(M)ein Mann namens Ove…

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Jaja, ich weiß, das Hörbuch/Buch von Frederik Backmann heißt „Ein Mann namens Ove„, allerdings kamen mir schon beim Lesen, Ove und viele seiner kleinen Eigenheiten seeeehr bekannt vor. Da Ove aber nun mal eben nicht zwingend ein sehr sympathischer Mensch ist, habe ich es mir strikt verboten, Ove mit dem Mann an meiner Seite zu vergleichen. Nun rede ich aber ab und an auch mit Mr. Jetztkochtsie über das, was ich gerade so lese oder höre und als ich Ove erwähnte, fragte er mit schlitzohrigem Blick, ob ich denn auch fände, dass Ove ihm irgendwie ähnlich wäre. Ich fühlte mich sofort ertappt und guckte ein wenig betreten zu Boden, fragte dann aber, wie er denn darauf käme und bekam erzählt, dass seine Kollegin ihm das Buch geliehen habe, weil sie fände, dass Ove so manche Verhaltensweise an den Tag lege, die sie an ihn erinnere. Nun gut, da mußte ich dann auch einräumen, dass ich diese Vergleiche durchaus auch gezogen habe, allerdings möchte ich betonen, dass es die liebenswerten Charakterzüge von Ove sind, die mein Mr. in sich trägt.

Er selbst liest das Buch nun seit ein paar Tagen und schweigt sich zu diesem Thema aus, geht aber weniger oft in den Werkstattkeller seine Schraubenschlüssel nach Größe sortieren. 😉

Aber worum geht es bei Ove eigentlich, nun recht schnell wird klar, daher ist das wohl auch kein Spoiler, Ove will sterben, Ove ist allein, Ove hat keine Aufgabe mehr und die Zeit hat Ove einfach ein wenig überholt. Er kommt nicht mehr mit, er ist überfordert beim Kauf eines Ipads, von dem Nachbarn im bunten Sportzeug und von der Schnelllebigkeit im Allgemeinen, die Trulla mit dem Hund, der aussieht, wie ein Winterstiefel, nervt ihn schrecklich und das Schlimmste: seine Frau und seine Arebit sind nicht mehr da. Ove ist ein sehr pflichtbewußter und organisierter Mensch (SCHAAAAATZ!! 😉 ) und daher geht er an diesen Plan, den Selbstmord, sehr überlegt ran, dummerweise passiert dann nun mal das Leben und vorallem seine neuen Nachbarn, der Trottel und seine schwangere herzallerliebste iranische Ehefrau, und Oves Plan ist nicht so leicht durchführbar, wie er dachte und plötzlich purzeln da neue Gestalten in Oves Leben und auch alte Begleiter erscheinen wieder in einem neuen Licht. All das ist unheimlich unterhaltsam und trotz des wirklich bewegenden und traurigen Themas, eines alternden und einsamen Mannes, kann man an vielen Stellen wirklich herzlich lachen, man fühlt mit, man bekommt nicht nur die Gegenwart um Ove erzählt, sondern auch seine Vergangenheit, die bewegter war, als man glauben könnte. Backmann macht das sehr geschickt, durch Zeitwechsel und führt den Leser so langsam an die eigentliche Geschichte heran.

Klar, wird hier und da etwas überzeichnet und natürlich ist die ein oder andere Anekdote etwas sehr konstruiert, trotzdem fand ich Oves Geschichte einfach sehr hörenswert. Ich habe das Hörbuch gehört, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass das auch als Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam ist, vorallem Oves Beziehung zur streunenden Katze (SCHAAAAATZ !!!!) fand ich einfach herzerwärmend und seine ganze etwas brummelige, prinzipientreue und sehr sture Art hat mir einfach gut gefallen. Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten, jeder von uns hat sie, jeder von uns ist ein kleiner Ove, die einen tief in sich drin, die anderen auch nach außen.

Ein wenig erinnert das Buch an den 100jährigen, der aus dem Fenster stieg, allerdings wirklich nur aufgrund des Erzählstils, es ist eine gänzlich andere Geschichte, allerdings ebenso lesens- und hörenswert.

Gelesen wird das Hörbuch von Heikko Deutschmann, der wie üblich eine sehr gute und angenehme Leseleistung abliefert und mich mehr als gut unterhalten hat.

Ich war so begeistert, dass ich mir sofort das nächste Buch von Frederik Backmann als Hörbuch runtergeladen habe: „Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid!“ Das hab ich mittlerweile auch beendet, die Rezension folgt noch.

Schwarz und Silber Paolo Giordano

Unbenannt

Schwarz und Silber von Paolo Giordano

Audiobuch Verlag

Sprecher: Heikko Deutschmann

Manchmal habe ich Anwandlungen, die ich selbst nicht ganz verstehe. Im Sommer ist mein Onkel nach langem qualvollen Leiden an dieser schrecklich garstigen Krankheit Krebs verstorben. Er wird vermißt und das sehr. Warum ich nun davon ausging, ich wäre plötzlich der emotionale Superman und könnte mir ganz ohne Tränen dieses Hörbuch anhören, weiß ich nicht. Vielleicht war ich auch einfach gedankenlos. Auf jeden Fall kam es irgendwie dazu, dass ich dieses Hörbuch während meiner Fahrt zu einer Fortbildung hörte. Auf dem Weg nach Neuss war es ungefähr bei Dormagen soweit, hektisch suchte mein Finger den Ausschalter des Autoradios und noch hektischer fuhr ich auf den Rastplatz, weil ich einfach weinen mußte. Dabei bin ich sonst eher nicht so ganz nah am Wasser gebaut, gut bei Filmen heul ich schon mal mit, aber bei Hörbüchern ist mir das noch nicht passiert.

Dabei ist das Buch eigentlich eher nüchtern und sachlich, die Emotionen schimmern eher unscheinbar aus kleinen Nebensätzen und Worten hervor, dabei ist es aber so authentisch, gibt mein eigenes Gefühl des Verlustes und der Trauer so gut wieder, dass ich an so vielen Stellen den Protagonisten trösten wollte und ihm mitteilen: „Ihr seid nicht allein!“ Dabei zeigt dieses Hörbuch auf, wie wichtig manche Menschen für uns sind und wie häufig wir ihren Wert erst dann erkennen, wenn sie uns langsam und grausam verloren gehen. Welche Auswirkungen so ein tiefer Verlust und die damit einhergehende Trauer haben kann. Ich glaube nicht, dass es klug von mir war, in meiner Situation dieses Hörbuch zu hören, es hat mich für einige Tage in einen tiefen Gefühlsstrudel gezogen und hätte mich fast ein bißchen ertrinken lassen. Aus diesem Grund habe ich auch so lange gebraucht, bis ich endlich die richtigen Worte, für diese Rezension gefunden habe. Jetzt im Rückblick, hätte ich mir einfach ein paar mehr Gedanken über meinen eigenen Zustand machen müssen, bis ich mich eher gedankenlos als tapfer an dieses Hörbuch wagte, das all das thematisiert, was mich selbst gerade so intensiv beschäftigte.

Versteht mich nicht falsch, dieser Text ist gut, sogar sehr gut. Intensiv und gleichzeitig distanziert, beobachtend und gleichzeitig emotional, leise und zugleich sehr laut, aber für einen frisch Trauernden, ist dieser Text zu intensiv, er reißt mit, er läßt einen versinken und er weckt Grübeleien.

Das Ende ist sehr weit interpretierbar und gerade das ist für mich unheimlich spannend gewesen und hat mir wieder positive Gefühle vermittelt, für jemanden der jedoch noch intensiver trauert, als ich es getan habe und immer noch tue, könnte das auch wirklich ein Fehler sein.

Ich empfehle dieses Buch daher uneingeschränkt jedem, der sich mit dem Thema Trauer, Verlust und Tod auseinandersetzen möchte und das rate ich auch jedem, denn wenn man dies erst tut, wenn man betroffen ist, dann kann es zu spät sein, um Kraft und positive Energie in dunklen Stunden zu finden. Ich wäre jedoch sehr vorsichtig dieses Buch Trauernden zu empfehlen, sicher kann es Kraft spenden, zu lesen, dass andere ähnlich tiefe Täler durchwandern, ähnliche Ängste haben, ähnliche Konflikte ausfechten.

Mir hat es aber auch geholfen meine Trauer überhaupt zu zulassen, sie mir einzugestehen und mich ihr auch ein wenig hinzugeben. Das ist wichtig und das haben viele von uns verlernt. Paolo Girodano schreib darüber in nüchternem sachlichem Tonfall und berührte mich gerade deshalb an einer sehr empfindlichen Stelle.

Vorallem vermittelt das Buch uns eines, nämlich dass wir in unserer Trauer nicht alleine sind, dass wir unsere Familien nicht vergessen dürfen und diejenigen die noch bei uns sind ebenso der Aufmerksamkeit bedürfen, wie diejenigen, die von uns gegangen sind.

Mir hat es gefallen diesen drei Menschen bei ihrem Kampf um Normalität, Nähe und Zuneigung zu zu sehen und sie zu begleiten, auch wenn es für mich anstregend und schmerzhaft war, hat mir das Buch auch gezeigt, wie wichtig Kommunikation sein kann und wie vieles gesagt werden muß, bis man in Frieden gehen kann.

Gesprochen ist das Buch von Heikko Deutschmann, dessen Stimme ich bei Romanen sehr mag. Er hat diese leicht rauhe Stimme eines reifen Mannes, der ich einfach gerne zu höre. Ein wenig zerknittert und zerstreut wirkt er, wenn er von Nora und ihrer Familie und Signora A. berichtet und dennoch passt diese Stimme ganz fantastisch zu Noras Mann, der sich so viele Gedanken über seine Familie macht.

Auch wenn ich an vielen Stellen wirklich bitterlich geweint habe, sei es bei der Situation, in der man sich an einen Strohhalm der Homöopathie klammerte oder in der Situation in der der Kleine Bilder für die Sterbende malt, so hat mir dieses Hörbuch unheimlich viel gegeben. Es hat mich beruhigt, unterhalten und gleichzeitig aufgewühlt.

Es ist ein wirklich sehr guter Text passend und gut gelesen.