Die Ermordung des Commendatore Teil 2 – Haruki Murakami

Haruki Murakami

Die Ermordung des Commendatore Teil 2 – Eine Metapher wandelt sich

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Hm… eigentlich wollte ich bei Teil Zwei mit meiner Rezension ein wenig schneller sein und pünktlich zur Veröffentlichung einen sehr ausgefeilten Beitrag mit viel Tiefgang liefern. Dummerweise hat Murakami selbst dann dafür gesorgt, dass das nicht ging.

Es ist nämlich etwas passiert, was keiner vorhersehen konnte, ich war nämlich nicht so begeistert und hemmungslos in dieses Buch verliebt, wie ich es erwartet habe.

Teil eins habe ich ja recht nebulös hier besprochen, weil ich auf keinen Fall zu viel verraten wollte: Klick!

Und Teil eins war fantastisch, hat mich von den Socken gehauen, überrascht, mich im Kreis wenden lassen und vorallem mich mal wieder in eine Welt entführt, die unserer ähnlich ist, aber sehr viel mythischer, viel metaphernreicher, so viel gewaltiger. Teil zwei begann ganz stark und hat mich sofort wieder in das Haus in den Bergen versetzt, hat mich mit seiner Hauptfigur zeichnen und denken lassen und trotzdem war ich nicht hin und weg. Murakami war nicht auf den Punkt genau, wie er das sonst ist. Er umkreiste was er sagen will, näherte sich zögerlich seinem eigentlichen Punkt an und verlor mich dabei auf halber Strecke. Ich fühlte mich hingehalten, den Text in die Länge gezogen und war dadurch weniger bei der Sache.

Ja, Murakami schreibt natürlich in seiner ganz eigenen ihm üblichen Sprache, erzählt von den Versuchen das Mädchen Marie zu porträtieren, von ihrem Verschwinden und der Suche, dem Kampf, von den Gefühlen und Unzulänglichkeiten, von Familie, Liebe und Sex und das hat mir wie immer sehr gut gefallen, aber er hat sich für mein Empfinden ein wenig zu oft im Kreis gedreht, den Punkt, auf den er zusteuern wollte, ein wenig zu sehr aus dem Fokus des Lesers entfernt. (Ich gehe bewußt nicht auf die übernatürlichen Dinge in der Erzählung ein, da diese jeder für sich deuten und begreifen muß, aus meiner Sicht.)

Am Ende kommt er zwar wieder auf Kurs, nimmt mich wieder mit in seiner Geschichte und ich fand es sehr überraschend, aber stimmig und passend, wie das Buch letztlich ins Ziel einläuft und er seinen Erzähler ankommen läßt, trotzdem war in mir weniger Begeisterung für das Buch, als ich erwartet hätte.

Ich kann das nur ganz schwer in Worte fassen, zumal ich Murakami ja wirklich sehr schätze. Bei einem anderen Rezensenten hab ich den Satz gelesen, der zweite Teil hätte seine Längen, das ist vereinfacht ausgedrückt, das was auch ich empfunden habe. Dummerweise ist es sonst genau das, was ich an seinen Texten schätze, dass sie beschreibend und erzählend sich langsam ihrem Höhepunkt annähren, warum mir das hier diesmal zu lange gedauert hat und zu kleinteilig war, kann ich nicht sagen.

Im Gesamten gesehen und in Verbindung mit Teil 1 und der ganzen Metaebene, den vielen kleinen leicht zu überlesenden Anspielungen, ist das natürlich immer noch ein hervorstechend gutes Buch, einzig bin ich diesmal nicht in Gänze glücklich, weil ich das Gefühl hatte, ich werde vom Autor hingehalten, obwohl er schon weiß, was passieren wird, führt er mich nicht auf direktem Weg dorthin, sondern nimmt zahlreiche Umwege und Abschweifungen zur Hand, um mich abzulenken und am Ende dann überraschen zu können.

Ganz beiläufig läßt er dabei Dinge einfließen, die nur dem konzentrierten Leser auffallen, er führt uns heran an seine Art mit Kunst (Gemälden, Texten, etc.) umzugehen, er zeigt auf, wie man Kunst begreifen und verstehen kann, wie man sie genießen sollte und wie wenig selbstverständlich sie ist. Wie viel harte Arbeit hinter dem mystischen Moment der Vollendung einer Zeichnung steckt. Ich finde es übrigens herausragend, wie Murakami hier seinen Erzähler einmal tatkräftig und aktiv erscheinen und ihn dann wieder in Passivität verharren läßt. In der Süddeutschen hieß es der Plot sei einer der Schwachpunkte des zweiten Bandes, das sehe ich anders, der Plot um das Verschwinden des Mädchens Marie und die Suche nach ihr, der hier in sehr interessanter zeitversetzter Form geschildert wird, hatte für mich alles, was ein Murakami braucht, das einzige was ihm fehlte, war der sonst so deutlich spürbare Sog, den Murakami auf mich hat. Ja hier haben die Cliffhanger der Kapitel (Grandiose Überschriften übrigens) immer dazu beigetragen, dass ich weiter lesen wollte, aber der Vorwärtsdrang die Zügigkeit und das Tempo, das Murakami sonst seinen Texten verleiht, fehlte mir.

Ein weiterer Kritikpunkt war der erotische Aspekt, den Murakami seiner Figur Marie immer wieder auf den Leib schreibt. Mag sein, dass das Kunst ist, mich hat es bei einem 13jährigen Mädchen schlicht irritiert, weil es für mich hier weder für die Geschichte notwendig, noch angemessen war. Meist haben mich die Bezüge zu ihren Brüsten und der Wichtigkeit des Wachstums der selbigen eher aus dem Text herauskatapultiert, als hineingestoßen, wie es seine Textzeilen mit Erotik sonst tun.

Nun was soll ich sagen, als Murakami Fan war es mir trotzdem möglich, die Lektüre zu genießen und mich davon driften zu lassen, aber das erforderte hier schon ein großes Maß an Fansein und die Bereitschaft sich auf eine Geschichte einzulassen, die streckenweise nicht nur jeglicher Logik entbehrt, sondern ihr sogar widerspricht. Murakami ist so schon eher für die Leser geeignet, die es gerne in wenig abgefahren wollen, diesmal hat er es für einen Nicht-Fan vielleicht ein wenig übertrieben.

Ein großes Dankeschön geht aber hier wieder an den Dumont Verlag, der beiden Bänden ein fantastisches Outfit verliehen hat und an Ursula Gräfe, deren herausragende Übersetzungsarbeit nicht mit Geld aufzuwiegen ist.

3 Gedanken zu „Die Ermordung des Commendatore Teil 2 – Haruki Murakami

  1. Ich habe beide Teile noch nicht gelesen, werde es aber bald. Das was Du beschreibst, habe ich bei vielen anderen auch schon gelesen. Ich lasse mich überraschen und werde berichten.

  2. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 29.04.2018 | jetztkochtsieauchnoch

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