Tante Poppies Küche

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Tante Poppis Küche*“ ist ein neues Kochbuch aus dem Dumont Verlag und ich gebe zu, bei den Kochbüchern des Dumont Verlags bin ich ein kleines Opfer, ich muß sie einfach alle haben. Sie sind immer unheimlich schön aufgemacht, treffen meine Essgewohnheiten und in der Regel sind es keine reinen Rezeptsammlungen, sondern mein Bedürfnis nach einer Geschichte rund um die Gerichte wird ebenfalls gestillt.

Bei Tante Poppis Küche* von Nikoletta Bousdoukou und Thepoula Kechagia geht es nicht nur um die griechische vegetarische Küche, sondern auch um Tante Poppi und ein ganzes Lebensgefühl.

Ich habe mich auf dieses Buch unglaublich gefreut und wurde dann bereits beim zweiten Absatz etwas böse überrascht:

„Meine deutschen Schulfreunde aßen an Werktagen höchstens Spaghetti mit Tomatensoße . Bei uns dagegen wurde jeden Tag ein königliches Festmahl aufgetischt.“

Puuuh… Mal davon abgesehen, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, dass sich Unmengen deutscher Familien von Spaghetti mit Tomatensoße täglich ernähren würden (Bei mir und meinen Freunden war das zumindest nicht so, da bestand ein Mittagessen ebenfalls aus Vorspeise, Salat und Hauptgericht, sowie meist einer leckeren Nachspeise oder Eis und auch bei uns kamen dampfende Töpfe auf den Tisch), bin ich mir nicht sicher, was die Feministin in mir dazu sagt und ob dieses Festmenü nicht vielleicht nur deshalb möglich war, weil die Frauen in der dargestellten Familie und der damaligen Zeit eben Zuhause waren und die Zeit für stundenlanges Kochen hätten. Ich mußte diese Gedanken, wirklich mit viel Mühe runterschlucken, denn ich wollte das Buch* gut finden, ich wollte die Rezepte genießen, ich fand Tante Poppi auf den Bildern sympathisch und ich wollte wirklich keine platten Vorurteile oder Verallgemeinerungen lesen. Also schluckte ich dreimal tief und las weiter.

Ich lernte dabei Nikoletta, Poppi und ihre Familie kennen und ihr Gefühl von Heimat und Griechenland in einer Wohnung am Rand von Hamburg. Ich verstehe ihre Freude am frischen Gemüse und dem Salat, die nostalgischen Erinnerungen an Olivenölschmuggeleien über die Grenze. (Ich kenne das tatsächlich mit Kaffeepaketen von der belgischen Verwandtschaft, die immer unter meinem Kindersitz klemmten, wenn wir wieder nach Hause fuhren. ) Auch das ehrliche Eingeständnis, dass Nikoletta selbst eher selten kocht und lieber bei der Lieblingstante Poppi isst, machte es mir leichter mich ins Buch einzufinden.

Ich fühlte ihre Liebe zum Essen und fast verziehen war der für mich enorm holprige Einstieg. Poppi führt in den 80ern ein Restaurant und da war dann auch die Feministin in mir wieder ruhig und schluckte ihren Unmut über die ersten Zeilen herunter.

Poppi führt mittlerweile mit ihrer Nichte ein Cafe in Berlin.

Dort tanzt Poppi nun also beim Kochen und kocht nicht vegetarisch, sondern einfach nur kein Fleisch. Die Logik gefiel mir sehr und ist bestechend. Ich war gespannt, wie griechische Küche ohne Fleisch wohl aussieht und begab mich endlich auf die Reise in ein mir unbekanntes und ein wenig eingedeutschtes Griechenland. Kein Fleisch bedeutet übrigens zu meinem Leidwesen auch keinen Fisch oder Meeresfrüchte.

Der Rezeptteil des Buches* ist aufgeteilt in Meze (Natürlich, die dürfen nicht fehlen), Suppen & Eintöpfe, Hauptgerichte, Pites und Brote sowie Süsses.

Dazwischen immer wieder Texte rund um Poppi und die Familie und natürlich die Beziehung zum Essen.

„In guter Nachbarschaft“ – Angekommen in Neukölln, der Text gefällt mir gut, wenn auch hier der kleine Seitenhieb auf deutsche Familien nicht ausblieb „Denn anders als bei den deutschen Familien, die ich kannte, war an unserem Tisch immer Platz für Gäste.“ Nun, ich kann mich nicht daran erinnern, dass bei den deutschen Familien ein Gast neben dem Tisch gestanden hätte, bei uns saßen immer auch Schulkameraden oder Nachbarskinder mit am Tisch. Auch wenn ich den Text sonst gut fand, hat mich das wirklich gestört.

„Frisch auf den Tisch“ – Hier wird bezug genommen auf die Güte der Zutaten und die Frische des Gemüses. Auf die Veränderungen in der Küche, weniger Fett, gesundheitsbewußter und warum viele der Gerichte nicht nur vegetarisch, sondern eher zufällig sogar vegan sind. Außerdem wird hier die tiefe Liebe zu Wassermelonen thematisiert, die ich ebenfalls teile.

„Wassermelonenurlaub in Griechenland“ – kommt wieder auf die Wassermelonenliebe zurück und ließ mich dann doch nochmal die Augen verdrehen, denn doch es gab durchaus auch Deutsche die damals bereits Wassermelonen kannten und regelmäßig aßen.

„Einkaufen in Neukölln“ – Ein Text zur gelebten Nachhaltigkeit und dem sinnvollen Einkauf. Hat mich unterhalten und mir gefallen.

„Mit Kind und Kegel“ – Familienurlaube und ein schöner Text zu tollen Familienbildern und Tipps zur Aufbewahrung  von Resten und ihrer Verwertung.

„Heimat geht auch im Plural“ – Einblicke in das Leben mit zwei Heimaten und den Blick auf die Gastarbeiter in Deutschland und im Besonderen Poppis aber auch Nikolettas Geschichte und tatsächlich werde ich hier wieder mit dem Buch versöhnt, lächele und denke, ja genau so ist das. Es ist nicht leicht zwei unterschiedliche Nationalität in sich zu vereinen, die Eigenheiten der einen und die Besonderheiten der anderen gleichzeitig zu lieben und zu ertragen.

Aber kommen wir zu den Rezepten und fangen wir mit den Meze an, hier finden sich Kichererbsensalat (Die griechische Bezeichnung ist immer ebenfalls angegeben, was mir sehr gefällt.), griechischer Bauernsalat, Auberginenpaste, Schafskäsecreme, gefüllte Weinblätter, Zaziki, gefüllte Zwiebeln und vieles mehr. Die Gerichte in „Tante Poppis Küche*“ sind einfach gehalten, aber durchaus raffiniert. Die Zutaten gibt es alle im normalen Supermarkt und lassen sich gut beschaffen. Die Mengen erscheinen mir ausreichend für die angegebenen Portionen. Die Zutatenliste ist hier und da wirklich sehr überschaubar und manchmal fehlen mir ein paar Gewürze oder Kräuter, die ich intuitiv hinzufügen würde. (Beispielsweise bei den gebratenen Zuchini und Auberginen.)

Und zu fast jedem Rezept gibt es ein großformatiges sehr gutes Foto, auf dem man die spätere Optik gut erkennen kann. Alles wirkt appetitlich und einladend und auch die Bilder der Familie sind wirklich schön und sympathisch.

Bei manchen Rezepten finden sich kleine Hinweise, wie zum Beispiel dass das Zaziki von Seite 39 hierzu gut schmeckt oder dass man dieses besser einen Tag vorher zubereitet und es einen Tag ziehen läßt.

Bei den Suppen und Eintöpfen finden sich Auberginensuppe, Linsensuppe, Bohnensuppe, eine Zitronensuppe, die ich unbedingt ausprobieren mußte und die fantastisch war. Das ging vergleichsweise einfach, war sehr lecker und schmeckte gänzlich anders, als viele Suppen, die ich sonst kenne. Die Menge war passend für die angegebenen Portionen und uns hat es sehr gut geschmeckt.

Im Bereich der Hauptgericht war ich etwas verwundert, sehr viele Nudelgerichte vorzufinden. Irgendwie gehören Nudeln für mich nicht zur griechischen Küche. So zum Beispiel Paprika mit Fettuccine, Spinatlasange, Maccharoniauflauf, Nudeln mit Auberginen, aber auch Poppies Burger findet sich hier. Auch Kohlrouladen mit vegetarischer Füllung, fand ich sehr spannend.

Sehr reizvoll fand ich hier die Zuchini mit Zitronen, die wirklich unheimlich gut aussahen. Überhaupt scheint sich Poppie bei allen verschiedenen Nationen ein wenig was für ihre Küche auszuleihen und kreativ umzusetzen, Shakshuka ist für mich eher ein Gericht der israelischen und nordafrikanischen Küche, denn der griechischen, wenn es auch gerade überall Trend zu sein scheint. Augenscheinlich hängt das damit zusammen, das sie mittlerweile auch das jüdische Museum bekocht und ist so dann auch zu erklären, aber irgendwie hätte ich dieses Gericht jetzt nicht in einem Kochbuch zur vegetarischen griechischen Küche erwartet. Ebensowenig wie vegane Spaghetti Bolognese. Die Rezepte zu den Hauptgerichten haben mir gefallen, keine Frage, entsprachen aber irgendwie nicht meinen Erwartungen an das Buch.

Bei den Pites und dem Brot, war ich dann schon wieder zufriedener. Filoteig mache ich selbst häufiger, wenn es schnell gehen muß, kaufe ich auch mal Fertigen, das ist aber natürlich nicht zu vergleichen.

Es folgen dann verschiedene Sorten Pita, Fladenbrot, gefüllte Brote, einem Osterzopf, und einige weitere Brote.

Dann sind wir beim Süßen angekommen, leider wurde ich hier erneut ein wenig enttäuscht, denn neben fünf Rezepten von Marmelade (jetzt auch keine zwingend griechische Errungenschaft) gibt es für mich ein Rezept, das vermutlich ein Insiderwitz ist, den ich nicht verstehe. Wassermelone und Feta. Die Kombination schätze ich schon lange, im Salat ist das unheimlich gut und erfrischend.

Daher war ich gespannt, was hier mit der Melone und dem Feta gemacht wird. Tja nun beides wird kleingeschnitten und es gibt ein wenig Minze drauf. Fertig. Puuuuh, da fiel mir jetzt nicht so viel zu ein. Klar mag es Menschen geben, die dafür ein Rezept brauchen, ich hätte mich hier über eine feine Soße dazu ein paar pfiffige Ideen zur Kreation gefreut. So habe ich bestimmt 5 Minuten auf die Seite gestarrt und wußte wirklich nicht, was ich davon halten sollte. Gleiches Problem entstand dann beim Joghurt mit Honig. Man nehme etwas Joghurt, ein paar Walnüsse etwas Honig. Fertig. Keine Frage, einfache Rezepte sind super, wenige Zutaten sind perfekt, unaufgeregtes Kochen mag ich ebenfalls, aber naja, so ein bißchen mehr hab ich da beim Nachtisch dann doch erwartet. Baklava und Kürbispita finden sich hier dann zwar doch noch, aber da war ich von Wassermelone und Honig noch sprachlos.

Am Ende bleibe ich recht zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite fand ich Poppis Geschichte und ihr Art zu Kochen sehr spannend, viele der Gerichte und die schönen Bilder haben mich inspiriert, auf der anderen Seite war mir manches Gericht dann einfach ein wenig zu simple und der ein oder andere Texte in wenig zu überheblich. Vielleicht bin ich da auch etwas empfindlich.

Wer seine generelle vegetarische Küche etwas aufpeppen will, der findet hier tolle Gerichte. Wer klassisches griechisches Essen erwartet, der findet das zwar auch, aber nicht durchgängig.

 

 

3 Kommentare zu „Tante Poppies Küche

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  1. Das ist ein sehr interessanter Artikel, der mich dazu verleitet, das Buch NICHT zu kaufen, obwohl das auch ganz oben auf der Wunschliste stand. Ich bin ja auch ein kochbuch-Opfer, aber etwas schlecht reden, das geht nicht. Das kann weggelassen oder schöner verpackt werden.
    Liebe Grüße

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