Stricken Masche für Masche von Marisa Nöldeke

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Stricken – Masche für Masche von Marisa Nöldeke, auch bekannt als Maschenfein, ist ein sehr gutes Grundlagen Buch. Sowohl für die geübte Strickerin, die einfach ein hübsches Nachschlagewerk haben möchte, als auch für die Anfängerin, die sich ein Buch mit ausführlichen Erklärungen und guten Bildern zum Einstieg kaufen möchte, ist das Buch sehr gut geeignet.

Ich würde es tatsächlich jedem empfehlen, der mit dem Stricken anfangen will und sich erstmal einlesen möchte oder dem Youtubevideos für den Einstieg einfach nicht reichen.

Aktuell boomt der Strickmarkt und es sprießen Bücher aus der Erde, wie Pilze an einem feuchten Herbsttag. Den Überblick zu behalten, was wirklich gut ist und was nur schnell produziert, um auf einer Welle mit zu schwimmen ist schwierig.

Ich schätze Marisas Anleitungen schon lange, folge ihr auf Facebook, Instagram und habe zum Beispiel das Hinata Tuch im Sommer von ihr gestrickt.


Stricken – Masche für Masche sieht erstmal sehr hübsch aus. Der Umschlag gefällt mir, ist robust und stabil und bleibt vorallem auch aufgeschlagen liegen, damit man in das Buch blicken und Stricken kann. Für mich ein ganz wichtiger Punkt bei einem Strickbuch.

Das Buch ist grob in 3 Teile geteilt. Basics und Techniken machen den Anfang, dann folgen Strickmuster und schließlich Projekte. Das ist für mich stimmig aufgebaut und ergibt Sinn.

Unter Basics finden sich Hinweise zur Materialkunde, sehr ausführlich, sehr gut strukturiert und aufgebaut. Hier werden Fasern beschrieben, Garnstärken erläutert. Hier dann mein erster Kritikpunkt, die Garnbezeichnungen beziehen sich hier auf das „Standard Yarn Weight System“, das realistisch aber eigentlich kaum eine Strickerin nutzt. (Ich kenne zumindest keine) Hier hätte ich die Klassifizierung, die uns allen aus Ravelry bekannt ist und von tausenden von Strickerinen benutzt wird, sehr viel besser gefunden. Das wäre dann Cobweb, Lace, Light Fingering, Fingering, Sport, DK, Worsted, Aran, Bulky, Super Bulky und Jumbo, und nicht nur superfine, fine, light DK, medium, bulky, super bulky. Aber das ist vermutlich einfach eine Frage der Gewöhnung. Trotzdem lassen  gerade die größeren deutschen Designerinnen die große Community Ravelry sehr außer Acht, ein Fehler aus meiner Sicht.


Aber zurück zum Buch, unter Materialkunde bekommt man auch erklärt, wie man die Banderole eines Garns liest, welche Informationen man dort findet und wie man Strickstücke pflegt. Die Waschsymbole werden erklärt und es werden Worte zum Garnwickeln verloren. ( Hier fehlte mir unter dem Bild eindeutig der Hinweis zu Ylle, deren Wickler hier prominent abgebildet und für mich das Nonplusultra im Wicklerbereich ist.)

Dann erfährt man etwas zur Werkzeugkunde. Rundnadeln, Nadelspiele, Jackennadeln. Alles wird erklärt. Weitere kleine Helfer, wie Maschenraffer, Markierer, Fixierer, Strickring, Reihenzähler und co werden beschrieben und gezeigt. Auch hier hätte ich mir eine Angabe von Bezugsquellen in der Nähe des Bildes gewünscht.

Natürlich schreibt Marisa auch etwas zur Maschenprobe. Für Anfänger sicherlich hilfreich. Ich umgehe die Maschenprobe immer. Ich hasse sie. Maschenproben sind für Uschis. Lediglich bei Teststricks fertige ich dieses Mistding wirklich gewissenhaft, ansonsten schludere ich da. Aber damit man Schludern kann, muß man natürlich Erfahrung haben, seine Art zu stricken und die Garne kennen und dafür muß man viele Maschenproben gestrickt haben.

Der Maschenanschlag wird ebenfalls erklärt, hier haben mir die sehr einfachen Grafiken sehr gut gefallen. Ich fand das besser zu erkennen, als auf zu bunten Bildern. Es werden verschiedene Anschlagsformen gezeigt und ihre Vorteile und Nachteile erläutert. Hier werde auch ich sicherlich noch häufig hinschauen und neue Dinge ausprobieren.

Dann kommen die Erklärungen zu rechten Maschen und linken Maschen, ebenfalls mit Bildern und gut zu erkennen, sowie ausreichenden Erklärungen, die auch für den absoluten Anfänger geeignet sind.

Weiter geht es mit dem Stricken in Reihen, hier werden verschiedene Formen der Randmaschen vorgestellt und auch an kleinen Pröbchen gezeigt, das hat mir gut gefallen und auch hier freut sich jede geübte Strickerin sicherlich noch mal nachlesen zu können und zu schauen, was zum aktuellen Strickstück passen könnte.

Natürlich wird auch das Stricken in Runden (Socken, Mützen, Pullis) erklärt sowohl mit dem Nadelspiel, als auch mit der Rundnadeln.

Soweit so gut, damit kann man dann erstmal Stricken, aber was, wenn der Faden zu ende ist? Auch dafür gibt es ein Kapitel, wie man Garnenden verwebt, Farbwechsel macht, Garn neu ansetzt und so weiter. Auch das war gut verständlich. Bei den Bildern zum Garnende einstricken fand ich leider den gelben Faden sehr hell und auf dem weißen Hintergrund schlecht zu sehen. Da wäre etwas mehr Kontrast schön gewesen.

Wer also dann die Grundmaschen beherrscht und Fäden verweben kann, der will irgendwann auch Muster stricken und dazu werden dann die besonderen Maschen erklärt. Sehr ausführlich und hier wieder mit sehr guten Grafiken. Auch Zunahmen und Abnahmen werden erklärt und zwar auch hier unterschiedliche, damit man sich die passende Art aussuchen kann.

Dann hat man sein Strickstück fertig und will natürlich abketten, wie das geht,. wird ebenfalls ausführlich erklärt, mit vielen Bildern und Varianten und auch was weiter mit dem Strickstück passieren sollte, damit es schön in Form kommt, wird erwähnt.

Dann verliert sie auch einige Worte dazu, wie man eine Anleitung richtig liest, für einen Anfänger ist das ganz bestimmt sehr hilfreich, denn das Strickchinesisch ist ja nicht immer leicht zu verstehen. Es gibt praktische allgemeine Tipps, Erklärungen zu verkürzten Reihen und verschiedenen Arten diese zu Stricken. (Dazu kann ich ja den Kurs von Mairlynd sehr empfehlen. Den ich im Atelyeah besucht habe. Das ist wirklich erhellend.) Aber es geht auch mit den Bildern im Buch sehr gut und verständlich. Es wird erklärt, wie man Knopflöcher einstrickt und welche Verzierungen (Stickereien, Kordeln, Pompoms, Perlen etc. ) man wie anbringen kann.

Auch kompliziertere Techniken, die definitiv nichts für Anfänger sind, werden erläutert. Brioche oder Patent, Fairisle, Steeken und Doubleface wird gezeigt, auch hier fand ich leider wieder den hellen Faden auf hellem Grund schlecht sichtbar auf manchen Bildern, trotzdem kann man erkennen, was wo zu tun ist.

Sehr gut fand ich die Tipps, wenn etwas schief geht, was tun, wenn eine Masche gefallen ist, etwas zu kurz oder zu lang wurde. Das fehlt in den meisten anderen Strickbüchern und der Anfänger sitzt dann da und ribbelt, obwohl er das gar nicht müßte. Sehr schön, dass hier auch daran gedacht wurde.

Der Abschnitt Strickmuster ist kurz gehalten, aber ausreichend, ein Beispielbild und Hinweise, wie man dieses Ergebnis erhält. Absolut ausreichend, wenn man geübt ist bzw. den ersten Teil des Buches gelesen hat. Patentmuster, Zopfmuster und vieles mehr wird hier gezeigt. Da waren sogar Sachen bei, die ich noch nicht kannte.

Im Abschnitt Projekte gibt es Pulswärmer, einen Cardigan mit Raglan Lochmuster, eine Babydecke, ein zarter Kaschmirschal, ein Schal mit Zopfmuster, ein Pulli mit V-Neck (das ist der Grund, warum ich das Buch gekauft habe, der Pulli ist super schön!), Socken mit Zopfmuster, Täschchen im Fischgrätmuster, Kuscheldecke, Stirnband, die Mütze mit Zöpfen, die ich auch schon gestrickt habe und ein hauchzarter Loop. So kann man direkt die erlernten Dinge in Projekte umsetzen. Anschließend folgt ein gutes und umfangreiches Register, so dass man rasch findet, was man sucht.

Bei den Projekten haben sich leider einige Fehler versteckt, soweit ich weiß, sollten die aber in der zweiten Auflage verschwunden sein. Es ist nichts Dramatisches und Fehlerchen macht jeder, aber gerade in einem Anfängerbuch ist es natürlich wichtig, dass die Anleitungen und Garnangaben korrekt sind. (Bei der Mütze steht zum Beispiel man benötige 150 g in zwei verschiedenen Farben. dabei ist die ganze Mütze einfarbig und mit weniger als 50 g gestrickt.) Ein Errata zum Buch, für diejenigen, die die erste Ausgabe haben, findet sich in der Maschenfein Gruppe bei Facebook. 

Die Zopfmustersocken gehen nur von Größe 36 bis 41 und der Pulli und der Cardigan sind nur in S/M/L verfügbar. Das ist natürlich dem Platz im Buch geschuldet, trotzdem sollte man das wissen. Ich werde in Größe XS stricken, also selbstständig verkleinern müssen, das traue ich einem Anfänger erstmal nur bedingt zu.

Etwas schade fand ich bei den Projekten, dass die Bilder offensichtlich nicht von Strickerinnen ausgewählt wurden. Beim V-Neck-Pulli ist kein einziges Bild des V-Neck im Buch abgebildet, die Strickjacke mit Raglan-Lochmuster sieht unfassbar zerknautscht aus und wurde nicht richtig in Form gezupft, bzw. das Lochmuster so stark gedehnt, dass es fehlerhaft aussieht, obwohl es das nicht ist. Beim Bild der Kuscheldecke gibt es keine Schemazeichnung und keine ganze Abbildung, so dass man gar nicht erkennen kann, was das überhaupt für ein Muster ist.  Das ist leider bei vielen Büchern des EMF Verlags offenbar ein Problem, hier würde ich mir wünschen, dass etwas mehr darauf geachtet würde, was die Zielgruppe hier wirklich sehen will und was an Information aus dem Bild hervorgehen sollte.

Ich weiß, dass ich auf hohem Niveau nörgele, denn grundsätzlich ist das Buch wirklich sehr gut und hilfreich. Ich würde es wirklich Anfängerinnen, wie geübten Strickerinnen empfehlen, eben weil es sehr umfangreich ist und somit auch zum Nachschlagen dienen kann. Die Bilder sind gut verständlich und mit dem Buch ist man für wirklich jedes Strickprojekt gerüstet.

Viel Spaß beim Stricken!

Tage ohne Hunger – Delphine de Vigan

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Am Wochenende hab ich Delphine de VigansTage ohne Hunger“ beendet.

Ich habe von ihr schon „No & ich“ als Hörbuch gehört und war damals nicht 100prozentig zufrieden, vermutlich weil sich ihre Texte aus meiner heutigen Sicht eher nicht als Hörbuch eigenen. Sie erzählen zwar grundsätzlich eine abgeschlossene Geschichte, bestehen aber häufig aus Fragmenten, Gedankengängen und lassem dem Leser sehr viel Raum für eigene Ideen. Das funktioniert für mich bei einem Hörbuch schlechter, als bei einem gelesenen Text.

Tage ohne Hunger“ habe ich also gelesen und war von der ersten bis zur letzten Seite hingerissen. Wie der Titel vermuten läßt, geht es um eine Essstörung, den Leidensweg, den Weg zur Heilung und die Probleme, die man mit sich ausfechten muß. Es ist ein sehr bedrückendes und intensives Buch und durch die Schilderung der Gedanken der Protagonistin ist man sehr nah am Geschehen dran. Es wird nicht auf den Ekel gesetzt und die widerlichen Dinge, die man als essgestörter Mensch teilweise tut, werden eher angedeutet, als wirklich im Detail beschrieben, das fand ich gut und hat mir absolut gereicht.

Ich persönlich habe ja diverse sehr persönliche Erfahrungen in meinem Leben mit Personen gemacht, deren Verhältnis zum Essen ein etwas anderes war und auch ich konnte meine Mahlzeiten nicht immer in der Form genießen, wie ich es heute zum Glück kann. Für mich war das Buch trotzdem sehr gut lesbar und ich fühlte mich verstanden, bzw. habe sehr vieles wieder erkannt. Für eine Person, die akut in einer Behandlung ist würde ich das Buch allerdings wirklich nur bedingt empfehlen, es ist drastisch, es triggert, es zieht einen herunter, ob das in jeder Lebensphase immer das Richtige ist, sollte jeder selbst entscheiden.

Laure, die Protagonistin des Buches, ist ein etwas schwieriger Mensch, der sich aber eben kurz vor dem zu Spät sein, doch dafür entscheidet, die Hilfe einer Therapie anzunehmen. Sie thematisiert ihren Therapieverlauf, ihre Kontakte in der Klinik, sie selbst ist mit knapp 35 Kilo eingeliefert worden, andere Patienten sind aus anderen Gründen dort, und Laure beobachtet, anlysiert, schließt Freund und Feindschaften und ficht dabei ihren ganz eigenen Kampf mit sich selbst aus.

Sie beschreibt die Qual einer Magensonde, den Drang sich zu bewegen, um Kalorien zu verbrennen und die Probleme etwas zu essen. Sie tut das sehr eindrücklich und aus meiner Sicht auch für einen nicht Betroffenen sehr nachvollziehbar. Ohne große Erklärungen versteht man, was ihr Problem ist, warum sie so oder so handelt. Natürlich lassen sich Laures Probleme nicht auf jede Person mit Eßstörung übertragen, trotzdem hat mir hier die Schilderung von Laures Gedanken sehr positiv aufgezeigt, was einen Menschen bewegt und was andere Menschen in einem bewirken können.

Natürlich hat auch Laure ein problematisches Elternhaus, Schuldgefühle, Ängste, alles was zu so einer Eßstörung in der Regel dazu gehört, alles, was die Heilung noch schwieriger macht. Sie findet sehr oft Trost im Stricken (bzw. später auch in anderen Dingen), was mich sehr gefreut hat, schließlich hat auch für mich das Stricken hin und wieder eine (wenn auch andere) Art therapeutische Wirkung. Das hat mir sehr gefallen, dass hier mein liebstes Hobby in der Form erwähnt wurde.

Laures Schilderungen sind für mich nachvollziehbar, glaubwürdig und eher auf ihr Innenleben gerichtet, es geht hier nicht darum den Klinikalltag zu beschreiben oder ein Sachbuch für den Weg aus der Essstörung zu lesen, hier geht es wirklich um die sehr poetische Schilderung, was eine solche Störung mit einem macht, wie man sie besiegen oder es zumindest versuchen kann und dass sie einen im Grund niemals verläßt.

Ich fühlte mich von Delphine de Vigan nicht nur gut unterhalten, sondern wirklich begeistert. Das war für mich für 2017 eines der Jahres-Highlights auf dem Nachttischlesestapel und hat mich tatsächlich endlich längere Zeit am Stück wieder konzentriert lesen lassen.

Tage ohne Hunger ist als Hardcover im Dumont Buchverlag erschienen.

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Hilary Mantel – Der Hilfsprediger

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Nahezu 30 Jahre nach seinem Erscheinen auf Englisch wurde Hilary Mantels Geschichte über den Glauben in Fetherhoughton nun auch ins Deutsche übertragen und zwar gekonnt, wie ich direkt anmerken möchte. Der Hilfsprediger erschien im Dumont Buchverlag. 

Ich störe mich ja häufig an Übersetzungen bei älteren Büchern oder sprachlich anspruchsvolleren, hier ist alles stimmig, alles paßt. Werner Löcher-Lawrence hat als Übersetzer wirklich sehr gute Arbeit gemacht. Mantel und er finden die richtigen Worte, die Dorfatmosphäre der 50er einzufangen und den Leser direkt ins Geschehen in diesem kleinen Nest in den Mooren zu versetzen. Der Hilfsprediger schafft es mich zu begeistern.

Der Gemeindepfarrer Angwin hat seinen Glauben ein wenig verloren oder auch verlagert,  der Aberglaube hielt Einzug in seine Gemeinde und das findet der modern ausgerichtete Bischof eher weniger witzig. Daher taucht als Hilfe für Angwin Fludd auf, ob diese Figur „Spion“ oder „Engel“ ist, das sieht jede der Figuren ein wenig anders. Jedes Gemeindemitglied, auch die eher heidnisch erzogenen der umliegenden Dörfer, hat Charakter und wird trotz der Kürze des Buches sehr eindrücklich eingeführt und vorgestellt. Mantel hat hier einfach ihre ganz eigene Art zu beschreiben und zwischen den Zeilen erahnen zu lassen. Bereits nach wenigen Worten hat man ein sehr genaues Bild der jungen Nonne Philomena, der Klostervorsteherin und auch der Kinder der „Heiden“.

Mich hat vorallem die singende und Tee und Kakao kochende Haushälterin begeistert. Die an Türen lauscht und ihre ganz eigene Meinung zu den verbuddelten Kirchenheiligen hat, die der gebeutelte Pfarrer Angwin einfach mal ruckzuck auf dem Friedhof hat bestatten lassen, um der Modernität, die der Bischof fordert, gerecht zu werden.

Fludd schafft es die Dorfgemeinschaft zu bezaubern, zu faszinieren oder zumindest aufzuwühlen. Besonders hat mir hier die Szene gefallen, in der er gemeinsam mit einer jungen Nonne einer der Statuen eine Nase aus Knetgummi anheften möchte oder in der er mit der Klostervorsteherin in den Kleidern der Nonnen, die diese bei ihrem Eintritt ins Kloster mitbrachten, wühlt. Fludd ist schlecht zu durchschauen, seine Absichten unklar und dennoch begeistert diese Figur alle anderen. Mit viel bissigem Witz und religiöser Kritik schreibt Mantel sich hier eine Welt zusammen, die skuriler und charmanter nicht sein könnte, die aber trotzdem bei genauem Hinsehen der Realität dieser Zeit auf einem solchen Dorf recht nahe kommen dürfte. Ein wenig bigott, ein wenig frömmelnd, absurd und widersprüchlich, kämpfen und hadern die Figuren mit ihrem eigenen und dem Glauben der anderen.

Mich hat das Buch wirklich sehr begeistert und das ganz klar vorallem, weil mir Dank der Erziehung auf einem klösterlichen Gymnasium so manche Handlungsweise der Nonnen und des Pfarrers nicht unbekannt sind. Mantel setzt sich in ihrem Buch mit Gut und Böse auseinander und zeigt auf, wie nah bei einander und wie leicht zu vermischen hier die Grenzen sind. Das Dorf sehnt sich nach Regeln, darf man an Fastentagen getoastetes Brot essen und wird das Brot beim Toasten leichter, so dass man sogar zwei Scheiben nehmen dürfte? Ist Marmelade an Fastentagen in Ordnung? Straffe Regeln sind gewünscht und Pfarrer Angwin und Mutter Perpetua stellen sie mit eher unsicherer Hand auf. Ob Fludd der Gemeinde nun wieder auf den rechten Weg zurück hilft oder sie in noch größeres Chaos stürzt, würde zu weit führen, aber ich möchte sagen, ich hatte großen Spaß beim Lesen und sein Alter merkt man dem Buch zu keinem Zeitpunkt an.

Hilary Mantels – Der Hilfsprediger – erschien im Dumont Buchverlag.

Weitere Bücher von Mantel,  findet ihr hier:

Hilary Mantel Wölfe

Messer von Tim Hayward

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Ganz schlicht „Messer“ heißt das Buch von Tim Hayward,erschienen im Dumont Buchverlag,  in dem es auch um genau das geht. Schlicht und schön aufgemacht, mit einem hochwertigen Einband versehen, macht das Buch wirklich was her auf dem Kaffeetisch und das Buch ist aus einem bestimmten Grund auf Papier gedruckt, das sich zum Messerschärfen nicht eignet. (Hier mußte ich sehr schmunzeln bei der Lektüre.)

Ich mag ja Sachbücher, die sich mit den Gegenständen des täglichen Gebrauchs beschäftigen und dazu nicht nur schöne Bilder zeigen, sondern auch noch lesenswerte Geschichten erzählen und eine Fülle von Informationen bieten.

Tim Hayward © Mike Sim

Tim Hayward ist Foodjournalist und ich mag seine Beiträge im Guardian sehr gerne und finde seine Food DIY Videos bei Youtube sehr unterhaltsam. (Leider nur auf englisch…)

Daher hab ich mich gefreut, dass Dumont offenbar entschieden hat, sein Buch „Knife“ nach Deutschland zu bringen.

Das Buch ist eingeteilt in die folgenden Kapitel:

Einführung

Hier liest man aus jedem Wort Haywards Liebe zum Essen und Kochen und eben zum richtigen Werkzeug dafür heraus. Er erklärt, dass er kein Nachschlagewerk schaffen wollte, sondern seine persönliche Auswahl an Messern seinen Lesern näher bringen wollten. Was ihm aus meiner Sicht fantastisch gelungen ist.

Anatomie des Messers

Hier werden die Begrifflichkeiten geklärt, mit einer schönen Illustration zeigt er, dass ein Messer aus so viel mehr, als aus Klinge und Griff besteht.

Haltetechniken

Hier werden die verschiedenen Möglichkeiten erläutert, wie man ein Messer halten, nutzen und einsetzen kann. Das war spannend, ich hätte gedacht, dass ich ein Messer eigentlich immer gleich nutze, als ich mir aber die 5 Haltetechniken durchgelesen habe, wurde mir klar, dass ich intuitiv tatsächlich jedes Messer bei jeder Einsatzmöglichkeit anders nutze und zwar glücklicherweise nicht gänzlich absurd.

Schneidetechniken

7 verschiedene Schneidetechniken stellt er vor und beschreibt hier sehr bildhaft und gut verständlich, wie er welche Schneidetechnik anwendet und wie sie sinnvoll ist.

Material

Hier schreibt er sehr ausführlich und mit historischem Hintergrund, aus welchen Materialien Messer gemacht werden, wie sie bearbeitet wurden und welchen Nutzen das Material haben kann.

Ein Messer entsteht

Ein Messer zu schmieden ist eine Kunst und das wird hier mit jedem von Haywards Worten deutlich. Er beschreibt, wie aus einem Stück Metall eine Klinge wird und tut das auf sehr unterhaltsame Art und Weise und mit viel Herz. Dabei packt er unfassbar viele Informationen in diesen unterhaltenden Text, die so sehr gut hängen bleiben.

Die Messerschmiede

Hier interviewt Hayward die drei Messerschmiede, die eine britische Messerschmiede betreiben und sich auf Koch- und Küchenmesser spezialisiert haben. Das war sehr spannend und das Interview hatte durchaus Witz und Unterhaltungswert. Hier weden nicht rein sachlich Fakten vermittelt, sondern anhand von Erfahrungen Geschichten erzählt.

Die Messer

Hier bezieht er sich zunächst auf das Kochmesserset, wie man es aufbewahrt, was es beinhaltet und welchen Wert das Messerset für einen Koch hat und warum es sehr persönlich ist und von Argusaugen bewacht wird.

europäische Messer

An dieser Stelle werden die unterschiedlichen europäischen Messer vorgestellt. Jeweils mit einem Beispielmesser. Seine Klingenlänge, seine Verwendung, sein Gewicht, alles wird erwähnt. Begonnen wird mit einem deutschen Messer der Marke Wüsthof. Ich besitze tatsächlich auch zwei Wüsthof Messer und hab mich enorm gefreut, diese hier in an so prominenter Stelle wieder zu finden. Es folgen Ausbein- und Filetiermesser. Er berichtet von maßgefertigten Messern und natürlich darf auch Zwilling als großer Messerhersteller nicht fehlen. Natürlich habe ich auch davon einige in meiner Küche, am Liebsten habe ich mein kleines Fleischerbeil von Zwilling.

Seite 52 © Chris Terry

chinesische Messer

Dann folgen die chinesischen Messer, da kenne ich mich weniger gut aus und meine Küche ist auch nicht wirklich gut ausgestattet. Leider.

Hier findet sich dann auch ein kurzes Interview mit Henry Harris, den ich von der Seite Great britisch Chefs kannte, wo ich mir beim Kochen häufig Inspiration hole.

japanische Messer

Hier kannte ich tatsächlich neben dem durchaus bekannten Santoku aus Damaszener Stahl nur das Takohiki, aus einem Sushikochkurs ist dann offenbar doch etwas hängen geblieben, und habe mich bei den anderen Messern gefreut etwas dazu zu lernen. Den Comic dazu fand ich total klasse, das war eine kleine Überraschung in diesem Buch. Hat mir sehr gefallen. Toll fand ich hier auch die Erklärung der japanischen Fachbegriffe für die verschiedenen Teile des Messers, Fleischsorten, Fisch und vieles mehr.

Fleischermesser

Hier geht es ans Grobe. Ich habe bereits als Kind mitbekommen, wie auf dem Bauernhof geschlachtet wurde und bin da nicht zart besaitet. Wer Fleisch essen will, sollte aus meiner Sicht auch ein Tier töten können, ansonsten sollte man es lassen. Ich habe das für mich vor vielen Jahren ausprobiert und es war nicht angenehm, aber ich habe beim Schlachten geholfen und mir mein Fleisch somit aus meiner Sicht mitverdient. Fleischermesser müssen aus meiner Sicht Gewicht haben, scharf sein und gut in der Hand liegen. Man hat rasch blutige oder schmierige Hände und dann darf das Messer nicht wegrutschen.

Das Scimitar kenne ich trotzdem eher aus Rollenspielen am PC, denn aus der Schlachterei. Allerdings bin ich hier dann endlich auf meinen Lieblingsmesserhersteller Victorinox gestoßen, die machen einfach gute Messer für Menschen mit kleinen Händen zum sehr erschwinglichen Preis. Schön, dass Hayward das hier honoriert. Bei den Schlachterbeilen darf natürlich auch ein kleiner Exkurs zu den verschiedenen Hackebeilen nicht fehlen. Die sind hier gut illustriert aufgeführt. Auch der Hohlbeitel wird erwähnt, mit dem man große Knochen vom Fleisch trennt, was wirklich eine schweißtreibende Arbeit ist. Auch ein Messerset für die Jagd wird hier vorgestellt und der Kettenhandschuhe für das Knacken von Austern darf nicht fehlen. Für Dusselige kann man den auch beim Zerteilen einer Avocado anziehen, dann schneidet man sich dabei nicht in den Daumen.

Spezialmesser

Hier beginnt er mit dem Austernmesser und das ist wirklich wichtig, dass er hochwertig und gut ist. Sonst ratscht man da nur sinnlos herum und verletzt sich, die Auster und überhaupt gibt das ein Massaker. Ich habe zwei sehr gute Austernmesser mit rundem Fingerschutz von Felix Solingen und mußte leider lesen, dass ich damit zu den wenig trampeligen Austernöffnern gehöre, denn eigentlich nutzt man als fingerfertiger Austernkenner andere Messer…. Naja, bevor ich mir die Finger absäbel, bleib ich bei meinen. Wunderbar war sein Text zu Käsemessern und Pilzmessern, letztere kannte ich nicht, mir war aber tatsächlich beim Blick aufs Bild direkt klar, wozu sie gut sind. Sehr praktische kleine Helferchen. Auch den Trüffelhobel stellt er vor und ich muß zugeben, dass ich den oft Zweckentfremde und damit andere Dinge hobel, weil es Trüffel bei uns nun mal eher selten gibt.

Bei den Tranchiermesser stellt er gleich auch 10 praktische Regeln des Tranchierens auf, bzw. gibt sie wieder. Das war äußerst hilfreich. Danke dafür!

Wiegemesser, Mandoline, Gemüsemesser und viele mehr werden von ihm vorgestellt und ihre Vorzüge beleuchtet.

Seite 7 © Chris Terry

Schärfe

Hier hat mich sein Einstieg mit Schnittwunden schmunzeln lassen und tatsächlich habe ich, wie er es vorausgesehen hat, die Narbe an meinem Daumen (Austernmesser), die Narbe an meiner rechten Hand (breiten wir den Mantel des Schweigens über diese Avocado) und die Narbe an meiner Wade (ok, kein Messer, aber die Glasscherbe ist bis zum Wadenknochen vorgedrungen und ich habe erst 10 Minuten später gemerkt, dass ich offenbar gerade dabei bin, auszubluten, so glatt war dieser Schnitt und so wenig habe ich ihn gespürt), betrachtet und mich an ihre Herkunft erinnert.

Erst dann bezieht er sich auf das Schärfen von Messern, eine Kunst, die ich wohl nie beherrschen werde. Er spricht über Schleifmöglichkeiten, Schleifsteine, Finish und das alles wider mit so viel Leidenschaft und einer solchen Intensität, wie man sie bei einem Buch über Messer wirklich nicht vermuten würde.

Messerzubehör

Rolltasche, Magnetleiste, Schneidbrett sind die Dinge die man hier findet und die er bespricht, da hatte ich irgendwie noch ein wenig Mehr erwartet.

Dank

Sein Dank ist übrigens extrem lesens und sehenswert, die Comicfiguren sind super gezeichnet und Hayward findet die richtigen Worte, selbst sein Dankeswort interessant zu gestalten.

Register

Dank Register ist es übersichtlich und man findet alles, was man braucht auf einen Blick.

Haywards Buch hat mir wirklich gefallen, es ist sehr wohl ein Nachschlagewerk, aber eben auch unterhaltende Literatur, ein kleiner Schatz im Buchregal, für jeden kochenden Buchliebhaber, der Wert auf gute Materialien und wunderbare Worte legt.

Ich hoffe wirklich, dass auch weitere Bücher von Hayward ihre Übersetzung ins Deutsche finden werden. Das war fantastisch.

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Makrönchen, Mord und Mandelduft von Elke Pistor

[Dieser Beitrag enthält Werbelinks und das Gewinnspiel wird durch die Autorin und den Verlag gesponsert. Was das heißt, könnt ihr hier nachlesen: Klick!]

Langsam naht die Weihnachtszeit und ich mag es, wenn sich meine Lektüre an die Jahreszeit anpaßt. Häufig lese ich in der Adventszeit Bücher mit Adventskalendergeschichten oder eben im Sommer Bücher mit Bezug zu warmem Wetter, Sonne, Meer und Strand. Daher war ich sehr erfreut, als Elke Pistor mich auf ihren neuen (Weihnachts-)Krimi aufmerksam machte.

Normalerweise bin ich ja nicht so die Krimileserin, weil ich dann immer an der Polizeiarbeit herumnörgele, die in der Regel gänzlich fern der Realität geschildert wird und dann bin ich maulig, weil die Geschichte für mich dann nicht mehr funktioniert.

Elke bekommt das in ihren Krimis aber immer sehr gut hin und hält die Waage zwischen Anpassungen aus Spannungsgründen und guter Recherche.

Das hat mir bereits bei ihren Eifelkrimis, wie zum Beispiel beim „Gemünder Blut“  gut gefallen.

Gerne habe ich also ihre „Makrönchen, Mord und Mandelduft“ gelesen und obwohl ich ja in letzter Zeit für Bücher immer ewig brauche, weil ich einfach zu wenig Zeit habe und dann doch häufig abschweife, war ich ruckizucki durch mit den Makrönchen, dem Mandelduft und dem Mord, was natürlich auch daran gelegen haben kann, dass ich unbedingt bei den Rezepten ankommen und backen wollte…

Der Weihnachtskrimi ist eine wirklich warmherzige Geschichte, rund um Annemie Engel, ihren offenbar mißratenen und kriminellen Bruder, den Weihnachtsmarkt und dortige Intrigen und natürlich Plätzchen. Leckerste Plätzchen in wunderbaren Varianten. Plätzchenrezepte sind auch im Buch eingefügt, so dass man passend zur Lektüre backen kann. Während Annemie Engel auf Möderjagd geht und sich nebenbei noch um die Weihnachtsbäckerei kümmert, obwohl sie eigentlich seit Jahren gar nicht mehr vor die Tür möchte, kann man dann leckere Makrönchen genießen. Sich an den herrlich in die Geschichte eingebauten Katzen erfreuen und die leichte Gesellschaftskritik, die dann doch ein wenig mitschwingt ignorieren oder zur Kenntnis nehmen, jenachdem wie viel Realität man bei der Weihnachtsstimmung gerade haben möchte

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Elkes Schreibstil ist in diesem Buch wirklich weihnachtlich und fast kann man Apfel, Zimt und Mandelkern riechen, wenn Annemie mit ihrem charmanten Gehilfen und der etwas schrägen Ärztin (die hat mich vielleicht auf die Palme gebracht…) auf dem Weihnachtsmarkt ist und versucht herauszufinden, um was es bei der Gasexplosion, die ihren Bruder verletzt hat, wirklich ging. Was das alles mit der Vergangenheit zu tun hat und wer da sonst noch so seine Finger im Spiel hat.

Schneller als man gucken kann, wird aus der etwas schrulligen alten Frau eine hartgesottene Ermittlerin, die natürlich der Wahrheit auf der Spur ist.

Ein wirklich schöner herzerwärmender nicht zu brutaler und blutiger Krimi, der beim Lesen viel Freude und Wärme verbreitet und wirklich liebenswerte Figuren beinhaltet. Ja, das ist ganz sicher nichts für den ganz taffen Thrillerleser, der es brutal und hart braucht, aber auf jeden Fall etwas für jeden, der sich schon mal ein wenig auf den Winter einstimmen möchte und der bei einer Geschichte, die hier und da durchaus das Herzchen anrührt, und leckeren Keksen entspannen möchte.

Und weil alleine lesen einsam und alleine Plätzchen essen dick macht, gibt es heute ein Gewinnspiel für euch.

GEWINNPAKET

Elke hat nämlich tolle Gewinnpakete zusammen gestellt und eines davon könnt ihr bei mir gewinnen.

Zu dem Gewinnpaket gehören:

1 (wunschsigniertes) Buch

1 „Bausatz“ für ca. 30 Makrönchen, bestehend aus einem Glas mit Kokosflocken-Puderzucker-Zimt-Mischung, 35 Backobladen

und ein paar Lesezeichen.

Nur die Eiweiß müssten noch ergänzt werden.

Gewinnen kann jeder, der entweder hier im Blog, bei Facebook oder unter meinem Posting bei Instagram bis Samstag den 04.11.2017 um 24 h kommentiert und mir verrät, welche Plätzchen er am allerliebsten isst, gerne mit Rezept oder Link zum Rezept, das ist aber kein Muss.

Das Gewinnspiel läuft bis Samstag den 04.11.2017 um 24 h.

Anschließend werde ich unter allen Kommentatoren auslosen und im Wochenrückblick (Auf dem Blog, bei Facebook und Instagram) am 05.11.2017 den Gewinner des Päckchens bekannt geben. Dieser hat dann eine Woche Zeit, sich mit mir in Verbindung zu setzen und ich stelle dann Kontakt zu Elke Pistor her, die das Gewinnpaket versendet und außerdem das Buch mit der Wunschwidmung versieht.

Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen.

Das Gewinnspiel ist allein mein Ding und weder Facebook, Instagram noch WordPress haben etwas damit zu tun. Der Gewinner erklärt sich durch seine Teilnahme damit einverstanden, dass sein (Nick-)Name auf dem Blog / Facebook / Instagram veröffentlich wird.

Natürlich ist es keine Voraussetzung Elke, dem Emons Verlag oder mir bei Facebook oder Instagram oder hier auf dem Blog zu folgen.

Wir freuen uns aber natürlich sehr, wenn ihr es dennoch tut.

Hier findet ihr Elkes Homepage: Klick!

Jetzt wünsche ich erstmal viel Erfolg und schaut mal hier, könnt ihr euch zu den verschiedenen Keksen auch noch Rezeptvideos ansehen: Klick!

Und hier findet ihr alle Lesungstermine zu Makrönchen Mord und Mandelduft: Klick!

Am 09.12.2017 in Rheinbach in der Buchhandlung Kayser werden Soluna und ich übrigens da sein, ich würd mich freuen, wenn der ein oder andere von euch ebenfalls den Weg dorthin findet… ich hab gehört, es gäbe Kekse!

 

 

 

 

 

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Selva Almada – Sengender Wind

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Schon vor einiger Zeit (ich glaube, letztes Jahr zum Indiebookday) habe ich mir Selva Almadas „Sengender Wind“ gekauft.

Beim Indiebookday wähle ich ja immer bewußt ein Buch, das mich von meinen üblichen Lesegewohnheiten wegführt und verlasse mich da häufig auf den Rat meiner Buchdealer in der Parkbuchhandlung. So auch diesmal, das Buch lag relativ lange dann im Regal und erst vor einigen Wochen hab ich es herausgezogen und mich auf das literarische Experiment in der Wüste eingelassen. Erschienen ist das Buch im Berenberg Verlag , der viel Wert auf hohen Anspruch und gute Literatur legt.  So auch hier. „Sengender Wind“ ist ganz sicher keine Lektüre für Zwischendurch oder um am Strand die Seele baumeln zu lassen, trotz der Kürze werden hier verschiedenste Problematiken angerissen und der Leser zum Sinieren gebracht. 4 ganz unterschiedliche Charaktere teilen ihre Gedanken und Überlegungen mit dem Leser, nähern sich an und entfernen sich wieder voneinander. Mir hat das sehr gefallen, wenn ich auch von den Diskussionen und Überlegungen der Figuren untereinander mehr erhofft hätte. Da fehlte es mir stellenweise an Substanz.

Dennoch hat mich Selva Almada durchaus gut unterhalten und angesprochen und ich finde es schade, dass bislang nicht mehr der Werke übersetzt wurden. Die Beschreibungen der Örtlichkeit und der Kraft des Gewitters hatte etwas fast Poetisches und die sehr eigene und schnörkellose Sprache hat mir sehr gefallen. Das Thema der Religiösität kam für mich nicht immer ganz überzeugend rüber, war aber durchaus glaubwürdig im Hinblick auf die handelnden Figuren.

Der Text ist trotz seiner Kürze sehr intensiv und ich hätte mir fast noch ein wenig mehr Fortsetzung gewünscht, wollte wissen, wie es weiter geht und ob die Wünsche und Gedanken der Personen sich erfüllen.

Keine Empfehlung für die Liebhaber leichter und stimmiger Texte, eher was für Menschen, denen es beim Lesern weniger um die Geschichte und mehr um die erzählerische Intensität geht.

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Katzen – in der Kunst

 

Ich gehöre zu den Menschen, die Coffeetable-Books einfach lieben. So gerne habe ich ein schönes Buch auf dem Wohnzimmertisch liegen, so gerne blättere ich versonnen und gucke einfach schöne Bilder.

Seite 57, Déjà-vu © Larry Welo

Letzte Woche war ich dann ja extrem unfit und konnte nur rumliegen und an die Decke starren. Lesen wäre utopisch gewesen. Da die Decke aber irgendwann langweilig wurde, war ich sehr froh, das kleine Katzenbüchlein der anderen Art aus dem Dumont Buchverlag zu haben. Hier konnte ich ein wenig hin und her blättern, Bilder gucken, die ganz kurzen Texte überfliegen und das alles lenkte mich ein wenig ab.

Das Büchlein von Angus Hyland und Caroline Roberts ist schön klein und handlich, hat aber trotzdem noch ausreichend Größe, um die Bilder gut erkennen zu können. Dazu hat es eine angenehm griffige Haptik und matte Seiten, das mag ich.

Seite 30, Schwarze Katze © Jane Crowther

Auf jeder Seite finden sich ein bis zwei Katzenbilder aus der Kunst. Manchmal auch eines über eine Doppelseite, dazu passende Sinnsprüche oder auch herrlich unnützes Wissen, sowas mag ich sehr. Zum Beispiel, dass der Maler Xu Gu aufgrund der Grausamkeiten, die er im Krieg erlebte, nur idyllische nostalgische Szenen malte. Oder dasss weiße blauäugige Katzen oft taub sind.

Ich mag das Buch und seinen  Klappentext „Dieses Buch hat einen eigensinnigen Charakter“.

Es eignet sich als Mitbringsel und Geschenk für Katzenmenschen oder auch als kleine Belohnung für einen selbst.

S. 24, Frühlingsanfang © Midori Yamada

Die Bilder auf dieser Seite wurden mir freundlicherweise vom Dumont Verlag zur Verfügung gestellt und bieten einen kleinen Überblick, was euch im Buch erwartet.

Normalerweise hat Frau Katze ja das Bedürfnis sich mit jedem Buch erstmal bekannt zu machen und zu kuscheln, zu einer kleinen Fotosession mit dem Katzenbuch war sie aber nicht zu bewegen, seufz. Eigensinnige Biester…

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Pflücker und Sammler

Das Handbuch für Pflücker und Sammler, erschienen im Dumont Buchverlag, hat hier bei uns schon für viel Freude gesorgt. Seit einiger Zeit ist es in reger Benutzung, sehr gut, dass es etwas robuster gebunden und mit einem stabilen Gummiband ausgestattet ist. Das ist wirklich hübsch gestaltet und sehr praktisch.

Die niederländischen Autorinnen Erica Bakker und Ellen van den Broek, sowie die Illustratorin Rachelle Klaassen haben hier einen wirklich tollen Job gemacht. Natürlich ist das Buch eher auf Kinder ausgelegt, hat aber auch mir als Erwachsener durchaus Freude bereitet.

Das Ganze ist geglidert in eine Einleitung, in der das Pflücken und Sammeln erläutert wird, dann folgt ein Pflückkalender, eine Landschaftskarte und ein Pflück-ABC. Danach ist das Buch in Jahreszeiten gegliedert und passend zum Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter werden die passenden Themen erläutert und mit Ideen gewürzt.

Am Ende gibt es noch ein Kapitel, dass sich mit Dingen beschäftigt, die man das ganze Jahr über tun kann.

De Pflückkalender fand ich sehr gut, allerdings etwas sparsam und unübersichtlich, das hätte farbig gestaltet vielleicht ein wenig übersichtlicher gewirkt. Aber auch so kann man ihn gut nutzen. Auch die Pflückkarte fand ich etwas spärlich und hätte mir hier etwas mehr Detailtreue gewünscht.

Das Pflück-ABC sind 11 „Regeln“, zum Beispiel dass es zu zweit mehr Spaß macht, dass man mit dem Smartphone etwas nachschlagen kann, so etwas.

Dann folgen die Jahreszeiten und viele Ideen, was man zu welcher Zeit basteln, sammeln und tun kann. Man lernt eine Blumenkette zu flechten und einen Blumenkranz zu fertigen.

Auch vergessene Dinge werden wieder erwähnt, eine Kerbelflöte habe ich zum Beispiel schon mit meiner Oma gebaut und hab da gar nicht mehr dran gedacht. Vom Lavendelsäckchen über die Hexensuppe, bis zum Krabbenfangen ist wirklich sehr viel dabei, was man mit oder ohne Kinder draußen tun kann. Ich habe mir hier tolle Anregungen geholt und mit unseren Besuchskindern viel Zeit verbracht. Das hat wirklich Spaß gemacht, dabei ist alles gut erklärt, einiges nur als Anregung selbst Ideen zu haben zu verstehen und manches wirklich lustig beschrieben.

Wir hatten viel Spaß beim Lesen und auch bei der Umsetzung der vielen Ideen und Bastelarbeiten.

Das war wirklich sehr schön und wird bestimmt noch häufig genutzt werden.

 

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Auf alles vorbereitet – Lifehacks für den Urlaub

Bereits seit einiger Zeit habe ich „Auf alles vorbereitet“ (erschienen im Dumont Verlag) als Badezimmerlektüre zum kurzen Lesen in der Wanne breit liegen.

Das Buch ist praktisch, robust und abwaschbar und mit einer Gummibandschließe versehen. Das Gummiband kann man auch herausnehmen und für andere Dinge nutzen. Mir gefällt die lockere Aufmachung des Buches sehr.

Im Buch befinden sich 299 unentbehrliche Tipps & Kniffe für die Reise. Einige davon kannte ich bereits, einige habe ich belächelt. andere fand ich wirklich interessant und gelungen. Grundsätzlich ist die Lektüre kurzweilig und aus meiner Sicht eignet sich das Buch auch prima als Mitbringsel für jemanden, der eine größere Reise antritt.

Auf 160 Seiten gibt es viele Ideen, wie man Dinge besser einpackt, was man einpackt, wie man es einpackt, was man braucht und was man nicht braucht. Was man gut gebrauchen kann, was man wie zweckentfremdet, was wirklich hilfreich ist.

Tipps wie, Zwiebel auf Mückenstiche zu drücken, hat man zwar schon mal gehört, aber zum Beispiel ein Wattepad in die Puderdose zu legen, um diese so vor Bruch zu schützen oder dass man die Kotztüten aus dem Flugzeug super auch als Autoabfallbehälter benutzen kann, haben mir wirklich Erhellung gebracht. Dazu ist alles nett und witzig formuliert, fein illustriert und wirklich hübsch gestaltet.

Mir hat das Büchlein wirklich Spaß gemacht.

Auf zur nächsten Reise!

 

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Schwarzes Wasser von Isa Maron

Ich lese immer seltener Krimis und wenn, dann meist keine Deutschen, da die wenigsten Krimiautoren sich die Mühe machen sinnvoll zu recherchieren oder dann eben zu Gunsten der Spannung auf die Ermittlungsrealität keine Rücksicht mehr nehmen. Ich bin da (leider) mehr oder weniger vom Fach und rege mich regelmäßig über diese Dinge auf, sei es eine Ermittlerin, die gänzlich alleine einen Fall löst, oder technische Dinge, die im Rahmen der Spurensicherung entweder nicht möglich sind oder möglich wären und außer Acht gelassen wurden, das nur vorab und es soll eigentlich nur ausdrücken, dass ich ein sehr kritischer Leser von Kriminalromanen bin und eben selten zufrieden gestellt werde.

Isa Marons Buch, welches im Dumont Verlag erschienen ist,  wurde mir allerdings wärmstens empfohlen und ans Herz gelegt und da die Ermittlungen in den Niederlanden spielen und ich mich da bezüglich der rechtlichen Möglichkeiten und der Organisation der Polizei nicht so gut auskenne, bin ich da dann auch weniger kritisch und lasse mich eher auf ein Buch ein.
Dieses hier ist der 3. Teil der Reihe um Maude Mertens und Kyra Slagter. Ich habe nur diesen Band bisher gelesen und bei mir kamen keine Verständnisprobleme auf und ich hatte auch nicht das Gefühl an einem Wissensdefizit zu leiden, weil mir die ersten Geschichten fehlten. Man kann das Buch also durchaus auch für sich alleine stehend lesen. Der erste Band heißt „Dunkle Flut“ und der zweite Band „Kalte Brandung“.


Die Handlung ist interessant, hier und da vielleicht ein wenig drüber, aber wirklich nur ein wenig, so dass ich noch damit leben konnte und mir nicht die Haare raufen musste. Man taucht mit den beiden Frauen in ihre eigenen Welten ein und die aufgebaute Stimmung paßt gut zur Erzählung, überhaupt werden Stimmungen und Emotionen  sehr gut transportiert und die beiden Ermittlerinnen haben zwar beide natürlich ihren eigenen Charakter und ihre Probleme, aber dies nimmt nicht zu viel Raum ein und ist auch nicht so furchtbar depressiv und negativ, wie es in letzter Zeit bei Kriminalromanen Mode zu sein scheint.


Gut hat mir hier vor allem gefallen, dass es zwar um Gewalt geht und Pädophilie eine große Rolle spielt, dies aber nicht plakativ, sondern sehr einfühlsam und auf einem angenehmen Niveau erzählt wird. Es geht nicht darum noch blutrünstiger, noch grausamer zu sein, sondern wirklich darum eine gesellschaftskritische Geschichte zu erzählen.
Die unterschiedlichen Erzählstränge werden stimmig zusammen geführt und auch wenn mir nicht alle handelnden Charaktere immer sympathisch in ihren Handlungsweisen waren, so habe ich die Zeit mit Ihnen doch gerne verbracht.

Etwas schade finde ich den Cliffhanger am Ende des Buches, den hätte es meiner Meinung nach jetzt nicht zwingend gebraucht und mein Interesse zum Weiterlesen wäre auch so geweckt gewesen.

 

Fazit: Intelligente Kriminalgeschichte mit zwei sehr interessanten Frauenfiguren, die nicht gewollt taff und super sind, sondern einfach weiblich und angenehm.

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