Kampfsterne – Alexa Hennig von Lange

{Werbung / Rezensionsexemplar]

Kennt ihr diese Bücher, die man beginnt zu lesen und bei denen man das Gefühl hat: „Hey, die kenn ich doch alle. Der da ist genau wie mein Onkel, die da erinnert mich an meine Nachbarin…“ Nun Kampfsterne von Alexa Hennig von Lange (Amazon Affiliate Link)ist für mich genau so ein Buch gewesen. Nicht nur, dass mich das kleine Lexchen ständig an mich selbst erinnert hat und zwar nicht nur, weil es einfach nicht mehr wachsen will, sondern auch die anderen Charaktere hätten teilweise genauso aus meiner Kindheit in den 80ern stammen können. Meine Kindheit in der Vorstadt oder Dorfgemeinschaft sah genau so aus. Unglückliche Ehen, zerstrittene Kinder, Sehnsucht nach irgendwie was ganz anderem und dazwischen irgendwo dann doch Geborgenheit, Verständnis und Zusammenhalt.

Sehr fasziniert habe ich daher die ganz unterschiedlichen Charaktere durch diese Geschichte, die übrigens im Dumont Buchverlag erschienen ist, begleitet. Dabei hat mir der Schreibstil von Alexa Hennig von Lange extrem gut gefallen. Die Geschichte wird von jedem stückweise erzählt, der Stil wechselt mit dem Erzähler und die Teile der Erzählung sind unterschiedlich lang und jeder, der Erzählenden hält natürlich unterschiedliche Dinge für wichtig und erzählenswert.

Ulla, gefangen in einer lieblosen gewalttätigen Ehe versteckt sich hinter weiten Hemden und ist der Fußabtreter für alle.

Lexchen, die Kleine, die einfach nicht weiter wächst und von allen beschützt wird, außer von Klara.

Cotsch, die starke große Schwester, die mit ihrer eigenen Sexualität zu kämpfen hat und am Liebsten wen hätte, der ihr einfach mal zeigt wo das Leben so langlaufen könnte.

Joschi, der es nicht schafft zu Lexchen zu halten und eigentlich immer nur rumgeschubst wird.

Rita, durch ihre eigene Unzufriedenheit bösartig geworden, genießt sie es die anderen zu verletzen und ihr Ehrgeiz hat jedes gesunde Maß überschritten.

Johannes, der Ruhige, eigentlich sehr labile Typ, der trotzdem derjenige ist, der Ruhe und Sicherheit ausstrahlt.

Georg, Ritas braver Mann, der nur sporadisch erwähnt wird und dann doch noch eine tragende Rolle bekommt.

Falk, der Cello-Lehrer, der alles andere als feinsinnig ist.

Rainer, der männliche harte Typ, der es nicht schafft, seine Familie zu beschützen und einen Hang zum Kamasutra entwickelt.

Ella, Joschis Mutter, die ein Problem mit dem Wachs im Ohr ihres Sohnes hat und auch sonst so einiges mit sich herumschleppt.

Klara, die ganz nach ihrer Mutter kommt und wer das ist, verraten wir nicht.

Jeder kommt zu Wort, mal mehrere Seiten lang, mal nur einen Satz in den Raum werfend. Mir hat das sehr viel Freude bereitet und dieses Buch gehört für mich zu einem der Besten der letzten paar Jahre. Die Geschichte, die es erzählt ist nichts besonderes, Vorstadtidylle und Kleinkrieg am Gartenzaun, aber die Art und Weise ist fantastisch, intensiv, mitreißend und so emotional.

Mir hat das so viel Freude beim Lesen bereitet (und das obwohl die Geschichte alles anderes als positiv ist). Ich habe mich so oft an die Fehler meiner Eltern, meine eigenen und die unserer Freunde und Verwandten erinnert gefühlt. Dieses Buch war mir so nah und mein Gott hübsch ist es auch noch.

Uneingeschränkte Leseempfehlung. Für jeden.

Ein Gedanke zu „Kampfsterne – Alexa Hennig von Lange

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