Frank Witzel – Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969

Unbenannt

Ich war wirklich sehr gespannt auf Frank Witzels Roman mit diesem unwahrscheinlich langen und unmerkbaren Namen. Da ich in letzter Zeit bei meiner Strickarbeit aber eher Hörbücher höre, als wirklich Romane lese, habe ich mich dazu entschieden das Buch als Hörbuch zu konsumieren.
Eine gute Entscheidung, denn als gelesener Text hätte ich es vermutlich nach spätestens 50 Seiten an die Wand geschmissen und mich nicht weiter mit diesem Quark befasst.
Als Hörbuch hab ich allerdings durchgehalten. 10 CDs lang hab ich dem Autoren, welcher seinen Text selbst vorträgt gelauscht. Ich war fasziniert, interessiert, gelangweilt, irritiert und schockiert. Letztlich bin ich am Ende des Buches total verunsichert, was mir dieses Hörbuch nun gebracht hat und was mir der Autor damit sagen wollte.
Nun, ich lese gerne experimentelle und außergewöhnliche Literatur, ich mag es, wenn mir Raum für meine eigenen Interpretationen bleibt und ich mich in einem Text verlieren kann und verschiedenste Deutungen entstehen.
Dieser Text hier hat mich diesbezüglich allerdings beansprucht und ein weniger leidensfähiger Hörer, der eine Geschichte nach den üblichen Maßstäben erwartet, der wäre wohl sehr enttäuscht. Dieser Text ist nämlich alles nur nicht linear oder gar gewöhnlich.
Witzel erzählt und schwafelt und stellt gute und präzise Beobachtungen an, weckt Erinnerungen, sogar in mir, die ich doch eher ein Kind der 80er bin, als der 70er.
Grundsätzlich ist es wirklich verwunderlich, dass dieses konfuse und wirre Stück Text tatsächlich einen Verleger gefunden hat. Mir hat es trotzdem Freude bereitet, war ich auch gerade bei den kirchlichen Abschnitten und den sehr christlichen Teilen der Erzählung hätte ich hin und wieder gerne ein wenig vorgespult, diese Teile konnten mein Interesse nicht wecken und haben mich eher gestört, der Rest fügt sich am Ende für mich zu einem schönen Ganzen aus wirrem Text, Erinnerungen, Vermutungen und Verdächtigungen und ich muß gestehen, irgendwie gefällt mir auch das.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich Witzel einen Gefallen damit getan hat, das Hörbuch selbst einzulesen. Witzel liest sehr nasal, ein wenig nöhlig und gelangweilt. Hat man sich einmal darauf eingestellt ist das ok und paßt auch durchaus zum Text. Ich fand es aber gerade bei den Stellen, die mich etwas weniger interessiert haben auch ein wenig einschläfernd und ermüdend. Dazu nuschelt er häufig ein wenig und ich mußte genau hinhören, vorallem wenn ich im Auto unterwegs war, war er nicht immer gut zu verstehen, obwohl die Aufnahmequalität eine sehr Gute ist.

Ich würde das Hörbuch definitiv nicht jedem empfehlen, aber es ist durchaus interessant und auch handwerklich teilweise einfach nur fantastisch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s