliche Käsesorten auf unseren Schiefertäfelchen, was das gemeinsame Essen natürlich nochmal interessanter gestaltete.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

und/oder

Aprikosen-Safran Creme mit Old Monk Eis / Das war wieder wirklich grandios, aber auch hier haben wir eine Frucht (?), die wir nicht identifizieren konnten. (oben links neben der Brombeere), wir würden auf eine Maulbeere oder ähnliches tippen, sind aber auch da nicht sicher. Das feine Gebäckstück war sehr lecker und irgendwie herb gewürzt. Die Aprikosen-Safran-Creme war himmlisch, ich hab immer ein wenig Angst vor Safran, weil ich es schnell seifig finde, das war hier nicht der Fall. Das Old Monk Eis war ebenfalls sehr gut. Schön cremig und dicht und nicht unnötig mit Luft aufgeschlagen, dazu ein sehr leckeres Krokant (??) und Früchte. Das war ein sehr leckerer Abschluss.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

3 Gang 39€ | 4 Gang 47€ | 5 Gang 54€

Die Preise sind für den Anspruch, das aufmerksame und wirklich sehr sympathische Serviceteam absolut erschwinglich. Ja, der Laden hat noch keinen Stern, der kommt aber sicherlich bald, also geht hin, erfreut euch an wirklich ungewöhnlichen Kompositionen und sehr interessanten Geschmacksmomenten. Es war wirklich ein Genuß und wie gesagt, wer erstmal nur probieren will, auch nach 3 Gängen wäre ich durchaus gesättigt gewesen.

Zwischendurch brachte man uns dann nochmal eine kleine Erfrischung, ein Birne-Ingwer- Sorbet und sorry, das war so ziemlich der geilste Scheiß, den ich in letzter Zeit gegessen habe. Ich wollte mich in meinem Schälchen wälzen und mir das Zeug auf den Körper schmieren und dabei mag ich gar keine Birne… ups. Wirklich, das war extremst lecker und brachte bei den sehr schwülen Temperaturen wirklich eine angenehme Abkühlung.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

Sehr witzig, war unsere Begnung kurz nachdem wir Platz genommen hatten, eine Dreiergruppe ging an unserem Tisch vorbei und die letzte Dame hielt plötzlich an, guckte, stutzte, lachte und begrüßte uns. Strickerinnen erkennen sich nun mal immer wieder, selbst wenn sie sich zuletzt auf dem Wollfest vor 3 (!!) Jahren gesehen haben. Silke Ufer stand da plötzlich vor uns und wir haben natürlich ein Bloggerfoto mit mir und Frau Feinmotorik gemacht. (Ja, ich bin wirklich sehr klein…. schweigt still… )

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

Ich wollte den  a la carte Damen nicht ständig mit meinen Fotos auf den Geist gehen, daher habe ich nur den in hausgemachtem Curry gebeizten Lachs mit Kartoffelschaum und Bärlauchöl von der Maschenprobenuschi fotografiert, aber wenn ich es richtig mitbekommen habe, dann waren auch bei den Damen alle Gerichte wirklich sehr gut und stimmig.

Auch die vegetarische Menüfolge paßte sehr gut und hat den Ladies gut geschmeckt.

Der vierte König in Köln

Der vierte König in Köln

Die Weinauswahl ist erlesen und umfangreich, da ist für jeden Geschmack etwas dabei und preislich bewegte sich das alles durchaus im Rahmen. Ich selbst habe allerdings lediglich einen Cremant als Aperetif getrunken, da ich der Taxiservice für die Ladies war, ansonsten hab ich Johannisbeerschorle gehabt. Sehr lecker und fruchtig, hat für mich sehr gut zum Essen gepaßt.

Unsere Weintrinker, waren vom empfohlenen Wein so begeistert, dass aus einem Glas dann doch eine Flasche wurde und ich habe sehr oft gehört: „Der riecht so toll nach Apfel!“

Ich bin wirklich kein Weinkenner, weiß aber, was mir schmeckt und was nicht und bin daher immer auf eine gute Empfehlung angewiesen, die bekam man hier.

Schön auch, der schnörkellose Service, wir bekamen alles erklärt, es wurde zügig nachgeschenkt und es blieb wirklich kein Wunsch offen, dabei waren die Servicekräfte alle samt sehr humorvoll und brachte sich in unsere lustige Damenrunde gut ein.

Ich befürchtete, wir wären mit unserer guten Stimmung vielleicht ein wenig laut gewesen, aber das stelle zu keinem Zeitpunkt ein Problem dar. Allerdings ist der Lärmpegel im Lokal tatsächlich bei voller Besetzung grundsätzlich etwas hoch. Ich empfand das aber als durchaus noch im Rahmen.

Sehr freundlich fand ich auch den Chef. Jaspreet Dhaliwal drehte natürlich seine Abendrunde und verweilte auch an unserem Tisch. Ein sehr ruhiger und leiser Mann, der uns fast schon schüchtern fragte, ob alles in Ordnung sei und es gemundet habe und der auf unser Lob hin ein wenig verschämt lächelte und uns begeistert und mit leuchtenden Augen berichtete, dass er die Kräuter und Blümchen alle selbst gepflückt habe. Das war sehr angenehm und erfrischend anders, als die sehr präsenten und auffälligen Köche, die ich sonst aus diesen Situationen kenne.

Herr Dhaliwal, es war wirklich köstlich!

Fazit: Hingehen, das war wirklich ganz tolle außergewöhnliche und sehr gute Küche, mit Überraschungen und Kombinationen, die ich mir so nicht hätte vorstellen können, die aber durchaus sehr gut geschmeckt haben. Absolut lohnenswert! Danke für den wunderschönen Abend!

Die Karte wechselt übrigens immer am ersten Mittwoch des Monats!!

Merken

Merken

Nigel Slater – Einfach genießen

Einfach genießen

Dumont Buchverlag / Nigel Slater

IMG_4678

Nun, wer diesem Blog aufmerksam folgt, wird es bereits wissen:

Es gibt nur einen Gott und keine Götter neben ihm.

Kniet nieder!

Nigel Slater hat ein neues Buch veröffentlicht!

Ein neues Buch?

Nun nicht ganz. Eine neue Auflage, eines bereits 2006 erschienen Werks ist es, ordentlich aufgehübscht mit hungrig machenden Bildern und einem kleinen Facelift. Die alte Ausgabe ist ebenfalls noch erhältlich, ein wenig günstiger, aber bei weitem nicht so schick.

Nun muß man sagen, wer ein Rezeptbuch sucht, ein Buch, in dem er sich sklavisch an Anleitungen halten kann, in dem jede Menge bis auf die kleinste Messerspitze exakt angegeben ist, nun derjenige sollte ab hier aufhören zu lesen, für dich ist das nichts. Slater ist niemand der präzise Mengenangaben macht, niemand der Rezepte veröffentlicht an die man sich wie ein Mantra halten kann. Slater gibt Hinweise, Ideen, Anregungen und Hilfestellungen, an denen man sich wie an einem Kletterparcours entlang hangeln kann. Mal hangelt man nach rechts, mal nach links, mal folgt man ihm, mal biegt man schnell doch noch in eine andere Richtung ab.

So waren alle seine Bücher und dieses hier noch mehr.

IMG_4662

Natürlich zählt er zu Beginn jedes Rezeptes auf, was man so benötigt. Seine Mengenangaben sind allerdings eher vage. Ein paar, ein walnußgroßes Stück, etwas, ein wenig, nach Geschmack, kann man da lesen und der zaghafte nicht so mutige Leser wird sich denken, was soll denn das? Warum sagt er nicht klar, was ich benutzen soll? Nun Slater will, dass man mutig wird, dass man sich selbst ausprobiert, dass man nicht seine Gerichte stumpf nachkocht, sondern dass man Mut entwickelt, ergänzt, wegläßt, hinzufügt, verstärkt, verschärft und abmildert.

Seine Rezepte sind keine Anleitungen, sie sind Geschichten, Geschichten die Appetit machen auf mehr und genau deshalb finde ich seine Bücher und somit auch dieses so fantastisch. Auf dem Einband sagt er: „Ein Rezept ist wie ein Lebewesen: Es muss atmen und sich verändern können, um sich unseren Zutaten, Stimmungen und Wünschen anzupassen!“

Und genau das läßt Slater mit seinen Gerichten zu. Er zeigt: „Hey, probier dieses aus, mach jenes und es wird immer schmecken, wenn du auf deinen Bauch hörst und mutig bist.“

Seine Anregungen sind intelligent, klug und spannend. Einfach genießen ist für mich daher eine Art Standardwerk, der Einstieg ins Kochen. Anleitung seinen eigenen Weg und Stil zu finden. Für mich ein absolut kluges Geschenk für jeden der zum ersten Mal zuhause auszieht und sich ohne Mamas Küche noch etwas unsicher am Herd fühlt, aber auch ein Feuerwerk an Anregungen für jeden der bereits sicher auf dem Terrain der guten Küche ist. Dabei bleibt Slater sich selbst treu „Gutes Essen heißt im Grunde nichts weiter, als gute Zutaten einfach zubereitet“ und daran hält er sich. Hier findet sich kein Fertigfutter verarbeitet, hier wird alles frisch zubereitet, hier finden nur wenige, dafür sehr gute Zutaten den Weg über den Topf auf den Teller. Dabei darf es ruhig kreativ sein, wird aber nicht so abgefahren, dass man die Zutaten nicht im Bauernmarkt oder Supermarkt finden wird.

Auch darf man hier eigentlich kein reines Kochbuch erwarten. Slater palavert, schwelgt, erzählt und verbreitet seine Lust am guten und leckeren Essen in jeder Zeile dieses Buches. In seiner Einführung nimmt er sich Zeit, erzählt über Planung, Stimmungen und dem passenden Essen und die Wichtigkeit der Entscheidung, was man überhaupt zubereiten will. Slater bereitet Genuss zu, kein Essen, kein Fast food, kein liebloses Gekoche, Slater ist tiefempfundene Lust am Essen.

Der nächste Abschnitt widmete sich den Mengen, für wen kocht man. Für sich alleine, für zwei? Für die ganze Familie, wer mag was, wann wie und in welcher Menge… Auch hier findet Slater tolle Worte, um einfache Dinge zu umschreiben und gerade für Kochanfänger finden sich hier hilfreiche Tipps und Tricks, das tägliche Kochen in Lust und nicht in Frust zu verwandeln.

Weiter geht es mit dem „Wo“ will man Essen. Soll etwas für unterwegs zubereitet werden, will man am Tisch sitzen oder will man sich tatsächlich ins Restaurant bewegen oder etwas nach Hause bestellen, auch hier berichtet er von dem Genuss, den es bereiten kann, einmal nicht selbst den Kochlöffel zu schwingen, sondern das Werk eines anderen zu genießen.

IMG_4658

Ein ganzer Abschnitt richtet sich an diejenigen, die sich immer zu viel Arbeit machen und zeigt Vereinfachungen, Erleichterungen, wie Planung schon hilft, sich nicht zu sehr zu streßen und das übermäßiger Ehrgeiz eher zu traurigen Ergebnissen, denn zu wirklich gutem Essen führt. Slater ist ein Freund der Einfachheit, des Minimalismus und dennoch des wirklich reichhaltigen Essens. Hier zeigt er auf, dass man sich als Koch die Arbeit erleichtern kann, in dem man auf einfache Gerichte zurück greift, die wenig Zubereitungszeit in Anspruch nehmen und dennoch mit guten hochwertigen Zutaten einfach nur toll sind. Büffelmozzarella mit Oliven, eine einfache Hühnerbrühe können schon zauberhaft sein.

IMG_4664

Weiter geht es mit Anregungen für ein paar einfache Mittag- und Abendessen. Hier nennt er passend zur Jahreszeit tolle Anregungen für die flotte Küche mit guten Zutaten. Im Abschnitt „Überlebensführer für Köche“ nimmt er Bezug auf den Zwang zu kochen, niemand muß jeden Tag kochen, man kann auch ohne zu kochen tolles Essen genießen, sei es Käse mit Feigen und Oliven, tolles Obst oder hochwertige Fertiggerichte, sind sättigend und sicher auch nicht immer ganz schlecht. Hier folgen so viele witzige und treffende kleine Tipps und Tricks, dass es ein Genuß war sie zu lesen.

Mein Liebling: „Räucherlachs und Champagner sind kein Luxus!“… wie Recht er damit hat und es finden sich dort Anregungen, was man auch in großen Mengen auf Vorrat zubereiten kann und was sich dafür eher nicht eignet.

Slater gelingt es sogar die richtigen Worte für den Besuch des Fastfoodrestaurants zu finden, denn manchmal muß auch das einfach sein. Ein dicker Burger mit viel Soße ist doch hin und wieder der pure Genuss, warum also sich nicht auch das ab und an gönnen?

Hierauf folgt ein Kapitel dazu, dass man seinem Bauch vertrauen soll, dass man nicht dem Rezept, sondern seinem Gefühl glauben soll. Wann sind Dinge gar? Wie riecht etwas richtig? Welche Geräusche entstehen beim Kochen und was sagen sie uns. Slater führt hier vor, wie auch ich beim Kochen vorgehe, chaotisch, aber mit viel Herz und Gefühl.

IMG_4668

Dann gibt er Verbesserungsvorschläge, wie kann man Speisen retten, was ist Geschmack und wie kann man den Geschmack einer Speise verbessern. Wie man Geschmäcker verstärkt oder sie abmildert, welche Gewürze bei welchen Speisen was auslösen.

Auch Hinweise zu seinen meist fehlenden Maßangaben finden sich, ein Kapitel über das richtige Werkzeug, auch hier bleibt er sich treu. Wenn etwas  gut in der Hand liegt und seinen Zweck erfüllt, ist es das richtige Werkzeug. Man braucht nicht für alles das passende Messer, den richtigen Löffel. Man braucht gutes Werkzeug, aber nicht teures.

IMG_4663

Schließlich kommt er bei den Zubereitungsarten an. Dämpfen, Kochen, Grillen, zu allem verliert er hier ein paar Worte, führt ein, schlägt vor, berichtet, dass einem das Wasser im Munde zusammen läuft. Er berichtet auch über Einkaufen, Möglichkeiten in der heutigen Zeit an gute und hochwertige Lebensmittel zu kommen und berichtet über Kinder in seiner Küche.

Es folgt dann eine kleine allgemeingehaltene Materialkunde.

Gewürze, Kräuter, Zutaten auch dies kommt nicht zu kurz in Slaters kleiner Kochkunde. Beschreibungen von reifem Gemüse, wie man feststellt, was wirklich gut ist und was reif und essbar ist. Hier beschränkt er sich auf einen kurzen Überblick, der aber erstmal absolut ausreichend ist.

Auch dem Fisch widmet er einen Teil seines Buches. Wie bereitet man welchen Fisch zu, was ist ein küchenfertiger Fisch, was ist noch zu tun, wie brät, röstet, kocht man den Fisch richtig. Ebenso gibt er den verschiedenen Fleischsorten ausreichend Raum.

Dann widmet er sich wieder seinem Steckenpferd, dem richtigen Kochen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Er schlägt für jeden Monat saisonale Speisen und Gerichte vor und schwelgt in Empfehlungen.

Dann ist man erst beim Rezeptteil des Buches angelangt und hier folgen einige wirklich einfache Grundrezepte.

IMG_4667

Ein einfaches Brot, Brathühnchen, Nudelsuppe und dann Hinweise, wie man das einfache Gericht verändern, verbessern oder verfeinern kann. Alles ganz simple, mit reichbebilderten Erklärungen und tollen Ideen zur Veränderung und viel Bestärkung, es selbst zu verändern und zu variieren. Die Gerichte sind wirklich einfach und der versierte Koch wird hier nichts großartig ganz Neues finden, aber Anregungen für Veränderungen und allein Slaters Art über das Kochen zu schreiben, verursachen bei mir Genuss.

Rezepte für Suppen, Pasta, Kuchen, Süßigkeiten, für jeden ist etwas dabei. Nicht viele Rezepte, dafür mit Abwandlungen, interessanten Ideen zur Veränderung und eben tollen Worten.

Slaters Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Es ist fantastisch.

IMG_4659

Ich habe mich eben an die luxuriöse aromatische Nudelsuppe gewagt und sie ein wenig abgewandelt.

Zutaten:

2 Chilischoten

2-3 kleine Knoblauchzehen

1 walnußgroßes Stück Ingwer

ein paar Korandersamen

eine handvoll frischer Koriander und ein paar Wurzeln

Zitronengras

Sesamöl

Hühnerbrühe mit Fleisch (hab ich immer auf Vorrat selbstgemacht eingefroren)

400 ml Kokosmilch (fand ich etwas zu viel, nächstes Mal weniger)

Limettensaft

Nam Pla (Austernsoße aus dem Asialaden)

eine Handvoll Minze

Asiatische Nudeln (eine Handvoll)

Flusskrebsfleisch

Chilis halbieren und Kerne entfernen. Knoblauch schälen, Ingwer schälen. Chilis, Knoblauch, Ingwer, Zitronengrad, Koriandersamen (vorher zerstossen) zusammen mit dem Koriander (Blätter und Wurzeln) und einem Schuss Sesamöl zu einer Würzpaste verarbeiten.(Küchenmaschine oder Häcksler) Die Hälfte der Würzpaste im Topf erhitzen mit der Hühnerbrühe und der Kokosmilch ablöschen, zum Kochen bringen und 10 Min köcheln lassen. Krebsfleisch dazu geben, Nudeln dazu geben. Minze dazu geben.

IMG_4660

Mit Limettensaft und Austernsoße abschmecken.

Ich fand es fantastisch, scharf (aber nicht zu scharf, bin ja empfindlich), frisch und lecker.

Dem Mr war es etwas zu exotisch, ich befürchte die Kokosmilch war nicht seins. Er hat sein Tellerchen zwar aufgefuttert, aber wollte nicht unbedingt noch Nachschlag, so ist dass wenn der Mann so experimentierfreudig, wie eine Bodenfliese ist… seufz. Ich fands toll und die Suppe läßt sich auch super vorbereiten und zur Arbeit mitnehmen.         IMG_4674

 

Kochkurs in der Kochschule Rheinauhafen.

So als Abschiedsmahl vor meinem veganen Monat war ich heute in der Kochschule Rheinauhafen zum Kochkurs „Kräuter und Gewürze“

Vor einigen Wochen gab es dazu ein Gewinnspiel bei Facebook und Frau C. hat erfolgreich teilgenommen und ließ mich als ihre Begleitung mitgehen.

Vorab, wir hatten einen fantastischen Nachmittag, haben mit einer tollen Gruppe gekocht und gegessen und die Kochschule Rheinauhafen wird uns in jedem Fall als zahlende Gäste noch mal wiedersehen, wir checken bereits die Termine der Sushikurse.

Aber alles nacheinander.

Erstmal habe ich Frau C. abgeholt und in meinem kleinen roten Rennfiat ging es einmal von Bonn nach Köln, die Rheinuferstraße lang und in die Tiefgarage im Rheinauhafen, hier auf jeden Fall mutig ganz bis zum Ende fahren, der letzte Aufstieg ist der Kochschule am nächsten. Diese liegt quasi direkt gegenüber des Schokoladenmuseums in dem roten Eckhaus und sieht von außen recht klein aus, hat aber durchaus genug Platz auch für größere Gruppen. Wir waren jetzt heute zu acht und ich fand die Größe der Gruppe sehr angenehm. Ganz unterschiedliche Teilnehmer haben sich da zusammengefunden, eine freundliche aber sehr stille ältere Dame ganz allein, die bereits mehrere Kochkurse besucht hatte, ein Päärchen aus dem Bergischen und ein Patenonkel mit seinen beiden Nichten, sowie eben Frau C und ich verrückte Nudel.

Im hinteren Teil der Kochschule fand zeitgleich ein Weinseminar statt, was aber wirklich nicht störte oder ablenkte, da alles räumlich getrennt ist. Wir wurden von der schönen Bedienung begrüßt und mit Prosecco (mag ich ja nicht so, bin ja mehr der Champagnertrinker, aber der war wirklich lecker) begrüßt. Dann gab es zum warm werden ein kleines Häppchen, Brot mit Tomatenfrischkäse und ein Tässchen Süßkartoffelsuppe, beides sehr lecker.

IMG_2472

Unser Chefkoch Tim richtete ein paar erklärende Worte an uns, stellte das Menü vor und die Regeln auf. Jeder mußte ins Schürzchen schlüpfen und brav die Pfötchen waschen. Dann ging es auch schon los, Vorspeise und Nachtisch wurden von uns allen zubereitet und wenn ich alle sage, dann meine ich alle. Ich habe ein paar Mal versucht mich hinter meiner Kamera zu verstecken, wurde aber immer wieder charmant aufgefordert, doch mal grad hier Lakritze zu entkringeln oder da den Fisch mit irgendwas zu bestreichen. Jeder wurde eingebunden, keiner stand alleine am Rand und alle hatten großen Spaß. Während dessen wurden wir immer wieder mit Getränken versorgt.

IMG_2474IMG_2475

Menü

  • Gedünstetes Zanderfilet auf Belugalinsen mit Lakritzschnecken
  • Kräuteroulade mit Tomaten-Tonkabohnenragout & Knödel
  • Thymianmousse mit Orangenchutney

Ich habe endlich gelernt, wie man effektiv und ohne Massaker eine Orange filetiert. YEAH! Habe ein neues Wort gelernt: „Mehliert!“ Heißt in Mehl getunkt. 🙂

IMG_2480

Und weiß nun, wie warme, kalte, weiche und harte Lakritzschnecken schmecken.

Das Spiralige auf dem Bild sind übrigens unsere aufgewickelten, erhitzten und gedrehten Lakritzschnecken.

IMG_2487

 

Für mich das absolute Highlight des Menüs war der gebratene Zander, der einfach so superlecker war und das obwohl ich Süßwasserfische sonst eher langweilig finde. Den werde ich in jedem Fall noch einmal nachkochen, wenn meine vegane Phase überwunden ist. Köstlich!

IMG_2499

Auch ich durfte mal kurz vor die Kamera, wie üblich habe ich die umstehenden Personen so fotografiert, daß sie nicht erkennbar sind. Bzw. die Fotos auf denen sie zu sehen sind nicht veröffentlicht. Wir hatten aber auf jeden Fall alle Spaß und am Tisch auch immer wieder ein Gesprächsthema, das durchaus nicht immer nur mit Kochen und Essen zusammenhing. Gut unterhalten hat uns auch unser Koch, der trotz seines jugendlichen Alters, auf jede Frage eine kompetente und nachvollziehbare Antwort parat hatte, der charmant, witzig und nett durch den Abend führte und alles gut erklären und zeigen konnte und selbst wenn ich mich selten dämlich beim Tomatenschneiden anstellte, in Ruhe noch mal erklärte, wie der Strunk denn nun zu entfernen sei.

Herzlichen Dank, das war wirklich toll!

IMG_2495

Beim Anrichten des Linsensalats habe ich, ich gebe zu, ich bin ein bißchen stolz und muß damit jetzt angeben, den perfektesten Belugalinsen Kuhpfladen auf den Teller gezaubert, selbst beim Koch waren mehr Linsen rausgebröselt als bei mir. TSCHAKKA! Ich bin der Linsenheld! Hier ein Bild von meinem Linsentürmchen! IMG_2505

Und hier vom ganzen fertigen Vorspeisenteller. IMG_2510

Beim Kochen des Hauptganges dem Kalbsröllchen mit Minzpesto, waren drei Damen, die hier nicht näher genannt werden sollten, vorallem, da ich auch dazu gehörte, vorallem damit beschäftigt das Minzpesto wegzuschlabbern. Das war mal so geil. Alter Falter, auf die Idee muß man erstmal kommen, Minze als Pesto zu verarbeiten und daß das dann so genial schmeckt. Herrlich! Wirklich!

IMG_2535

Einzig an der Nachspeise habe ich ein wenig zu nörgeln, die war mir nämlich ein wenig zu süß, aber ich bin da wohl auch nachspeisentechnisch etwas kompliziert. Das Orangenchutney war köstlich, aber die weiße Thymianmousse für mich tatsächlich etwas zu intensiv. Allerdings seh ich mich schon im Sommer Joghurt mit dem Zeug verfeinern, das wird mir nämlich schmecken, davon bin ich sehr überzeugt.

IMG_2545

Während des ganzen Nachmittags kam nie Streß auf, gut abgesehen davon, wenn mal wieder eine Ladung Lakritzschnecken fertig aus dem Ofen kam und man schnell wickeln mußte…

Aber sonst war alles sehr entspannt, gelassen und wirklich sehr toll. Witzig auch, daß immer wieder Leute vor der Tür stehen blieben und uns beim Kochen beobachteten. Als dann die Teilnehmer des Weinseminars mehr oder weniger sicher an unserem Tisch vorbei dem Ausgang zustrebten, saßen wir noch sehr gemütlich beisammen und plauderten. Der Sommelier stattete auf dem Weg zum Ausgang unserem Tisch noch einen Besuch ab und wurde natürlich prompt in ein Gespräch verwickelt, das er zu nutzen wußte. Neben dem Sushikurs steht jetzt auch Wein und Käse auf meinem Wunschzettel für die nächsten Monate.

IMG_2547

 

Herzlichen Dank für einen tollen Nachmittag und Danke liebe Frau C., daß ich dich begleiten durfte!