Bernd spielt – das große Halloween Spezial

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Bernd kennt ihr ja noch von seinen Spielebeiträgen und ich bin besonders glücklich, dass ich ihn sanft überreden konnte, für uns ein Halloweenspielespezial zu schreiben.

Und das kommt hier auch schon, während ihr lest, befinden sich Frau Fussi und ich übrigens bei Bernd und wir spielen uns durch seine Sammlung! YEAH ! Geil wird das!

Euch jetzt aber viel Spaß mit Bernds Spieleempfehlungen!

Bernd spielt:

Obwohl es bereit das ganze Jahr über recht gruselig zuging, kann man zu Halloween vielleicht noch eins draufsetzen. Nachfolgend findet ihr deshalb vier analoge und zwei digitale Spieletipps für die gruseligste Zeit des Jahres. Obacht, nicht alle Vorschläge sind familien- bzw. kindertauglich, die meisten sind es nicht. Und zweites Obacht: Dieser Text wird lang, sehr lang. Wie eine kühle, neblige Herbstnacht, in der sich die Lebenden und die Toten begegnen können.

Doch jetzt machen wir es uns bei einem knisternden Feuer, in der alten Hütte mitten im Wald, abseits der Wege und weitab von jeglicher Zivilisation gemütlich. Ignorieren wir das entfernte Heulen eines Wolfs und das Kratzen von Klauen am morschen Holz der Veranda draußen in der Finsternis. Rücken wir etwas enger um den Tisch zusammen im Schein flackernder Kerzen, denn es gibt Geschichten zu erzählen; von Untoten, von Monstern, von unbeschreiblichen Kreaturen und namenlosen Schrecken, die im Dunkeln lauern. Vielleicht warten sie mitten unter uns nur auf den richtigen Moment, um die entscheidende Frage zu stellen: „Trick or Treat?“

Abomination, The Heir of Frankenstein*

20 Jahre nach den Ereignissen in Mary Shelleys grandioser Novelle*, versammeln sich Wissenschaftler (die Spieler) in Paris, um für einen geheimnisvollen Auftraggeber die Experimente des umgekommenen Doktors zu wiederholen und eine neue Kreatur zu erschaffen. Dazu müssen an verschiedensten Orten in Paris Ressourcen in Form von Leichenteilen, Wissen und Reputation beschafft werden, um nach und nach eine Kreatur zum Leben erwecken zu können.

Atmosphärisch enorm dicht wird ein viktorianisches Paris zum Leben erweckt und durch viele Story-Elemente eine unheimliche Stimmung erzeugt. Es gibt viele komplett unterschiedliche Herangehensweisen, so dass jeder Spieler (bis max. 4)  in jedem Zug anders agieren kann als seine Gegner. Ob man gedungene Mörder anheuert, um an frische Leichen zu kommen oder doch lieber nachts auf den Friedhof oder in die Leichenhalle schleicht, bleibt einem überlassen. Doch jede Entscheidung hat Einfluß, wie weit man sich von seiner eigenen Menschlichkeit entfernt.

Ein rundherum gelungenes Spielerlebnis, leider exklusiv in englischer Sprache. Nichts für Zartbesaitete und schon gar nichts für Kinder, da manche Illustrationen schon sehr explizit sind. Die Regeln sind in diesem Worker Placement Spiel tatsächlich nur drei Seiten lang und mit vielen Beispielen erklärt. Die restlichen Seiten des Regelhefts sind Storytexten vorbehalten, die zu bestimmten Ereignissen und Entscheidungen im Spiel vorgelesen werden und die Geschichte voranbringen und viel zum Ambiente beitragen. Ein düsteres Spiel, dessen Mechaniken aber hervorragend ins Setting integriert wurden und das es schafft eine Geschichte zu erzählen.

Winter der Toten*

Jetzt ist es doch passiert. Eine Zombie-Apokalypse hat die Zivilisation ausgelöscht und die wenigen Überlebenden rotten sich in kleinen Grüppchen zusammen, um nicht nur gegen die Untoten, sondern auch gegen die Kälte und den Hunger bestehen zu können.

In „Winter der Toten“ führt jeder Spieler eine dieser Gruppen an, die alle gemeinsam eine kleine Kolonie bewohnen. Gemeinsam gilt es die Kolonie zu schützen und deren Bewohner am Leben zu halten. Dazu werden Ressourcen benötigt (z. B. Nahrung, Benzin, Waffen, Wissen in Form von Handbüchern, etc.), die man versucht in der nahegelegenen Kleinstadt zu erbeuten. Jeder Spieler kann zum Gelingen beitragen oder (wenn man ein Saboteur ist möglichst lange unerkannt) das Vorhaben untergraben. Mit nur zwei Spielern kann man jedoch auch eine kooperative Spielvariante wählen, bei der es keinen Saboteur gibt. Jeder Spieler hat zusätzlich zum gemeinschaftlichen Ziel auch ein geheimes, eigenes Ziel, das er für den Spielsieg verfolgen sollte. So steht man in jedem Zug vor der Entscheidung besser zum Wohl der gesamten Kolonie (oder anderer Spieler) zu spielen oder lieber die eigene Gruppe Überlebender zu priorisieren. Stirbt ein Kolonist sinkt die Moral und wenn die auf Null fällt, haben alle verloren. Man sollte also tunlichst dafür sorgen, dass es nicht zu viele Verluste gibt, während man versucht das gemeinsame oder sein eigenes Ziel zu erreichen.

Die Ausstattung ist gelungen und sehr stimmungsvoll präsentiert. Alle Überlebenden (und es gibt nicht wenige mit völlig verschiedenen Eigenschaften) haben einen eigenen 2D Aufsteller für die verschiedenen Spielbereiche, ebenso sind die Untoten in diversen Ausführungen als Aufsteller enthalten. So kann die Bedrohung durch eine Unmenge an Zombies sehr wirkungsvoll vor Augen geführt werden.

Es gibt enorm viele Ereigniskarten, Ausstattungskarten, etc., die allesamt von hoher grafischer Qualität sind und viel zur Stimmung beitragen. Das Spiel gibt es sowohl in einer komplett deutschsprachigen, als auch in einer komplett englischsprachigen Variante. Bis zu 5 Spieler können mitmachen, die kooperative Variante zu zweit ist jedoch auch sehr gut spielbar und nicht minder spannend. Der Hersteller gibt als Altersempfehlung ab 13+ an und im sehr übersichtlich aufgebauten Regelheft wird nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, dass manche Ereigniskarten evtl. beim Spiel mit Kindern aussortiert werden sollten, in denen es um explizite Gewalt (z. B. gegen Kinder, etc.) geht.

Winter der Toten ist durch sehr eingängige Spielmechaniken und einem fest strukturierten Rundenablauf schnell erlernt, bietet aber durch die verschiedenen Charaktereigenschaften der Überlebenden und viele Ausrüstungsoptionen und vor allem viele unterschiedliche Spielziele eine große Bandbreite, die zum Immer-wieder-spielen einlädt. Und, was nicht unterschätzt werden darf: Es kann jedes Mal eine Geschichte erzählen, wenn man sich darauf einlässt.

Cthulhu Fluxx*

Cthulhu Fluxx ist eine der unzähligen Fluxx Varianten, die es mittlerweile da draußen gibt. Fluxx ist ein Kartenspiel, das erstmal nur zwei Regeln hat: Ziehe eine Karte, spiele eine Karte. Alles andere an Fluxx ist beinahe selbsterklärend. Es gibt Zielkarten, Motivkarten, Aktionskarten und Regelkarten. Wenn eine ausliegende Motivkarte (oder mehrere) mit der Vorgabe einer ausliegenden Zielkarte (die für alle Spieler gilt) übereinstimmt, gewinnt der Spieler, vor dem diese Motivkarte (oder mehrere) ausliegt. Ende.

Wenn da nicht die Aktions- und Regelkarten wären, die sowohl die zwei o. g. Regeln als auch den Spielablauf gehörig durcheinanderwirbeln. Auf einmal darf man drei Karten ziehen und muss alles aus seiner Hand ausspielen oder man darf Motivkarten verdeckt vor sich ablegen, so dass die Gegner nicht wissen, ob sie gerade ein Ziel ausspielen, das genau dazu passt. Spaßiges Chaos ist also vorprogrammiert und eine Partie kann urplötzlich vorbei sein oder sich hinziehen, wie eine Partie Schach. Die Cthulhu Variante macht es noch etwas chaotischer, denn hier können sogar alle Spieler gegen die großen Alten verlieren, wenn sie nicht aufpassen.

Die Illustrationen sind in einem niedlichen Comicstil gehalten, so dass das eigentlich bedrückend gruselige Cthulhu Thema einen zu Fluxx passenden leichtgewichtigen Touch bekommt. Nichtsdestotrotz werden aber Kenner des Themas mit vielen Details und zum Hintergrund passenden Texten und Regeln beglückt. Alles sehr entzückend, mit viel Liebe zur Authentizität gemacht. Wie bei Fluxx üblich können sich 2 bis mehr Spieler vergnügen. Die Cthulhu Ausgabe gibt es derzeit meines Wissens nach exklusiv in englischer Sprache. Ein schnelles, sehr gelungenes Kartenspiel, als Absacker oder Einstieg in einen Halloween-Abend bestens geeignet. Neben Cthulhu gibt es auch ein Zombie Fluxx (deutschsprachig erhältilich), das ebenso spaßig ist. Wer Fluxx für kleinere Kinder bzw. in familientauglich sucht, wird mit der Standardvariante*, ganz ohne wahnsinnige Kultisten oder Untote, mehr als zufrieden sein. Empfehlung auch für Halloween-Verweigerer.

Escape the Dark Sector*

Im Weltraum hört Dich niemand schreien. Schon gar nicht, wenn man mit  schwerem Kopf im Zellenblock einer riesigen, tödlichen Raumstation erwacht und nur das Ziel hat zu seinem Schiff zu gelangen, um diesem Alptraum zu entkommen. Bis zu vier Spieler müssen zusammenarbeiten, um durch drei Erzählakte möglichst unbeschadet beim Endgegner anzukommen, diesen zu besiegen und mit einem Raumschiff  zu fliehen.

Escape the Dark Sector ist hauptsächlich ein Würfelmanagement-Spiel, in dem man versucht, möglichst hilfreiche Ausrüstung zu erbeuten und seinen Charakterwerten entsprechend Gegner zu besiegen (oder zu vermeiden) und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Oder besser diejenige Entscheidung zu treffen, die am wenigsten wehtun wird. Jeder Spieler verkörpert dabei einen anderen Typus von Raumfahrer, einen der vielleicht gut mit Waffen umgehen kann, ein anderer, der geschickter ist oder wieder ein anderer, der versucht mit seinem Wissen bestimmte Aufgaben zu meistern. Die Fähigkeiten der Charaktere haben unmittelbar Einfluß auf die Art der Würfel, die man werfen kann. Ebenso kann man mit der Ausrüstung oder Implantaten seine Würfel modifzieren.

Die Geschichte der Flucht entfaltet sich in Form eines Kartenstapels. Jede gezogene Karte hält eine Herausforderung für die Spieler bereit, die erst bestanden werden muss, bevor man seinen Weg fortsetzen kann. Doch Vorsicht ist angeraten, denn jede Herausforderung kann Auswirkungen auf die Gesundheit der Protagonisten haben. Fällt die auch nur bei einem der Spieler auf Null, haben alle verloren. Es geht also nur mit gemeinsamen Entscheidungen, wer voran geht, wer welche Ausrüstung bekommt, etc. Egal, wie sich die Gruppe letztendlich Karte für Karte vorantastet, es muss stets mit Würfeln eine oder mehrere Proben bestanden werden. Jeder Würfel hat dabei entsprechende Symbole der Charaktereigenschaften, die es mal mehr, mal weniger oft zu erwürfeln gilt.

ETDS war ein erfolgreich finanziertes Kickstarterprojekt. Die Anleitung und die sehr stimmungsvollen Kartentexte sind exklusiv in Englisch. Die Regeln sind leicht verständlich, die Spielmechaniken sehr schnell erlernt. Das Meistern der Mechaniken jedoch hat es in sich, denn die Storykarten sind alles andere als ein Spaziergang und verlangen den Spielern Einiges ab. Gute Zusammenarbeit, das Ausgleichen von Schwächen, das Forcieren von Stärken ist essentiell, um die knackigen Aufgaben in Form mordlüsterner Aliens oder fieser Stolpersteine auf dem Weg zum Hangar zu überleben. Die Ausstattung ist sehr stimmungsvoll in schwarz-weiß gehalten, die Texte gut zusammengestellt. Durch die drei Akte hindurch entfaltet sich eine kleine Geschichte, die auch von den Rollenspiel-light-Elementen bei der Charakterverwaltung durchaus profitiert.

The Typing of Dead Overkill

Wenn es ein Computerspiel gibt, das für mich inzwischen zu guter, alter Halloween-Tradition gehört, dann ist es „The Typing of Dead Overkill“. Das ganze Jahr über schlummert es in einer finsteren, staubigen Ecke meines Steam-Accounts, bis ich es zu Halloween hervorzerre. Ein ekliger, stinkender Leichnam von einem Spiel, aber mit einer so grandiosen Spielidee und Spielmechanik gesegnet, dass man ihm das Erscheinungsdatum 2013 auch heute noch nicht ansieht. Vorweg muss aber gesagt werden, dass das Spiel derzeit nicht mehr im deutschen Steam Store angeboten wird und definitiv ab 18 ist.

Typing ist eigentlich ein klassischer Ego-Rail-Shooter, in dem die Untoten immer näher kommen und abgeschossen werden müssen. Nur, dass man das hier nicht mit Maschinenpistolen und ähnlichen Kram macht, sondern mit Wörtern, die man möglichst schnell in die Tastatur zu hämmern hat. Über jedem Zombie ist dazu ein Wort eingeblendet. Sobald das Wort korrekt eingetippt wurde, ist der Zombie erledigt und zerplatzt in einer blutigen Wolke aus Gedärmen und Gliedmaßen. Die Grafik ist zwar aus 2013, aber heute noch ein ekliger Hingucker. Die ganze Aufmachung des Spiels erinnert an einen Tarantino Film. Typing nimmt sich naturgemäß, wegen der abgefahrenen Art die wandelnden Toten ins Jenseits zu befördern nicht wirklich ernst. Man kommt aber schon leicht ins Schwitzen und gerät in Panik, wenn sich die Untoten durch Vertipper immer schneller annähern. Man hat sozusagen alle Hände voll zu tun.

Leute, die gut blind tippen können sind hier selbstverständlich im Vorteil und schaffen schnell respektable Punktzahlen. Einfingersuchsystemtipper stehen auf verlorenem Posten und werden schnell frustriert sein. Ein enorm spaßig, gruseliges PC Spiel, das gerade zu Halloween zu meinen jährlichen All-time-Favoriten zählt.

Wer einer weniger realistisch inszenierten und weit weniger gruseligen Version mal eine Chance geben möchte, darf einen Blick auf „Typing of the Undead“ werfen. Das ist sozusagen die Niedlich-Variante in Comic Pixel Grafik in isometrischer Draufsicht, die es derzeit für kleines Geld als early access im Steam Store zu kaufen gibt.

Alan Wake

Den Schrifsteller Alan Wake verschlägt es auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau in die Kleinstadt Bright Falls. Und in Bright Falls gehen anscheinend sehr seltsame Dinge vor. Alan Wake ist ein 3rd Person Spiel und ursprünglich 2012 für die Xbox 360 erschienen. Die auf Steam erhältliche PC Version wurde gegenüber der Konsolenversion nochmals deutlich aufgehübscht und ist auch heute noch enorm stimmungsvoll und gut spielbar. Ein Titel, dem man die Jahre tatsächlich kaum ansieht.

Das ganze Spiel hindurch kann man sich der enorm gut eingefangen Twin-Peaks-Atmosphäre nicht entziehen. Zwar dauert es ein bisschen mit der interessanten Licht vs. Dunkelheit Kampfmechanik klarzukommen, doch die hochspannend inszenierte, mysteriöse Geschichte belohnt das Dranbleiben.

Alan Wake ist aber beileibe kein Actionspiel, es lebt von der unheimlichen Stimmung, vom Angst haben, was einen erwarten mag. Die PC Umsetzung ist komplett in Deutsch oder Englisch spielbar. Der perfekte Begleiter für lange Herbst- und Winterabende und definitiv ein Must-buy für Genrefreunde und weil es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, äußerst erschwinglich und auch auf älteren PCs problemlos spielbar.

Das war es dann auch schon. Wer bis hierher tapfer durchgehalten hat, ohne vor Furcht zu sterben oder vor Langeweile einzuschlafen, bekommt ein Extrabonbon aus dem Schädel, der am Eingang auf die verkleideten Kinder wartet.  Bleibt gesund, achtet auf Euch und auf Eure Mitmenschen. Seid vorsichtig, bleibt zuhause (wenn möglich), haltet Abstand und spielt.

Bernd

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