The Hills -Matias Faldbakken

[Werbung / Rezensionsexemplar]

Bereits vor einiger Zeit durfte ich von Matias FaldbakkenThe Hills“ lesen und jetzt endlich ist das Buch auch im Heyne Encore Verlag erschienen und ich darf es besprechen.

Faldbakken ist kein neuer Autor, „The Cocka Hola Company“ hat mich vor Jahren bereits ziemlich begeistert und so war ich sehr froh und gespannt in sein neues Werk reinlesen zu dürfen.

Vorab, es ist etwas ganz anderes, als seine bisherigen Bücher „The Cocka Hola Company“ oder „Unfun„. Es ist viel leiser, viel ruhiger und weniger provokant, erwachsener würde ich gern sagen und verbiete es mir im gleichen Atemzug, da das unfair den anderen Büchern gegenüber wäre. Seinem Thema der Gesellschaft und ihren Abgründen bleibt er jedoch treu.

„The Hills“ spielt im Restaurant „The Hills“ und schildert den Alltag eines Kellners, dessen sehr strukturierte und nach besonderen Regeln funktionierende Welt, sich ändert und zeigt die Probleme auf, die mit Veränderungen dieser Art einhergehen. Faldbakken zeigt sich dabei als scharfer Beobachter und bissiger Erzähler.

Waren seine ersten Bücher derb und direkt, ist „The Hills“ hier das genaue Gegenteil, er drückt sich gewählt aus, legt Wert auf Normen, Verhaltensweisen, Anstand. Sein Kellner ist einer der alten Schule, der auf Regelmäßigkeiten und die kleinen Dinge achtet. Der stolz auf seine Arbeit ist und sie mit Hingabe und Ehrerbietung seinen Gästen gegenüber ausübt. Er wahrt Distanz und weiß doch über jeden Gast Bescheid und wenn nicht, holt er sich die fehlende Information bei der Bardame. Dabei ist er nostalgisch, fühlt sich von der Zeit überholt und doch irgendwie in ihre gefangen. Er ist ein Relikt würde man woll sagen. Während Faldbakken diese Tage des Kellners schildert und mit leisen Worten viel erzählt, ohne eigentlich eine Geschichte zu berichten, schaut man zu, fühlt sich ein wenig voyeuristisch und beginnt für diesen Kellner Gefühle zu entwickeln, man leidet mit ihm, wenn der Gast auf sein Handy starrt oder seinen leisen Fingerzeig ignoriert.

Ich habe einen Großteil des Buches in der Sauna auf einer Liegemuschel liegend gelesen, ein fantastischer Ort, um zwischen halb geschlossenen Lidern Menschen zu beobachten, fast so gut, wie ein Restaurant, bei mir paßte also die Leseatmosphäre sehr gut, zum Gelesenen. Daher war ich nicht, wie sonst häufig ungeduldig, weil die Erzählung lange braucht, bis sie in Gang gerät, sondern habe mich an ihr erfreut und jede Seite genossen.

Unser Kellner macht sich Gedanken zu seinen Gästen, bekommt Besuch von seinem etwas frechen Freund und die junge Frau, die alles in Frage stellt und alles in Bewegung setzt, der es sogar gelingt ein wenig der Ruhe und Gelassenheit, die er sonst ausstrahlt zu verschieben.

Das Buch hat mich aufgrund seiner Kunst der Worte wirklich begeistert. Ich lese ja gerne Dinge, die keinen Anfang und kein Ende haben und eher sprachlich anspruchsvoll sind. Für mich geht es nicht um die Geschichte, sondern um den geschrieben Text. Hier ist dieser herausragend gut und ich bin wirklich sehr verwundert, bislang noch nicht wirklich eine begeisterte Rezension auf den großen Portalen gelesen zu haben, denn dies ist ein literarisches Comeback, das es sich zu feiern lohnt.

Gerade weil dieses Buch so anders ist, als seine Vorherigen und so einen ganz krassen Gegensatz darstellt, sowohl stilistisch, als auch optisch, würde ich es allen seinen Fans empfehlen. Das war mal so richtig gute Unterhaltung!

Und jetzt würde ich gerne im „The Hills“ speisen, mit Edgar und Anna und irgendwie auch dem Schwein am Tisch, aus Gründen der Unterhaltung… unser Kellner würde bedienen, ein nicht gut poliertes Besteck austauschen, mir die Zeitung reichen, mit der ich rascheln würde und mir wohlwollend zunicken, wenn ich mich an die Regeln des Bestellens halte. Hach das wäre fein.

2 Gedanken zu „The Hills -Matias Faldbakken

  1. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 30.09.2018 | jetztkochtsieauchnoch

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