Stricken Masche für Masche von Marisa Nöldeke

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Stricken – Masche für Masche von Marisa Nöldeke, auch bekannt als Maschenfein, ist ein sehr gutes Grundlagen Buch. Sowohl für die geübte Strickerin, die einfach ein hübsches Nachschlagewerk haben möchte, als auch für die Anfängerin, die sich ein Buch mit ausführlichen Erklärungen und guten Bildern zum Einstieg kaufen möchte, ist das Buch sehr gut geeignet.

Ich würde es tatsächlich jedem empfehlen, der mit dem Stricken anfangen will und sich erstmal einlesen möchte oder dem Youtubevideos für den Einstieg einfach nicht reichen.

Aktuell boomt der Strickmarkt und es sprießen Bücher aus der Erde, wie Pilze an einem feuchten Herbsttag. Den Überblick zu behalten, was wirklich gut ist und was nur schnell produziert, um auf einer Welle mit zu schwimmen ist schwierig.

Ich schätze Marisas Anleitungen schon lange, folge ihr auf Facebook, Instagram und habe zum Beispiel das Hinata Tuch im Sommer von ihr gestrickt.


Stricken – Masche für Masche sieht erstmal sehr hübsch aus. Der Umschlag gefällt mir, ist robust und stabil und bleibt vorallem auch aufgeschlagen liegen, damit man in das Buch blicken und Stricken kann. Für mich ein ganz wichtiger Punkt bei einem Strickbuch.

Das Buch ist grob in 3 Teile geteilt. Basics und Techniken machen den Anfang, dann folgen Strickmuster und schließlich Projekte. Das ist für mich stimmig aufgebaut und ergibt Sinn.

Unter Basics finden sich Hinweise zur Materialkunde, sehr ausführlich, sehr gut strukturiert und aufgebaut. Hier werden Fasern beschrieben, Garnstärken erläutert. Hier dann mein erster Kritikpunkt, die Garnbezeichnungen beziehen sich hier auf das „Standard Yarn Weight System“, das realistisch aber eigentlich kaum eine Strickerin nutzt. (Ich kenne zumindest keine) Hier hätte ich die Klassifizierung, die uns allen aus Ravelry bekannt ist und von tausenden von Strickerinen benutzt wird, sehr viel besser gefunden. Das wäre dann Cobweb, Lace, Light Fingering, Fingering, Sport, DK, Worsted, Aran, Bulky, Super Bulky und Jumbo, und nicht nur superfine, fine, light DK, medium, bulky, super bulky. Aber das ist vermutlich einfach eine Frage der Gewöhnung. Trotzdem lassen  gerade die größeren deutschen Designerinnen die große Community Ravelry sehr außer Acht, ein Fehler aus meiner Sicht.


Aber zurück zum Buch, unter Materialkunde bekommt man auch erklärt, wie man die Banderole eines Garns liest, welche Informationen man dort findet und wie man Strickstücke pflegt. Die Waschsymbole werden erklärt und es werden Worte zum Garnwickeln verloren. ( Hier fehlte mir unter dem Bild eindeutig der Hinweis zu Ylle, deren Wickler hier prominent abgebildet und für mich das Nonplusultra im Wicklerbereich ist.)

Dann erfährt man etwas zur Werkzeugkunde. Rundnadeln, Nadelspiele, Jackennadeln. Alles wird erklärt. Weitere kleine Helfer, wie Maschenraffer, Markierer, Fixierer, Strickring, Reihenzähler und co werden beschrieben und gezeigt. Auch hier hätte ich mir eine Angabe von Bezugsquellen in der Nähe des Bildes gewünscht.

Natürlich schreibt Marisa auch etwas zur Maschenprobe. Für Anfänger sicherlich hilfreich. Ich umgehe die Maschenprobe immer. Ich hasse sie. Maschenproben sind für Uschis. Lediglich bei Teststricks fertige ich dieses Mistding wirklich gewissenhaft, ansonsten schludere ich da. Aber damit man Schludern kann, muß man natürlich Erfahrung haben, seine Art zu stricken und die Garne kennen und dafür muß man viele Maschenproben gestrickt haben.

Der Maschenanschlag wird ebenfalls erklärt, hier haben mir die sehr einfachen Grafiken sehr gut gefallen. Ich fand das besser zu erkennen, als auf zu bunten Bildern. Es werden verschiedene Anschlagsformen gezeigt und ihre Vorteile und Nachteile erläutert. Hier werde auch ich sicherlich noch häufig hinschauen und neue Dinge ausprobieren.

Dann kommen die Erklärungen zu rechten Maschen und linken Maschen, ebenfalls mit Bildern und gut zu erkennen, sowie ausreichenden Erklärungen, die auch für den absoluten Anfänger geeignet sind.

Weiter geht es mit dem Stricken in Reihen, hier werden verschiedene Formen der Randmaschen vorgestellt und auch an kleinen Pröbchen gezeigt, das hat mir gut gefallen und auch hier freut sich jede geübte Strickerin sicherlich noch mal nachlesen zu können und zu schauen, was zum aktuellen Strickstück passen könnte.

Natürlich wird auch das Stricken in Runden (Socken, Mützen, Pullis) erklärt sowohl mit dem Nadelspiel, als auch mit der Rundnadeln.

Soweit so gut, damit kann man dann erstmal Stricken, aber was, wenn der Faden zu ende ist? Auch dafür gibt es ein Kapitel, wie man Garnenden verwebt, Farbwechsel macht, Garn neu ansetzt und so weiter. Auch das war gut verständlich. Bei den Bildern zum Garnende einstricken fand ich leider den gelben Faden sehr hell und auf dem weißen Hintergrund schlecht zu sehen. Da wäre etwas mehr Kontrast schön gewesen.

Wer also dann die Grundmaschen beherrscht und Fäden verweben kann, der will irgendwann auch Muster stricken und dazu werden dann die besonderen Maschen erklärt. Sehr ausführlich und hier wieder mit sehr guten Grafiken. Auch Zunahmen und Abnahmen werden erklärt und zwar auch hier unterschiedliche, damit man sich die passende Art aussuchen kann.

Dann hat man sein Strickstück fertig und will natürlich abketten, wie das geht,. wird ebenfalls ausführlich erklärt, mit vielen Bildern und Varianten und auch was weiter mit dem Strickstück passieren sollte, damit es schön in Form kommt, wird erwähnt.

Dann verliert sie auch einige Worte dazu, wie man eine Anleitung richtig liest, für einen Anfänger ist das ganz bestimmt sehr hilfreich, denn das Strickchinesisch ist ja nicht immer leicht zu verstehen. Es gibt praktische allgemeine Tipps, Erklärungen zu verkürzten Reihen und verschiedenen Arten diese zu Stricken. (Dazu kann ich ja den Kurs von Mairlynd sehr empfehlen. Den ich im Atelyeah besucht habe. Das ist wirklich erhellend.) Aber es geht auch mit den Bildern im Buch sehr gut und verständlich. Es wird erklärt, wie man Knopflöcher einstrickt und welche Verzierungen (Stickereien, Kordeln, Pompoms, Perlen etc. ) man wie anbringen kann.

Auch kompliziertere Techniken, die definitiv nichts für Anfänger sind, werden erläutert. Brioche oder Patent, Fairisle, Steeken und Doubleface wird gezeigt, auch hier fand ich leider wieder den hellen Faden auf hellem Grund schlecht sichtbar auf manchen Bildern, trotzdem kann man erkennen, was wo zu tun ist.

Sehr gut fand ich die Tipps, wenn etwas schief geht, was tun, wenn eine Masche gefallen ist, etwas zu kurz oder zu lang wurde. Das fehlt in den meisten anderen Strickbüchern und der Anfänger sitzt dann da und ribbelt, obwohl er das gar nicht müßte. Sehr schön, dass hier auch daran gedacht wurde.

Der Abschnitt Strickmuster ist kurz gehalten, aber ausreichend, ein Beispielbild und Hinweise, wie man dieses Ergebnis erhält. Absolut ausreichend, wenn man geübt ist bzw. den ersten Teil des Buches gelesen hat. Patentmuster, Zopfmuster und vieles mehr wird hier gezeigt. Da waren sogar Sachen bei, die ich noch nicht kannte.

Im Abschnitt Projekte gibt es Pulswärmer, einen Cardigan mit Raglan Lochmuster, eine Babydecke, ein zarter Kaschmirschal, ein Schal mit Zopfmuster, ein Pulli mit V-Neck (das ist der Grund, warum ich das Buch gekauft habe, der Pulli ist super schön!), Socken mit Zopfmuster, Täschchen im Fischgrätmuster, Kuscheldecke, Stirnband, die Mütze mit Zöpfen, die ich auch schon gestrickt habe und ein hauchzarter Loop. So kann man direkt die erlernten Dinge in Projekte umsetzen. Anschließend folgt ein gutes und umfangreiches Register, so dass man rasch findet, was man sucht.

Bei den Projekten haben sich leider einige Fehler versteckt, soweit ich weiß, sollten die aber in der zweiten Auflage verschwunden sein. Es ist nichts Dramatisches und Fehlerchen macht jeder, aber gerade in einem Anfängerbuch ist es natürlich wichtig, dass die Anleitungen und Garnangaben korrekt sind. (Bei der Mütze steht zum Beispiel man benötige 150 g in zwei verschiedenen Farben. dabei ist die ganze Mütze einfarbig und mit weniger als 50 g gestrickt.) Ein Errata zum Buch, für diejenigen, die die erste Ausgabe haben, findet sich in der Maschenfein Gruppe bei Facebook. 

Die Zopfmustersocken gehen nur von Größe 36 bis 41 und der Pulli und der Cardigan sind nur in S/M/L verfügbar. Das ist natürlich dem Platz im Buch geschuldet, trotzdem sollte man das wissen. Ich werde in Größe XS stricken, also selbstständig verkleinern müssen, das traue ich einem Anfänger erstmal nur bedingt zu.

Etwas schade fand ich bei den Projekten, dass die Bilder offensichtlich nicht von Strickerinnen ausgewählt wurden. Beim V-Neck-Pulli ist kein einziges Bild des V-Neck im Buch abgebildet, die Strickjacke mit Raglan-Lochmuster sieht unfassbar zerknautscht aus und wurde nicht richtig in Form gezupft, bzw. das Lochmuster so stark gedehnt, dass es fehlerhaft aussieht, obwohl es das nicht ist. Beim Bild der Kuscheldecke gibt es keine Schemazeichnung und keine ganze Abbildung, so dass man gar nicht erkennen kann, was das überhaupt für ein Muster ist.  Das ist leider bei vielen Büchern des EMF Verlags offenbar ein Problem, hier würde ich mir wünschen, dass etwas mehr darauf geachtet würde, was die Zielgruppe hier wirklich sehen will und was an Information aus dem Bild hervorgehen sollte.

Ich weiß, dass ich auf hohem Niveau nörgele, denn grundsätzlich ist das Buch wirklich sehr gut und hilfreich. Ich würde es wirklich Anfängerinnen, wie geübten Strickerinnen empfehlen, eben weil es sehr umfangreich ist und somit auch zum Nachschlagen dienen kann. Die Bilder sind gut verständlich und mit dem Buch ist man für wirklich jedes Strickprojekt gerüstet.

Viel Spaß beim Stricken!

7 Gedanken zu „Stricken Masche für Masche von Marisa Nöldeke

  1. Danke für den tollen Einblick 😊 ich hab es ja hier liegen, werde wohl erst nach dem #diedreivomblogKAL zum Schmökern kommen.
    Das mit den Fehlerteufelchen hat mich auch beim Buch „Noch mehr Tücher stricken“ etwas irritiert.

    • Viel Spass beim KAL und nachher beim Schmökern. Ja, zu „Tücher stricken“ wollte ich auch noch was schreiben. Es ist natürlich schwierig ein gute „steickbewandertes“ Lektorat und Teststricker zu finden, denen solche Fehler auch auffallen und die sie dann auch wirklich ansprechen. Daher kann ich es in gewissem Maß nachvollziehen.

  2. Vielen Dank für diesen tollen Einblick in das Buch. Ich finde das eine wirklich super Rezension, weil das Buch ehrlich bewertet wurde. Schaue jetzt regelmäßig hier vorbei.

    LG Birgit

  3. Pingback: An jedem verdammten Sonntag 19.11.2017 | jetztkochtsieauchnoch

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