Baby leicht von Kareen Dannhauer / Anja Constance Gaca

Es wird Zeit, dass ich hier den Rezensionsmittwoch wieder belebe und das Blog wieder ein bißchen literarischer oder zumindest bibliophiler wird. Der Versuch ist also wieder häufiger am Mittwoch hier eines der von mir gelesenen Bücher zu besprechen. Wie immer markiere ich die Rezensionsexemplare, so dass ihr hier einen Überblick habt.

Und was böte siche besser an, um hier wieder den Einstieg zu finden, als das Buch, das mich die Tage in der Klinik mit Baby J und auch in den ersten Wochen zuhause unglaublich gut unterstützt hat?

Baby leicht*“ von Kareen Dannhauer ( Instagram / Website / Shop Into Life) und Anja Constance Gaca (Hebammenladen/ Blog „Von guten Eltern“ / Bücher* )hatte ich mir vorbestellt, als es im November erschienen ist und mich schon sehr drauf gefreut. In den letzten Wochen und Monaten hat mich nämlich der Podcast Hebammensalon von Kareen Dannhauer und Sissi Rasche wöchentlich begleitet und mit Wissen zur Schwangerschaft, Geburt und den ersten Babyjahren ausgestattet. Ehrlicherweise Wissen, dass ich jetzt nicht in großen Mengen verfügbar oder abrufbar gehabt hätte. Ein Kinderwunsch war bei mir ja quasi nie vorhanden und die große Freude über die ungeplante Schwangerschaft mit Baby Ja hat mich ehrlicherweise auch überrascht. Die Beschäftigung mit der Thematik ging also über das, was ich zur Betreuung der Kinder meiner Schwester benötigte, eher nicht hinaus. Weder wußte ich Dinge, noch hatte ich eine Meinung zu diesen und in manchen Fällen, mußte ich meine vorhandene Meinung, beim Lesen dann doch auch irgendwie anpassen, einfach weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu erdrückend waren oder auch, weil ich zwar vorher genau gewußt hatte, ich will das so oder so machen und mit Baby J fühlte es sich dann aber irgendwie falsch an und ich habe meine Handlungsweise angepaßt.

Ich wollte mein Kind übrigens nie tragen, empfindlicher Rücken, Tragetücher sind Öko, das Kind muß auch mal im Bettchen liegen, solche Dinge hatte ich da im Kopf. Nun während ich diese Zeilen tippe hängt Baby J munter im Tragetuch von Mammacita* vor meinem Bauch, macht kleine glückliche Geräusche und ich habe die Hände frei und kann am Schreibtisch sitzen und tippen. Doch woher weiß man, was praktisch ist und was nicht, was sinnvoll ist und was nicht? Man bekommt keine Fahrprüfung zum Babyführerschein abgenommen, mein Geburtsvorbereitungskurs, war mehr so furchtbar. (Wir erinnern uns, in einer Stunde bekam ich erklärt, dass ich das Kind auch mal an den Mann abgeben muß, auch wenn es schwer fiele und dass ich dem Mann zeigen solle, wo das Putzzeug steht, da ich vielleicht nicht direkt in der ersten Woche wieder putzen kann, obwohl ich das möchte. Ehrlich? Ich hab hier seit 6 Wochen nicht sinnvoll geputzt und mein Wunsch danach ist verschwindend gering. Wo das Putzzeug steht, weiß der Mann auch so, wir leben nämlich im 21. Jahrhundert.)

Mein Wissen mußte also aus anderen Quellen kommen und ja, natürlich kann ich mich mit anderen Frauen unterhalten, aber die meisten meiner Freundinnen haben Kinder, die bereits selbst im gebärfähigen Alter sind, die Schwangerschaften liegen also bereits etwas zurück und weder sind das aktuelle noch allgemeingültige Erkenntnisse. Natürlich ist es interessant sich auszutauschen, aber ich wollte Fachwissen. Ich wollte, wie immer bestens informiert sein. Oder um es wie eine der Hebammen auszudrücken: „Sie haben zu viel gelesen und sind überinformiert!“ Ja, das bin ich immer, denn nur wenn ich alle verfügbaren Informationen habe, kann ich für mich entscheiden, wie ich die Dinge handhaben möchte.

Meine Hauptinfoquellen waren daher der Hebammensalon, denn wer hat mehr Fachwissen zur Kinderaufzucht, Geburt und Schwangerschaft, als zwei langjährige Hebammen, die Mamacadamy, Richtig Schwanger, meine eigene Frauenärztin und natürlich meine Hebamme (nein, nicht die aus dem Geburtsvorbereitungskurs), die ich mir mit viel Sorgfalt ausgesucht habe und mit der ich sehr glücklich bin, vorallem weil sie mich mit homöpathischem Bullshit und esoterischem Quark in Ruhe läßt, außerdem verschiedenste Schwangerschafts und Geburtsvorbereitungsbücher.

Darunter eben auch meine Schwangerschaftsbibel „Baby leicht“. Wenn ich nur ein Buch vor der Schwangerschaft hätte lesen dürfen, ich hätte mir dieses gewünscht. Darin steht alles, was man als Schwangere oder Neumami braucht. Unaufgeregt, sachlich, ehrlich und wenig dogmatisch, werden verschiedenste Herangehensweisen und Themen angerissen. Nie heißt es: „Du mußt das so machen!“ sondern immer: „Das sind die Möglichkeiten, guck, was für dich paßt.“

Das mag ich, ich mag selbst entscheiden, was ich gut umsetzen kann und was nicht. Ich möchte nicht gesagt bekommen, das Kind MUSS aber in seinem eigenen Bett schlafen, sondern das sind die Vorteile, das sind die Nachteile, entscheide, was du willst. (Funfact: Baby J hat zwar ein eigenes Babybay*, pennt aber in der Regel auf meinem Bauch, im Tragetuch oder in Papas Armen. Paßt für uns, die Zeit, in der er in einem eigenen Bettchen in einem eigenen Zimmer schlafen wird, kommt schon früh genug.

Im Buch findet ihr Infos zu Vorfreude und Vorbereitung (Was man braucht und was eher nicht. Danke für die erfrischende Ehrlichkeit und Deutlichkeit an der Stelle!)

Vorbereitungen zum Wochenbett, ehrlich, hab ich mir zu Herzen genommen, gut war auch einfach, weil ich ja die ersten Wochen nach der Geburt quasi noch im Krankenhaus war. Aber auch so haben wir die Ruhe genossen und nur bedingt Besuch empfangen. Ich hatte vorgekocht und Freunde und Familie haben Essen mitgebracht.

Informationen zur Geburt und für mich besonders interessant, wenn es ein schwerer Start war und was man tun kann, um den Kopf klar und die Bindung besser zu machen. Baby J kam in der 34. Woche nach vorzeitigem Blasensprung und 5 Tagen Wehen (Wille versetzt Berge und er sollte so lange drin bleiben, wie möglich, also hab ich mein Bestes gegeben, das auch zu schaffen.) nach einem Notkaiserschnitt unter Vollnarkose zur Welt. Sehen konnte ich ihn aufgrund meines eigenen Zustandes erst am nächsten Morgen. Die Worte der beiden Hebammen zu der Thematik haben mir unheimlich gut getan und für eine besondere Ausgeglichenheit gesorgt. Hier finden sich auch Hinweise für Partner oder Partnerin, wie man als Familie zusammenfinden kann.

Auch die Themen Pflege und Zuwendung, Nähe Berührungen und Sprache. Körperhygiene, Wickeln, Windelfrei und co werden vorgestellt und es wird umfassend informiert. Immer liest man die Präferenzen der beiden Autorinnen heraus, fühlt sich aber nicht als schlechte Mutter, wenn man sich doch für einen anderen Weg entscheidet.

Natürlich wird auch das Thema Stillen / Nichtstillen angesprochen und deutlich gemacht, wie wichtig es hier ist, einen Weg zu finden, der vielleicht nicht DER Richtige ist, aber DEIN Richtiger, weil du dich mit den Entscheidungen wohlfühlen mußt und dein Alltag bewältigbar bleiben muß.

Das große Thema Schlafen wird beleuchtet, Co Sleeping, Verwöhnen, Familienbett und ja auch das Thema plötzlicher Kindstod findet hier Raum. Als jemand der diese Sterbefälle viele Jahre bearbeitet hat, fand ich die Darstellungen sehr zutreffend und deutlich. (Kinderbettchen gut belüften, nicht mit Plüsch zu müllen, nicht zu warm im Zimmer, Baby nie länger als zwingend nötig in der Babyschale liegen lassen) Danke dafür. Die Aufklärung dazu ist leider häufig nicht in der Deutlichkeit zu finden.

Auch die Themen Tragen oder Schieben oder beides, Reisen mit Baby, Kinderbetreuung, zwischen Zuwendung und Förderwahn und der letzte Abschnitt zur Babygesundheit waren für mich wissens- und lesenswert. Dabei wurde ein lockerer und informativer Plauderton getroffen und Register und weiterführende Links hinten im Buch boten weiteren Informationsgehalt.

Für mich ist das das Nachschlagewerk in Sachen Baby und Schwangerschaft.

Einziges kleines Manko, das Buch weist vergleichsweise viele Tippfehler auf, da hätte ich ihm ein deutlich besseres Lektorat gewünscht. Über einen Fehler hier oder da kann ich in der Regel gelassen hinweg sehen, hier war es für mich zu viel, um ohne eine Bemerkung darüber zu lesen.

Da der Inhalt sonst für mich aber so gut und gewinnbringend war, wertet das das Buch jedoch nicht ab und ich gehe davon aus, dass es in einer zweiten Ausgabe ganz sicher behoben wird.

Große Empfehlung!

Für wen:

Schwangere, Paare, Partner von Schwangeren, Großeltern, Eltern, Wissensdurstige, Geschwister und tatsächlich würde ich mir auch wünschen, die ein oder andere vielleicht etwas eingefahrene Hebamme würde da nochmal einen Blick reinwerfen, damit mein Gebursvorbereitungskurserlebnis ein Einzelfall bleibt.

* Links mit Sternchen sind Affiliate-Links, was das ist, findet ihr hier erklärt.

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