Chicken &Rice 

Ich liebe ja die Kochbücher aus dem Dumont Verlag. Vorallem die von Nigel Slater haben es mir ja angetan, wie ihr hier , hier, hier und hier nachlesen könnt.

Diesmal gab es was Asiatisches und das obwohl ich sonst wirklich nicht so für asiatisches Essen zu haben bin. Mich haben die sonntäglichen Besuche mit Mama und Papa beim Dorf-Chinesen wirklich nachhaltig geschädigt und für mich schmeckte Asiatisch lange Zeit einfach immer nur scharf und nach Sojasoße. Erst langsam schleichen sich asiatische Einflüsse auch wieder in meine Küche und ich schaue mich vorsichtig nach asiatischen Kochbüchern um.

Dieses hier von Shu Han Lee fand ich zum einen sehr hübsch aufgemacht, zum anderen entspricht es wirklich genau meinem Geschmack. Ihren Blog „Mummy I can cook“ verfolge ich schon lange und schätze ihre lockere und freundliche Art und die wunderschönen Illustrationen, die sie selbst anfertigt, sehr. Die Gerichte sind zwar würzig, aber nicht so scharf, dass mir der Mund verbrennt, sie sind asiatisch und exotisch, aber dennoch auch für den europäischen Gaumen nicht zu abgefahren.

Auch ihr Instagramprofil ist wirklich sehenswert: Klick!

Dazu muß Essen machen bei mir ja immer flott flott gehen und dafür sind die Gerichte wirklich gut geeignet.

Die Zutaten bekommt man ausgesprochen gut, ich habe alles im Supermarkt (EDEKA) bekommen und mußte weder zum Asialaden noch ins Feinkostgeschäft. Das mag ich sehr.

Außerdem schätze ich es, wenn ein Kochbuch nicht nur Rezepte präsentiert, sondern dazu eine Geschichte erzählt. Hier geht es neben den Gerichten, um Heimweh und den Versuch die Gerichte der Kindheit nachzukochen, was gar nicht so leicht ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß und außerdem gibt es hier zu vielen Gerichten eine kleine persönliche Anekdote dazu oder eine Variation, wie es die Nachbarin abgeändert hat, oder dass ein Gericht erst aufgewärmt seinen vollen Reiz entfaltet. Das macht das ganze Buch so schön persönlich und man hat das Gefühl bei Shu Han Lee in der Küche zu sitzen und mit ihr gemeinsam zu kochen.

Wunderschön und sehr interessant fand ich auch die „Landkart der südostasiatischen Küche“. Von indien, Burma, Thailand, über China, Vietnam, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Indonesien bis zu den Philippinen. Das war sehr lehrreich und spannend.

Ich habe mittlerweile drei Gerichte aus dem Buch nachgekocht, war bei zwei Gerichten ( Das waren die geschmorten Fischsteaks mit Zwiebeln und süßer Sojasoße. (Sehr sehr sehr lecker!) und das Honigmelonen-Sago mit Kokosmilch und Minze (erfrischend, süß und fein!!)) aber so mit Kochen und nachher Essen beschäftigt, dass es davon keine Bilder gibt und für das Rezept müßt ihr euch auch das Buch kaufen, was sich aber wirklich absolut lohnt. Ich bin so begeistert.

 

Das Buch ist in 3 Teile unterteilt, im ersten findet sich eine kurze Einleitung und ein paar generelle Worte zum Essen in Südostasien. Im zweiten Teil findet ihr Rezepte aufgeteilt in die Kapitel Reis, Nudeln, Suppen, Fisch & Meeresfrüchte, Fleisch, Eier & Tofu, Gemüse, Snacks, Süsses. Im dritten und für mich sehr lehrreichen und hilfreichen Teil geht es um den Vorratsschrank, Menüvorschläge, ein Glossar zu den Zutaten und Utensilien, außerdem ein kurzer Texte dazu, wo Shu Han Lee einkauft (sie wohnt in London) und worauf sie dabei achtet. Ein Register und ein paar sehr liebenswerte Dankesworte.

Eines der Gerichte habe ich aber ausführlich fotografisch dokumentiert und ich darf euch auch das Rezept präsentieren, das war der gefüllte Tintenfisch vom Grill.

Zutatenliste:

4 mittelgroße Kalmare (geputzt) – Ich habe gefrorene Tintenfischtuben genommen, die habe ich immer vorrätig und man spart sich die Arbeit die Beinchen zu entfernen.

Kokosmilch zum Bestreichen

1 Prise Meersalz

Für die Füllung:

1 EL Erdnussöl, 2 Schalotten, 2-3 Vogelaugenchilis (die habe ich weggelassen, da ich ja Chilis nicht so gut vertrage), 4 Knoblauchzehen, 6 Kaffirlimettenblätter (gibt es getrocknet bei den Gewürzen im Supermarkt), 250 g Hackfleisch vom Schwein, 1 EL Sojasoße, 2 EL Fischsoße, 1 TL Sesamöl, 2 TL Rohrzucker, 1 Handvoll frischer Koriander, 2 TL Limettensaft, abgeriebene Schale von einer Limette.

  1. Erdnussöl erhitzen und Schalotten, Chilis und Koblauch stark anbraten. In Streifen geschnittene Limettenblätter, Hackfleisch, Sojasoße, Fischsoße, Sesamöl und Zucker dazu geben und anbraten, bis alles gar ist.
  2. Koriander mit den Stielen fein hacken und mit Limettensaft und -schale dazu geben.
  3. Wenn man ganze Kalmare genommen hat, die Fangarme vom Körper trennen (nicht wegwerfen, daraus kann man auch leckere Sachen machen.) Die Fleischmischung in die Tintenfischtuben füllen und bei Bedarf mit Zahnstochern zustecken. Bei mir war das nicht nötig, ich hab kleine Tintenfischtuben genommen, die ziehen sich beim Braten vorne ohnehin leicht zu, da fiel die Füllung also nicht raus. Außerdem hatte ich etwas zu viel Füllung, die habe ich dann einfach nachher über die Tuben gestreut, so dass man diese ebenfalls noch futtern konnte.
  4. Vor dem Garen die Tintenfische mit Kokosmilch bestreichen und leicht salzen. (vorsicht durch die Soja- und Fischsoße ist das Ganze schon sehr salzig, unbedingt vorher probieren!!)
  5. Dann in einer Grillpfanne die gefüllten Tintenfische garen. Gelegentlich wenden und erneut mit Kokosmilch bestreichen. Die Tintenfische sollten leicht gegart werden und leicht angebräunt sein. Die gefüllten Tintenfische benötigen dafür nur etwa 4-5 Minuten.

Da der Mann an meiner Seite ja so ein Kartoffelfan ist, habe ich die Tintenfischtuben dann aus der Pfanne genommen und in der Pfanne kurz ein paar Kartoffeln angeröstet, zusammen mit dem Rest der Füllung.

Wir sind von der Menge gut satt geworden und es hat wirklich lecker und außergewöhnlich geschmeckt. Danke dafür.

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An jedem verdammten Sonntag 19.02.2017

Strickstrickhurra

Ich habe brav am Zwillingsdeckchen weiter gestrickt und wir nähern uns der Zielgeraden….

Garnkäufe / Stoffkäufe

Jaja, ich wollte sparen, hat nicht so richtig gut geklappt. Zum einen ist meine Bestellung von Lanade angekommen. Wunderschöne weiche Malabrigo Mecha in tollen Farben für Mützen. Und zum anderen ist ein Paket von Staghorn mit Jersey eingetrudelt.

Genäht

Ich habe nichts genäht tüftele aber gerade an einer geteilten La Silla… mal sehen, ob das so wird, wie ich mir das vorstelle.

Entdeckt

Entdeckt hab ich die Airbrush-App und damit hatte ich viel Freude, das Ding bearbeitet nämlich Fotos nachträglich und neben Hautglättun, Zahnweißen und Augenaufhellen verpaßt sie auch ein Make-Up und zwar ein ziemlich Gutes. Ich hab mir damit sehr gut gefallen und weil sie das Make-Up jedem auf dem Foto verpaßt, war der Mr. an meiner Seite direkt auch mal geschminkt. Danach hab ich dann wirklich alles und jeden in meinen Fotodateien geschminkt und war mit dem Schwachsinn stundenlang beschäftigt, aber es war herrlich lustig. Große Empfehlung!

Außerdem war ich eine neue Brille kaufen. Das ist zwar keine Neuentdeckung, aber ich bin bei Optik Weickert in Godesberg immer so zufrieden, dass man das ruhig mal erwähnen kann. Sehr nett, sehr freundlich, immer genau das, was ich haben wollte. Dankeschön!

Naja

Ich komm im Moment irgendwie zu nix. Ich müßte mal Ablage machen, mal wieder mit dem Sport anfangen und irgendwie könnte ich auch mal die Fenster putzen…. seufz. Der Tag braucht mehr Stunden!

Sportlich

Ein Wort: Unsportlich!

Geguckt

Ich bin im Endspurt von „Twin Peaks“ und es ist wirklich immer noch grandios. Abgedreht, aber grandios und wenn ich die letzten 4 Folgen geguckt habe, dann kann ich mit dem zweiten Teil der 4. Staffel Vikings weiter machen, die ist nämlich jetzt grad bei Amazon zu haben…. Ragnar!

Gehört

Eine Folge „Einfach Gote“ diesmal ging es um Gröstl. Sehr lecker!

Außerdem hab ich der Distelfliege von der urbanen Spinnstube gelauscht und den Podcast „Staatsbürgerkunde“ habe ich neu begonnen. Der ließ sich ganz gut an und ist wirklich interessant. Es geht um die DDR und zwar aus dem Munde von Menschen, die wisse wovon sie sprechen, interessant, witzig, spannend, erschreckend, traurig… alles zusammen. Hat mir wirklich gut gefallen, sehr informativ.

Die Folge „Stay forever“ zur Xbox hab ich gehört, fand ich aber eher etwas lame. Könnte auch daran gelegen haben, dass ich halt einfach kein Konsolenspieler bin.

Und das Interview von Mensch Theile mit Peter Zehentner (Leiter des Kriseninterventionsteams München) hab ich gehört, das ist schon etwas älter und wurde unmittelbar nach dem Amoklauf in München aufgenommen. Fand ich sehr interessant. Ich hab ja beruflich mit solchen Dingen ebenfalls zu tun und die Sicht von einer anderen Seite mal anzuhören, war sehr gut und hat mir viel gebracht.

Gelesen

Ich habe die Eierlikörtage weitergelesen und begleite Hendrik und seine Kumpane gerade ins Casino und bin immer noch begeistert.

Außerdem habe ich mit dem „Kleiderschrank-Projekt“ von Anuschka Rees begonnen.

Gegessen

Ich war im Brauhaus ohne Namen und habe Muscheln und Blaubeerpfannkuchen gegessen. Außerdem war ich beim Stammtisch hier im Dorf und hatte ein leckeres Steak in der Gaststätte Küpper.

Unternommen

So richtig was unternommen habe ich nicht, nur Familie und Freunde besucht, das ist aber eben auch wichtig und richtig und war fantastisch.

Gezockt

Ich habe Baldurs Gate 1 gespielt und ich muß zugeben, dass das verdammt schwer ist, aber mich noch genauso fesselt, wie damals. Lohnt sich auf jeden Fall.

Goodkarma

Zum einen ist heute der letzte Tag, an dem ihr bei Mairlynd für Ärzte ohne Grenzen spenden könnt: Klick!

Das Spendenziel von 10.000 Euro ist tatsächlich erreicht worden und ich bin hin und weg, was wir Stricker erreichen und mobilisieren können. Danke!

Zum anderen hat Frau Feierabend mich auf etwas grandios Gutes aufmerksam gemacht. Stoffreste kann man wegwerfen oder eben sammeln, bis der Schrank platzt, oder aber etwas Gutes damit tun. Ihn zum Beispiel spenden für Näherinnen, die für Sternenkinder nähen und tatsächlich sogar aus 15×15 cm großen Stoffresten noch etwas tolles zaubern können. Hier geht es zum Projekt: Klick!

Und zum Dritten, während ihr hier gerade lest, gehe ich zum ersten Mal „arbeiten“, unsere katholische öffentliche Bücherei suchte Hilfe und Unterstützung und ich hab mich einfach mal freiwillig gemeldet und werde nun, sofern meine Zeit es zuläßt, immer mal wieder ehrenamtlich in der Bücherei aushelfen. Sonntags ist das eine Stunde, die die Bücherei auf hat und ich finde, die Zeit kann ich auch einfach ein oder zweimal im Monat investieren. Ich bin gespannt, wie es wird und werde natürlich berichten. 🙂

DuMont Bildatlas Provence

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Mir gefällt die Reihe der DuMont Bildatlanten wirklich ausgesprochen gut. Die Hefte haben fast schon die Qualität von Büchern, sind stabil und wirklich schön aufgemacht.
Nachdem sie mir nun einige Wochen den Wohnzimmertisch verschönert haben, hatte ich heute endlich Zeit mich intensiv mit den Heften zu befassen. Ich habe es mir also mit einer schönen Lavendellimonade auf dem Sofa bequem gemacht und in den Atlanten geblättert.

Der Band, der sich mit der Provence befaßt, hat mir besonders gut gefallen, was zu einem großen Teil auch daran liegen könnte, dass mir die Provence halt einfach gut gefällt. Mein Traum ist ein Alterssitz dort ein kleines Cottage mitten in Lavendelfeldern, kann es etwas Schöneres geben? Nein. Kann es nicht. Da ich von meinem Alterssitz aber noch ungefähr 30 Jahre entfernt bin, muß ich mich erstmal mit Bildatlanten trösten.
Dieser hier ist zunächst mit einem sehr übersichtigen Inhaltsverzeichnis ausgestattet und dann mit einer großen Übersichtskarte, auf der vermerkt wurde, wo im Heft welcher Bereich besprochen wird.

Dann geht es mit den Topzielen los.
Mont Ventoux, die Ockerbrüche, Avignon, Marseille und Aix en Provence, sowie noch einige mehr.

Die Dazu gehörigen Bilder sind wunder wunderschön, die kurzen Texte dazu passen sehr gut und wecken die Reiselust. Besonders schön, fand ich hier die Vorstellung verschiedener Aussichtspunkte, die einen guten Blick auf das Land geben. Sowas würde ich mir in jedem Reiseführer wünschen.
Sehr informativ fand ich auch den Bericht über die Trüffelsuche, dieser ist wirklich gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben.
Essen und Genuß nehmen bei den Infos & Empfehlungen einen großen Raum ein und die hier genannten Empfehlunen haben mir als Freundin der Provence sehr gut gefallen. Hier hab ich Altbekanntes, aber auch neue Dinge gefunden.
Gefreut habe ich mich auch Herrn Loubet im Heft zu entdecken, einer der wenigen 2-Sterne-Köche, die nicht ständig ihr Gesicht in jede Kamera halten und dabei doch viel zu erzählen haben.

Generell haben die Texte eher keinen Reiseführercharakter, sondern sind sehr unterhaltsam und gefallen mir wirklich gut. Ein wenig Reiseführercharakter hat dann die Empfehlung der 10 schönsten Unterkünfte, die teilweise überraschend erschwinglich sind. Gut gefallen hat mir auch das Kästchen mit „DuMont aktiv“, in dem immer wieder sportliche Aktivitäten empfohlen werden.

Natürlich findet man auch einen Text über meinen geliebten Pastis, der mich sofort dazu veranlaßt hat, die Lavendellimonade gegen ein Gläschen Pastis zu tauschen.

Wer gerne auf Märkte geht, findet hier ebenfalls Empfehlungen.
Am Ende des Atlanten findet man außerdem die typischen Service-informationen, die man für eine Reise benötigt.

Der Bildatlas ersetzt keinen Reiseführer, versetzt einen aber in Reisestimmung und macht beim Lesen einfach nur sehr viel Freude.

(Die Atlanten wurden mir als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.)

Die Interessanten von Meg Wolitzer

 

Unbenannt

Ich habe im Juni am Lesekreis der ARD bei Facebook teilgenommen, eine wirklich nette Zusammenkunft von Lesern und Leserinnen, angefürt von Karla Paul, die jeden Monat ein Buch aus einer kleinen Auswahl herauspickt und dann gemeinsam liest.

Nun im Juni wurde das Buch „Die Interessanten“ von Meg Wolitzer ausgesucht und ich wollte Wolitzer ohnehin mal austesten und habe daher mitgelesen. Ein wenig Schade fand ich, dass eine wirklich kritische Diskussion in der Runde nicht so richtig möglich war, weil zumindest bei mir sofort die Fans des Buches recht dominant auftraten und kritische Stimmen (in dem Fall mich) mit dem Argument „Du hast das Buch offenbar nicht verstanden“ in ihre Schranken gewiesen haben, für mich gehört zu einem Lesekreis aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Lesestoff und das heißt ja auch nicht, dass das Buch einem nicht gefallen hätte. Hier würde ich mir bei den Teilnehmern ein wenig mehr Bereitschaft zur Diskussion wünschen und vorallem einen Dialog und nicht nur das Posten des eigenen Eindrucks, denn darum liest man doch gemeinsam, oder nicht?

Ich habe letztlich dann nur noch quer gelesen, was die anderen so geschrieben haben, einige waren, wie ich, sehr zwiespältig, das Buch scheint seine Fans zu haben, ich gehöre definitiv nicht dazu, fand es zwar unterhaltend und gut zu lesen, aber begeistert hat es mich nicht. Leider, denn meine Erwartungen waren recht groß, eben weil mir viele meiner Lesekumpels gesagt haben, dass das genau meine Kragenweite wäre.

Mein größtes Problem mit dem Buch war wohl, dass sich Wolitzer nicht kurz fassen kann, sie macht Nebenschauplätze auf, die die Geschichte nicht nach vorne bringen und sowas stört und behindert mich beim Lesen, vorallem dann, wenn mich die Nebenfigur, deren Geschichte hier dann kurz beleuchtet wird, nur mäßig interessiert. In irgendeiner Rezension zum Buch hatte ich den Spaßtitel „Die Uninteressanten“ gelesen und das auch für mich so übernommen. Denn die Wenigsten, der Teenager und ihrer Entwicklung konnten mich wirklich packen und interessieren. Ja, Wolitzer kann erzählen und spinnt den Leser in ihre Erzählung ein, aber für mich hätte sie das auch auch 200 Seiten weniger tun können und dann hätte mich das Buch auch sicherlich mehr begeistert, so zog es sich leider streckenweise enorm und ich mußte mich wirklich streng davon abhalten, nicht doch ein paar Seiten zu überblättern, wenn es mal wieder um das Seelenleben und die Gefühlswelt eines für mich nur mäßig spanenden Charakters ging.

Was die Lektüre für mich gerettet hat, waren die Fragen, die die Autorin bei ihren Lesern aufwirft, zum einen wie wird man durch sein Umfeld beeinflußt und was formt einen zu dem Menschen, der man letztlich als Erwachsener ist. Welche Erwartungen werden an einen gestellt und wie erfüllt man diese oder wie wirkt sich dies auf den eigenen Werdegang aus?

Spannend fand ich auch die Überlegung, wie enttäuschend es sowohl für Kinder als auch Eltern sein kann, wenn man die in einen gesetzten Erwartungen nicht oder nur mäßig erfolgreich erfüllt. Aber auch Moral und Loyalität innerhalb von Familie und Freundschaft werden hier sehr kritisch und auf spannende Art beleuchtet, was gehört zu einer lebenslangen Freundschaft dazu? Wie zerstört und wie rettet man sie, darf es in einer solchen Freundschaft auch Gefühle wie Neid, Missgunst und Wut geben? Wie nachtragend ist man auch seinen Freunden gegenüber und welche Taten verzeiht man Ihnen?

Das hat für mich den Roman ausgemacht und jemand, der sich einen Text nicht nur zur Unterhaltung reinzieht, sondern der gerne zum Nachdenken und Reflektieren des eigenen Lebens anhand eines Textes angeregt wird, der wird sicherlich seine Freude an diesem Buch haben. Mir persönlich war es eben leider ein paar Seiten zu lang, um wirklich vom Hocker zu reißen, Langatmigkeit schätze ich in letzter Zeit wenig.

 

Fast Pefrekt – Erik Kessels

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Eigentlich hatte mich in den Verlagsvorschauen das Buch „Fast Pefrekt – Die Kunst hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.“ gar nicht angesprochen, ich hatte es schlicht und einfach überblättert. Dann wurde es mir nochmal von anderer Seite ans Herz gelegt und ich dachte: „Na gut, kann nicht mehr, als Scheitern.“

Dann kam das Büchlein hier bei mir an und ich mußte erstmal herzhaft lachen, denn zum einen findet sich der Tippfehler im Titel und zum anderen ist der Einband verkehrt herum. Das fand ich einfach nur gelungenes Design am Buch bei Dumont begeistern mich solche abgefahrenen Dinge in letzter Zeit immer öfter, seien es die Klarsichtumschläge der Murakami Bücher, oder eben hier jetzt diese kleine Besonderheit. Es löst etwas aus, es interessiert, es bereitet Freude und überzeugte mich, sofort einen Blick hineinzuwerfen, was der sonst eher schlichte Umschlag sonst nicht geschafft hätte.

Erik Kessels ist ein niederländischer Designer, Künstler, Fotograph, den ich tatsächlich nur kannte, weil ich kürzlich einen Artikel gelesen hatte, in dem es um seine Nominierung für den „Deutsche Börse Fotographie Preis“ ging und der mich neugierig und in eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn geführt hatte („Mit anderen Augen„). Seine Darstellung zum Thema „Einwanderer“ hatte mich hier im Vergleich zu einigen anderen Objekten tatsächlich nachhaltig beeindruckt und ich fand seine Herangehensweise an diese Thematik einfach bedeutsam und wichtig. Kessels übergreifendes Thema ist immer wieder die Amateurfotographie. Er zieht die Werke der Amateure immer wieder heran, um deutlich zu machen, wie wichtig auch diese für das Erzählen einer Geschichte sind und das ist auch in diesem Buch sein Thema, dass nicht Perfektion das Ziel einer Tätigkeit sein sollte, sondern Gefühl, Mut, Emotion das zentrale Thema ist. Nichts muß vollkommen sein, um einen vollkommenen Moment abzubilden, nichts perfekt, um sich an Schönheit zu erinnern.

Mir gefällt seine Herangehensweise und vorallem seine Art darüber zu schreiben und es mit Bildern darzustellen. Sein Buch hat mich leider viel zu kurz begeistert, sei es das überbelichtete Bild, der Schatten, der Gesichtszüge verzerrt oder der Finger auf der Linse, Kessels bringt zum Schmunzeln und zeigt, nicht was fehlerfrei ist gefällt, sondern was wir mit Liebe und Freude betrachten.

„Wenn alle Ihnen sagen, Sie sollten rechts abbiegen, sind Sie vielleicht besser dran, wenn Sie links abbiegen.“

Kessels würzt seine gesammelten Bilder mit solchen Schlausprüchen. Die einen erst hinterfragen lassen: „Was willst du eigentlich? Was befähigt dich, zu meinem Ratgeber zu werden!“ Die einen aber dann innehalten lassen und dafür sorgen, dass man denkt, warum nicht. Ich war schon immer so ein Mensch, der keine Angst davor hatte, Dinge zu tun, die nicht immer jeder gut heißt. Mein Blog ist das beste Beispiel dafür, ich zeige amateurhafte Bilder von meinen Kochversuchen, berichte laienhaft über Bücher, die ich las und zeige meine sicherlich häufig schauderlich fotografierten Strickstücke, die hin und wieder wirklich nicht tragbar sind. Manchmal fragen mich Leute, warum machst du das? Liest das überhaupt wer?

Die richtige Antwort ist, ich weiß es nicht. Ich habe aber Freude daran und wenn ich nur von einem lese, dass ihm mein eingelegter Käse in Olivenöl geschmeckt, meine Hilfestellung und Tipps zu einem Strickmuster geholfen oder der Hinweis auf ein Buch ihm schöne Stunden beschert haben, dann fühle ich mich bestätigt.

Und ich werde besser, meine furchtbaren Fotografien haben sich verbessert, ich überbelichte immer noch gerne und häufig, meine Bildausschnitte sind sicherlich meist fern jeder fotografischen Regel, aber, hey, ich habe SPASS und keine Angst davor, dass jemandem nicht gefallen könnte, was ich tue.

Genauso ist es mit meinen sportlichen Bemühungen, ja ich poste auch meine Läufe auf Facebook, bei denen ich von meinem angestrebten 5min/1km Schnitt so weit entfernt bin, wie Sibirien von den Malediven, es ist mir egal, ob dann jeder sieht, dass ich schon wieder gescheitert bin, wichtig ist mir zu zeigen, dass es oft schon schwer genug ist, seinen Hintern zu erheben und sich überhaupt zu bewegen und das es trotzdem jeder kann und dass man sich für Zeiten jenseits von Gut und Böse nicht zu schämen braucht, weil all die Flüsterer und Murmler im Hintergrund vielleicht schneller sind, aber eben nicht wissen welchen Kampf es bedeuten kann, überhaupt vom Sofa hoch zu kommen.

Erik Kessels spricht in seinem Buch viele Dinge aus, die ich häufig denke. Beruflich in Besprechungen gehöre ich oft zu den Menschen, die ihre Gedanken ungeplant herausblubbern, die nicht großartig darüber nachdenken, welchen Effekt es haben könnte, wenn ich dieses und jenes jetzt sage, mir ist es einfach wichtig meinen Gedankengang mitzuteilen und so vielleicht andere anzuregen nicht stumm da zu sitzen und zu hoffen, dass die Besprechung möglichst schnell vorbei ist und man bloß nichts beitragen muß, weil man könnte sich ja verzetteln, etwas Unpassendes sagen oder gar zu Gelächter animieren, sondern dass sich ein Gespräch ergibt, ein Austausch ein gegenseitiges Befruchten mit Ideen und Überlegungen, bei dem man natürlich auch einmal lachen darf. Warum haben Menschen eigentlich so oft Angst dafür für Erheiterung zu sorgen? Was ist schlimm, wenn Menschen auch mal über einen oder über sich selbst lachen? Ich tue das gerne und häufig, macht es mich kleiner? (Noch kleiner?) Nein, macht es nicht, im Gegenteil, es lockert sehr oft Situationen auf, es führt zu Mut bei anderen und es hilft so viel, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wenn man nicht versucht perfekt zu sein, dann bringt es einen auch nicht aus dem Konzept, wenn die Kollegin einem nach einem Vortrag mitteilt, dass man Lippenstift am Zahn oder eine Laufmasche in der Strumpfhose hat. Wenn man sich darauf fokussiert, was man möchte und mit Begeisterung dabei ist, dann erreicht man häufig so viel mehr, als wenn man immer nur der Beste, der Schnellste, der Schönste sein will.

Apropos der Schönste, was ist denn schön? Ein perfektes Foto von einer Landschaft oder vielleicht nicht doch lieber ein etwas verwackeltes mit den besten Menschen der Welt darauf? Ich bin sicher nicht schön, ich bin 10 Zentimeter zu kurz geraten, habe zu viel Hals, zu wenig Kinn und seit neustem auch 5 kg zu viel auf den Rippen, dazu Sommersproßen, eine dicke Brille und leider überhaupt keine Augenbrauen, die meisten Fotos von mir sehen furchtbar aus, trotzdem würde ich nie jemanden auffordern: „Lösch das, da gefalle ich mir nicht!“ Das auf dem Bild bin ich, egal ob ich gucke, wie Graf Zahl oder getroffen bin, als würde mein Kopf direkt in meinen Hals übergehen. Das bin ich und ich mag mich, ich bin nicht perfekt, aber das will ich auch gar nicht sein. Ich habe schon mal einen Zahnpastafleck auf meiner Bluse oder die Jeans ist nicht gebügelt (ok, die Jeans ist nie gebügelt!), so ist das halt mit Menschen, da bleibt zwischen all den Ideen manchmal keine Zeit morgens die Haare zu kämmen, da muß es auch ein pinkes Zopfband tun, auch wenn ich sonst komplett in Rot gekleidet bin.

Ich, hätte all dies so gar nicht wirklich erkannt, es sind Dinge, die ich nun mal einfach so tue, Kessels hat in seinem Buch Worte dafür gefunden, Worte, die mir gefallen und Erklärungen, die ich positiv finde. Warum nach Perfektion streben, wenn ich auch so geliebt werde? Warum mich kaputt machen und versuchen organisiert, weniger chaotisch, ordentlicher und die Frau mit den schönsten geputzten Fenstern zu sein, wenn ich doch eigentlich die bin, deren Küche furchtbar aussieht, für deren Bolognese Soße aber viele Menschen ihr letztes Hemd geben würde, oder die deren Bett nie gemacht ist, die aber dafür in 5 Minuten noch schnell ein Acrylbild zaubert, wenn es zu einer Hochzeit geht und das Geschenk eher unkreativ eingepackt ist, oder auch die, die zwar morgens im Büro übelst gelaunt ist, dafür aber immer da ist, wenn jemand Hilfe braucht.

Ich glaube, ich kann damit leben, dass ich nicht in allem gut bin und Kessels Buch zeigt genau das. Wir müssen nicht alles können, aber wir können alles versuchen!

Kessels Buch hat mich also wirklich überrascht, seine kurzen Texte mit den Bildern haben mich bewegt, mich berührt und angesprochen und nein, ich bin kein Freund von Ratgebern, aber dieser Mann erteilt so kluge und unkonventionelle Ratschläge, die mich einfach erfreut haben.

Ich lege dieses Buch wirklich jedem ans Herz, der sich verbiegt, um seinem oder dem Ideal anderer zu entsprechen, jedem, der mit sich hadert, jedem der schon einmal versagt hat, jedem der sich für Kunst und Kommunikation interessiert und jedem, der offen für Neues ist und auch denen, die es nicht sind, jedem, der gerne liest und sogar denen, die es nicht tun, denn es ist kurz, du bist schnell durch und hast etwas für deinen Kopf und dein Selbstwertgefühl getan, ehrlich. Trau dich, tu es!

Danke für dieses fantastische Erlebnis!

Erik Kessels:

„Haben Sie das Selbstvertrauen, sich nicht darum zu kümmern, was andere denken.

Das ist immer riskant.

Wir gehören gern zur Herde. Wir mägen es, uns anzupassen. Wir möchten Menschen gefallen, das lässt sich nicht ändern. Und originelle ideen sind nicht immer sofort beliebt.

Sie werden hinterfragt, herausgefordert, geprüft und seziert.

Aber wenn sie gut sind, überleben sie.

Riskieren Sie es, nicht gemocht zu werden. Vielleicht gefällt es ihnen sogar.

Erfolg ist die Fähigkeit, von Misserfolg zu Misserfolg zu schreiten, ohne die Begeisterung zu verlieren.“