Ein Monat auf dem Land – J.L. Carr

Ich fühlte mich beim Lesen von J.L.Carrs Buch „Ein Monat auf dem Land“ immer wieder an mein absolutes Lieblingsbuch „Der Schlachtenmaler“ von Arturo Perez-Reverte erinnert. Dieses Buch hat mich vor Jahren einfach nur gepackt und nie wieder losgelassen. Zwar haben beide Bücher einen gänzlich anderen Schwerpunkt, aber in beiden Büchern gibt es den Maler /Restaurateur, das Gemälde und den Turm/ die Kirche in dem dieses sich befindet. Da „Der Schlachtenmaler“ nun mal von mir heiß und innig geliebt wird, war recht schnell klar, dass auch „Ein Monat auf dem Land“ genau meinem Geschmack entsprach. Das schmale Büchlein schildert in einer einfachen und klaren Sprache wie Mr. Birkin immer mehr des alten Gemäldes im Kirchenraum frei legt und während er das tut legt auch immer mehr der Dorfbewohner um sich herum frei, macht sie für den Leser sichtbar und tastet sich an sie heran, ebenso vorsichtig, wie er bei dem Gemälde Schicht um Schicht abträgt.
Er erhält Einblick in eine vermeintlich heile Welt, schließt Freundschaften und verliebt sich. Doch nicht nur die Bewohner des Dorfes lernen wir nach und nach kennen, auch Mr. Birkin läßt den Leser Seite um Seite näher an sich heran, gewährt Einblicke in sein Leben, seine Traurigkeit und sein Trauma. Er leidet unter den Folgen des Weltkriegs und dem Verlassen werden von seiner Frau und versucht in diesem kleinen Örtchen Oxgodby Ruhe und Entspannung zu finden und findet dabei sehr viel mehr.

Mich haben Text und Stil absolut gefange genommen, das war eines der berührendsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe und das obwohl es nur wenige Seiten umfaßt und der Schreibstil eigentlich ein eher sachlicher und nüchterner ist. Als es schließlich dem Ende zu geht, hatte ich tatsächlich ein paar Tränchen im Auge, gut das heißt nicht viel, ich bin ja eine schreckliche Heulsuse, bei guten Büchern oder Filmen rinnen bei mir rasch die Tränen herab, aber hier war es einfach schön, sich der Traurigkeit und dem Weltschmerz ein wenig hinzugeben.

Carr hat bei mir einen Nerv getroffen, auch ich sehne mich nach meinem Oxgodby, nach meinem Ort der Ruhe und Entspannung, an den man immer wieder gerne in Gedanken zurückkehrt, aber eben nicht real, da es niemals so sein wird, wie beim ersten Besuch.

Besonders erwähnen möchte ich den unheimlich gelungenen Einaband, mit cremefarbener Leinenbindung und einem vogelförmigen Blatt. Hier habe ich während des Lesens immer wieder gerne drüber gestrichen und mich an diesem schönen Stück Buchbindekunst erfreut.
Das Buch ist wirklich ein Traum, für jeden der eine schöne, ruhige und melancholische Geschichte schätzt und der einen hübschen Einband ausreichend zu schätzen weiß.

3 Gedanken zu „Ein Monat auf dem Land – J.L. Carr

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