Der europäische Frühling – Kaspar Colling Nielsen

[Rezensionsexemplar – Werbung]

Ich hatte mich sehr auf „Der europäische Frühling“ von Kaspar Colling Nielsen gefreut und zunächst hielt diese Freude auch an. Denn das Buch ist in großen Teilen sprachlich total gut. Anspruchsvoll, gelungen und inspiriert.

In mehreren unterschiedlichen Erzählsträngen wird die Geschichte aufgebaut, die Figuren eingeführt und ihre Probleme, Lebensweisen und Einstellungen deutlich gemacht. Immer noch war ich gut unterhalten und zwar genau so lange, bis zum ersten Mal der pädophile Künstler Christian auftaucht. Beim ersten Mal, konnte ich über die vulgären Abschnitte mit ihm durchaus drüber lesen und fand es zwar eher weniger ansprechend und niveaulos, aber es ging. Leider taucht Christian mit seiner Neigung und der sexuellen Beziehung zu einer geistig eingeschränkten sehr jungen Frau dann immer wieder auf und zwar ohne, dass ich einen Sinn für das Fortkommen der Geschichte erkennen könnte oder einen Zusammenhang zu den anderen Erzählsträngen. Gut, da mich die vulgäre und sexualisierte Sprache hier wirklich störte, habe ich also Christians Parts weggelassen und weiter gelesen, hatte hier aber das Gefühl dann doch etwas zu verpassen, also wieder auch Christians Teile gelesen und eigentlich dauerhaft angewidert gewesen.

Bei Seite 245 wars mir dann genug. Auch so hielt das Buch nicht, was ich erwartet hatte, die Figuren drehten sich um ihre eigenen Universen, der Dystopiecharakter kommt nicht rüber, das Feeling ist nicht da, der Funke brennt nicht. Ich habe mich noch 3-4 weitere Seiten gequält und das Buch dann schweren Herzens abgebrochen. Sehr sehr Schade, hier ließ der Klappentext vermuten, dass das genau was für mich ist und normalerweise bin ich beim Lesen wirklich nicht prüde. Eine gut geschriebene Sexszene, weiß ich durchaus zu schätzen, auch vulgäre Sprache stört mich in der Regel nicht, die findet man ja durchaus auch bei Houllebecq, den ich sehr schätze, das hier war aber eine Schippe zu viel und ich hatte irgendwann das Gefühl, dass das pädophile Gedankengut hier der eigentliche Inhalt des Buches sein sollte und der Rest, der mich wirklich interessiert hätte, wie die Insel Lolland als Enklave der Glückseligkeit, nur schmückendes Beiwerk waren. Das möchte ich nicht lesen und dafür möchte ich auch meine Zeit nicht opfern.

Von mir also leider keine Empfehlung.

Der europäische Frühling von Kaspar Colling Nielsen ist im Heyne Hard Core Verlag erschienen.

Ein Gedanke zu „Der europäische Frühling – Kaspar Colling Nielsen

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