Kurt von Sarah Kuttner

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KURT von Sarah Kuttner

Frau Fussi hatte mir Kurt von Sarah Kuttner im letzten Jahr von der Leipziger Buchmesse mitgebracht und mit vielen warmen und begeisterten Worten unbedingt ans Herz gelegt. Wie das so ist, wenn man mir etwas unbedingt ans Herz legt, hab ich es dann erstmal ein wenig ruhen und atmen lassen und nicht gleich gelesen.

Wenn jemand anderes total begeistert ist, dann weckt das in mir immer leichte Versagensängste, weil ich dann Sorge habe, es eben nicht super und fantastisch zu finden und dann denjenigen, der es mir ans Herz legte, zu enttäuschen und erklären zu müssen, warum ich das jetzt nicht toll fand.

Frau Fussi ließ aber nicht locker, schleifte mich zur Lesung von Frau Kuttner im Bonner Pantheon und wiederholte mantramäßig bei jedem Treffen: „Hast du Kurt schon gelesen!“ Es gipfelte fast in einem Empörungsanfall, alls sie Kurt dann in meinem Regal ungelesener Bücher nicht auf dem „Bald lesen“-Stapel fand.

Irgendwann war ich dann mürbe und dachte, mein Gott, sie will es so, wenn ich es doof finde, dann muß sie damit leben.

Also kramte ich Kurt raus, kuschelte mich ins Bett und las. Ich las die Geschichte vom großen und vom kleinen Kurt und von Lena. Lena, die eben nicht Kurts Mama ist und die darum auch nicht recht weiß, wohin mit ihrer Trauer, als dem kleinen Kurt was ganz Schlimmes passiert. Etwas so Schlimmes, dass man meinen könnte, die Welt müsse stehen bleiben und nichts könne mehr weiter gehen. Der kleine Kurt fällt in der Schule vom Klettergerüst und ohne dass man wen hätte, der Schuld wäre, auf den man wütend sein könnte, ist der kleine Kurt von jetzt auf gleich einfach nicht mehr da.

Es entsteht eine Lücke, die nicht zu füllen ist, eine Trauer, die nicht zu ertragen ist und jede der betroffenen Personen geht damit anders um, was es für alle anderen schwer macht.

Ich habe viele Jahre mit trauernden Menschen nach Unglücksfällen, ärztliche Kunstfehlern, Unfällen und auch Straftaten gearbeitet. Ich habe als Außenstehende auf die unterschiedlichen Arten von Trauer reagiert und fand es oft schwer, dies zu handeln, ohne dabei eine eigene Trauer zu haben. Wie es ist, wenn man selbst auch noch diese Trauer in sich trägt, zeigt Sarah Kuttner in ihrem Buch gut auf.

Sie zeigt nicht den einen Weg, wie man es schafft, dass irgendwas wieder normal wäre, sondern sie schildert, wie man umeinander herumtanzt, versucht klar zu kommen, Fehler macht, Angst hat, sich seiner Trauer hin gibt und sie versteckt und wie man sich entfernt und wieder aufeinander zu gehen kann.

Mich hat Kurt sehr bewegt und berührt. Ich habe (wie so oft) ein bißchen geweint und obwohl ich aktuell eher auf lediglich 1-2 Bücher pro Monat komme, hat Kurt mich so gepackt, dass ich es in wenigen Tagen beendet hatte.

Zwischendurch fand ich die ein oder andere Szene mal etwas zu banal, zu leicht aufgelöst, im Nachhinein fand ich dann aber, gerade diese Szenen besonders gut, weil sie bei einem so schweren Thema, wie dem Tod eines Kindes, eben wieder Leichtigkeit vermittelten und Auswege aufzeigten.

Kurt ist ein trauriges Buch, ein emotionales Buch und eines, das sicherlich nicht jedem Leser liegt.

Mir hat es wirklich gut gefallen.

Hier findet ihr auch meine Rezension zu 180 Grad Meer von Sarah Kuttner.

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