Stella von Takis Würger

In meiner letzten Schmökerbox war „Liebe ist die beste Therapie“ und schon dieses Buch hatte mir unglaublich gut gefallen. Daher war klar, dass ich auch die nächste Schmökerbox bestelle.

Diesmal lag darin Stella (Amazon Affiliate Link) von Takis Würger. Ich fand es sehr treffend, dieses Thema jetzt zu lesen, denn am Wochenende jährte sich der Tag der Befreiung von Auschwitz erneut und überall war das Thema präsent und das ist gut und richtig so.

Ich gestehe, beim Lesen des Klappentextes habe ich mir kurz Gedanken dazu gemacht, wie gut ich es finde, dass diese Thematik in der Schmökerbox auftaucht, mit Badepralinen. Schokolade und Notizbüchern, denn bei Stella geht es um den zweiten Weltkrieg, um das Verraten von Juden, durch eine Jüdin, um Schuld und Trauer und Liebe. Beim genauen darüber nachdenken, war ich aber sehr froh, dass auch ein solches Buch in der Box liegt, denn so gelangt es in Hände, die es sonst vielleicht eher nicht lesen würden und meine persönliche Meinung, nach dem Lesen ist, dass man dieses Buch gelesen haben sollte.

Es beleuchtet eine andere (für mich) neue Sichtweise auf die damalige Zeit, es zeigt Schrecken auf, die man eher nicht im Kopf hat, wenn man an damals denkt, an Feinde, die man nicht auf dem Schirm hat, an Schrecken, die man nicht erleben will und sich kaum vorstellen kann. Würger schreibt schonungslos, hart und gewaltätig, er läßt den Leser nicht im Dunkeln und überläßt nur wenig der Phantasie. Dabei findet er dennoch eine Form der Erzählung, die unterhaltend ist, dabei aber gleichzeitig schwer und tragisch.

In der groß geführten Diskussion um dieses Buch, die ich  bewußt nur in Ansätzen verfolgt habe, warf man ihm vor, die Schrecken der Zeit zu vermarkten, aus einer schrecklichen Geschichte eine Liebesfarce gemacht zu haben, man verglich Würger mit Relotius und unterstellte ihm rechte Propaganda, all das habe ich beim Lesen nicht empfunden.

Die zwischen den Kapiteln notierten Zeugenaussagen verhindern, dass man vergißt, worum es hier geht und auch die Geschichte und ihr Ende lassen keinen Zweifel daran, was hier aufgezeigt werden soll. Dass der Schrecken in der damaligen Zeit nicht nur von Hitler und seinen Schergen ausging, sondern dass auch Menschen, die es vermeintlich besser wüßten, schrecklich falsche und weitreichende Entscheidungen getroffen haben.

Mich hat dieses in kurze Kapitel gehaltene Buch gefangen gehalten, tief bewegt und begeistert. Würgers Idee diese wahre Geschichte zu fiktionalisieren, hat ebenfalls viel Gegenwind erfahren, ich persönlich kann daran nichts Schlimmes finden, im Gegenteil, es ist deutlich ersichtlich, dass die Wahrheit hier fiktionalisiert wurde, nirgendwo wird behauptet, dass es genau so gewesen ist, wie Würger schreibt, es ist lediglich eine Idee, wie es gewesen sein könnte, unterfüttert mit Hinweisen und Zeitzeugenberichten. Einem ausführlichen Quellenverweis und einem sehr persönlichen Nachwort. Wenn ich mir die ein oder andere Rezension durchlese, frage ich mich wirklich, ob ich ein anderes Buch gelesen habe, da ist von Nazikitsch und unreflektiertem Schund die Rede, sorry, das kann ich nicht bestätigen. Ich habe hier ein sehr intensives, sehr kluges und sehr dramatisches Buch gelesen, für Schund oder Kitsch blieb da auf keiner Seite Raum.

Mich hat das Buch sehr nachhaltig beeindruckt und das obwohl ich bis vor Kurzem tatsächlich eine gewisse Überdrüssigkeit bei der Thematik und meinem Lesestoff verspürt habe.

Dazu finde ich die Aufmachung von Stella, in schlichtem Schwarz mit goldenem Schimmer sehr gelungen, passend respektvoll und schlicht.

Würger gibt in seinem Werk keinesewegs der „Greiferin“ Stella eine Stimme, sondern vertritt all jene, die sie verriet und die wegen ihr litten. Das tut er auf eine sehr ergreifende und tiefsinnige Art, er stellt die Welt des Ich-Erzählers, den Gerichtsakten gegenüber, stellt, romantische Verklärung und Nichtwahrhabenwollen, die Klarheit der Aussagen entgegen, nichts könnte erschreckender sein als dies.

Gerade heute am Tag der Befreiung von Auschwitz war dieses Buch für mich die absolut passende Lektüre. Ein sehr gelungenes Leseerlebnis und ein deutliches Mahnmal, dass wir falsche Entscheidungen nicht rückgängig machen können, sondern nur versuchen können, die richtigen Entscheidungen zu treffen und dass diese uns manchmal große Kraft kosten.

Für mich ein sehr sehr gutes Buch, eines das den Leser ergreift, durchrüttelt und tiefbeeindruckt. Absolut lesenswert, egal, was die Diskussion uns glauben machen will. Macht euch selbst ein Bild! Bitte!

 

3 Gedanken zu „Stella von Takis Würger

  1. Ich habe auch das Buch im Rahmen der Schmöckerbox gelesen. Es ist wiedereinmal ein Bespiel dafür, dass jeder selbst darüber nachdenke sollte um sich damit auch ein eingenes Bild zu machen.

    Mich hat das Buch auch beeindruckt und berührt. Es ist durch den Erzählstil, der kurzen Sätze ein sehr intensives Leseerlebnis. Es ist diese permanente Angst und die Frage wem kann ich heute trauen, morgen nicht mehr… sehr gut zu spüren.
    Ein lesenwertes Buch!!!

  2. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 03.02.2019 | jetztkochtsieauchnoch

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