Bernd spielt 19.04.2019

Bernd übernimmt heute vorerst leider zum letzten Mal den Blog und stellt euch seine Spiele vor. Ich bedanke mich für etwas mehr als ein Jahr wunderbarer Spielewelten und guter Zusammenarbeit. Vielleicht möchtet ihr ihm ein paar Worte da lassen, mich würde das sehr freuen!

Der Frühling ist da und damit weht auch ein frischer Wind durchs Spieleregal, auch wenn das mit einem Museumsbesuch auf den ersten Blick gar nicht so aussehen mag. Eine frische Brise weht uns, zumindest digital, auch auf den Weltmeeren durchs Haar. Im Basar dürfen wir uns am Geruch von Gewürzen und Kamelen erfreuen oder als Krankenhausdirektor an Desinfektionsmitteln schnuppern. Im April ist also für jede Menge Abwechslung gesorgt. Auf geht’s, immer der Nase nach!

Analoges

Museum

Museum habe ich vor über einem Jahr per Kickstarter mit finanziert, aber die lange Wartezeit hat sich gelohnt, so viel sei vorab verraten. Anfang des 20. Jahrhunderts war es eine goldene Zeit für Museen, in der jeder Spieler eines dieser Häuser leitet und versucht möglichst prestigeträchtige Sammlungen in seine Ausstellungen zu holen. In jeder Runde werden aus vier Regionen (Asien, Europa, mittlerer Osten & Afrika, Amerika & Pazifik) Kunstschätze und Artefakte angeboten, die, nach Zivilisation und Wissensgebiet unterteilt, unterschiedlich wertvoll für die eigene Sammlung sein können. Zusätzlich darf man noch Experten anheuern, die diverse Boni im Spiel oder bei der Endwertung geben. Über Schlagzeilen der Weltpresse schreitet die Historie voran, so dass z. B. Konflikte bestimmte Regionen für eine Runde sperren oder Entdeckungen einen Malus oder Bonus bedeuten. Ebenso spielt die öffentliche Meinung eine Rolle, denn Archäologen war zu jener Zeit nicht umunstritten und Grabräuberei schnell verpönt. Am Ende gewinnt der Museumsdirektor, dem es gelingt nicht nur die wertvollsten Stücke zu präsentieren, sondern auch die Wünsche seines Mäzens möglichst umfänglich zu erfüllen.

Museum ist eine Augenweide. Die Illustrationen sind herausragend und fangen das Flair des Themas und auch das Zeitalter mehr als gelungen ein. Alle Spielmaterialien sind von sehr guter Qualität. Als Vollunterstützer der Kickstarter-Kampagne kam ich in den Genuß einiger Kickstarter-only Goodies, die in der Standardversion des Handels nicht dabei sein werden, u. a. sind das sechs 3D-Spielerfiguren in Form von Artefakten und eines Startspielersteins in Form einer großen Büste und einiger kleinerer Spielerweiterungen, die es nur für Unterstützer gab. Das tut dem Spiel aber keinen Abbruch, das auch in der normalen Version jede Menge Inhalt hat und der ohne diese Zusätze spielerisch auch nichts fehlt.

Es gibt noch fünf für jeden erhältliche Erweiterungen (Weltausstellung, Archäologen, Schwarzmarkt, Cthulhu-Relikte, fünfter Spieler Erweiterung), die ich zwar auch alle schon hier habe, aber noch nicht ausgepackt, da das Grundspiel bereits enorm viele Möglichkeiten bietet verschiedene Herangehensweisen auszuprobieren und mehr als genug Spielspaß bietet. Museum ist in der Grundversion für maximal vier Spieler ausgelegt und in einer komplett deutschen, französischen oder englischen Variante erhältlich. Da die Karten sehr viele Erklärungstexte zu den Kunstschätzen enthalten und auch die Schlagzeilen textlastig sind, sollte man bei einem Kauf unbedingt auf die passende Sprachversion achten. Das Spiel dürfte derzeit aber noch sehr schwer zu bekommen sein, da gerade erst die Kickstarter-Unterstützer beliefert wurden. In ein paar Wochen dürfte sich das aber entspannt haben. Die Regeln sind kurz, schnell erklärt und sehr einprägsam. Eine Partie dürfte, wenn man sich mal eingespielt hat, zwischen 60 und 90 Minuten dauern. Museum ist familientauglich, das Thema dürfte aber für Kinder unter 12 eher zu trocken sein. Für Leute, die grundsätzlich mit dem Thema etwas anfangen können, ist das Spiel sowieso ein Muss und auch Brettspielfreunde werden ihre helle Freude daran haben. Sehr empfehlenswert!

Jaipur (Amazon Affiliate Link)

In Jaipur gilt es als Händler so erfolgreich zu sein, dass man Hoflieferant des Maharadschas wird. Jaipur (Amazon Affiliate Link) ist ein Kartenspiel für ausschließlich zwei Spieler, bei dem es darum geht möglichst geschickt Kartensets verschiedener Kategorien (Gewürze, Tuch, Leder, Gold, Silber, Edelsteine) zu sammeln und auszuspielen. Für jedes abgelegte Set gibt es Belohnungschips, die je nach Anzahl der abgelegten Karten unterschiedlich wertig sind. Allerdings kann man auch punkten, in dem man die größte Karawanserei in Form von Kamelen vor sich ausgelegt hat.

Jaipur (Amazon Affiliate Link) spielt sich sehr flott, eine Partie (man hat gewonnen, wenn man drei Mal die Gunst des Maharadschas errungen hat) dauert nicht länger als 15 bis 20 Minuten. Die Illustrationen sind ansprechend und haben einen cartoonigen, bunten Touch, die das Thema gut transportieren. Die Qualität der Karten und der Spielchips aus Karton ist gut und zweckmäßig. Die Regeln sind in der mehrsprachig beiliegenden Anleitung leicht verständlich erklärt. Absolut familientauglich und auch mit kleineren Kindern gut spielbar. Auffallend ist das ungewöhnliche Format der kompakten Spieleschachtel, die so gar nicht zu anderen Schachteln ins Regal passen will. Aber mir gefällt das. Sehr schönes, schnelles, empfehlenswertes Kartenspiel für 2.

Digitales

Two Point Hospital (Amazon Affiliate Link)

Ein Management-Spiel mit hohem Wuselfaktor. Als Krankenhausdirektor baut man nach und nach ein Krankenhaus auf und muss dafür Sorge tragen, dass die eintreffenden Patienten die richtige Behandlung erhalten. Denn nur zufriedene und vor allem geheilte Patienten spülen Geld in die klamme Kasse, das dringend benötigt wird, um Personal einzustellen, neue Behandlungsmethoden zu erforschen und das Krankenhaus mit allerlei Krimskrams attraktiv zu gestalten.

Two Point Hospital (Amazon Affiliate Link) nimmt sich dabei nicht all zu ernst. Alle Krankheiten im Spiel sind erdacht und haben sehr hübsch und witzig anzusehende Auswirkungen auf die Patienten. Da gibt es z. B. die Rock-a-billy-Störung, die Patienten glauben lässt, sie wären ein Rockstar. Die laufen dann im Freddie Mercury Outfit durch die Gänge und machen typische Posen des verstorbenen Queen-Leadsängers nach. Da hilft nur der Bau einer Psychatrie und das Einstellen (oder die Weiterbildung) eines Facharztes, der dafür die notwendigen Kenntnisse hat. Das Spiel verlangt viel Mikromanagement, überfordert den Spieler aber nicht, so dass stets genug Zeit bleibt die vielen putzigen Animationen und Gerätschaften in seinem Gebäude zu bestaunen.

Nach und nach schaltet man durch Erfolge in der Forschung und Ausbildung von Fachkräften immer weitere Behandlungsmethoden oder Krankenhauseinrichtungen frei, so dass man immer etwas zu tun hat und auch schnell den Ehrgeiz entwickelt ein gut funktionierendes System auf- und auszubauen. Wer mit Die Sims etwas anfangen konnte, wird auch hier im Krankenhaus recht glücklich werden. Sehr spaßig mit hohem Suchtfaktor.

Two Point Hospital (Amazon Affiliate Link) gibt es auf Steam für Windows PC. Inzwischen sind auch schon zwei Erweiterungen erschienen. 

Trans Ocean (Amazon Affiliate Link)

Wir bleiben im Thema und tauschen den Arztkittel mit einem Matrosenanzug. In TransOcean (Amazon Affiliate Link) gilt es seine eigene, kleine marode Reederei zu einem Schifffahrtsimperium aufzubauen. Dazu nimmt man Transportaufträge an und versucht in der dafür vorgegebenen Zeit von Hafen zu Hafen zu schippern und Routen so zu planen, dass möglichst keine kostspieligen Leerfahrten entstehen. Nach und nach kann man in bessere Schiffe investieren und so sein Unternehmen wachsen lassen. Stürme, Piraten, die Konkurrenz und eine dubiose Mitinhaberin machen einem aber das Leben auf hoher See nicht all zu leicht. Und wenn man sich keine Lotsen leisten kann (oder will), muss man auch noch selbst seinen Kahn zu den Entladeplätzen in den Hafenanlagen steuern, was je nach Layout des Hafens sehr herausfordern sein kann.

Die Alten unter uns werden sich da sofort an „Ports of Call“ (Amazon Affiliate Link) erinnert fühlen, das hier ganz eindeutig Pate gestanden hat. Wer also lange auf eine modernisierte Variante von PoC gewartet hat, darf hier ohne zu zögern zuschlagen. Das Thema ist klasse umgesetzt, als Wirtschaftssim light funktioniert TransOcean ordentlich und nach und nach seine Flotte wachsen zu sehen und das Herummanövrieren in Hafenanlagen ist einfach immer wieder enorm unterhaltsam.

Inzwischen gibt es auch TransOcean 2 (Amazon Affiliate Link), das jedoch sehr unterirdische Userwertungen auf Steam bekommen hat. Ich beziehe mich hier nur auf den ersten Teil, den ich uneingeschränkt empfehlen kann, wenn man mit diesem Genre grundsätzlich etwas anfangen kann.


 

 

 

 

 

Bernd spielt 15.03.2019

Aufgrund Zeitmangel und anderer Freizeitbeschäftigungen gibts im März eine etwas kleinere Ausgabe von ‚Bernd spielt‘. Bernd ist nämlich schwer busy.

Aber klein, bedeutet auch fein, so dass wir dieses Mal zusammen unsere Burg verteidigen und gegeneinander auf den Autobahnen Tokios unterwegs sein werden.

Viel Spaß und nehmt Euch Zeit zu spielen! Bühne frei für Bernd spielt!

(Alle im Beitrag enthaltene Links sind Amazon Affiliate Links)

Castle Panic

Castle Panic greift das von Videospielen bekannte Tower-Defense-Prinzip auf, bei dem man gegen immer mehr anstürmende Horden seine Verteidigung organisieren muss. Thematisch müssen wir hier gemeinsam (bis zu vier Spieler sind möglich) unsere Burg gegen ein Heer aus Goblins, Orks und Trollen verteidigen, die jede Runde aus dem Wald heraus immer weiter auf die Mitte des Spielbretts zulaufen, wo unsere Burg steht. Sobald ein Feind eine Burgmauer erreicht hat, wird diese zerstört und die angreifende Kreatur verliert einen Lebenspunkt. Goblins sind dadurch sofort tot, aber Orks und Trolle haben mehr Lebenspunkte und sind deshalb deutlich schwieriger vom Brett zu fegen. Nachdem die Mauern überwunden wurden, gehts unseren Türmen an den Kragen und falls da der letzte gefallen ist, haben alle Spieler die Partie verloren. So gilt es also mit Karten, die in jeder Runde aufgefüllt, getauscht und ausgespielt werden, die Verteidigung der verschiedenen Zonen rund um die Burg zu organisieren. Bogenschützen können nur den äußersten Verteidigungsring abdecken, Ritter den mittleren und Schwertkämpfer den am nächsten zu den Burgmauern befindlichen. Dazu gibt es Sonderkarten, die es erlauben die anrückenden Feinde zu verlangsamen, zerstörte Mauern wieder aufzubauen oder Mauern zu verstärkern.

Castle Panic wird kooperativ gespielt, so dass die Spieler möglichst gut zusammenarbeiten sollten, z. B. brauchbare Karten für die kommenden Runden untereinander tauschen, sich überlegen, wo man die Verteidigung zusammenziehen sollte und welche Zone man vielleicht vorerst aufgibt. Da die Gegner jede Runde zufällig aus einem blickdichten Stoffbeutel gezogen werden, spielt sich jede Partie etwas anders. Ebenso aus dem Beutel werden Ereignisse gezogen, die es den Spielern meist noch etwas schwerer machen, z. B. kann die Pest unter allen Bogenschützen ausbrechen, die dann alle abgelegt werden müssen.

Die Materialien sind allesamt sehr gut inkl. dem blickdichten, großräumigen Stoffbeutel zum Ziehen der Gegnertokens. Eine Partie zu zwei dauert knapp 45 Minuten. Definitiv familientauglich und auch mit Kindern ab 7/8 Jahren spielbar, wenn man nichts gegen die Thematik an sich hat. Bei uns ist es ein schönes Feierabendspiel zum Entspannen, da die Regeln (rund vier reich bebilderte Seiten in Deutsch) nicht sehr komplex, aber das Gameplay herausfordernd genug ist, um nicht langweilig zu werden.

Tokyo Highway

Ursprünglich vor zwei Jahren auf der Spielemesse als reines 2-Spieler-Spiel vorgestellt, gibt es Tokyo Highway inzwischen in einer deutlich größeren Packung für bis zu vier Spieler. Es gilt seine 10 Fahrzeuge schneller loszuwerden als die Gegner. Wer als Erstes sein letztes Auto auf einem Highway platzieren konnte, gewinnt die Partie. Dazu baut man Zug um Zug Autobahnpfeiler in Form von runden Holzsteinen und positioniert anschließend eine Straße zwischen zwei Pfeilern. Nur, wenn man dabei mindestens eine Straße eines Gegners kreuzt, darf man eines der eigenen Autos auf der soeben gebauten Straße platzieren. Wenn man es schafft mit seiner Straße gleich zwei gegnerische Straßen zu kreuzen, dann dürfen zwei Autos platziert werden. Das hört sich einfach an und sieht auf den ersten Blick auch einfach aus, erfordert aber einiges an Geschick in Form ruhiger Hände, ein gutes Auge und vor allem eine gute Portion Taktik, da es dabei einige Regeln zu beachten gilt, was die jeweilige Höhe der Pfeiler und der maximalen Anzahl an Straßen angeht, die so ein Pfeiler tragen darf. Wer sich aus der Ruhe bringen lässt und bei seinen Bauversuchen gegnerische Bauten umreisst, muss die umgestoßenen Teile nicht nur wieder aufbauen sondern auch eine Strafe in der Anzahl der umgeworfenen Elemente an den Gegner entrichten, so dass einem die nachfolgenden Zügen weniger Material zur Verfügung steht.

Die Qualität der Materialien ist erstklassig. Alle Spielelemente sind aus eingefärbtem Holz. Es gibt kein Spielbrett, die Spielfläche ist am besten eine ebene, glatte Tischplatte ausreichender Größe, Platzbedarf ca. 80 x80 cm. Eine 2-Spieler-Partie dauert ca. 20 Minuten. Die Anleitung umfasst vier Seiten auf denen alle Regeln gut bebildert erklärt werden. Bei mehr als zwei Spielern kommen noch Hochhäuser als Hindernisse hinzu, die umbaut werden müssen, was das Ganze nochmal einen Tick schwieriger macht. Auch als Familienspiel gut geeignet, wenn auch das Thema vielleicht für kleinere Kinder etwas zu abstrakt sein könnte. Durch das minimalistische Design und die zurückgenommenen Pastellfarben aber ein echter Hingucker auf dem Spieltisch. Wer mit Geschicklichkeitsspielen und einer guten Portion taktischer Finesse etwas anfangen kann, macht hier nichts verkehrt.

Bernd spielt 15.02.2019

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Bevor ich den Staffelstab an Bernd übergebe, möchte ich euch bitten, an der Umfrage von ludus leonis zum Thema Spielbücher teil zu nehmen…. Hier entlang: Klick!

Und dann mal los… hier kommt Bernds Spielkritik:

 

Im Februar gibt es neben zwei Brettspiel-Geheimtipps auch mal wieder digitale Titel, die viele Stunden Spielspaß versprechen. Lasst uns Würfel heilen, mit Kapitän Nemo auf Tauchfahrt gehen, Dinosaurier züchten und Sushi zubereiten. Los geht’s!

Analoge Spiele

Dice Hospital (Amazon Affiliate Link)
Jeder Spieler leitet ein Krankenhaus, das in Form eines Hexfeldtableaus vor einem liegt. Man startet mit drei Krankenschwestern als einzigem Personal. Im Laufe des Spiels kann sowohl das Krankenhaus um weitere spezialisierte Stationen erweitert werden, als auch das Personal mit Ärzten und Schwestern verschiedener Fachrichtungen. Das Besondere sind aber die Patienten, die in Form von Würfeln in den Farben Rot, Grün und Gelb und unterschiedlich kritischen Zuständen in Form der Würfelziffern eingeliefert werden.
Nun gilt es sein Personal und seine Fachabteilungen so clever einzusetzen, dass möglichst viele Patienten um eine Ziffer nach oben gedreht (also geheilt) werden können. Sobald ein Patient von Stufe 6 hochgedreht werden kann, ist er gesund und wird entlassen. Damit wird auch wieder ein Bett frei und das ist enorm wichtig, denn zu Beginn jeder Runde kommt ein Schwung neuer Patienten herein, die oft nicht alle untergebracht werden können. Patienten, die bei der Aufnahme eigentlich keinen Platz haben, verdrängen bereits vorhandene Kranke, die dann leider als Verstorbene in der Kühlhalle landen und in der Endabrechnung Minuspunkte ergeben.


Dice Hospital ist ein enorm durchdachtes Worker Placement Spiel. In jeder Runde gilt es die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Patienten behandelt und das Krankenhaus auch lebend wieder verlassen können. Die Ausstattung ist außerordentlich gelungen. Neben einem blickdichten Würfelbeutel, aus dem jede Runde zufällig die Patienten (in Form farbiger Würfel) gezogen werden müssen, gibt es stabile Tableaus aus festem Karton, sehr schön gestaltete und illustrierte Charakterkarten für das Personal und viele verschiedenfarbige Holzspielsteine, um das Personal von A nach B zu schicken. Zusätzlich sind mit einem Deluxe-Addon noch fünf Rettungswagen in 3D, diverse Holzspielsteine, zusätzliche Krankenhausstationen, Personal, Holzspielsteine für Blutkonserven und Tote und ein kleiner Würfelturm erhältlich, die das Spiel noch etwas schöner machen, als es eh schon ist.
Dice Hospital macht immens Laune, eine Partie dauert ca. eine Stunde. Bis zu vier Spieler dürfen mitmachen, aber es funktioniert auch ganz hervorragend nur zu zweit. Wegen des Themas, der Vielzahl an Spezialfertigkeiten und der nicht zu unterschätzenden taktischen Komponente würde ich noch keine Grundschulkinder dransetzen, auch wenn Dice Hospital durchaus familientauglich ist. Bisher gibt es das Spiel nur mit englischsprachiger Anleitung, was aber kein Problem ist, denn zum Einen gibt es inzwischen eine deutschsprachige Übersetzung als PDF im Netz und alle Spielkomponenten kommen rein mit Symbolen aus und sind damit sprachunabhängig. Das Spiel gefällt mir so gut, dass es jetzt schon im engeren Kreis meiner Topliste für 2019 gelandet ist.

Nemo’s War (Amazon Affiliate Link)
Nemo’s War basiert auf Jules Vernes weltberühmten Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ und ist als reines Solo-Spieler-Erlebnis konzipiert. Zwar gibt es Regeln und ein paar Zusatzkarten, die ein kooperatives Spiel mehrerer Mitspieler ermöglichen, aber alle Spielmechaniken machen deutlich, dass es für einen einzigen Spieler gedacht ist und in dieser Hinsicht macht es seine Sache geradezu brillant.
Der Spieler übernimmt die Rolle des legendären Kapitäns Nemo, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Unterseeboot Nautilus in seinem Kreuzzug gegen die Menschheit die Weltmeere unsicher macht. Nemo’s War deckt dabei einen Zeitraum von einem Jahr ab, in dem es dem Spieler gelingen muss möglichst viele Ziele des gewählten Motivs von Nemo zu erreichen. Die zur Verfügung stehenden Motive sind vielfältig und decken, von Krieg, Wissenschaft bis Entdecker und mehr, sehr viele Bereiche ab, die dementsprechend differenzierte Strategien erfordern.
Das stimmungsvolle Spielbrett ist so gestaltet, dass man während einer Partie kaum noch ins umfangreiche Regelheft blicken muss. Alle notwendigen Regeln und Tabellen sind auf dem Spielplan an passender Stelle aufgedruckt, ebenso wie die Weltmeere, die die Nautilus befahren kann. Hier gilt es den Einfluß der Weltmächte möglichst im Zaum zu halten und nach und nach Schiffe zu versenken, bevor Nemo zwischen den Kriegsschiffen der verschiedenen Nationen aufgerieben werden kann. In jeder Runde zieht man Abenteuerkarten, die das Jahr voranschreiten lassen und die einen vor Herausforderungen stellen, manche risikoreicher als andere, aber stets die Geschichte vorantreiben. Solche Ereignisse, wie auch die Seegefechte werden mit Hilfe von Würfeln abgehandelt, die man mit Fertigkeiten, gefundenen Schätzen oder erforschten Technologien zu seinen Gunsten beeinflußen kann.
Nemo’s War macht am meisten Spaß, wenn man es rollenspielartig spielt und so richtig eintaucht (Wortspiel) in die abenteuerliche Geschichte. Die stimmungsvollen Illustrationen auf den Karten tun ihr Übriges. Spielzug um Spielzug hadert man mit Nemos Schicksal, versucht die knappen Schiffsressourcen möglichst gut zu verwalten und dabei seine Ziele im Auge zu behalten. Nemo’s War ist enorm schwer zu meistern, überhaupt das Ende der Geschichte zu erleben ist eine Herausforderung, die nicht jedes Mal gemeistert werden kann. Und falls man das Ende erreicht hat, ist noch lange nicht gesagt, dass man genügend Punkte erspielen konnte, um es als glückliches Ende bezeichnen zu dürfen.
Nemo’s War ist für Erwachsene konzipiert, die Mechanismen sind komplex, stellen aber für erfahrene Brettspieler keine so große Hürde dar. Die Herausforderung liegt darin die richtige Balance der verschiedenen Elemente zu finden, die Nemos zu Beginn gewähltem Motiv am besten in die Hände spielt. Die Ausstattung ist eine Augenweide, die Spielanleitung und alle Texte auf Karten und dem Spielbrett in englischer Sprache. Eine deutsche Version ist meines Wissens nach leider nicht geplant. Eine Partie dauert gut und gerne drei Stunden, manchmal deutlich länger. Nemo’s War ist in Deutschland nur sehr schwer zu bekommen und muss in der Regel importiert werden, daher lohnt sich ein Preisvergleich bei den wenigen Anbietern.

Digitale Spiele

Jurassic World Evolution (Amazon Affiliate Link)

Jurassic World Evolution ist ein Aufbauspiel par excellence. Man verwaltet seinen eigenen Dinopark, baut Gehege, Besuchereinrichtungen, Forschungslabore, etc., um möglichst viele Besucher anzulocken, Geld zu scheffeln und das wiederum in neue Technologien zu stecken und den Park zu erweitern. Grundsätzlich macht Jurassic World Evolution da nichts anderes, als bereits zuvor erfolgreiche Aufbausimulationen. Allerdings sind, wie schon in der zugrundeliegenden Film Franchise, hier die Dinosaurier die Stars.

Durch clevere Forschung und Ausgrabungen auf der ganzen Welt kann man die Gen-Sequenzen seiner Dinos so verändern, dass sie z. B. widerstandsfähiger werden oder andere Eigenschaften anpassen, um sie noch attraktiver und erfolgreicher für den Park werden zu lassen. Durch immer wieder eingestreute Aufträge aus den verschiedenen Bereichen (Forschung, Sicherheit, etc.) wird man auf Trab gehalten, bringen solche Missionen meist mehr Prestige und vor allem dringend benötigtes Geld. Man kann sich auch im Mikromanagement verlieren, wenn man Preise für T-Shirts oder Hotelzimmer selbst bestimmen möchte. Man kann das aber auch sein lassen und sich ganz dem Wohlergehen der Dinosaurier widmen. Hier gilt es die Gehege zu gestalten und zu verbessern. Fütterungen zu beachten und kranke Tiere zu behandeln. Nach und nach schaltet man weitere Inseln frei und kann so noch mehr und andere Arten züchten und seine Parks erweitern.

Jurassic World Evolution gibt es für PC (Windows), Xbox One und PS4.

Sushi Academy (Amazon Affiliate Link)

In verschiedenen Leveln gilt es die Sushi Zubereitung zu erlernen. Wer sich ausreichend fit fühlt, darf sich an einer Prüfung vor einem Sushi Meister versuchen, die jedoch fehlerlos sein muss, um ein Zertifikat zu ergattern. Sushi Academy macht dabei intensiv Gebrauch von der Gestensteuerung am Touchpad des Nintendo DS. Lachs schneiden, Reisbällchen formen, Sushi rollen, das alles muss möglichst genau auf dem Touchpad angezeichnet werden, um den strengen Lehrmeistern zu genügen.
Sushi Academy setzt dabei auf einen nintendo-typischen japanischen Cartoon-Look. Das ist niedlich anzusehen und auch die Sounduntermalung ist, wie zu erwarten, sehr japanophil und genretypisch unterhaltsam. Die Gestensteuerung ist auf den Punkt genau sehr gut umgesetzt und bietet mal eine echte Abwechslung zum üblichen Button/Steuerkreuz-Gedrücke.
Die Level sind ansteigend herausfordernd und haben genau die richtige Schwierigkeit um bei der Stange zu bleiben. Schnell stellt sich ein kleiner Suchteffekt ein: Das nächste Sushi möchte ich noch schaffen. Und nur noch eins. Und noch eins.
Sushi Academy ist ursprünglich für den Nintendo DS erschienen, funktioniert aber Dank Abwärtskompatibilität auch mit dem modernen 3DS (nur dann eben ohne 3D Effekt).

 

 

Bernd spielt 18.01.2019

Hallo zusammen, 2019 wird ein spannendes Spielejahr. Wie schon 2018, werde ich im Laufe der kommenden Monate auch wieder einige über Kickstarter finanzierte Brettspiele vorstellen, die ich hochinteressant und unterstützenswert finde.

Für den Januar habe ich vier Spiele im Gepäck, drei davon sind sogar ausgezeichnet solo spielbar, falls sich mal keine Mitspieler finden sollten.

Dann starten wir mal spielerisch zusammen ins neue Jahr.

(Fast alle in diesem Beitrag enthaltenen Links sind Amazon Affiliate Links)

Lunar Lockout
…ist ein klassisches Puzzle-Denk-Spiel für Solisten. Es geht darum seine rote Raumsonde auf dem rot markierten Feld zu positionieren. Dabei dürfen alle Roboter und die Sonde selbst stets nur orthagonal gezogen werden, und ausschließlich bis zum nächsten Hindernis. Über den Rand der Plattform hinaus ist nicht zulässig. Dem Spiel liegen zig Aufgaben in vier verschiedenen Schwierigkeitsstufen bei, auf den Rückseiten der Aufgabenkarten ist die jeweilige Lösung abgedruckt.
Die Box ist mit rund 12x12cm enorm handlich und sozusagen handtaschentauglich. Alle erforderlichen Spielmaterialien sind im Inneren der Box gut verstaut. Das Spielbrett und die Roboter sind so gestaltet, dass beim Spielen nichts herunterfallen kann, also absolut reisetauglich, auch wenn’s mal holprig werden sollte. Lunar Lockout ist ein cleveres Puzzlespiel, das die grauen Zellen in Schwung bringt. Je nach Schwierigkeitsgrad kann eine Aufgabe unter einer Minute oder eben auch deutlich länger in Anspruch nehmen. Die Spielregeln liegen mehrsprachig bei, auch Deutsch.

Lucidity – Six-sided Nightmares
Lucidity hat ein sehr außergewöhnliches Thema, es geht um Träumende und Albträume. Zu Spielbeginn übernimmt man die Rolle eines Träumenden und muss versuchen durch geschicktes Würfelmanagement seinen Albträumen Herr zu werden und gleichzeitig ausreichend Energie zu sammeln, um die Partie für sich zu entscheiden. Dabei muss man jedoch stets im Blick haben, dass man nicht zu sehr erschöpft und eventuell wertvolle Energie wieder verliert oder gar von seinen Albträumen überwältigt wird und fortan selbst als Albtraum den Mitspielern das Leben schwer macht, aber auch als Albtraum ist die Partie noch nicht verloren, denn man hat nun andere Aktionsmöglichkeiten als die Träumenden und kann am Ende als Sieger dastehen.

Die Ausstattung von Lucidity ist sehr gut. Das Artwork passt hervorragend zum Thema und ist sehr stimmungsvoll. Die insgesamt 80 Würfel werden in einem blickdichten Würfelbeutel aus Samt verstaut, der Beutel dient gleichzeitig als Spielelement, da die Würfel zufällig gezogen werden müssen. Die Albtraumkarten, es gibt davon verschiedene, die den vier Farben Rot, Blau, Grün und Gelb zugeordnet sind, passen sich visuell bestens dem Thema an und sind nichts für kleine Kinder. Lucidity ist aber auch thematisch nicht familientauglich. Die Spielregeln und alle Texte im Spiel sind derzeit leider nur in Englisch verfügbar. Die Regeln sind aber bei genauem Studium recht gut verständlich, es liegen aber auch Ablaufspielhilfen in Kartenform bei und auf dem Spielertableau werden nochmal alle verfügbaren Aktionen in Textform dargestellt, so dass man kaum etwas übersehen kann. Bis zu vier Spieler dürfen sich beteiligen, aber Lucidity bietet auch Solo-Regeln, die ein deutlich anderes Spiel daraus machen. Es lohnt sich also beide Varianten auszuprobieren. Eine Partie mit zwei Spielern dauert ca. 30 bis 40 Minuten. Eine deutschsprachige Veröffentlichung ist derzeit nicht geplant.


Pulp Detective
… nimmt sich optisch und inhaltlich die Detektiv-Comics der 30er/40er Jahre als Vorlage. Zu Beginn sucht man sich einen von vier möglichen DetektivInnen-Charakteren aus und einen von drei möglichen Kriminalfällen (die aber immer wieder spielbar sind). Der Fall entfaltet sich nach und nach durch gezogene Karten, die patience-ähnlich vor dem Detektiv angeordnet werden. Die Anordnung entscheidet darüber welche Aufgabe in Form von Würfelergebnissen man erfüllen muss, um der Lösung des Falls näherzukommen und ob man eventuell Würfel dazu erneut würfeln darf. Durch geschicktes Würfelmanagement und den Einsatz von Fertigkeiten und Ausrüstungsgegenständen kreist man so nach und nach einen Verdächtigen ein, um ihn (oder sie) in einem Showdown zu stellen. Visuell ist Pulp Detective eine Augenweide, denn das Artwork fängt die Pulp Ära ganz hervorragend ein. Die Qualität der Karten und Würfel ist sehr gut. Nur bei den hölzernen Zählsteinen wurde bei der Produktion leider geschlampt, so dass dem Spiel die Holzsteine in der falschen Farbe beiliegen. Wo in der ausschließlich englischsprachigen Anleitung von blauen und roten Markern die Rede ist, liegen gelbe und schwarze bei. Das ist zwar überhaupt nicht spielrelevant, aber sollte nicht unerwähnt bleiben. Hier merkt man vielleicht, dass Pulp Detective ein privat finanziertes Kickstarter Spiel ist und nicht von einem großen Publisher stammt. Das Spiel ist als Solospiel konzipiert, allerdings sind auch Regeln für eine kompetitive und kooperative Zwei-Spieler-Variante dabei, die auch gut funktionieren. Da das Thema eigentlich nur Erwachsene ansprechen wird und auch das pulpige Artwork nicht gewaltfrei ist, keine Empfehlung für Kinder unter 12. Gute Englischkenntnisse sind erforderlich, da nicht nur die Anleitung sondern auch alle Kartentexte ausschließlich auf Englisch vorliegen. Eine deutsche Veröffentlichung ist derzeit wohl leider nicht geplant.

Durch die Wüste
Zeit für einen Klassiker aus dem Spieleregal, noch dazu einer, der familientauglich ist und auch 20 Jahre nach Erstveröffentlichung kein bisschen Staub angesetzt hat. Durch die Wüste vereint Elemente eines Legespiels mit Gebietskontrolle a la Carcasonne. Abwechselnd setzen die Spieler Kamele in die Wüste, um Wasserlöcher und Oasen zu erreichen und möglichst lange Karawanen zu bilden, mit denen man sogar punkteträchtig Gebiete vollständig einschließen kann. Die Ausstattung ist gelungen. Das Spielbrett ist stabil und mit einer Wüste stimmungsvoll bedruckt. Die Kamele sind aus Kunststoff und werden in einem beiliegenden Stoffsäckchen gut verstaut. Oasen werden mit Palmen aus Kunststoff gekennzeichnet, Wasserlöcher und andere Punktemarker sind aus stabilen Karton. Eine Partie mit zwei Spielern dauert knapp 30 Minuten und ist so schnell gespielt, dass man gerne noch eine weitere dranhängt. Bis zu fünf Spieler dürfen sich beteiligen, das Spiel ist auch mit Kindern ab 10 Jahren sehr gut spielbar. Die sehr übersichtliche und verständliche Anleitung ist gerade mal vier Seiten lang und deutschsprachig. Da Durch die Wüste inzwischen schon viele Jahre auf dem Buckel hat, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den Gebrauchtmarkt, wo man auch schon mal für unter 10€ für eine gut erhaltene Ausgabe finden kann, wenn’s nicht unbedingt eine niegelnagelneue Version sein muss. Bis aufs Cover gibt es inhaltlich keine Unterschiede zwischen alten und neuen Veröffentlichungen.

Bernd spielt 21.12.2018

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Während ich einkaufen gehe und mich auf den Besuch von The Knitting Me freue, übernimmt Bernd mal wieder den Blog und zeigt euch diesmal die Weihnachtsedition seines Spieltests und ihr lernt auf einem der Fotos (ENDLICH!!) einen der beiden Herren Katze kennen, die bei Bernd wohnen  . Ich hoffe ihr habt Spaß und wir wünschen euch schöne und besinnliche Feiertage mit viel Zeit für Spiele, Bücher und Strickerei.

 

Über die Weihnachtsfeiertage haben Einige von Euch hoffentlich etwas Zeit sich auch mal miteinander hinzusetzen und einen gemütlichen Spieleabend zu verbringen. Vielleicht ist für den einen oder anderen dieses Mal etwas dabei, auch wenn die Zeit sich eins dieser Spiele vor Weihnachten zu besorgen wohl etwas zu knapp sein wird.  Digitale Titel habe ich für den Dezember nicht eingepackt, obwohl es da inzwischen auch Einiges zu zeigen gäbe. Vielleicht schieben wir da nächstes Jahr mal einen digital only Monat oder eine Sonderausgabe ein. Es wird heute auf jeden Fall ein sehr bunter Brettspiel-Mix, heldenhaft, infektiös und mysteriös.

Thanos Rising

Thanos ist einer der mächtigsten Schurken des Marvel-Comic-Universums. Wer hier augenrollend aufhört weiterzulesen, verpasst eines der pfiffigsten und vor allem kooperativsten Würfelspiele des Jahres. Thanos Rising nimmt die Ereignisse rund um den aktuellen Avengers-Film „Infinity War“ als Grundthema. Jeder Spieler sucht sich einen von vier Superhelden-Anführern nebst Hauptquartier aus und versucht im Laufe des Spiels möglichst sich ergänzende andere Helden zu rekrutieren, um in jeder Runde die Angriffe von Thanos abwehren zu können und gleichzeitig zu verhindern, dass der Schurke alle Infinity-Steine in seinem Handschuh vereinen kann (was das Ende der Helden bedeutet und damit das Spiel als verloren gilt). Jeder Anführer bzw. dessen Hauptquartier generiert bestimmte Arten von Würfeln, die durch die rekrutierten Helden modifziert und ergänzt werden können. Die Helden gewinnen, wenn sie es schaffen alle zehn Schergen von Thanos aus dem Spiel zu nehmen. Dazu gilt es bestimmte Würfelsymbole zu erwürfeln und zu kombinieren, um Schaden zu machen. Für jeden Schaden, den die Helden den bösen Jungs verpassen konnten bekommt der Spieler einen Bonusmarker, der z. B. bestimmte Würfelsymbole ersetzen kann oder andere Sonderfertigkeiten mit sich bringt. Doch Thanos ist nicht untätig, in jeder Runde greift er die Helden unerbittlich an, was durch ihn unterstützende Schurken noch verstärkt wird. Falls sieben Helden oder mehr aus dem Spiel genommen werden müssen oder es Thanos schafft seinen Handschuh zu komplettieren, haben die Spieler verloren. Es gilt also möglichst gemeinsam und sich gegenseitig unterstützend vorzugehen und die unterschiedlichen Fähigkeiten geschickt zu managen.

Thanos Rising ist eine große, äußerst positive Überraschung. Ich bin ohne Erwartungen an das Spiel rangegangen und habe beinahe erwartet, dass das eine der oft so üblichen Lizenzgurken sein wird, ohne Tiefgang. Aber das Spiel hat es in sich. Die Ausstattung ist klasse, die große Thanos Figur, die anzeigt welche Helden/Schurken gerade aktiv sind, die Infinity-Steine, Karten und Würfel sind von sehr guter Qualität. Die Illustrationen sind stimmungsvoll und aus dem Marvel-Film-Universum entnommen. Spielerisch hat der Titel Einiges zu bieten, da man sich jede Runde gut überlegen muss, wie man seine zur Verfügung stehenden Würfel ergänzt oder modifiziert. Da man nach jedem Wurf mindestens einen Würfel einer bestimmten Aktion zuordnen muss, bleibt es stets spannend, ob man das, was man sich für seinen Zug vorgenommen hat, auch wirklich durchbringt. Thanos Rising ist herausfordernd, da man das Würfelglück mit den richtigen Heldenkombinationen und Bonusmarkern und der Hilfe seiner Mitspieler lenken kann und muss. Wer gerne miteinander statt gegeneinander spielt, ist hier genau richtig. Für Marvelfreunde eine absolute Empfehlung, alle anderen sollten einen Blick riskieren, das Spiel ist es tatsächlich wert.

Spieldauer ist bei 2 Personen ca. 60 bis 75 Minuten, es dürfen maximal vier Leute mitmachen. Als Alter ist vom Hersteller 10+ angegeben, wobei die Filme eh erst ab 12 Jahren freigegeben sind. Ohne Film-Hintergrund hat man wahrscheinlich nicht ganz so viel Spaß an der Sache, weil man mit den verschiedenen Helden und Schurken nichts anfangen kann. Die Spielanleitung umfasst nur vier Seiten, ist aber ausschließlich englischssprachig, und erläutert alle Regeln sehr anschaulich und übersichtlich.

(Hier mische ich mich mal ein, mir gefällt die Verpackung und das Männlein sehr gut. Ich bin ja nicht fit, was Marvel angeht, aber das mag ich mal spielen.)

Plague Inc.

Auf den ersten Blick sieht Plague Inc. wie ein naher Verwandter von Pandemie aus, es geht schließlich um sich auf der ganzen Welt ausbreitende Seuchen. Der Unterschied zu Pandemie ist jedoch, dass man hier selbst ein Bazillus oder Virus ist und das Ziel hat möglichst viele Länder zu infizieren und auszulöschen. Das Spiel geht deutlich flotter von der Hand als Pandemie. Mit hinzugewonnen DNA Punkten versucht man seinen Erreger möglichst gut an die klimatischen Bedingungen verschiedener Länder anzupassen, seine Infektionsrate zu erhöhen und natürlich die Todesrate zu steigern. Um anzuzeigen, welche und wie viele Städte eines Landes vom jeweiligen Erreger infinziert sind, gibt es kleine, farbige Kunststofftokens (die denen von Pandemie sehr ähnlich sind). Ausbreiten darf sich ein Erreger nur in Länder, die auf dem gleichen Kontinent liegen oder per Schiff oder Flugzeug erreicht werden können (wenn der Erreger sich so mobil evolutionieren konnte). Mit jedem Land, dass man auslöschen konnte, bekommt man als Bonus Event-Karten, die man gegen seine Mitspieler oder zum eigenen Vorteil einsetzen kann. Das Spiel endet, wenn keine neuen Länder mehr auf die Weltkarte gelegt werden können oder wenn ein Mitspieler keinen Erreger mehr platzieren, oder ein Land von der Karte tilgen kann. In der finalen Abrechnung werden DNA-Punkte, die verschiedenen Evolutionsstufen und diverse Boni für Länder und Kontinente eingerechnet, um den tödlichsten Erreger zu küren.

Eine Partie Plague Inc. dauert mit zwei Spielern rund 60 Minuten und kann mit maximal vier Mitspielern und sogar solo gespielt werden. Spielanleitung und alle Kartentexte sind leider derzeit nur englischssprachig verfügbar, aber sollten mit normalen Schulenglisch problemlos zu meistern sein. Die Anleitung verdient dabei Extralob, denn der Rundenablauf wird sehr gut und eindeutig erklärt. Das Thema ist morbide und für all zu empfindliche Naturen nicht geeignet, schließlich bringt man hier ohne mit der Wimper zu zucken schon mal ganze Länder um die Ecke oder darf per Event-Karte dem Mitspieler eine Atombombe unterschieben, um eine Wertung zu verhindern. Ein Familienspiel ist es also nicht, aber es macht einen Höllenspaß und bietet spielerisch tatsächlich einiges an Möglichkeiten und durch die Evolutionen durchaus Abwechslung. Plague Inc. basiert übrigens auf dem recht erfolgreichen, gleichnamigen PC- und Mobiltelefonspiel, das ich an dieser Stelle für diejenigen empfehlen kann, die auch zwischendurch mal die Welt vernichten wollen.

(Auch hier habe ich herumzusenfen und empfehle mal schnell „This Podcast will kill you„, das Epedemienthema scheint grad der neue heiße Scheiß und ich gestehe, mich unterhält das sehr!)

Discover Lands Unknown

Discover Lands Unknown ist ein neuartiges, sogenanntes ‚Unique Game‘ und wurde dieses Jahr auf der Spiel Essen erstmals einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Jede Spielebox unterscheidet sich von allen anderen auf dem Markt befindlichen Exemplaren, so dass jeder Käufer ein einzigartiges Spiel erhält. Die Unterschiede können ganz erheblich sein (andere Gebiete, z. B. Inseln, Dschungel) oder eher marginal (andere Ausrüstungskarten, etc.). In mehreren aufeinander folgenden Szenarien wird eine Geschichte Überlebender erzählt. Was sie überlebt haben, erfahren die Spieler erst nach und nach durch Notizen und nützliche Gegenstände, die es zu finden gilt. Im ersten Spiel sind wir kläglich gescheitert und verhungert. Im zweiten Anlauf konnte zumindest einer von uns das erste Szenario meistern, während ich bereits angeschlagen von einem zähen Kampf mit einem Wolf verdurstet bin.

Discover Lands Unknown ist enorm schwierig und herausfordernd. Man muss ständig seinen Gesundheitszustand und seine mehr als knappen Ressourcen im Blick behalten. Fehler bzw. Fehlentscheidungen werden manchmal unmittelbar bestraft oder werden erst nach ein paar Runden deutlich und tödlich. Hinzu kommt, dass die Spieler sehr viele Freiheiten haben und nicht miteinander spielen müssen, sondern sich durchaus auch gegenseitig das Leben schwer machen können. Zusammenarbeit ist zwar hilfreich, aber wenn es ums eigene Überleben geht, dann behält man lieber die letzte Wasserration für sich, oder? Zuviel darf man in dieser Spielevorstellung allerdings nicht preisgeben, denn das Erkunden des Spiels und der Geschichte macht einen großen Teil des Reizes aus. Grundsätzlich besteht das Spiel aus Tag- und Nachtphasen, wobei man nur am Tag versuchen kann seine Umgebung zu erkunden und Ressourcen einzusammeln. Nachts sollte man tunlichst versuchen an einem Lagerfeuer zu sein oder einen geschützten Unterstand zu erreichen. Man darf so viele Aktionen während seines Zuges verbrauchen, so viel Ausdauerpunkte der eigene Spielcharakter gerade hat. Doch Ausdauer ist begrenzt und wird nachts nur in begrenzten Umfang wieder regeniert. Hinzu kommen diverse Fertigkeiten, wobei jeder Charakter eigene einbringt. Es gibt vom Fitnesstrainer bis zur Tanzlehrerin alles Mögliche, was man zu Beginn des Abenteuers zufällig ziehen kann.

Die Ausstattung ist tadellos zu nennen. Es gibt enorm viele Karten und Marker zu verwalten. Die Spielanleitung (derzeit leider nur englischsprachig, eine deutsche Version des kompletten Spiels ist aber bereits in Vorbereitung und sollte bald verfügbar sein) ist umfangreich und erläutert alle Möglichkeiten sehr ausführlich. Allerdings gilt es viele Details zu beachten, die manchmal im Fließtext etwas untergehen können. Für Einsteiger ist Discovery Lands Unknown also nur bedingt geeignet. Zumindest einer am Tisch sollte schon einiges an Spielerfahrung mitbringen, um evtl. nicht so versierte Spieler an die Hand nehmen zu können. Wenn man aber die Einstiegshürde mal gemeistert hat, bietet das Spiel enorme Tiefe und eine mysteriöse Story, der man gerne folgt und die sich Kapitel für Kapitel mehr entfaltet.

Grundsätzlich können bis zu vier Spieler ins Abenteuer einsteigen. Zu zweit haben wir für Kapitel 1 in mehreren Anläufen jeweils gut zwei bis zweieinhalb Stunden benötigt. Für Kinder ist das thematisch eher nix und in der vorliegenden, englischen Fassung auch viel zu textlastig. Wer aber eine echte Herausforderung sucht und vielleicht auch nur zu Zweit einen längeren Spieleabend verbringen möchte, der ist hier gut aufgehoben. Ich fand es bislang sehr gut und freue mich schon auf die kommenden Kapitel, die wir bald angehen werden.