Bauchfrei von Marlene Hellene

Eigentlich sah mein Rezensionsplan für diesen Mittwoch etwas anderes und nicht Bauchfrei von Marlene Hellene* vor. Dann erschien aber nun mal das Buch von Marlene Hellene* und gleichzeitig wurde eine 1-Sterne-Bewertung auf Amazon rausgehauen, weil das Buch einen Knick hatte, als es ankam.

Bauchfrei

Was ich davon halte, am Erscheinungstag dieses Buches eine 1-Sterne-Rezension auf der größten Buchhandelsplattform im Internet zu hinterlassen, weil das Buch zerknickt ankam, soll nicht Bestandteil dieser Rezension sein, war aber der Grund, warum ich mir nicht wie geplant, erstmal eine Verschnaufzeit gegönnt habe, bevor ich ich diese Rezension geschrieben habe.

Vorab, das Buch kam sowohl bei mir, als auch bei den schwangeren und bestimmt bald schwangeren Freundinnen, für die wir es gekauft haben, ohne Knicke und in sehr gutem Zustand an, also nur falls jemand weniger am Inhalt und mehr an den Versandbedingungen interessiert sein sollte. Alles tutti, könnta bestellen.

Bei mir lag Bauchfrei* gestern im Briefkasten und ich wollte eigentlich nur mal schnell reinlesen. Meine Schwangerschaft liegt jetzt 4 Monate zurück (meine Freiheit ist es, das Alter des Kindes in Monaten und nicht in Wochen zu berechnen, da müßt ihr durch!) und es wird auch keine weitere geben. (Jepp, auch die Freiheit nehm ich mir.) Die eine war schon nicht geplant… hat uns aber überraschend viel Freude bereitet und gut getan. (An dieser Stelle danken wir der Covidimpfung für Zyklusschwankungen, die mein sehr ausgeklügeltes Verhütungssystem leider gekillt haben.)
Aber zurück zum Buch, ich hab es trotz nicht mehr so richtig Zielgruppe unbedingt lesen wollen, zum einen, weil ich Marlene Hellene sehr gerne auf Instagram folge und sie gerne schreiben lese.
Zum anderen, weil ich bereits den Verdacht hatte, dass sich das als Geschenk unglaublich gut für Neuschwangere (von denen es in meinem Umfeld grad irgendwie viele gibt) macht.
Nun gut, das Produkt unserer Liebe turnte gestern also wenig gut gelaunt auf mir rum und ja, ich widme dem Kind meine Aufmerksamkeit, aber ich hab gelesen, während es turnte. Steinigt mich, ich wollte das so und das Kind fand es auch prima, weil es so eben deutlich waghalsiger turnen konnte, als wenn ich wirklich mit beiden Augen hingeguckt hätte. Vertrauen, man muß auch mal Vertrauen haben.
Also was soll ich sagen, ich wollte reinlesen und bin dann leider irgendwie versumpft. Aus Reinlesen wurde noch die eine Seite, noch das Kapitel und dann ähm warte ich komm gleich ins Bett, bin fast dur…. bin fertig.
Ich hab es aufgesaugt. Dieses Buch hätte ich bitte ganz unbedingt gerne vor meiner Schwangerschaft gelesen. Nun gut, ich war dank der Ladies vom Hebammensalon, meiner eigenen unerschütterlichen Arroganz (oder ist es Selbstbewusstsein? Weiß nicht genau, kommt auf den Blickwinkel an, denke ich.) und meinem mit 40 ja durchaus fortgeschrittenen Lebensalter. (Zitat des Professors in der Geburtsklinik: „Wir haben hier eine „fast menopausale Schwangere!“ Danke! Ich mochte ihn trotzdem noch.) sicher nicht die unsichere Schwangere, die dieses Buch jetzt unbedingt braucht. Ich war aber trotzdem zu unerfahren, zu wenig vorbereitet (zumindest am Anfang), um jeden Schwurbel direkt als solchen zu identifizieren und vorallem um genau zu wissen, was ich da jetzt wirklich will. Hier hat mir sehr geholfen, dass mir durchaus bewußt ist, dass ich erst das eine wollen und dann feststellen darf, dass das andere vielleicht doch geiler ist. Meinungsänderungen sind im ganzen Leben nicht verboten und so auch definitiv nicht in der Schwangerschaft und unter der Geburt. Vorher sicher sein, dass man keine Schmerzmittel braucht und dann nach einer PDA brüllen? Alles gut, I feel you! (Meine hat dann leider nicht funktionert… aber das ist ne andere spannende Geschichte von der leider nicht ganz so geilen Geburt. Macht aber nix, war trotzdem alles gut und richtig.)


Sehr passend fand ich daher die Worte zu Beginn des Buches:

Wenn Sie dieses Buch lesen und sich wiedererkennen, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass Sie ein Mensch sind und ich über Menschliches schreibe. Sie sind nicht gemeint, Florian. Sie auch nicht, Sabine. Und erst recht nicht Sie, Andreas. Und trotzdem handelt es von Ihnen allen.

Genau das war auch mein Gefühl beim Lesen. Ich fühlte mich erkannt, verstanden und hier und da auch ein bißchen ertappt. Ist klar.

  • Hier kurze Rezensionspause – Die Frucht unserer Lenden verlangte kurz meine Aufmerksamkeit. Etwas worauf einen wirklich kein Buch vorbereiten kann, ist, wie viele Dinge man nach der Schwangerschaft anfängt und mitten drin unterbrechen muß, weil einer weint, sich freut, bespielt werden will oder gekackt hat. Prost Mahlzeit.

Das Buch ist unterteilt in 14 Kapitel, die sich den Stadien der Schwangerschaft auf humorvolle, aber interessante und vorallem zutreffende Art und Weise widmen.
Es beginnt mit dem Kapitel Schwanger und endet im Wochenbett. Und ganz ehrlich bereits mit diesem ersten Kapitel zur Feststellung, dass man Schwanger ist und dass einem dazu gratuliert wird, hatte sie mich. Bei mir erfolgten diese Glückwünsche nämlich (während ich innerlich schmunzelte) kurz nach Vollendung der 13. Woche (als klar war, das ist kein Stress und keine Magenschleimhautentzündung, sondern ein Baby) sehr zögerlich, schließlich war jedem bekannt, hatte ich ja mein ganzes Leben (ja wirklich mein ganzes Leben seit ich etwa sprechen konnte) herausposaunt, dass ich niemals Kinder wollte. Während mein Gegenüber sich also immer wandt und überlegte, ob der Glückwunsch jetzt angebracht wäre oder nicht, hatte ich dieses kleine pubertäre Grinsen im Kopf, weil ich mit dem Satz „ich bin schwanger“ ja gleichzeitig auch gesagt hatte: „Wir hatten Sex!“ Das war allerdings ja nur ein Vorbote dessen, was da noch kommen sollte, an Indiskretionen. In der Schwangerschaft wird man ständig gewogen, gemessen, es werden Fragen zum Stuhlgang gestellt, man bekommt Dinge in Öffnungen gesteckt und Blut abgezapft. Vorallem als „fast menopausale Schwangere“ war ich fest im Laufrad der pränatalen Diagnostik gefangen und kam zumindest am Anfang gar nicht auf den Gedanken, dass ich da zu den ganzen Untersuchungen auch durchaus nein sagen könnte oder äh vielleicht das Spekulum anwärmen? Danke!
Genau darum geht es in den schmissig geschriebenen Texten, verstehen, was im Körper vorgeht, in sich reinhören, entscheiden, was man möchte und was nicht und vorallem feststellen, dass man selbst diejenige (oder durchaus auch derjenige) ist, der hier entscheidet und alle anderen sind schmückendes Beiwerk. Ja, alle. Auch Tante Inge hat nicht mitzureden, ob man den Kaffee jetzt trinken darf, Salami zur Fehlgeburt führt oder zu viel Zucker ADHS versursachen wird, ganz sicher, die eine Tafel Schokolade wird es schuld sein.


Spannend fand ich auch das Kapitel Macht, in dem es auch um Testverfahren geht, ob man denn nun schwanger ist oder nicht und dass es eben je nach Situation durchaus belastend sein kann, den 20. Schwangerschaftstests aufs Kassenband zu legen. (Pro Tipp, ich hab irgendwann mal einen 10er Pack bei Amazon bestellt, kommt in diskreter Verpackung. 😉


Dankbar war ich auch für das Kapitel Übel, in dem es darum geht, dass schwanger eben nicht sofort heißt: GLÜCKLICH und schon gar nicht: mir geht es prima. Ehrlich? Ich hab bis zum 8. Monat gekotzt, ins Auto, in die Postkiste, in den Mülleimer, quer durchs Bad, auf meine Schuhe, in die von meinem Mann gehaltene Einkaufstüte in der Fußgängerzone und absolut ätzendstes Erlebnis auf einer Konferenz in meine MASKE!! Und wenn mir noch einer gesagt hätte „Du aber im 3. Monat hört das auf!“ Ich bin sehr sicher, ich hätte auch den angespukt oder gefressen. Danke und viel Widererkennen auch in dem Abschnitt.


So zieht es sich durch das Buch, ich will jetzt gar nicht auf jedes Kapitel in der Tiefe eingehen, hier und da hab ich auch den Kopf geschüttelt und gedacht, ne so war das nicht, aber auch das ist menschlich, denn schwanger ist bei jedem anders. Fühlt sich anders an, will anders begleit sein und hat andere Probleme, Glücksmomente und Aha-Erlebnisse.

Das Buch gibt einen guten Überblick, was auf einen als Schwangere, aber auch als PartnerIn zu kommt, worauf man sich vorbereiten kann und was man einfach über sich, milde lächelnd ergehen läßt. Es stattet einen aber auch, wenn man nicht so schlagfertig ist, mit schönen Kontern für die allwissende Schwiegermutter (Meine ist ein Träumchen und hier ganz explizit nicht gemeint!!), den klugscheißenden Bruder oder die Freundin, bei der immer alles fein und super ist und die genau weiß, dass ein Stückchen Ingwer zum Frühstück ganz sicher gegen die Übelkeit helfen würde, wenn du nur nicht so bockig wärst.

Ich gestehe, ich war die bockigste Schwangere, die man sich denken kann und das darf ich auch sein. Ende der Geschichte.
Trotzdem gibt es ganz viel zu genießen und genau das zeigt das Buch auch. Es steckt voller Liebe und Verständnis und ist die beste Freundin, die man vielleicht grade nicht hat, die sich mit einem über Schmerzen, Kurzatmigkeit, Dehnungsstreifen aufregt, ohne dabei zu werten und die dann auch noch die Klappe hält, wenn man doch einfach nur die süßen kleine Tritte im Bauch fühlen und Schokolade essen will.

Fazit: Jetzt etwas schneller in die Tasten gehauen, weil das Kind mit den süßen kleinen Tritten gerade wieder unfassbar nach mir verlangt und ihm nachdem ich Rabenmutter Buch gelesen und rezensiert habe, natürlich Qualitytime zusteht. (Nur falls da jetzt die Muttis schon in der Schlange stehen und kreischen…)

Das Buch ist für jeden was, ob schwanger oder nicht, ob auf dem Weg dahin oder mit 20 jährigen Kindern ausgestattet oder auch ganz ohne Kinder, ob als aufmerksamer Partner /Partnerin, als aufgeschlossene Oma oder auch als wissbegieriger Opa.
Wer wissen will, was im Schwangerenkopf vorgeht, das ist sehr nah dran und es hilft, Gedanken sortieren, selbstbewußt auftreten, entscheiden und auch mal rigoros na gut und vielleicht etwas charmanter sagen: „Ey nicht dein Business“.

Danke!

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