The Diviners – Libba Bray

Unbenannt

Erstmal muß ich sagen, daß mir die Aufmachung des Buches unheimlich gut gefällt. Der Umschlag ist schön gestaltet, der Einband wunder hübsch und es liegt gut in der Hand und vermittelt dabei ein wenig vom Glitzer und Glamour der 20er Jahre.

Diese Stimmung findet sich auch im Text wieder, der Leser kann sich sehr gut in das Leben im NY der 20er hineinversetzen. Die Szenen sind gut gewählt und man gleitet durch die Geschichte. Das ist fein, weniger gut gefällt, daß das der Sprachstil einfach nicht in die 20er paßt und zum anderen auch so Teile der Handlung ziemlich konstruiert zusammen geschustert wurden, sei es, das wohl kaum jemand ein Mädchen vom Land, weil es sich dort gesellschaftlich daneben benommen hat, zur Strafe zum alleinstehenden Onkel nach NY schickt, weder heute, noch damals würde man das wohl tun. Oder sei es, daß dieser Onkel dieses verzogene Gör dann auch noch mit zu Tatorten nimmt, wo es sich ganz ungeniert in die Mordermittlungen mischt. An diesen Stellen wird sehr deutlich, daß das Buch eben als Jugendbuch gedacht ist, 15jährige stören sich daran vermutlich weniger.
Ich fand es wenig gelungen, trotzdem war ich gefesselt von der vermittelten Stimmung, den Ideen der Autorin und las gespannt weiter und war ziemlich angetan von dieser recht außergewöhnlichen Idee und Geschichte. Leider verstrickt sich die Autorin dann irgendwie in ihren tausend Ideen. Es glingt ihr nicht die Geschichte zu fokussieren, sich aufs Wesentliche zu beschränken und so sucht man als Leser teilweise vergeblich den roten Faden und ärgert sich immer massiver über die Dummheit von Evie und ihre seltsamen Verhaltensweisen.
Das ganze Buch mit seinen außergewöhnlichen Figuren, Geschichten und Ideen hätte grandios sein können, so wird es allerdings tatsächlich irgendwann langweilig, überladen und gefiel mir immer weniger. Teilweise mußte ich mich zwingen, nicht ganze Absätze nur zu überfliegen, wenn wieder mal aus irgendeinem Buch finstere Verse zitiert wurden.

Leider kommt es dann am Ende, wie es kommen muß bei einem Jugendbuch-Serienauftakt, es geht natürlich nicht ohne Cliffhanger. Anstatt am Ende der Geschichte aufzuhören und dann eben im nächsten Band die Fortsetzung zu beginnen, wird hier noch ein wenig weiter erzählt und dann mitten in der Handlung und den Geschehnissen innegehalten und das Buch beendet.
Das ist ärgerlich, obwohl mich das Buch nicht begeistert hat, will ich jetzt wissen, wie es mit Evie, Sam und Memphis weitergeht und muß mich gedulden, bis der nächste Band erscheint, ob ich den aber nun aus Bockigkeit wegen des Cliffhangers nicht doch eher boykottieren will, weiß ich noch nicht genau.
The Diviners übte auf jeden Fall eine gewisse Faszination auf mich aus, hat mich zeitweise gut unterhalten, aber eben streckenweise auch sehr gelangweilt und verwirrt. Ich bin in meiner Bewertung daher zwiegespalten, einerseits gefällt mir diese Idee um diese besondere Gruppe Menschen, die auf ganz zufällige Weise zusammen findet, andererseits hat das Buch erhebliche logische Lücken.
Auch könnte ich mir vorstellen, daß jugendliche Leser mit manchen Begrifflichkeiten und genannten bekannten Persönlichkeiten so ihre Probleme oder Verständnisschwierigkeiten haben könnten….

Wer ist Isa Grimm?

Isa Grimm – Klammroth

Vorab, natürlich handelt es sich hier um ein Pseudonym, aber wer steckt dahinter?
Das ist selbst mit intensiver Recherche nicht so leicht herauszubekommen und ich muß gestehen, daß ich das nicht mag. Wenn ein Autor ein Pseudonym wählt, weil er einen brisanten Text veröffentlicht, um sich und seine Persönlichkeit zu schützen, dann verstehe ich das.
Wenn ein Autor ein Pseudonym wählt, um seine Leser in die Irre zu führen, weil dieses neue Buch sich von den anderen unterscheiden soll oder weil er einen Genrewechsel vornimmt, dann finde ich das albern, lächerlich und in der Regel interessieren mich diese Bücher nicht. Ich möchte nicht aus Marketinggründen von einem Verlag oder Autoren hinters Licht geführt werden.
Das war auch der Grund, warum ich Klammroth eigentlich nicht lesen wollte. Ich ignoriere diese Bücher einfach, wenn es mir denn auffällt und hier kann man nun wirklich nicht darüber hinweg lesen.

Nun ist dieses Buch aber doch hier gelandet und ich habe dann auch mal einen flüchtigen Blick hinein geworfen und zack, da hatte es mich. Klammroth ist bedrückend, spannend und dabei keineswegs platt oder zu sehr auf Effekte ausgerichtet. Hier wird sehr fein mit der Sprache und Erzählweise gespielt, nur kleine Nuancen lassen den aufmerksamen Leser bereits recht früh ahnen, was mit Anais Tochter Lily nicht stimmt und wem man trauen kann und wem eher nicht. Das Versteckspiel in diesem Ort mit dieser sehr düsteren Vergangenheit ist spannend und gut konstruiert. Hier läßt sich nicht alles mit Logik erklären, manches ist übersinnlich, aber für mich Realisten noch hinnehmbar. Manche Szene ist so bedrückend und beängstigend beschrieben, dass es mich in meinem dunklen Lesezimmerchen in der Dämmerung wirklich gruselte. Das hat gefallen, das macht Gänsehaut, das ist einfach noch mal ein wirklich schöner Schauerroman. Gut, mußten es wirklich so viele tote Kinder sein und ist das Verhalten von manchen wirklich so nachvollziehbar, sicher nicht immer, aber für den Roman paßte es.
Was nicht paßte, ist das Ende, das gefiel mir nicht, das war mir zu viel Gespenstergeschichte und zu wenig dicht an der Realität, aber das ist Ansichtssache, leben konnte ich mit diesem Ende schon irgendwie, aber schöner hätte ich etwas anderes gefunden.
Fakt ist, daß mir der Stil und die Art der Geschichte gefallen hat und ich nun natürlich gerne weiteres von „Isa Grimm“ lesen würde, diese Möglichkeit besteht aber nun leider nicht, da ihr / sein Pseudonym mich von weiteren Büchern, die es vermutlich unter anderem Namen gibt, abhält. Schade… und Fail würde ich sagen.

Schlafgänger oder ein Buch, das gänzlich anders ist.

Puuuh, ich bin ja eigentlich Schnellleser, 100 Seiten pro Stunde, kein Problem. Dieses kleine 140 Seiten Werk habe ich dennoch seit Tagen in Bearbeitung, was keineswegs heißt, daß es nicht gut wäre, es ist nur einfach so anspruchsvoll, daß ich immer wieder den Faden verliere und zu meiner gewohnten Lesestunde abends vor dem Einschlafen im Bett fast schon nicht mehr aufnahmefähig genug bin, um dem literarisch verarbeiteten Gespräch zu folgen. In der Kurzbeschreibung steht: „Und sie findet dafür eine Sprache, wie sie zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur noch nicht zu hören war.“ und das trifft es sehr genau. Dieser Roman ist nämlich eigentlich irgendwie keiner, es sind Fragmente, Überlegungen, Gesprächsfetzen, zusammengewürfelt, gemixt und nicht immer auf Anhieb verständlich, zumindest für mich nicht. Dabei ist die Sprache eigentlich gar nicht so schwer, es ist lediglich ein Problem, den Faden nicht zu verlieren oder ihn überhaupt zu erkennen. Allerdings habe ich das eben beim Lesen als Herausforderung empfunden und den ungewohnten Umgang mit Sprache durchaus genossen. Mir ist am Ende des Buches nicht wirklich klar, was die Autorin mir sagen wollte, dafür bietet der Text zu viel Freiheit für Interpretation, zu viel Platz, um ihn mit eigenen Gedanken zu füllen. Fakt ist jedoch, das Buch hat mich angesprochen, die Autorin hat es geschafft meinen Blickwinkel auf bestimmte Gegebenheiten zu erhöhen. Allerdings hatte ich zwei kleine Problemchen mit dem Buch, erstens mag ich es überhaupt nicht, wenn mitten im Fließtext die Schrifttype wechselt, was hier zwar immer eine durchaus ersichtliche Bedeutung hatte, was mich aber einfach jedes Mal aus dem Lesekonzept bringt.
Zweitens waren in den Text immer wieder englische und französische Fragmente eingestreut, mein Englisch war dafür durchaus ausreichend, meine Mutter, die das Buch nach mir gelesen hat, hatte mit den Sätzen ihre Probleme. Das Französisch hat mich, die ich gerade mal Urlaubsfranzösisch spreche und ein Glas Wein und Käse bestellen kann, absolut überfordert. In den Googleübersetzer eingegeben, erhielt ich auch kein verständliches Ergebnis und die Übersetzung meiner Mutter, die immerhin zweisprachig in Belgien aufgewachsen ist, stellte mich auch nicht wirklich zufrieden. Hier würde ich mir wünschen, daß es eine Fußnote oder Übersetzung gegeben hätte, die mir beim Verständnis geholfen hätte, wenn es auch zum Text paßte, diese Verständigungsprobleme zwischen Autor und Leser einzubauen und irgendwie auch das reizvoll war, fand ich es doch hauptsächlich störend.

Dieses Buch ist also kein wirklicher Roman, eher ein kleines literarisches Werk, das sicherlich niemandem Freude bereitet, der eine leicht verständliche unterhaltende Geschichte lesen möchte, wer aber durchaus experimentiell liest, sich auf Texte, die nicht der Norm entsprechen auch mal einlassen kann und wer gerne Lücken mit seinen eigenen Überlegungen füllt, für den ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Ideen, Gedanken und Überlegungen.
Ich habe die Lektüre genossen.