Winterdreieck – Julia Deck

Im März war es wieder soweit. Indie Book Day!

Ich bin also wie jedes Jahr in „meine“ Buchhandlung marschiert und habe mir das Tischlein angesehen, was dort schön jedes Jahr zu recht gemacht ist und auf dem ich all die schönen Bücher unabhängiger kleiner Verlage finde, die einem sonst in den großen Buchhandlungen, die sich mehr auf Beststeller und hohe Verkaufszahlen stützen, entgehen. Natürlich kaufe ich auch außerhalb des Indie Book Days Bücher aus dem Liebeskind Verlag oder auch den anderen kleinen unabhängingen Verlagen, am Indie Book Day zelebriere ich es aber mit noch mehr Freude und schaue, was die anderen Teilnehmer denn so gekauft haben. Außerdem entdecke ich jedes Jahr aufs Neue, kleine Verlage, die ich noch nicht kenne. So auch dies Jahr den Verlag Klaus Wagenbach kannte ich noch nicht. Auch wenn der Internetauftritt etwas angestaubt wirkt, gefällt mir das Programm sehr sehr gut.

Der Indie Book Day wird immer durch Aktionen begleitet. Es gibt auf Instagram Fotos zu den Errungenschafte, Tweets bei Twitter, Nachrichten bei Facebook und Gruppen dort.

Während ich mein Buch vom letzten Jahr noch immer nicht gelesen habe (Jajajaja, Asche auf mein Haupt. Ich lese zur Zeit viel zu wenig und stricke viel zu viel, ich weiß.) , habe ich mein Indie Book Day Buch in diesem Jahr letzte Woche gelesen. Ich muß gestehen, ich habe hier ein Buch gewählt, bei dem ich noch nicht sicher, war ob mich der Inhalt und die Aussage überzeugen konnten, das mir aber einfach von der optischen Aufmachung her so gut gefiel, dass ich nicht umhin kam es mitzunehmen. Rosa und Türkis lösen bei mir einfach immer Mädchenträume aus. Ich weiß, dass man so keine Bücher auswählt, ich mach das aber eben wohl. Und jetzt?

Julia Deck ist eine französische Autorin und die Franzosen haben es mir gerade bei Literatur häufig angetan, Virginie Despentes, Gregoire Delacourt habe ich mit Genuss verschlungen und ja, ich mag auch das Experiementielle. Bei mir muß ein Buch keine komplette Geschichte erzählen, es darf Regeln brechen, es darf Spielraum geben, es darf mich zu eigenen Überlegungen verleiten und genau das alles tut „Winterdreieck„.

Ich möchte daher gar nicht so viel verraten, in der Hauptsache geht es um eine junge Frau, die ihr Glück sucht, auf eine recht unfeministische und unkonventionelle Art, aus irgendeinem Grund hat sie mich an Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ oder „Sabrina“ erinnert. Sie ist ein bißchen naiv, ein wenig einfach strukturiert, egoistisch, ein wenig verrückt und trotzdem liebenswert.

Julia Decks Stil ist nüchtern bis kühl und so fällt es nicht ganz leicht für die Figuren etwas zu empfinden, als es bei mir dann aber soweit war, passierte das mit einem Knall. Dazu nutzt Frau Deck verschiedene Kniffe, sie tauscht die Zeiten, verdreht die Grammatik und letztlich bleibt es dem Leser überlassen zu deuten, was Zukunft, was Vergangenheit und was Realität und was Wunschtraum ist und wer ICH überhaupt ist.

Mir hat dieses Vage unheimlich gut gefallen, es drückt die Zerrissenheit und Verletzlichkeit unheimlich gut aus und überraschenderweise, auch wenn ich mich selbst gänzlich anders verhalten und auch charakterisieren würde, fand ich mich in diesem Buch wieder und konnte mich mit ihr identifizieren und litt mit ihr.

Winterdreieck ist keine klassische Liebesgeschichte, eigentlich nimmt Liebe einen nur sehr geringen Raum ein, es geht um unsere Gesellschaft, um Wünsche, Träume und für mich auch irgendwie um geistige Gesundheit, Trauer, Einsamkeit, Sex. Auch wechselt im Rahmen der Erzählung immer wieder die Perspektive, mal haben wir eine Ich-Erzählerin, mal beobachten wir als Leser aus der Ferne. Mir hat das ganze Buch wirklich sehr gut gefallen und auch, wenn ich die junge Frau ab und an schütteln wollte.

Allerdings rate ich wirklich jedem ab, der einfach auf der Suche nach einer guten Geschichte ist, denn das haben wir hier nicht. Hier haben wir einen sehr literarischen und anspruchsvollen recht unspezifischen Text, der eher die Leser zufrieden stellen wird, die gerne viel Raum für eigene Gedanken haben. IMG_0663[1]

Ein Gedanke zu „Winterdreieck – Julia Deck

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