Greenwash Inc. von Karl Wolfgang Flender

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Greenwash Inc. von Karl Wolfgang Flender erschienen im Dumont Buchverlag

Ich lese zur Zeit sehr wenig, muß ich ehrlicherweise zugeben. Durch Stricken, Kochen und Podcasting, meine neuentdeckte Leidenschaft, bleibt das gebundene Buch einfach sehr viel öfter und länger auf dem Nachttisch liegen. Greenwash Inc. lag auf eben diesem Nachttisch tatsächlich satte 4 Wochen. Immer mal ein paar Seiten gelesen, wieder weggelegt, weiter gelesen, wütend geworden, genervt gewesen, wieder weggelegt, doch wieder dazu gegriffen, weiter gelesen. Es war ein regelrechter Kampf. Wirklich. Dabei ging es noch nicht einmal darum, dass mich das Thema nicht interessierte, nein grünes Image, oder nennen wir es das vermeintlich umweltbewußte Auftreten von immer mehr Konzernen und die sehr kritische Herangehensweise an dieses Thema, ist ja eigentlich genau mein Ding, trifft meinen Interessenbereich so exakt, dass ich das Buch eigentlich hätte verschlingen müssen.

Hab ich aber nicht, das liegt hauptsächlich an einer Hauptfigur, die mir und meiner eigenen Lebenswelt so fern ist, dass ich über viele Verhaltenweisen einfach nur milde lächeln konnte. Immer wieder wurde ich an Patrick Bateman aus American Psycho erinnert, gut Thomas Hessel killt keine Menschen auf bestialische Art und Weise, aber er fällt ins gleiche Schema, das Format einer Visitenkarte ist wichtiger, als der Gesichtsausdruck, die größe des Büros wichtiger, als die eigenen Ziele, der knackige Hintern der Kollegin, interessanter als die eigene Freundin. Was mich bei American Psycho nervte, nervte mich auch hier und wenn man in die anderen Rezensionen zum Beispiel bei Perlentaucher.de reinschaut, dann bin ich mit meiner etwas gelangweilt genervten Einschätzung nicht alleine. Ich konnte die Faszination für Patrick Bateman schon nicht nachvollziehen, die Faszination für Manager-Boy Thomas geht mir gänzlich ab. Der Mann ist unsympathisch, lebensfremd und ich in meiner dörflichen ökobewußten Einfamilienhaus-Sachbearbeiter-Welt kann selbst mit größter Mühe kein Verständnis für die meisten seiner Verhaltensweisen aufbringen, geschweige denn, dass ich sie auch nur im Ansatz logisch nachvollziehen könnte. Das liegt vorallem auch daran, dass man Thomas Gefühlswelt so gar nicht erklärt bekommt. Thomas agiert, ist getrieben, wirft Pillen, um dem Streß zu trotzen und entscheidet sich in so vielen Fällen für die falsche Alternative und ist so unsympathisch, dass man als Leser am Ende einfach nur noch schadenfroh zu sieht, wie er sein eigenes Grab immer tiefer und tiefer schaufelt, um dann kurz vor knapp in einem wahnwitzen Turn der Geschehnisse doch wieder irgendwie… ah ich will ja nicht spoilern. Sagen wir, ich habe kurz in die Hände geklatscht und ihm alles Schlechte gewünscht und das, obwohl ich sonst wirklich kein gehässiger Mensch bin.

Grundsätzlich bleibt bei mir der fade Beigeschmack, dass Thomas letztlich nur ein kleiner Junge ist, der es immer noch nicht schafft, Papi, seiner Freundin und seinem Chef auch nur irgendwas recht zu machen und meint, wenn er in seiner Fitness-App auf gleichem Niveau mit dem Kollegen ist, dann wird es auch im Job gut laufen. Diese Sicht auf den Text sorgt dafür, dass ich trotz meiner Häme ein gewisses Mitleid für den armen Mann empfunden habe, leider reicht das nicht aus, um den Text spannender zu machen und so versickert die an sich grandiose Idee dieser Geschichte im zähen Sand der mangelnden Erzählkunst.

Ein bißchen mehr Witz, Satire, Ironie oder gar einfach Pfiff, Mut, Biss, was auch immer und das Buch hätte eine echt große Nummer in meiner persönlichen Rangliste werden können, so bleibt es leider nur hinter meinen Erwartungen zurück.

Unterhielten mich die ersten Seiten grandios, war nach der Geschichte um „Juana“, das Model, welches als arme Bäuerin für einen Imagefilm angeheuert und bei einem inszenierten Brandrodungsakt schwer verletzt wird, die Luft raus. Die Geschichte verliert ihren roten Faden, ihr Ziel und immer wieder habe ich das Gefühl, der Autor weiß selbst grad nicht so genau, ob er zynisch sein will oder nicht.

Mir hat irgendwann mal ein Dozent gesagt: „Ein gutes Buch ist eines, das Emotionen in dir weckt. Diese Emotionen müssen nicht immer positiv sein, sie müssen aber stark sein!“

Greenwash Inc. hat vorallem Wut in mir geweckt, Wut und Unverständnis und ein wenig Traurigkeit, sollte unsere Managerwelt, tatsächlich so aussehen und junge Menschen der Meinung sein, dies wäre die Art zu Leben, der Weg zum Erfolg, dann läuft in unserer Gesellschaft sehr viel mehr falsch, als ich bislang befürchtet habe.

Ich persönlich erlaube mir den Luxus hier einfach an eine deutliche Überzeichnung zu glauben und rede mir ein, dass es ein Buch ist, kein besonders Gutes, egal, wie stark meine Emotionen beim Lesen waren, und dass die meisten unserer aufstrebenden jungen Weltveränderer vielleicht doch ab und an nicht nur das berufliche Vorwärtskommen, den eigenen Profit denken, sondern auch ihre Menschlichkeit nicht aus dem Auge verlieren.

Es mag sein, dass das zu naiv ist, dass ich mich täusche, trotzdem möchte ich in meinem kleinen Herzchen einfach daran glauben. Hier und da hatte das Buch wirklich interessante kurze lichte Momente, ich würde daher wirklich den interessierten Leser gar nicht vom Lesen abhalten wollen, denn es war durchaus ein Erlebnis, Thomas auf seiner Schußfahrt durch Zertifizierungen, Öko-Lobbyismus, Eifersucht, Sex, Tabletten, ferne Länder und sein lächerliches männliches Machtgehabe zu begleiten, aber es war anstrengend und dabei hätte es mit einem etwas anderen Stil doch so genußvoll sein können. Ja, Bücher müssen auch mal sperrig sein, um etwas zu bewirken, um wach zu rütteln, aufmerksam zu machen. Greenwash Inc. war für mich aber nicht nur sperrig, sondern leider streckenweise auch sehr fad.

Schade für mich, Fans von American Psycho und dieser Art des Romans und Erzählweise, werden allerdings sicherlich auch hier auf ihre Kosten kommen und der ein oder andere mag vielleicht auch einfach sagen, die kleine kochende und strickende Bloggerin hat einfach nicht das tiefe Verständnis von Literatur, um hier mitreden zu können. Mag sein… ich bin dennoch ratlos, was mir dieser Text denn nun so wirklich sagen wollte.

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