GRM – Sibylle Berg

Hart… ist die Beschreibung, die mir am Ehesten zum Werk GRM von Sibylle Berg* einfällt.

Ich schätze ihre Bücher sehr, mag ihren Stil. Ihre Art Dinge nicht zu sagen und sie zu sehr zu sagen. Worte und Zeilen zu benutzen, mehr als nur eine Nachricht zu senden, sondern auf ganz vielen Ebenen mit dem Leser zu kommunizieren. Bergs Texte sind nicht immer logisch, haben oft keine klare Handlung, lassen aber immer ihre Intention und ihren Grund des Schreibens erkennen.

So auch hier. Eine Dystopie? Ja, ist es. Eine triste Zeichnung unserer möglichen Zukunft, abgestumpft, lustfixiert, ohne echte Mittelschicht, vegetiert man so vor sich hin. Die einen reich genug, sich alles (und hier meine ich wirklich alles) zu kaufen, die anderen so arm, dass sie alles (und hier meine ich wirklich alles anbieten). Gewalt und Gleichgültigkeit sind der stete Begleiter der Protagonisten auf der einen Seite, Hass und Einsamkat der der anderen.

Ich bleibe nach meiner mehrere Monate dauernden Lektüre etwas ratlos zurück, wie ich das jetzt fand. Eigentlich möchte ich nach einem Buch immer sagen: Es hat mich gut unterhalten.

Das war hier allerdings nicht der Fall, gut ist an dieser Zukunftsidee rein gar nichts und, das ist das Problem, sie erscheint mir in weiten Teilen erschreckend realistisch und nicht mehr so weit von unserer Wirklichkeit entfernt.

Hab ich mich anfangs mit leichtem wohligem Grusel in die sehr harten, ekligen und teilweise auch durchaus widerlichen Szenen gestürzt, ließ meine Begeisterung schlagartig mit meiner Schwangerschaft nach. Mit Kind im Bauch wollte ich nichts lesen, von verkauften Babies, Kanibalismus, Prostitution, Einsamkeit, Umweltverschmutzung und allen Dingen, die Berg hier noch in sehr krassen und starken Worten beschreibt. Trotzdem konnte ich nicht aufhören, wollte sehen, wo das Buch mich hinführt und landete, wie so oft bei Bergs Texten im grenzenlosen Nichts.

GRM ist ganz anders als der Klappentext erwarten läßt. Die Handlung fehlt, die Szenen reißen einen dennoch von den Socken. Der rote Faden? Gemeinsame Verdammnis trifft es vielleicht noch ganz gut.

Und am Ende die Frage, wieviel davon haben wir heute schon zu verantworten?

Wieviel davon können wir verhindern.

Definitiv nichts für schwache Nerven. Unschön und Widerlich, aber wie immer bei den Texen von Sibylle Berg, für mich ein sprachlicher Hochgenuss.

Niemand spielt so schön mit sprachlichen Konventionen, wie Sibylle Berg, wenn ich das Buch auch nicht als Einstieg in ihren Schreibstil wählen würde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Website bereitgestellt von WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: