Der Schwimmer – Joakim Zander (Hörbuch)

der schwimmer

Joakim Zander

Der Schwimmer / Audiobuch Verlag

Joakim Zanders Buch konnte mich über Stunden hinweg fesseln und in die Geschichte saugen. Die Figuren handelten für mich verständlich, nachvollziehbar und ich verspürte sehr rasch zu Klara eine überraschende Sympathie. Trotz der sehr sachlichen und geradlinigen Sprache werden die Figuren sehr emotional und gut gezeichnet. Mir hat das durchaus gefallen.
Der Sprecher verleiht dem Hörbuch dazu eine besondere Ernsthaftigkeit und ich mag es einfach, wie er die Buchstaben rollt und die Namen sehr nordisch ausspricht. Das war eine sehr gute Leseleistung, die überzeugen konnte. Auch seine Kollegin, die die Ereignisse um Klara erzählt, konnte mich überzeugen.
Sehr gut gefällt mir auch die Geschichte, die anreißt, zum nachdenken anregt, aber dennoch nicht zu viel erzählt, vieles im Dunkeln läßt und den Leser seine eigenen Fantasien entwickeln läßt.
Hier gibt es kein Gut und kein Böse, sondern jeder ist irgendwie irgendwas dazwischen. Diese Zeichnung der Grauzonen fand ich sehr interessant und spannend. Für Leser, die auf der Suche nach klassischer Krimi- oder Thrillerunterhaltung sind, könnte dies jedoch eher nicht passend sein. Ein klassischer Thriller bzw. Krimi ist dies hier nämlich definitiv nicht. Das Buch geht weiter, tiefer und ist nachdenklicher, als ein Spannungsroman es je sein könnte.

Dazu fehlen hier wohltuend die Klischees, die sonst in diesem Genre bedient werden. Weder muslimische Student, noch der amerikanische Spion sind aus den passenden Schubladen genommen und ins Buch geschubst worden, sondern stellen ganz eigene Figuren da, die mir als Leserin deutlich mehr behagten, als es die üblichen Stereotypen täten.

Weshalb ich dennoch nicht vollkommen glücklich war, war die hier etwas unglückliche Kürzung des Buches. Nach der Szene mit Klara und ihrer Freundin auf der Insel (ich hoffe ich verrate hier nicht zu viel) fehlte für mich deutlich spürbar eine Überleitung, ein Teil der Geschichte. Generell mag ich es ja nicht so sehr gerne, wenn Hörbücher gekürzt werden, wenn es dann noch so offensichtlich passiert, stört es mich immer ein wenig.
Die Aufnahme Qualität ist ordentlich und das Case der CDs praktisch zu bedienen. Die Bezifferung der Cds ist auch im dunklen Auto gut zu erkennen.

Almuth und die Chicklit….

Ich war etwas zögerlich an Almuths Geschichte herangegangen, vermutete ich doch hinter dem ganz hübschen Buchumschlag Chick-Lit von relativ niedrigem Niveau mit wenig Anspruch und ein wenig Langeweile. Platte Charaktere und flache Story. Was wurde ich von Almuth und ihrer Mädelsgang überrascht. Hier ist nämlich gar nichts flach oder platt, im Gegenteil, bei Almuth geht es recht hügelig zu. Tiefsinnige Gedanken zwischen Herd und Alpen, nette Vergleiche zwischen Lebensituationen und Kochrezepten. So ist beispielsweise eine Ehe, wie zwei ungleiche Eier, die man im gleichen Topf gleich lang, gleich hart zu kochen versucht. Hier und da zuckt man erstaunt zusammen, weil Almuth in ihren recht respektlosen Überlegungen häufig Dinge ausspricht oder für den Leser denkt, die sich dieser nicht so traut.
Dabei ist sie dennoch immer die herzensgute Mutti, wie es von ihr erwartet wird, bis ES passiert. Was ES ist, lasse ich mal offen, nur daß es wie ein perfekter Käsekuchen ist, einer ohne Rosinen und mit leckerem Boden und Vanille.
Ich habe bei diesem Buch viel gelächelt und geschmunzelt und mich gefreut und auf der letzten Seite, da habe ich ein bißchen geweint.
Chick-Lit ist das hier ganz bestimmt nicht, daß ist treffend und schön und traurig und gut und böse und alles auf einmal.
Kurz, mir hat Almuth gefallen, sehr sogar.

Ein kleines literarisches Tiefseeperlchen…

Jenseits der Untiefen von Favel Parrett

Kurzbeschreibung

  • Gebundene Ausgabe: 219 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (16. August 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455404340
16. August 2013
„Draußen, jenseits der Untiefen, jenseits der sandbödigen Buchten, kommt das dunkle Wasser – schwarz, kalt und tosend…“
Die Brüder Joe, Miles und Harry wachsen an der tasmanischen Küste auf. Ihr Leben ist geprägt vom Meer: vom Muscheltauchen, von den Gezeiten, vom unendlichen Glücksgefühl beim Ritt durch die Wellen. Nur der kleine Harry fürchtet die See und sammelt lieber Meeresschätze am Strand. Fürchten müssen die Jungen auch den Vater, der – ähnlich dem Meer – wild und unberechenbar ist. Keiner durchschaut den verbitterten Mann, den ein dunkles Geheimnis umgibt. Miles sorgt liebevoll für seinen jüngeren Bruder und versucht ihm Geborgenheit zu geben. Aber am Ende reichen brüderliche Fürsorge und Strandschätze nicht aus…
Eine unvergessliche Geschichte über das Meer, Geschwisterliebe und die Zerbrechlichkeit junger Menschen.

Dieses zauberhafte Buch ist einfach nur ein Hammer.
Wirklich, ich hatte zwar schon einiges Positives gehört, bevor ich mit dem Lesen begonnen habe, konnte mir aber nicht erklären, wie diese Geschichte, denn so toll sein könnte, wie sie mir geschildert wurde.
Aber sie war es. Ich war von der ersten bis zur lezten Seite komplett gefangen in diesem Familiendrama, diesen Emotionen, die dem Leser so nahe gehen.
Dabei wird fragementartig immer nur ein Teil der Geschichte erzählt, der Leser muß eigenständig denken, zusammensetzen, überlegen und darf seine eigenen Schlüsse ziehen, was hier nun passiert ist oder nicht passiert ist.
Dabei wird der kleine Harry als absoluter Sympathieträger herausgestellt, man freut sich mit ihm über seine Überraschungstüten, man tollt mit ihm und dem Welpen Jake durch die Wiesen und dann erträgt man sehr viel Schreckliches mit ihm, während das Umfeld zwar sieht, was hier passiert, aber zu hilflos oder gehemmt ist, etwas zu ändern.

Ein unheimlich bewegendes und berührendes Buch, das noch dazu an einem so wundervollen Ort spielt und so viele Dinge in sich vereint, die mich faszinieren.

Ich bin wirklich wirklich begeistert, von der Intensität mit der die Autorin hier berichtet, trotz der verhältnismäßig geringen Seitenanzahl, taucht man hier im wahrsten Sinne des Wortes in eine so dichte und intensive Geschichte hinein, daß es mich schier mitgerissen hat.

Wunderbar! Mehr davon!