Hasana – vegetarisch kochen nach traditionellen jüdischen Rezepten von Paola Gavin

[Werbung / Rezensionsexemplar]

Hier wurde mal wieder gekocht. Endlich könnte man sagen und mit Hingabe.

Ich habe Hasana von Paola Gavin (Amazon Affiliate Link) ausprobiert.

Zwar ist das Wetter draußen eher sommerlich und die Zeit der Eintöpfe und Suppen scheint noch nicht gekommen, ich hatte aber dennoch sofort „krupnik“ (Graupeneintopf) im Kopf als ich das neue Kochbuch zur traditionellen jüdischen Küche (Amazon Affiliate Link) in der Hand hatte.

Nein, ich bin nicht jüdisch, eigentlich bin ich irgendwann mal katholisch getauft worden, dann hat ein sehr strenges katholische Gymnasium mir jede Freude am Glauben und das Glauben generell verleidet und seit dem lebe ich meine eigenen Glaubenssätze. Das hindert mich nicht daran, jegliche Form der Essensvorschriften, die es bei Religionen so gibt, immer mal wieder für mich auszuprobieren oder auch einfach die Rezepte, die auf diesen Grundsätzen basieren, in mein Leben zu lassen.

Der jüdische Glaube übt auf mich eine starke Faszination aus, ich habe sehr moderne jüdische Familien in meinem Umfeld erlebt, meist sehr gebildet, sehr feministisch und für mich einfach interessant. Erst vor einiger Zeit habe ich durch die Lektüre von „Unorthodox“ (Amazon Affiliate Link) erkennen müssen, dass es auch im Judentum nicht nur die Seite der Medaille gibt, die ich kennenlernen durfte. Das hat mir damals mal wieder bewußt gemacht, wie eingeschränkt unsere Sicht auf die Dinge oft sein kann und ich versuche immer aufgeschlossen zu bleiben, meinen Geist offen und wach zu halten und so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln, um keinen Tunnelblick zu bekommen.

Beim Essen halte ich es auch so. Ich probiere alles, egal wie schleimig glibschig oder komisch es sein mag, ich stecke es in den Mund. So habe ich mich durch sämtliche Stile der modernen, der altmodischen, der europäischen, asiatischen und afrikanischen Küche gekocht. Diesmal also vegetarisch und jüdisch aus dem Hasana Kochbuch (Amazon Affiliate Link), das ist übrigens im Dumont Buchverlag erschienen.

Ich bin gespannt.

Erstmal ein großes Lob an den Dumont Verlag für die Aufmachung des Kochbuches, der schöne herbstliche Einband gefällt mir sehr. Das Buch fühlt sich gut und warm in der Hand an und ich mag es, wenn Kochbücher eine gewisse wertige Verarbeitung mitbringen. Die ist hier gegeben.

Wie jedes Kochbuch (Amazon Affiliate Link) ist auch dieses in Abschnitte gegliedert. Wir finden hier eine Einleitung von Paola Gavin zu ihrem Buch, einige Worte zu jüdischen Festen und Feiertagen, jüdische Geschichte und Kultur, dann geht es los mit Vorspeisen und Salaten, Suppen, Nudeln und Knödel, Getreide, Hauptgerichte, Eier, Gemüse, Desserts, dann folgt das Register und ein kurzes Kapitel in dem die Gerichte den Fest- und Feiertagen zugeordnet werden.

Die Seiten des Buches sind sehr stabil und leicht matt, die Bilder alle sehr ansprechend und wirklich schön. Hier hätten es allerdings ruhig ein paar mehr sein dürfen, da leider nicht jedes Rezept auch mit Bild versorgt ist, das finde ich immer ein wenig Schade, denn ich bin ein sehr visueller Mensch. Hier fand ich es nicht allzu schlimm, würde mich aber halt über mehr Bilder freuen.

Schön fand ich die kurze, aber persönliche Einleitung, die besagt, dass es sich bei allen Rezepten um Rezepte handelt, die seit Generationen von Müttern an ihre Töchter weiter gegeben werden, wenn mein feministisches Herzchen hier auch kurz aufkreischte. Egal, das hat was schön Nostalgisches.

Im Kapitel zu den jüdischen Feiertagen wird sehr schön erläutert, was der Schabbat ist, Rosch Haschana, Jom Kippur, Sukkot, Chanukka, Tu Bischwat, Purim, Pessach, Schawuot, Tischa Beaw, zu all dem wird erläutert, berichtet und kurz erklärt. Das hat mir gefallen, ich mag es wenn der Inhalt eines Kochbuches ein wenig Mehrwert bietet, als mir nur Anregungen beim Kochen zu bieten.

Gleiches gilt für die Kapitel zur jüdischen Geschichte, die sehr schön nach Regionen aufgeteilt sind, Ägypten, Deutschland, Frankreich, Irak, Iran, Italien Marokko, Österreich, Polen, Litauen, Russland, Rumänien, Spanien, Portugal, Syrien, Tschechische und Slowakische Republiken, Tunesien und Algerien, Türkei und Griechenland, werden hier genau beleuchtet, mit einer tollen Sprache wird die Geschichte und Entwicklung der jüdischen Kultur erklärt. Ich fühlte mich hier sehr gut informiert und fand auch die erst irritierende lokale Aufteilung sehr gelungen.

Die Kapitel zu den Speisen werden immer mit einer kurzen Information eingeleitet, bei den Vorspeisen geht es beispielsweise um die Geschichte der Mezze und dass sie im jüdischen Glauben eine große Rolle spielen, da man ja am Schabbat nicht kochen darf und so auf vorbereitete kalte Gerichte angewiesen ist.

Die gerichte sind dann meist auf einer Seite mit Anleitung erklärt. Die Zutaten und Mengenangaben stehen an der Seite und sind so sehr übersichtlich. Die meisten der geforderten Zutaten bekomme ich ganz normal im Supermarkt, hier und da gibt es Dinge, die nur saisonalverfügbar sind und für ein paar Kleinigkeiten sollte man auf den Markt oder in einen gut sortierten Feinkostladen, es war aber nichts dabei, was man nicht beschaffen könnte.

Ich habe mittlerweile drei Gerichte nachgekocht und die Mengenangaben sind passend für die Persobenanzahl und es ist mir auch alles gut gelungen.

Schön fand ich auch, dass neben den Gerichten immer das Herkunftsland steht. Der Artischockensalat mit Fenchel und Harisa für den Schabbat kommt beispielsweise aus Tunesien. Bei jedem Gericht steht dann in der Sprache, die die Juden in diesem Land sprechen, die Bezeichnung nochmal darunter, beim Liptoi-Käse ist das ungarisch „liptói körözött“ Sowas mag ich, das sind Kleinigkeiten, die mir sehr gefallen und den Zauber eines guten Kochbuches ausmachen.

Vor jedem neuen Kapitel steht auch immer ein jüdischer Sinnspruch oder ein Sprichwort. Bei den Suppen ist das „Sorgen lassen sich mit Suppe besser verdauen.“ Den Spruch fand ich so gut, weil auch ich immer Suppe esse, wenn es mir nicht gut geht, Suppe für die Seele quasi.

Ich habe den Eindruck, dass die jüdische Küche eine sehr kräftige und Herzhafte ist und ich mochte alles, was ich nachgekocht habe.

Mein Favourite ist tatsächlich die Graupen-Pilz-Suppe, wenn sich da auch ein kleiner Fehler verborgen hat, in der Zutatenliste stehen nämlich getrocknete Steinpilze, im Text ist aber von getrockneten Champignon die Rede, macht nichts, ich hab beides benutzt und die Suppe nun schon mehrfach gekocht und bin sehr begeistert. So lecker!

Auch das Kapitel Nudel und Knödel mochte ich sehr. Ich mag einfach Knödel gerne. Hier hätten es aus meiner Sicht aber ruhig ein paar mehr Knödelgerichte, als nur zwei sein dürfen.

Beim Kapitel Getreide, war ich erst skeptisch, was das wird und dann begeistert. Reis, Bulgur, Mais, Couscous und Kascha findet sich hier. Den Reis mit Spinat und Sumach kann ich hier sehr empfehlen.

Die Hauptgerichte sind sehr vielfältig, von Artischocken-Tarte, über Zucchini-Kartoffel-Moussaka, hin zum köstlichen Pilzstrudel, ist da eine große Auswahl an sehr leckeren und äußerst unterschiedlichen Gerichten geboten.

Das Kapitel über Eier fand ich ebenfalls überraschend gut. Omlette, Fritada, und Rührei gibt es hier in verschiedensten Variationen und teilweise sehr abgefahrenen Zusammensetzungen. Allein dafür hat sich das Buch bereits gelohnt, aber auch das Kapitel zu Gemüse bot einige Neuigkeiten, die ich trotz meiner fröhlichen Ausprobiererei beim Essen noch nicht kannte, süße Auberginenkrapfen werde ich auf jeden Fall noch ausprobieren, die Wirsingwickel sahen auch spannend aus und überbackener Fenchel machte mich auch an.

Bei den Desserts finden sich Kuchen, Torte, Strudel, Plätzchen, Kompott, Pralinen, Mousse und Fruchtpaste, hier bitte nächstes Mal mehr Bilder ! Unbedingt!

Bis auf die kleinen Kritikpunkte, mehr Bilder, mehr Knödel und den kleinen Übersetzungsfehler bin ich wirklich sehr begeistert und koche nun munter jüdisch vegetarisch und in einer Zeit in der hier tatsächlich wieder antisemitische Parolen gebrüllt werden auf Deutschlands Straßen, da ist es genau der richtige Zeitpunkt, um zu zeigen, wie schlecht man das findet und wenn man sich sonst nicht traut, dagegen etwas zu tun, lächelnd eine jüdische Suppe löffeln, hilft schon! Da bin ich sehr sicher!

Graupen-Pilz-Suppe / für 4 Personen

15 g getrocknete Pilze (ich habe einmal Steinpilze und einmal eine Pilzmischung genommen, beides war sehr lecker, die Steinpilze fand ich nochmal besser, sind aber auch teurer.)

65 g Graupen, 2 EL Butter, 1 Zwiebel, 1 Möhre, 1 Selleriestange, 2 große Kartoffeln, 75 g grüne Bohnen, 1,25 l Gemüsebrühe.

Zum Abschmecken: Salz und Pfeffer, saure Sahne oder Smetana.

Die getrockneten Pilze und Graupen getrennt voneinander 30 Minuten in warmem Wasser aufweichen, in der Zwischenzeit alle anderen Zutaten in schöne mundgerechte Stücke schneiden.

Die Butter in einem großen Topf zerlassenund Zwiebel, Möhren, Sellerie darin kurz anbraten. Pilze und Graupen mit dem Einweichwasser dazu geben, dann auch alle anderen Zutaten, außer der Sauren Sahne oder dem Smetana dazu geben. Mit Deckel mindestens eine Stunde köcheln lassen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Heiß und  mit einem Klecks sauer Sahne servieren.

Lecker!

5 Gedanken zu „Hasana – vegetarisch kochen nach traditionellen jüdischen Rezepten von Paola Gavin

  1. Danke für die Vorstellung, das hört sich an, als könnte mir das sehr gefallen! Ich mag ja, wenn es ein bissle Background gibt, denn die Rezepte nehme ich meist eher als Inspiration als das ich sie 1:1 nachkoche. Und Graupen – aehm … ne, eher nicht. Die sehen aus wie kleine Zähne … *schuettel* Aber Knödel oder so schon eher – ich geh mal das Buch begucken!

  2. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 21.10.2018 | jetztkochtsieauchnoch

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