Mariana Leky – Erste Hilfe

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Na, seid ihr erstaunt, ja, die letzte literarische Rezension ist etwas her. Das tut mir leid.

Aber dafür geb ich mir bei der hier ganz besonders große Mühe und ich verspreche sogar noch eine, noch in dieser Woche… na neugierig?

Recht so….

Ich habe zum ersten Mal ein Buch von Mariana Leky gelesen und mich darauf sehr gefreut.

Erste Hilfe gibt es bereits seit 2004, seit diesem Jahr ist es als Taschenbuch im Dumont Verlag verfügbar und ich war sehr gespannt, denn Leky ist ja quasi in aller Munde, einige ihrer neueren Bücher haben mich allerdings thematisch nicht so gereizt, wie „Erste Hilfe“, daher habe ich mich für dieses Buch als meinen ersten Leky entschieden.

Hauptthema ist Depression, Angst, Freundschaft und ein wenig auch die Liebe. Im Klappentext wird der Roman vergnüglich und bewegend genannt, bei Letzterem kann ich mich anschließen, bei Ersterem eher nicht, zwar schmunzelt man durchaus hier und da, während man die Erzählerin und Sylvester, sowie Matilda durch ihr stolperndes Leben begleitet, aber vergnüglich, nein. Es ist ein eher bitteres Lachen, vorallem wenn man sich im Bereich der psychischen Störungen auskennt und den Leidensdruck eines Erkrankten kennt und erlebt hat, vielleicht nicht aus der Ego-Perspektive, sondern von außen, dann sind viele der sehr realistisch geschilderten Situationen nur nach außen hin, spaßig.

Ich mochte die Erzählerin und auch Matilda, während mir der Frauen vernaschende Sylvester seltsam fern blieb, konnte ich die zwei Frauen gut verstehen und fand ihre Anteile an der Geschichte auch viel spannender. Matilda entwickelt Ängste und Panikattacken von einem auf den anderen Tag kann sie nicht mehr über die Straße gehen, der Alltag wird schwer und die Erzählerin und Sylvester versuchen ihr laienhaft beizustehen und begehen alle Fehler, die Laien dabei so begehen können, machen aber auch sehr viel richtig. Sie suchen einen Therapeuten, bauen Hilfestellung und begleiten, wo es geht.

Ich habe es sehr genossen, diese drei unterschiedlichen Charaktere, die sich so sein lassen, wie sie nun mal sind, dabei zu begleiten, wie sie Probleme wälzen, Lösungen finden und dann doch wieder vor der nächsten Hürde stehen.

Was ich weniger genossen habe, war die sehr einfach gehaltene und sehr simple Sprache, die mir vorallem in den Dialogen zeitweise auf die Nerven ging. Leky setzt den Satzbau und die Satzlänge hier als ein Stilmittel ein, um dem Leser die Hilflosigkeit der Personen zu veranschaulichen, dabei übertreibt sie es aber aus meiner Sicht und hat mich dann vorallem beim Besuch bei Matildas Eltern verloren. Das war mir zu steril, zu konstruiert, so spricht niemand.

Sehr schade, denn die Geschichte war eine Erzählenswerte und eine, die es durchaus schaffte mich länger zu fesseln, was im Moment nicht jedem Buch gelingt, muß ich ehrlicherweise zugeben.

Man muß sich hier also sehr auf diesen durchaus sonderbaren Stil einlassen, kann man das, hat man ein sehr gutes Stück deutscher Literatur zum Thema Freundschaft und Therapie in den Händen, fällt es einem schwer auch außergewöhnliche Sprache zu tolerieren und geht es einem weniger um Emotion und mehr um die stringente Erzählung einer Geschichte, so wird man hier nicht ganz glücklich sein.

Ich bleibe also zwiespältig zurück, einerseits war das sehr treffend, sehr genau, sehr realistich, andererseits war es mir zu sprachlich ein wenig zu wenig echt.

In meiner Empfehlung bleibe ich also auch differenziert, für alle, die sprachliche Experimente lieben (FRAU FUSSI!!) absolut lesenswert, für alle anderen, schnuppert mal ein paar Seiten rein, bevor ihr loslegt.

Und dann eine Frage an die Leser der anderen Bücher, behält Leky dieses SPO-Satzbauweise und die sehr kurzen, einfachen Sätze auch in ihren anderen Büchern bei? Weil falls ja, bräuchte ich erstmal ein wenig Erholung, wäre aber dennoch neugierig…

4 Gedanken zu „Mariana Leky – Erste Hilfe

  1. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 23.09.2018 | jetztkochtsieauchnoch

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