Die Lieblingsbuxe

Seit knapp 20 Jahren besitze ich eine Nickihose von H&M, die ich heiß und innig liebe. Sie sitzt perfekt, ist schön kuschelig und warm und die Farbe mag ich auch.

In der letzten Zeit ist sie aber wirklich nicht mehr vorzeigbar.

Als dann vor einiger Zeit auch noch der Schritt nicht nur riß, sondern regelrecht platzte, wurde es Zeit für einen Nachfolger der Buxe. Ich habe in der Vergangenheit mehrfach versucht, sie zu ersetzen und bin immer kläglich gescheitert, keine saß so gut, war so kuschelig und wurde so geliebt. Auf den nächsten Fotos seht ihr, wie arg sie mitgenommen war.

Wenn ich mir aber überlege, dass es sich um eine 20€ Buxe handelt, dann sind knapp 20 Jahre Haltbarkeit sehr super oder?

Die Bändels unten an der Hose haben sich schon vor Jahren in der Waschmaschine verabschiedet, dementsprechend sahen die Hosenbeine unten dann auch aus… Seufz.

Ich habe also einfach die alte Hose auf den Stoff gelegt und und mit ein wenig Nahtzugabe mit dem Rollschneider ausgeschnitten.

Bei der neuen Hose wollte ich unten an den Beinen Bündchen und keine Bändels haben, das hab ich einfach mit dem Bündchenstoff von JuniDesign gemacht, diese habe ich aber absichtlich sehr weit und nicht eng anliegende genäht. Auch den Taillenbund habe ich nur damit gemacht. Leider habe ich hier ein wenig zu stark gedehnt beim Zusammennähen, so dass er sich etwas wellt und hier könnte die Hose auch einen kleinen Tick enger sitzen. Sie rutscht nicht, aber etwas fester wäre irgendwie noch besser gewesen.

Mit meiner neuen Wohnhose bin ich ausgesprochen zufrieden.

Ich bin wirklich überrascht, wie einfach das war. Sie paßt gut, ist genau so kuschelig, wie ich das haben wollte und sitzt trotzdem bequem und fest, ohne ständig zu rutschen.

Meine Rosa-Grün-Farbkombi find ich auch besser, als erwartet, da hatte ich zwischenzeitlich etwas Angst, dass es zu sehr nach Schlafanzug aussieht und ich damit dann nicht mal eben zur Mülltonne oder so flitzen kann. Bin aber zufrieden, das gefällt mir sehr.

Vor dem Vernähen des Nickistoffs hatten mich einige gewarnt, der würde stark fusseln und ich solle den Staubsauger bereit legen. Er hat auch ein bißchen gefusselt, also mehr als glatte Baumwolle aber nicht so viel, dass ich es ganz schlimm gefunden hätte. Guckt mal hier auf dem Bild seht ihr ein wenig die Fusseln auf dem Boden, das ging, wenn man bedenkt, dass man auf unseren schwarzen Fliesen wirklich alles sieht.

Frau Katze hat die Buxe auch direkt akzeptiert und ist begeistert. Sehr kuschelig.

Sowas trauen wir uns jetzt öfter.

Habt ihr schon mal einen Schnitt von einem bestehenden Kleidungsstück abgenommen?

Zeigt doch mal!

Fakten

Schnittmuster: Kein Schnittmuster, von einer existenten Hose von H&M abgepaust

Stoff: Nickistoff von JuniDesign und rosa Bündchenstoff von JuniDesign

Modifikationen: Keine.

Größe: XS

Mit dem Beitrag hopse ich zu den Linkparties von den Dienstagsdingen , Creadienstag und Handmade on Tuesday und zu den Lieblingsstücken.

Der Horrorrock….oder ICH RASTE AUS! (Jahres-Sew-Along Januar)

Bereits vor Wochen habe ich in der Burda 1/2017 einen Rock gesehen, der genau meinem Stil entsprach. Schön eng, bis übers Knie und dann hinten raffiniert geschnitten. Der Rock gefiel mir ausnehmend gut. Ein Blick auf die Anleitung (Schwierigkeit: mittel (hahahaha) 3) und ich habe jeden Traum von diesem Rock begraben. Ich nähe erst seit wenigen Monaten und das lag weit weg von dem, was ich mir zutrauen würde. Von nahtverdeckten Reißverschlüssen war da die Rede, von Futterstoff und Belegen und Falten. Dazu sollte der Rock aus einem nicht elastischen Stoff genäht werden, sprich, ich kann weniger Schummeln und hier und da etwas ziehen, wenn es nicht passt.

Ich legte den Wunsch also zur Seite, bekam den Rock aber trotzdem nicht aus dem Kopf.

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Dann war ich in der Mittagspause bei Alfatex in den Kalk Arcaden in Köln und die hatten einen wunderschönen Feincordstoff krass reduziert für 5 Euro den Meter. Rostfarben mit einem leicht blauen Schimmer, durch blaue Fäden im Cordteil. Nun bei 5 Euro pro Meter kann man nichts falsch machen, ich dachte an den Rock in der Burda und kaufte mal locker 3 Meter, falls ich viel Verschnitt hätte, falls es im Chaos enden würde, oder eben für einen passenden Blazer, falls ich mich doch nicht so dusselige anstellen würde. Auf dem Foto hier sieht man den blauen Schimmer am Besten, ich hab keine Ahnung, wie man das nennt, aber ich fands ziemlich cool.

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Dann lag der Stoff hier rum.

Ich schlich um den Schnitt und traute mich nicht. Immerhin pauste ich schon mal das Muster vom Bogen ab und war danach noch frustrierter, weil ich wirklich nicht die geringste Ahnung hatte, wie das zusammenpassen sollte. Das waren Formen, die für mich einfach nicht richtig zu kombinieren waren. Nahtzahl? Links auf Rechts? Rechts auf Links, Futterstoff überziehen? Kein Plan, natürlich hätte ich Soluna um Hilfe fragen können, die wohnt ja quasi neben an und ist ja Näh-Fachfrau, aber nein, ich wollte das alleine machen. Ganz alleine.

Es vergingen weitere Tage und ich sah mißmutig immer wieder auf den Stoffstapel und die Anleitung. Nun gut, letzte Woche bestellte ich dann den notwendigen nahtverdeckten Reißverschluss und die Vlieseline, sowie das Bügelband und den Futterstoff. Von den letzteren drei Sachen hatte ich noch nicht mal ansatzweise eine Ahnung, wozu das auch nur gut sein sollte.

Außerdem schnitt ich den Rock zu, natürlich mit Hilfe von Frau Katze, alleine kann ich sowas ja nicht:

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Da ich ja bereits weiß, dass mir Burdaschnitte zu groß sind und diese auch runter nur bis Größe 36 gehen und ich ja nun mal mehr so der zwergenhafte Mensch bin mit meinen 158 cm und 52 kg, habe ich mutig einfach die Nahtzugabe weggelassen, um so grob und ungefähr in der für mich passenden Größe 32/34 anzukommen. Wenns nicht geklappt hätte, hätte ich ja noch Reststoff für einen zweiten Versuch gehabt.

Heute war es dann so weit. Ich hatte meine Ruhe, hab mir einen Smoothie gemacht, feministische Podcasts gehört und der Mann hat mich, abgesehen von einem Kurzbesuch mit Streuselkuchen und Kaffee (Da hat er mich brüllen gehört und wollte gucken, ob ich die Katze töte oder sonst irgendwie Hilfe bräuchte.) auch in Ruhe gelassen. Ich konnte also konzentriert vor mich hin arbeiten.

Ehrlich gesagt, die meiste Zeit hatte ich keine Ahnung, was ich da tue, sondern habe mich einfach stumpf an die Anleitung gehalten. Nahtzahl 3 an Nahtzahl 3, Stoffstück 1 an Stoffstück XY. Das Ganze sah nach allem aus, aber nicht nach einem Rock.

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Beim Einsetzen des Reißverschlusses wäre ich fast verzweifelt, der war alles, aber nicht nahtverdeckt. Irgendwann hab ich kapituliert, meinen Reißverschluss sieht man jetzt halt, egal. Er ist blau, das paßt zu den dünnen blauen Schimmerfäden im Cordstoff und wem das nicht gefällt, dass ich da einen Reißverschluß am Po hab, der soll halt woanders hingucken.

Letztlich hatte ich dann den „Außenrock“ aus Cord fertig genäht. Nun sollte der Beleg vom Bündchen einfach links auf rechts an den Futterstoff genäht werden.

Ich schwöre ich habe den Beleg 6 Mal an den Futterstoff genäht, in verschiedensten Variationen, keine Ahnung, welche die Richtige gewesen sein könnte. Am Ende sah es hier so aus:

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Und der blaue Futterstoff flog in die Ecke. Ganz ehrlich, wer braucht schon so einen blöden Futterstoff?

Ich hab also auf das Innenfutter verzichtet und den Bündchenbeleg einfach total cool freestyle oben an den Rockbund genäht. Hält, paßt, wackelt und hat Luft. (Meine Püppi hat eine etwas zu breite Kiste für den Rock… hehe.) Aber auf den Bildern sieht man das Bündchen schön.

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Dann hab ich den Rock um 4 cm gekürzt, da auch die Länge eher nicht auf mich mit meinen 158 cm ausgelegt ist. Anschließend versäumt und fertig war mein Rock.

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Ich bin so unfaßbar stolz. Es ist gänzlich egal, ob da das Rockfutter fehlt und ob die Falten an der einen Seite in falsche Richtung gefältet sind (hab ich eben erst beim Fotos machen gesehen), das ist mein Meisterstück, mein erstes Kleidungsstück aus nicht elastischem Stoff und es paßt perfekt. Es dürfte keinen cm enger oder weiter sein. Er sitzt optimal. Ok, man sieht den Reißverschluß, aber mal ganz ehrlich, das ist mir sowas von egal.

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Ich habe einen Rock genäht! Stellt euch Tom Hanks vor, der brüllt: „ICH HABE FEUER GEMACHT!“, genauso renn ich hier grad herum. Der Mann fragte dann, ob der Rock nicht zu eng wäre, zum Sitzen und ich bekam ein wenig Angst, denn er sitzt ja wirklich recht knapp. Zack hingesetzt und auch das ist kein Problem. Also keinen Stehrock genäht. Puuuuh!

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Verbraucht habe ich:

1x Reißverschluss (nahtverdeckt) 22 cm in blau

1 m Cordstoff (weil dusselig zugeschnitten, man kommt für Größe 32/34 auch mit etwas weniger hin.)

1 m Futterstoff (weggeschmissen, weil komplett zerrissen aus Wut beim 6. Mal auftrennen… hust.)

10 cm Vlieseline G785

44cm Vlieseline Bügelband

Reine Nähzeit: 4 Stunden (Mit Auftrennen, Annähen, Auftrennen, Annähen…. Puzzeln.)

Zuschnitt: 35 Minuten

Bügeln: 10 Minuten

Mein Basisteil für den Jahres Sew Along von Fräulein An ist somit fertig und ich nehme gerne an ihrem Januar Link-Up teil!

Für den Januar hieß das Thema ein Basic-Teil nähen. Nun den Rock kann ich super kombinieren mit T-Shirt etwas lässiger, mit Bluse sehr schick, mit Blazer geschäftsmäßig. Ich denke, damit hab ich das Basic-Teil erfüllt.

Das nächste Thema im Februar ist „gezipptes“, da würde ich mich dann gerne an meine Softshell-Jacke mit Reißverschluß wagen, aber mal sehen, vielleicht mach ich auch einfach noch einen solchen Rock und versuche diesmal den Reißverschluß tatsächlich nahtverdeckt hinzubekommen. Wir werden sehen.

Hier übrigens die Liste der Nähprojekte von Fräulein An:

https://jetztkochtsie.files.wordpress.com/2017/01/afed5-sew-along1.png

Außerdem hopse ich ins Link-Up beim Creadienstag und bei den Dienstagsdingen.

Außerdem zum Handmade on Tuesday!

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