Bernd spielt 15.02.2019

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Bevor ich den Staffelstab an Bernd übergebe, möchte ich euch bitten, an der Umfrage von ludus leonis zum Thema Spielbücher teil zu nehmen…. Hier entlang: Klick!

Und dann mal los… hier kommt Bernds Spielkritik:

 

Im Februar gibt es neben zwei Brettspiel-Geheimtipps auch mal wieder digitale Titel, die viele Stunden Spielspaß versprechen. Lasst uns Würfel heilen, mit Kapitän Nemo auf Tauchfahrt gehen, Dinosaurier züchten und Sushi zubereiten. Los geht’s!

Analoge Spiele

Dice Hospital (Amazon Affiliate Link)
Jeder Spieler leitet ein Krankenhaus, das in Form eines Hexfeldtableaus vor einem liegt. Man startet mit drei Krankenschwestern als einzigem Personal. Im Laufe des Spiels kann sowohl das Krankenhaus um weitere spezialisierte Stationen erweitert werden, als auch das Personal mit Ärzten und Schwestern verschiedener Fachrichtungen. Das Besondere sind aber die Patienten, die in Form von Würfeln in den Farben Rot, Grün und Gelb und unterschiedlich kritischen Zuständen in Form der Würfelziffern eingeliefert werden.
Nun gilt es sein Personal und seine Fachabteilungen so clever einzusetzen, dass möglichst viele Patienten um eine Ziffer nach oben gedreht (also geheilt) werden können. Sobald ein Patient von Stufe 6 hochgedreht werden kann, ist er gesund und wird entlassen. Damit wird auch wieder ein Bett frei und das ist enorm wichtig, denn zu Beginn jeder Runde kommt ein Schwung neuer Patienten herein, die oft nicht alle untergebracht werden können. Patienten, die bei der Aufnahme eigentlich keinen Platz haben, verdrängen bereits vorhandene Kranke, die dann leider als Verstorbene in der Kühlhalle landen und in der Endabrechnung Minuspunkte ergeben.


Dice Hospital ist ein enorm durchdachtes Worker Placement Spiel. In jeder Runde gilt es die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Patienten behandelt und das Krankenhaus auch lebend wieder verlassen können. Die Ausstattung ist außerordentlich gelungen. Neben einem blickdichten Würfelbeutel, aus dem jede Runde zufällig die Patienten (in Form farbiger Würfel) gezogen werden müssen, gibt es stabile Tableaus aus festem Karton, sehr schön gestaltete und illustrierte Charakterkarten für das Personal und viele verschiedenfarbige Holzspielsteine, um das Personal von A nach B zu schicken. Zusätzlich sind mit einem Deluxe-Addon noch fünf Rettungswagen in 3D, diverse Holzspielsteine, zusätzliche Krankenhausstationen, Personal, Holzspielsteine für Blutkonserven und Tote und ein kleiner Würfelturm erhältlich, die das Spiel noch etwas schöner machen, als es eh schon ist.
Dice Hospital macht immens Laune, eine Partie dauert ca. eine Stunde. Bis zu vier Spieler dürfen mitmachen, aber es funktioniert auch ganz hervorragend nur zu zweit. Wegen des Themas, der Vielzahl an Spezialfertigkeiten und der nicht zu unterschätzenden taktischen Komponente würde ich noch keine Grundschulkinder dransetzen, auch wenn Dice Hospital durchaus familientauglich ist. Bisher gibt es das Spiel nur mit englischsprachiger Anleitung, was aber kein Problem ist, denn zum Einen gibt es inzwischen eine deutschsprachige Übersetzung als PDF im Netz und alle Spielkomponenten kommen rein mit Symbolen aus und sind damit sprachunabhängig. Das Spiel gefällt mir so gut, dass es jetzt schon im engeren Kreis meiner Topliste für 2019 gelandet ist.

Nemo’s War (Amazon Affiliate Link)
Nemo’s War basiert auf Jules Vernes weltberühmten Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ und ist als reines Solo-Spieler-Erlebnis konzipiert. Zwar gibt es Regeln und ein paar Zusatzkarten, die ein kooperatives Spiel mehrerer Mitspieler ermöglichen, aber alle Spielmechaniken machen deutlich, dass es für einen einzigen Spieler gedacht ist und in dieser Hinsicht macht es seine Sache geradezu brillant.
Der Spieler übernimmt die Rolle des legendären Kapitäns Nemo, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem Unterseeboot Nautilus in seinem Kreuzzug gegen die Menschheit die Weltmeere unsicher macht. Nemo’s War deckt dabei einen Zeitraum von einem Jahr ab, in dem es dem Spieler gelingen muss möglichst viele Ziele des gewählten Motivs von Nemo zu erreichen. Die zur Verfügung stehenden Motive sind vielfältig und decken, von Krieg, Wissenschaft bis Entdecker und mehr, sehr viele Bereiche ab, die dementsprechend differenzierte Strategien erfordern.
Das stimmungsvolle Spielbrett ist so gestaltet, dass man während einer Partie kaum noch ins umfangreiche Regelheft blicken muss. Alle notwendigen Regeln und Tabellen sind auf dem Spielplan an passender Stelle aufgedruckt, ebenso wie die Weltmeere, die die Nautilus befahren kann. Hier gilt es den Einfluß der Weltmächte möglichst im Zaum zu halten und nach und nach Schiffe zu versenken, bevor Nemo zwischen den Kriegsschiffen der verschiedenen Nationen aufgerieben werden kann. In jeder Runde zieht man Abenteuerkarten, die das Jahr voranschreiten lassen und die einen vor Herausforderungen stellen, manche risikoreicher als andere, aber stets die Geschichte vorantreiben. Solche Ereignisse, wie auch die Seegefechte werden mit Hilfe von Würfeln abgehandelt, die man mit Fertigkeiten, gefundenen Schätzen oder erforschten Technologien zu seinen Gunsten beeinflußen kann.
Nemo’s War macht am meisten Spaß, wenn man es rollenspielartig spielt und so richtig eintaucht (Wortspiel) in die abenteuerliche Geschichte. Die stimmungsvollen Illustrationen auf den Karten tun ihr Übriges. Spielzug um Spielzug hadert man mit Nemos Schicksal, versucht die knappen Schiffsressourcen möglichst gut zu verwalten und dabei seine Ziele im Auge zu behalten. Nemo’s War ist enorm schwer zu meistern, überhaupt das Ende der Geschichte zu erleben ist eine Herausforderung, die nicht jedes Mal gemeistert werden kann. Und falls man das Ende erreicht hat, ist noch lange nicht gesagt, dass man genügend Punkte erspielen konnte, um es als glückliches Ende bezeichnen zu dürfen.
Nemo’s War ist für Erwachsene konzipiert, die Mechanismen sind komplex, stellen aber für erfahrene Brettspieler keine so große Hürde dar. Die Herausforderung liegt darin die richtige Balance der verschiedenen Elemente zu finden, die Nemos zu Beginn gewähltem Motiv am besten in die Hände spielt. Die Ausstattung ist eine Augenweide, die Spielanleitung und alle Texte auf Karten und dem Spielbrett in englischer Sprache. Eine deutsche Version ist meines Wissens nach leider nicht geplant. Eine Partie dauert gut und gerne drei Stunden, manchmal deutlich länger. Nemo’s War ist in Deutschland nur sehr schwer zu bekommen und muss in der Regel importiert werden, daher lohnt sich ein Preisvergleich bei den wenigen Anbietern.

Digitale Spiele

Jurassic World Evolution (Amazon Affiliate Link)

Jurassic World Evolution ist ein Aufbauspiel par excellence. Man verwaltet seinen eigenen Dinopark, baut Gehege, Besuchereinrichtungen, Forschungslabore, etc., um möglichst viele Besucher anzulocken, Geld zu scheffeln und das wiederum in neue Technologien zu stecken und den Park zu erweitern. Grundsätzlich macht Jurassic World Evolution da nichts anderes, als bereits zuvor erfolgreiche Aufbausimulationen. Allerdings sind, wie schon in der zugrundeliegenden Film Franchise, hier die Dinosaurier die Stars.

Durch clevere Forschung und Ausgrabungen auf der ganzen Welt kann man die Gen-Sequenzen seiner Dinos so verändern, dass sie z. B. widerstandsfähiger werden oder andere Eigenschaften anpassen, um sie noch attraktiver und erfolgreicher für den Park werden zu lassen. Durch immer wieder eingestreute Aufträge aus den verschiedenen Bereichen (Forschung, Sicherheit, etc.) wird man auf Trab gehalten, bringen solche Missionen meist mehr Prestige und vor allem dringend benötigtes Geld. Man kann sich auch im Mikromanagement verlieren, wenn man Preise für T-Shirts oder Hotelzimmer selbst bestimmen möchte. Man kann das aber auch sein lassen und sich ganz dem Wohlergehen der Dinosaurier widmen. Hier gilt es die Gehege zu gestalten und zu verbessern. Fütterungen zu beachten und kranke Tiere zu behandeln. Nach und nach schaltet man weitere Inseln frei und kann so noch mehr und andere Arten züchten und seine Parks erweitern.

Jurassic World Evolution gibt es für PC (Windows), Xbox One und PS4.

Sushi Academy (Amazon Affiliate Link)

In verschiedenen Leveln gilt es die Sushi Zubereitung zu erlernen. Wer sich ausreichend fit fühlt, darf sich an einer Prüfung vor einem Sushi Meister versuchen, die jedoch fehlerlos sein muss, um ein Zertifikat zu ergattern. Sushi Academy macht dabei intensiv Gebrauch von der Gestensteuerung am Touchpad des Nintendo DS. Lachs schneiden, Reisbällchen formen, Sushi rollen, das alles muss möglichst genau auf dem Touchpad angezeichnet werden, um den strengen Lehrmeistern zu genügen.
Sushi Academy setzt dabei auf einen nintendo-typischen japanischen Cartoon-Look. Das ist niedlich anzusehen und auch die Sounduntermalung ist, wie zu erwarten, sehr japanophil und genretypisch unterhaltsam. Die Gestensteuerung ist auf den Punkt genau sehr gut umgesetzt und bietet mal eine echte Abwechslung zum üblichen Button/Steuerkreuz-Gedrücke.
Die Level sind ansteigend herausfordernd und haben genau die richtige Schwierigkeit um bei der Stange zu bleiben. Schnell stellt sich ein kleiner Suchteffekt ein: Das nächste Sushi möchte ich noch schaffen. Und nur noch eins. Und noch eins.
Sushi Academy ist ursprünglich für den Nintendo DS erschienen, funktioniert aber Dank Abwärtskompatibilität auch mit dem modernen 3DS (nur dann eben ohne 3D Effekt).

 

 

Bernd spielt 18.01.2019

Hallo zusammen, 2019 wird ein spannendes Spielejahr. Wie schon 2018, werde ich im Laufe der kommenden Monate auch wieder einige über Kickstarter finanzierte Brettspiele vorstellen, die ich hochinteressant und unterstützenswert finde.

Für den Januar habe ich vier Spiele im Gepäck, drei davon sind sogar ausgezeichnet solo spielbar, falls sich mal keine Mitspieler finden sollten.

Dann starten wir mal spielerisch zusammen ins neue Jahr.

(Fast alle in diesem Beitrag enthaltenen Links sind Amazon Affiliate Links)

Lunar Lockout
…ist ein klassisches Puzzle-Denk-Spiel für Solisten. Es geht darum seine rote Raumsonde auf dem rot markierten Feld zu positionieren. Dabei dürfen alle Roboter und die Sonde selbst stets nur orthagonal gezogen werden, und ausschließlich bis zum nächsten Hindernis. Über den Rand der Plattform hinaus ist nicht zulässig. Dem Spiel liegen zig Aufgaben in vier verschiedenen Schwierigkeitsstufen bei, auf den Rückseiten der Aufgabenkarten ist die jeweilige Lösung abgedruckt.
Die Box ist mit rund 12x12cm enorm handlich und sozusagen handtaschentauglich. Alle erforderlichen Spielmaterialien sind im Inneren der Box gut verstaut. Das Spielbrett und die Roboter sind so gestaltet, dass beim Spielen nichts herunterfallen kann, also absolut reisetauglich, auch wenn’s mal holprig werden sollte. Lunar Lockout ist ein cleveres Puzzlespiel, das die grauen Zellen in Schwung bringt. Je nach Schwierigkeitsgrad kann eine Aufgabe unter einer Minute oder eben auch deutlich länger in Anspruch nehmen. Die Spielregeln liegen mehrsprachig bei, auch Deutsch.

Lucidity – Six-sided Nightmares
Lucidity hat ein sehr außergewöhnliches Thema, es geht um Träumende und Albträume. Zu Spielbeginn übernimmt man die Rolle eines Träumenden und muss versuchen durch geschicktes Würfelmanagement seinen Albträumen Herr zu werden und gleichzeitig ausreichend Energie zu sammeln, um die Partie für sich zu entscheiden. Dabei muss man jedoch stets im Blick haben, dass man nicht zu sehr erschöpft und eventuell wertvolle Energie wieder verliert oder gar von seinen Albträumen überwältigt wird und fortan selbst als Albtraum den Mitspielern das Leben schwer macht, aber auch als Albtraum ist die Partie noch nicht verloren, denn man hat nun andere Aktionsmöglichkeiten als die Träumenden und kann am Ende als Sieger dastehen.

Die Ausstattung von Lucidity ist sehr gut. Das Artwork passt hervorragend zum Thema und ist sehr stimmungsvoll. Die insgesamt 80 Würfel werden in einem blickdichten Würfelbeutel aus Samt verstaut, der Beutel dient gleichzeitig als Spielelement, da die Würfel zufällig gezogen werden müssen. Die Albtraumkarten, es gibt davon verschiedene, die den vier Farben Rot, Blau, Grün und Gelb zugeordnet sind, passen sich visuell bestens dem Thema an und sind nichts für kleine Kinder. Lucidity ist aber auch thematisch nicht familientauglich. Die Spielregeln und alle Texte im Spiel sind derzeit leider nur in Englisch verfügbar. Die Regeln sind aber bei genauem Studium recht gut verständlich, es liegen aber auch Ablaufspielhilfen in Kartenform bei und auf dem Spielertableau werden nochmal alle verfügbaren Aktionen in Textform dargestellt, so dass man kaum etwas übersehen kann. Bis zu vier Spieler dürfen sich beteiligen, aber Lucidity bietet auch Solo-Regeln, die ein deutlich anderes Spiel daraus machen. Es lohnt sich also beide Varianten auszuprobieren. Eine Partie mit zwei Spielern dauert ca. 30 bis 40 Minuten. Eine deutschsprachige Veröffentlichung ist derzeit nicht geplant.


Pulp Detective
… nimmt sich optisch und inhaltlich die Detektiv-Comics der 30er/40er Jahre als Vorlage. Zu Beginn sucht man sich einen von vier möglichen DetektivInnen-Charakteren aus und einen von drei möglichen Kriminalfällen (die aber immer wieder spielbar sind). Der Fall entfaltet sich nach und nach durch gezogene Karten, die patience-ähnlich vor dem Detektiv angeordnet werden. Die Anordnung entscheidet darüber welche Aufgabe in Form von Würfelergebnissen man erfüllen muss, um der Lösung des Falls näherzukommen und ob man eventuell Würfel dazu erneut würfeln darf. Durch geschicktes Würfelmanagement und den Einsatz von Fertigkeiten und Ausrüstungsgegenständen kreist man so nach und nach einen Verdächtigen ein, um ihn (oder sie) in einem Showdown zu stellen. Visuell ist Pulp Detective eine Augenweide, denn das Artwork fängt die Pulp Ära ganz hervorragend ein. Die Qualität der Karten und Würfel ist sehr gut. Nur bei den hölzernen Zählsteinen wurde bei der Produktion leider geschlampt, so dass dem Spiel die Holzsteine in der falschen Farbe beiliegen. Wo in der ausschließlich englischsprachigen Anleitung von blauen und roten Markern die Rede ist, liegen gelbe und schwarze bei. Das ist zwar überhaupt nicht spielrelevant, aber sollte nicht unerwähnt bleiben. Hier merkt man vielleicht, dass Pulp Detective ein privat finanziertes Kickstarter Spiel ist und nicht von einem großen Publisher stammt. Das Spiel ist als Solospiel konzipiert, allerdings sind auch Regeln für eine kompetitive und kooperative Zwei-Spieler-Variante dabei, die auch gut funktionieren. Da das Thema eigentlich nur Erwachsene ansprechen wird und auch das pulpige Artwork nicht gewaltfrei ist, keine Empfehlung für Kinder unter 12. Gute Englischkenntnisse sind erforderlich, da nicht nur die Anleitung sondern auch alle Kartentexte ausschließlich auf Englisch vorliegen. Eine deutsche Veröffentlichung ist derzeit wohl leider nicht geplant.

Durch die Wüste
Zeit für einen Klassiker aus dem Spieleregal, noch dazu einer, der familientauglich ist und auch 20 Jahre nach Erstveröffentlichung kein bisschen Staub angesetzt hat. Durch die Wüste vereint Elemente eines Legespiels mit Gebietskontrolle a la Carcasonne. Abwechselnd setzen die Spieler Kamele in die Wüste, um Wasserlöcher und Oasen zu erreichen und möglichst lange Karawanen zu bilden, mit denen man sogar punkteträchtig Gebiete vollständig einschließen kann. Die Ausstattung ist gelungen. Das Spielbrett ist stabil und mit einer Wüste stimmungsvoll bedruckt. Die Kamele sind aus Kunststoff und werden in einem beiliegenden Stoffsäckchen gut verstaut. Oasen werden mit Palmen aus Kunststoff gekennzeichnet, Wasserlöcher und andere Punktemarker sind aus stabilen Karton. Eine Partie mit zwei Spielern dauert knapp 30 Minuten und ist so schnell gespielt, dass man gerne noch eine weitere dranhängt. Bis zu fünf Spieler dürfen sich beteiligen, das Spiel ist auch mit Kindern ab 10 Jahren sehr gut spielbar. Die sehr übersichtliche und verständliche Anleitung ist gerade mal vier Seiten lang und deutschsprachig. Da Durch die Wüste inzwischen schon viele Jahre auf dem Buckel hat, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den Gebrauchtmarkt, wo man auch schon mal für unter 10€ für eine gut erhaltene Ausgabe finden kann, wenn’s nicht unbedingt eine niegelnagelneue Version sein muss. Bis aufs Cover gibt es inhaltlich keine Unterschiede zwischen alten und neuen Veröffentlichungen.

Bernd spielt 21.12.2018

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Während ich einkaufen gehe und mich auf den Besuch von The Knitting Me freue, übernimmt Bernd mal wieder den Blog und zeigt euch diesmal die Weihnachtsedition seines Spieltests und ihr lernt auf einem der Fotos (ENDLICH!!) einen der beiden Herren Katze kennen, die bei Bernd wohnen  . Ich hoffe ihr habt Spaß und wir wünschen euch schöne und besinnliche Feiertage mit viel Zeit für Spiele, Bücher und Strickerei.

 

Über die Weihnachtsfeiertage haben Einige von Euch hoffentlich etwas Zeit sich auch mal miteinander hinzusetzen und einen gemütlichen Spieleabend zu verbringen. Vielleicht ist für den einen oder anderen dieses Mal etwas dabei, auch wenn die Zeit sich eins dieser Spiele vor Weihnachten zu besorgen wohl etwas zu knapp sein wird.  Digitale Titel habe ich für den Dezember nicht eingepackt, obwohl es da inzwischen auch Einiges zu zeigen gäbe. Vielleicht schieben wir da nächstes Jahr mal einen digital only Monat oder eine Sonderausgabe ein. Es wird heute auf jeden Fall ein sehr bunter Brettspiel-Mix, heldenhaft, infektiös und mysteriös.

Thanos Rising

Thanos ist einer der mächtigsten Schurken des Marvel-Comic-Universums. Wer hier augenrollend aufhört weiterzulesen, verpasst eines der pfiffigsten und vor allem kooperativsten Würfelspiele des Jahres. Thanos Rising nimmt die Ereignisse rund um den aktuellen Avengers-Film „Infinity War“ als Grundthema. Jeder Spieler sucht sich einen von vier Superhelden-Anführern nebst Hauptquartier aus und versucht im Laufe des Spiels möglichst sich ergänzende andere Helden zu rekrutieren, um in jeder Runde die Angriffe von Thanos abwehren zu können und gleichzeitig zu verhindern, dass der Schurke alle Infinity-Steine in seinem Handschuh vereinen kann (was das Ende der Helden bedeutet und damit das Spiel als verloren gilt). Jeder Anführer bzw. dessen Hauptquartier generiert bestimmte Arten von Würfeln, die durch die rekrutierten Helden modifziert und ergänzt werden können. Die Helden gewinnen, wenn sie es schaffen alle zehn Schergen von Thanos aus dem Spiel zu nehmen. Dazu gilt es bestimmte Würfelsymbole zu erwürfeln und zu kombinieren, um Schaden zu machen. Für jeden Schaden, den die Helden den bösen Jungs verpassen konnten bekommt der Spieler einen Bonusmarker, der z. B. bestimmte Würfelsymbole ersetzen kann oder andere Sonderfertigkeiten mit sich bringt. Doch Thanos ist nicht untätig, in jeder Runde greift er die Helden unerbittlich an, was durch ihn unterstützende Schurken noch verstärkt wird. Falls sieben Helden oder mehr aus dem Spiel genommen werden müssen oder es Thanos schafft seinen Handschuh zu komplettieren, haben die Spieler verloren. Es gilt also möglichst gemeinsam und sich gegenseitig unterstützend vorzugehen und die unterschiedlichen Fähigkeiten geschickt zu managen.

Thanos Rising ist eine große, äußerst positive Überraschung. Ich bin ohne Erwartungen an das Spiel rangegangen und habe beinahe erwartet, dass das eine der oft so üblichen Lizenzgurken sein wird, ohne Tiefgang. Aber das Spiel hat es in sich. Die Ausstattung ist klasse, die große Thanos Figur, die anzeigt welche Helden/Schurken gerade aktiv sind, die Infinity-Steine, Karten und Würfel sind von sehr guter Qualität. Die Illustrationen sind stimmungsvoll und aus dem Marvel-Film-Universum entnommen. Spielerisch hat der Titel Einiges zu bieten, da man sich jede Runde gut überlegen muss, wie man seine zur Verfügung stehenden Würfel ergänzt oder modifiziert. Da man nach jedem Wurf mindestens einen Würfel einer bestimmten Aktion zuordnen muss, bleibt es stets spannend, ob man das, was man sich für seinen Zug vorgenommen hat, auch wirklich durchbringt. Thanos Rising ist herausfordernd, da man das Würfelglück mit den richtigen Heldenkombinationen und Bonusmarkern und der Hilfe seiner Mitspieler lenken kann und muss. Wer gerne miteinander statt gegeneinander spielt, ist hier genau richtig. Für Marvelfreunde eine absolute Empfehlung, alle anderen sollten einen Blick riskieren, das Spiel ist es tatsächlich wert.

Spieldauer ist bei 2 Personen ca. 60 bis 75 Minuten, es dürfen maximal vier Leute mitmachen. Als Alter ist vom Hersteller 10+ angegeben, wobei die Filme eh erst ab 12 Jahren freigegeben sind. Ohne Film-Hintergrund hat man wahrscheinlich nicht ganz so viel Spaß an der Sache, weil man mit den verschiedenen Helden und Schurken nichts anfangen kann. Die Spielanleitung umfasst nur vier Seiten, ist aber ausschließlich englischssprachig, und erläutert alle Regeln sehr anschaulich und übersichtlich.

(Hier mische ich mich mal ein, mir gefällt die Verpackung und das Männlein sehr gut. Ich bin ja nicht fit, was Marvel angeht, aber das mag ich mal spielen.)

Plague Inc.

Auf den ersten Blick sieht Plague Inc. wie ein naher Verwandter von Pandemie aus, es geht schließlich um sich auf der ganzen Welt ausbreitende Seuchen. Der Unterschied zu Pandemie ist jedoch, dass man hier selbst ein Bazillus oder Virus ist und das Ziel hat möglichst viele Länder zu infizieren und auszulöschen. Das Spiel geht deutlich flotter von der Hand als Pandemie. Mit hinzugewonnen DNA Punkten versucht man seinen Erreger möglichst gut an die klimatischen Bedingungen verschiedener Länder anzupassen, seine Infektionsrate zu erhöhen und natürlich die Todesrate zu steigern. Um anzuzeigen, welche und wie viele Städte eines Landes vom jeweiligen Erreger infinziert sind, gibt es kleine, farbige Kunststofftokens (die denen von Pandemie sehr ähnlich sind). Ausbreiten darf sich ein Erreger nur in Länder, die auf dem gleichen Kontinent liegen oder per Schiff oder Flugzeug erreicht werden können (wenn der Erreger sich so mobil evolutionieren konnte). Mit jedem Land, dass man auslöschen konnte, bekommt man als Bonus Event-Karten, die man gegen seine Mitspieler oder zum eigenen Vorteil einsetzen kann. Das Spiel endet, wenn keine neuen Länder mehr auf die Weltkarte gelegt werden können oder wenn ein Mitspieler keinen Erreger mehr platzieren, oder ein Land von der Karte tilgen kann. In der finalen Abrechnung werden DNA-Punkte, die verschiedenen Evolutionsstufen und diverse Boni für Länder und Kontinente eingerechnet, um den tödlichsten Erreger zu küren.

Eine Partie Plague Inc. dauert mit zwei Spielern rund 60 Minuten und kann mit maximal vier Mitspielern und sogar solo gespielt werden. Spielanleitung und alle Kartentexte sind leider derzeit nur englischssprachig verfügbar, aber sollten mit normalen Schulenglisch problemlos zu meistern sein. Die Anleitung verdient dabei Extralob, denn der Rundenablauf wird sehr gut und eindeutig erklärt. Das Thema ist morbide und für all zu empfindliche Naturen nicht geeignet, schließlich bringt man hier ohne mit der Wimper zu zucken schon mal ganze Länder um die Ecke oder darf per Event-Karte dem Mitspieler eine Atombombe unterschieben, um eine Wertung zu verhindern. Ein Familienspiel ist es also nicht, aber es macht einen Höllenspaß und bietet spielerisch tatsächlich einiges an Möglichkeiten und durch die Evolutionen durchaus Abwechslung. Plague Inc. basiert übrigens auf dem recht erfolgreichen, gleichnamigen PC- und Mobiltelefonspiel, das ich an dieser Stelle für diejenigen empfehlen kann, die auch zwischendurch mal die Welt vernichten wollen.

(Auch hier habe ich herumzusenfen und empfehle mal schnell „This Podcast will kill you„, das Epedemienthema scheint grad der neue heiße Scheiß und ich gestehe, mich unterhält das sehr!)

Discover Lands Unknown

Discover Lands Unknown ist ein neuartiges, sogenanntes ‚Unique Game‘ und wurde dieses Jahr auf der Spiel Essen erstmals einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Jede Spielebox unterscheidet sich von allen anderen auf dem Markt befindlichen Exemplaren, so dass jeder Käufer ein einzigartiges Spiel erhält. Die Unterschiede können ganz erheblich sein (andere Gebiete, z. B. Inseln, Dschungel) oder eher marginal (andere Ausrüstungskarten, etc.). In mehreren aufeinander folgenden Szenarien wird eine Geschichte Überlebender erzählt. Was sie überlebt haben, erfahren die Spieler erst nach und nach durch Notizen und nützliche Gegenstände, die es zu finden gilt. Im ersten Spiel sind wir kläglich gescheitert und verhungert. Im zweiten Anlauf konnte zumindest einer von uns das erste Szenario meistern, während ich bereits angeschlagen von einem zähen Kampf mit einem Wolf verdurstet bin.

Discover Lands Unknown ist enorm schwierig und herausfordernd. Man muss ständig seinen Gesundheitszustand und seine mehr als knappen Ressourcen im Blick behalten. Fehler bzw. Fehlentscheidungen werden manchmal unmittelbar bestraft oder werden erst nach ein paar Runden deutlich und tödlich. Hinzu kommt, dass die Spieler sehr viele Freiheiten haben und nicht miteinander spielen müssen, sondern sich durchaus auch gegenseitig das Leben schwer machen können. Zusammenarbeit ist zwar hilfreich, aber wenn es ums eigene Überleben geht, dann behält man lieber die letzte Wasserration für sich, oder? Zuviel darf man in dieser Spielevorstellung allerdings nicht preisgeben, denn das Erkunden des Spiels und der Geschichte macht einen großen Teil des Reizes aus. Grundsätzlich besteht das Spiel aus Tag- und Nachtphasen, wobei man nur am Tag versuchen kann seine Umgebung zu erkunden und Ressourcen einzusammeln. Nachts sollte man tunlichst versuchen an einem Lagerfeuer zu sein oder einen geschützten Unterstand zu erreichen. Man darf so viele Aktionen während seines Zuges verbrauchen, so viel Ausdauerpunkte der eigene Spielcharakter gerade hat. Doch Ausdauer ist begrenzt und wird nachts nur in begrenzten Umfang wieder regeniert. Hinzu kommen diverse Fertigkeiten, wobei jeder Charakter eigene einbringt. Es gibt vom Fitnesstrainer bis zur Tanzlehrerin alles Mögliche, was man zu Beginn des Abenteuers zufällig ziehen kann.

Die Ausstattung ist tadellos zu nennen. Es gibt enorm viele Karten und Marker zu verwalten. Die Spielanleitung (derzeit leider nur englischsprachig, eine deutsche Version des kompletten Spiels ist aber bereits in Vorbereitung und sollte bald verfügbar sein) ist umfangreich und erläutert alle Möglichkeiten sehr ausführlich. Allerdings gilt es viele Details zu beachten, die manchmal im Fließtext etwas untergehen können. Für Einsteiger ist Discovery Lands Unknown also nur bedingt geeignet. Zumindest einer am Tisch sollte schon einiges an Spielerfahrung mitbringen, um evtl. nicht so versierte Spieler an die Hand nehmen zu können. Wenn man aber die Einstiegshürde mal gemeistert hat, bietet das Spiel enorme Tiefe und eine mysteriöse Story, der man gerne folgt und die sich Kapitel für Kapitel mehr entfaltet.

Grundsätzlich können bis zu vier Spieler ins Abenteuer einsteigen. Zu zweit haben wir für Kapitel 1 in mehreren Anläufen jeweils gut zwei bis zweieinhalb Stunden benötigt. Für Kinder ist das thematisch eher nix und in der vorliegenden, englischen Fassung auch viel zu textlastig. Wer aber eine echte Herausforderung sucht und vielleicht auch nur zu Zweit einen längeren Spieleabend verbringen möchte, der ist hier gut aufgehoben. Ich fand es bislang sehr gut und freue mich schon auf die kommenden Kapitel, die wir bald angehen werden.

 

Bernd spielt am 16.11.2018

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Bernd spielt hat Geburtstag! Ein Jahr wird unsere Rubrik nun alt und ich freue mich, dass ihr Bernd offenbar genauso gern begleitet, wie ich.

Diese Party muß aber natürlich gefeiert werden und aus dem Grund habe ich ein Gewinnpaket zusammen gestellt.

Enthalten ist das Addi Anleitungsheft, in dem auch eine Anleitung für meine Yoga Socken ist, einer der tollen neuen Labello Lippenstifte mit Farbe, ein Fadenabschneider von Prym, Nähgarne von MEZ, das Hello Trend Anleitungsheft, zwei Samenbomben von Pinterest, das Schachenmayr Weihnachtssockenheftchen, Maschenmarkierer von Addi und das Kinderspiel des Jahre von Haba „Funkelschatz“.

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, mußt du bis zum 23.11.2018 die Frage beantworten:

Welche Spielempfehlung von Bernd hat euch am Besten gefallen? 

Wenn ihr noch mal nachsehen wollt, was er so empfohlen hat, hier findet ihr alle Ausgaben von Bernd spielt: Klick!

Beantwortet die Frage bitte auf dem Blog, bei Facebook oder unter dem Instagramposting. Wer überall kommentiert, wandert mehrfach in den Lostopf. Ausgelost wird per Nummerngenerator.

Die Teilnahme ist ab 18. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Verantwortlich ist alleine Jetztkochtsie für das Gewinnspiel und durch deine Teilnahme erklärst du dich mit deiner Namensnennung im Gewinnfall bereit.

Alle Spiele Links sind Affiliate Links zu Amazon. Was das genau ist, habe ich hier erläutert: KLICK!

Jetzt übergebe ich aber an Bernd:

Zum einjährigen Jubiläum dieser kleinen Spielerubrik gibt’s gleich vier Brett- bzw. Kartenspielvorstellungen. Bei den Fazits werde ich ab sofort auch darauf achten neben technischen Aspekten auch eine Einschätzung der geeigneten Altersgruppe abzugeben. Dann mal viel Spaß beim Lesen und vor allem noch mehr Spaß beim Spielen.

High Society

Um zur High Society zu gehören, muss man sich einen teuren Lebensstil leisten. High Society ist im Kern ein Auktionsspiel, bei dem es darum geht mit den zu Verfügung stehenden Geldmitteln möglichst wertvolleren Luxus anzuhäufen als die Mitspieler. Beeinflusst werden kann der ersteigerte Luxus durch ebenfalls in der Auktion angebotene Bonuskarten, verringert wird er durch Skandalkarten, die man vermeiden sollte, aber unter Umständen unvermeidbar sind, wenn man clevere Mitspieler hat.

High Society hat ein äußerst cleveres Bietsystem, bei dem man sich nie sicher sein kann, wie viel Geld die anderen Bieter noch zur Verfügung haben bzw. bereit sind in den Topf zu werfen. Das Täuschen und Bluffen der Mitspieler macht einen enorm großen Reiz des Spiels aus. Man startet zwar mit dem gleichen Vermögen, muss aber gut aufpassen welche Beträge die anderen schon ausgegeben haben oder gar frühzeitig aus einer Auktion ausgestiegen sind, um vielleicht auf besseren Luxus bieten zu können oder einen in einen viel zu hohen Betrag zu treiben.

Die Anleitung ist englischsprachig und erfreulich kurz gehalten, besticht aber durch eindeutige Erklärungen des Spielablaufs.Die Luxuskarten haben Übergröße, die Geldscheinkarten Standardgröße, die Kartenqualität ist sehr gut. Die Illustrationen im Jugendstil passen hervorragend zu Thema und sind eine Augenweide. High Society kann man zwar mit mindestens drei Spielern problemlos spielen, ideal jedoch sind vier oder fünf Spieler, um die Unwägbarkeit am Tisch zu maximieren. Vom Hersteller ist eine Altergrenze ab 10 angegeben, ich würde da aber aus dem Bauch heraus durchaus noch zwei drei Jahre aufschlagen, da bluffen und kleine psychologische Tricks sicherlich von Vorteil bei einem Auktionsspiel sind und das Thema und die Illustrationen sich eher an erwachsenen Spielern orientiert. Insgesamt ein sehr spannendes Spiel, das mit rund 20 Minuten pro Partie auch zu einigen Runden mehr als geplant verführt.

Boss Monster

Ein kartenspielgewordenes Videospiel der 16-Bit-Ära. Jeder Spieler zieht zu Beginn einen zufälligen Endgegner seines Dungeons. Anschließend werden Runde um Runde neue Dungeonräume ausgelegt, die diverse Symbole und Sonderfähigkeiten aufgedruckt haben. Bestimmte Symbole locken bestimmte Heldentypen in den eigenen Dungeon. Ziel ist es möglichst viele Helden mit Hilfe des Dungeons ins Jenseits zu befördern, bevor sie den eigenen Endgegner erreicht haben und ihm Schaden zufügen können. Mit Ereigniskarten und den Sonderfertigkeiten der eigenen Dungeonräume können die Mitspieler geärgert werden und den dort zu Werke gehenden Helden vielleicht den Weg ebnen.

Die Illustrationen in Pixelgrafik sind äußerst knuffig geraten und spiegeln das klassische Videospielambiente klasse wieder. Man kann geradezu die digitalen Soundeffekte dazu hören, wenn man die entsprechenden Karten auslegt. Boss Monster war ursprünglich ein sehr erfolgreiches Kickstarter finanziertes Kartenspiel, das jedoch inwzischen nicht nur eine Erweiterung spendiert bekommen hat, sondern auch in kompletter deutscher Übersetzung (Anleitung und Kartentexte) vorliegt.

2 bis 4 Spieler dürfen den Bösen spielen und sich darum balgen, wer am Schnellsten die benötigte Anzahl an Helden im eigenen Dungeon zugrundegehen hat lassen. Das Spielmaterial ist von guter Qualität, die Anleitung könnte etwas strukturierter sein, aber nach der ersten Partie (Spieldauer ca. 45 bis 60 Minuten) dürften alle Unklarheiten beseitigt sein. Vom Hersteller ist eine Altersangabe ab 13+ gemacht, die man so stehen lassen kann. Thematisch eher etwas für Leute, die auch tatsächlich einen entsprechenden Videospielhintergrund mitbringen. Allerdings kann das sehr taktische Spielprinzip auch andere neugierige Spielernaturen durchaus ansprechen.

Super Villain – This Galaxy is mine

Als Superschurke die gesamte Galaxis zu beherrschen ist das Ziel bei Super Villain. Dazu gilt es, seine Mitkonkurrenten mit Hilfe von ferngesteuerten Asteroiden und eigens dafür gebauten geheimen Einrichtungen und Basen aus dem Weg zu räumen. Als Superschurke macht man das alles aber nicht selbst, sondern lässt seine Untertanen, die sogenannten Minions schuften.
In jeder Runde zieht man zu Beginn entweder ein neues Bauprojekt ODER einen Asteroiden (den man sofort auf die Reise zu einem anderen Superschurken schickt). Damit aus einem Bauprojekt eine geheime Basis wird müssen Minions daran arbeiten. Da wir ganze Planeten kontrollieren werden Minions in Millionen abgerechnet. In jeder Runde darf man zwei Minion Aktionen ausführen. Ein paar Millionen Minions einem Projekt zuweisen (damit es irgendwann fertig wird) UND eine Minion Operation ausführen, z. B. einen ankommenden Asteroiden abfangen, eine gegnerische Basis sabotieren, etc. Gewonnen hat, wer zuerst so viele geheime Basen errichten konnte, das fünf Siegpunkte erreicht sind.

Super Villain ist witzig und in sich stimmig designt. Ein bisschen Glück beim Ziehen von Karten, aber auch etwas taktisches Geschick ist notwendig, um die richtigen Karten zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen. Die Anleitung und die Kartentexte sind englischsprachig, aber leicht verständlich. Ein Partie kann je nach Anzahl der Spieler (2-4) zwischen 30 bis 60 Minuten dauern. Die Karten haben Standardgröße und sind von guter Qualität. Die Illustrationen und auch die Texte sind sehr humorvoll und nehmen das Superschurkendasein gekonnt auf die Schippe. Aufgrund der Thematik und der Sprachhürde wohl eher für schon ältere Kinder geeignet, für Erwachsene sowieso.

Coldwater Crown

Angeln als Brettspiel. Damit könnte diese Vorstellung auch schon beendet sein, wenn Coldwater Crown nicht ein so schönes Spiel wäre. Im Grunde genommen eine Art Worker Placement Spiel, bei dem es darum geht seine Köderbox stets möglichst gut gefüllt zu haben und seine Angleraktionen taktisch klug einzusetzen, um am Ende bei den verschiedenen Wertungsklassen des Wettangelns die Nase vorn zu haben.

Es gibt drei Fischgründe, die jeweils andere Fischarten beheimaten und damit auch andere Köder erforderlich machen. Die Köder werden in Form von verschiedenfarbigen Steinen blind aus einem Vorratssäckchen gezogen und auf dem eigenen Ködertableau angeordnet. In jeder Runde hat man zwischen zwei und vier Aktionen zur Verfügung, um z. B. Köder auszuwerfen und damit Fische zu angeln, seine Köderbox aufzufüllen oder um zu versuchen besondere Meisteranglerfische zu bekommen. Hinzu kommt noch diverse Ausrüstung, die einem bestimmte Sonderaktionen ermöglichen.

Da Coldwater Crown sehr viele Wertungen sowohl während des Spiels als auch am Ende des Wettangelns bietet, bleibt es bis zur finalen Abrechnung spannend. Man muss stets abwägen welche Wertung einem wichtig ist oder welche vielleicht am schnellsten erreicht werden kann. Das reicht vom schwersten Fisch bis zu acht unterschiedliche Fischarten etc. etc. Die Ausstattung ist hervorragend. Das Spielbrett ist aus stabilen Karton, der Druck von hoher Qualität. Die Fisch-Illustrationen sind stimmungsvoll und korrekt. Die sehr gut verständliche Anleitung ist nur englischsprachig, im Spiel selbst gibt es keine sprachspezifischen Eigenheiten (bis auf die englischen Fischnamen). Für 2 bis 4 Spieler, eine Partie dauert ca. 45 bis 60 Minuten. Spieltechnisch ist es wohl ab 10 Jahre geeignet, thematisch dürfte es aber eher Erwachsene ansprechen. Grundsätzlich für alle SpielerInnen interessant, die auch mal bisschen über den Tellerrand gucken wollen, denn spielerisch hat Coldwater Crown wirklich Einiges zu bieten.

Bernd spielt 19.10.2018

Bernd spielt im Oktober

Nächsten Monat gibt es Bernd spielt genau ein Jahr und ich habe mir für dieses Jubiläum bereits eine tolle Überraschung ausgedacht. Was das ist, werde ich dann verkünden, ich mach euch nur schon mal neugierig. Aber jetzt räume ich das Feld und überlasse Bernd und seinen Spielen den Blog…

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Der Oktober ist nicht nur wegen der ‚Spiel Essen‚, der größten Spiele-Messe der Welt, ein klassischer Monat für Brettspiele. Die Tage werden nun deutlich kürzer und statt draußen herumzutollen ist nun auch mehr Zeit es sich abends am Spieltisch gemütlich zu machen. Hier ein paar Tipps für Abenteuerlustige, die es märchenhaft, hektisch oder auch mal entscheidungsfreudig mögen.

Woodlands

Woodlands vereint klassische Legespiel-Elemente mit Finde-den-Weg-Knobeleien. Es gilt verschieden Märchen über mehrere Runden mit anziehendem Schwierigkeitsgrad durchzuspielen, was bedeutet seine Geländeteile so auszulegen, dass z. B. Rotkäppchen diverse Elemente, die auf einer gerasterten Folie in der Tischmitte aufgedruckt sind, einsammelt (oder vermeidet). Sobald ein Spieler meint einen korrekten Weg vor sich ausgelegt zu haben, beginnt die Uhr für die Mitspieler zu ticken, die dann schnellstens ihren Weg fertigstellen sollten. Anschließend wird die Folie über die ausgelegten Teile gelegt und nachgeprüft, ob alle Aufgaben erfüllt werden konnten. Das gibt in der Punktewertung Plus- oder auch Minuspunkte, je nach Element. Dabei kann man Edelsteine, Schlüssel für Schatztruhen, etc. finden, die im weiteren Spielverlauf Boni geben oder Sonderfähigkeiten erlauben.

Woodlands ist ein klassisches Familienspiel und kindertauglich. Man sollte sich aber von der niedlichen und nett umgesetzten Märchenthematik nicht täuschen lassen, das Spiel verlangt Einiges an Vorstellungsvermögen, um die Wege unter Zeitdruck richtig zu planen und dabei Punktverlust zu vermeiden. Die Knobeleien können in den späteren Kapiteln durchaus ziemlich knifflig werden. Insgesamt ist es ein sehr durchdachtes und motivierendes Spiel, das auch Erwachsene gut unterhalten kann. Bis zu vier Spieler dürfen knobeln, eine komplette Partie dauert ca. 30 Minuten. Die Regeln sind deutschsprachig. Das Spielmaterial ist von guter Qualität, einzig die Spielerboards auf denen die Teile ausgelegt werden hätten durchaus dickeren Karton vertragen, um nicht ganz so billig zu wirken.

FUSE
Ein rasantes, eigentlich schon sehr hektisches Spiel. Bis zu vier Spieler versuchen zusammen und gleichzeitig gegen die Uhr alle Bomben auf dem Tisch zu entschärfen. Man hat dazu genau 10 Minuten Zeit, in denen neue Karten (Bomben) aufgedeckt werden, Würfel geworfen und den eigenen Karten zugeordnet werden müssen. Nur wenn der komplette Stapel Bombenkarten innerhalb des äußerst knappen Zeitlimits abgearbeitet wurde und kein Spieler mehr Bomben vor sich liegen hat, ist das Spiel gewonnen. Die Würfel haben die Zahlen 1 bis 6 und und fünf verschiedene Farben. Jede Bombe hat eine bestimmte Bedingung zur Entschärfung aufgedruckt, das kann eine aufaddierte Würfelsumme sein oder nur Würfel einer bestimmten Farbe oder auf- bzw. absteigende Zahlen, manchmal müssen bestimmte Farben aufeinandergestapelt werden, usw.. Da alle Aktionen am Tisch gleichzeitig stattfinden müssen, um das Zeitlimit nicht zu reissen, kann es hoch hergehen. Hysterisch werden Würfel geschnappt, getauscht und es kann dabei auch mal laut werden. FUSE ist also nichts für einen entspannten Spieleabend, sondern eher zum Auftakt geeignet, um den Blutdruck aller Mitspieler ein bisschen nach oben zu treiben. Das Spielmaterial ist von sehr guter Qualität. Die Karten sind beidseitig bedruckt und stabil, die Würfel haben Standardgröße, aber die Farben sind ansprechend und die LCD Ziffern sauber graviert. Um die Würfel blind zu ziehen ist ein blickdicktes mit FUSE besticktes Würfelsäckchen dabei, das ebenfalls einen hochwertigen Eindruck macht. Die Anleitung ist zwar englischsprachig, aber selbst mit einfachem Schulenglisch leicht zu verstehen, da alle Eigenschaften mit eindeutigen Bildern und Grafiken erklärt werden. Im Spiel selbst gibt es keine Sprache zu beachten, da alle Aufdrucke nur Farben und Zahlen sind. Sehr empfehlenswert, wenn es mal sehr schnell gehen soll oder wenn man zu niedrigen Blutdruck hat.

The Lost Expedition
Ich war sehr erstaunt festzustellen, dass wir bislang noch nicht über „The Lost Expedition“ gesprochen haben. Ein echtes Versäumnis, da dieser Titel in diesem Jahr bei uns am häufigsten auf dem Spieltisch gelandet ist. TLE ist ein Kartenspiel, bei dem man entweder solo oder mit einem Mitspieler zusammen versuchen muss, eine kleine Expedition durch den südamerikanischen Dschungel zu leiten, damit mindestens einer der drei Teilnehmer lebend die versunkene Stadt Z erreicht. Es gibt einen Tag- und Nachtzyklus, in dem jeweils sechs Karten in einer bestimmten Reihenfolge ausgelegt werden. Diese Karten bestimmen, wie das Abenteuer weiter geht und verlangen den Spielern über diverse Symbole Entscheidungen ab. Soll eine der raren Patronen verschwendet werden, um dringend benötigte Nahrung zu beschaffen oder soll die Expedition stattdessen lieber weiter durch den Dschungel voran laufen, um den Ziel näher zu kommen? Soll die nächste Karte in der Reihenfolge besser übersprungen werden, um einer schweren Verletzung aus dem Weg zu gehen oder wird das auf der Karte ebenfalls vermerkte Proviantpaket doch dringend gebraucht? Jeder Schritt muss sorgfältig bedacht werden, einzig und allein die Reihenfolge der Karten und die Entscheidungen der Spieler bestimmen, ob die Stadt Z erreicht werden kann oder alle im Dschungel sterben. Keine Partie ist wie die andere, mit jedem Spiel entfaltet sich ein anderer Weg und andere Begegnungen und Kombinationen.
Die Ausstattung ist hervorragend. Die Karten haben Übergröße und sind stabil. Die Grafiken muss man besonders hervorheben. Alle Illustrationen erinnern an den Stil der Tim&Struppi Comics aus den 60ern, sind enorm stimmungsvoll und passen stets hervorragend zu den darauf angebotenen Entscheidungsmöglichkeiten. Die Regeln sind zwar nur englischsprachig, aber mit vier kleinen Seiten sehr überschaubar und leicht verständlich. Ansonsten funktioniert das Spiel ausschließlich über die aufgedruckten Symbole und Zahlen sprachunabhängig. Es sind sogar zum Einstieg hilfreiche Übersichtskarten mit allen Symbolen und Erläuterungen als Kurzreferenz dabei. Dazu gibt es noch ein paar wenige Pappcounter (um Nahrung, Patronen und Gesundheit anzuzeigen) und zwei Holzfiguren, die das Vorankommen im Dschungel markieren. „The Lost Expedition“ ist im Herzen ein Solo-Spiel und kann hervorragend auch ganz alleine gespielt werden. Es gibt zwar auch eine kompetitive Zwei-Spieler-Variante, aber die ebenfalls mögliche Kooperativ-Variante ist für zwei Spieler meiner Meinung nach die bessere Wahl, da das Spiel eh nicht einfach zu besiegen ist. Es kann durchaus häufiger vorkommen, dass man kurz vor Erreichen des Ziels zugrunde geht, weil man keine Munition oder keine Nahrung mehr bei sich hat. Es ist ein Spiel der Mangelverwaltung, man hat immer von irgendwas zu wenig.
Inzwischen gibt es eine empfehlenswerte Erweiterung „The Fountain of Youth„, die gleich vier zusätzliche, optionale Spielmodule enthält, die man in das Grundspiel nach Lust und Laune integrieren kann. Am grundlegenden Spielprinzip ändert sich damit nichts, es kommen neue Begleiter hinzu, die eigene Sonderfähigkeiten mitbringen und einige neue Entscheidungskarten.