Nigel Slater – Einfach genießen

Einfach genießen

Dumont Buchverlag / Nigel Slater

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Nun, wer diesem Blog aufmerksam folgt, wird es bereits wissen:

Es gibt nur einen Gott und keine Götter neben ihm.

Kniet nieder!

Nigel Slater hat ein neues Buch veröffentlicht!

Ein neues Buch?

Nun nicht ganz. Eine neue Auflage, eines bereits 2006 erschienen Werks ist es, ordentlich aufgehübscht mit hungrig machenden Bildern und einem kleinen Facelift. Die alte Ausgabe ist ebenfalls noch erhältlich, ein wenig günstiger, aber bei weitem nicht so schick.

Nun muß man sagen, wer ein Rezeptbuch sucht, ein Buch, in dem er sich sklavisch an Anleitungen halten kann, in dem jede Menge bis auf die kleinste Messerspitze exakt angegeben ist, nun derjenige sollte ab hier aufhören zu lesen, für dich ist das nichts. Slater ist niemand der präzise Mengenangaben macht, niemand der Rezepte veröffentlicht an die man sich wie ein Mantra halten kann. Slater gibt Hinweise, Ideen, Anregungen und Hilfestellungen, an denen man sich wie an einem Kletterparcours entlang hangeln kann. Mal hangelt man nach rechts, mal nach links, mal folgt man ihm, mal biegt man schnell doch noch in eine andere Richtung ab.

So waren alle seine Bücher und dieses hier noch mehr.

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Natürlich zählt er zu Beginn jedes Rezeptes auf, was man so benötigt. Seine Mengenangaben sind allerdings eher vage. Ein paar, ein walnußgroßes Stück, etwas, ein wenig, nach Geschmack, kann man da lesen und der zaghafte nicht so mutige Leser wird sich denken, was soll denn das? Warum sagt er nicht klar, was ich benutzen soll? Nun Slater will, dass man mutig wird, dass man sich selbst ausprobiert, dass man nicht seine Gerichte stumpf nachkocht, sondern dass man Mut entwickelt, ergänzt, wegläßt, hinzufügt, verstärkt, verschärft und abmildert.

Seine Rezepte sind keine Anleitungen, sie sind Geschichten, Geschichten die Appetit machen auf mehr und genau deshalb finde ich seine Bücher und somit auch dieses so fantastisch. Auf dem Einband sagt er: „Ein Rezept ist wie ein Lebewesen: Es muss atmen und sich verändern können, um sich unseren Zutaten, Stimmungen und Wünschen anzupassen!“

Und genau das läßt Slater mit seinen Gerichten zu. Er zeigt: „Hey, probier dieses aus, mach jenes und es wird immer schmecken, wenn du auf deinen Bauch hörst und mutig bist.“

Seine Anregungen sind intelligent, klug und spannend. Einfach genießen ist für mich daher eine Art Standardwerk, der Einstieg ins Kochen. Anleitung seinen eigenen Weg und Stil zu finden. Für mich ein absolut kluges Geschenk für jeden der zum ersten Mal zuhause auszieht und sich ohne Mamas Küche noch etwas unsicher am Herd fühlt, aber auch ein Feuerwerk an Anregungen für jeden der bereits sicher auf dem Terrain der guten Küche ist. Dabei bleibt Slater sich selbst treu „Gutes Essen heißt im Grunde nichts weiter, als gute Zutaten einfach zubereitet“ und daran hält er sich. Hier findet sich kein Fertigfutter verarbeitet, hier wird alles frisch zubereitet, hier finden nur wenige, dafür sehr gute Zutaten den Weg über den Topf auf den Teller. Dabei darf es ruhig kreativ sein, wird aber nicht so abgefahren, dass man die Zutaten nicht im Bauernmarkt oder Supermarkt finden wird.

Auch darf man hier eigentlich kein reines Kochbuch erwarten. Slater palavert, schwelgt, erzählt und verbreitet seine Lust am guten und leckeren Essen in jeder Zeile dieses Buches. In seiner Einführung nimmt er sich Zeit, erzählt über Planung, Stimmungen und dem passenden Essen und die Wichtigkeit der Entscheidung, was man überhaupt zubereiten will. Slater bereitet Genuss zu, kein Essen, kein Fast food, kein liebloses Gekoche, Slater ist tiefempfundene Lust am Essen.

Der nächste Abschnitt widmete sich den Mengen, für wen kocht man. Für sich alleine, für zwei? Für die ganze Familie, wer mag was, wann wie und in welcher Menge… Auch hier findet Slater tolle Worte, um einfache Dinge zu umschreiben und gerade für Kochanfänger finden sich hier hilfreiche Tipps und Tricks, das tägliche Kochen in Lust und nicht in Frust zu verwandeln.

Weiter geht es mit dem „Wo“ will man Essen. Soll etwas für unterwegs zubereitet werden, will man am Tisch sitzen oder will man sich tatsächlich ins Restaurant bewegen oder etwas nach Hause bestellen, auch hier berichtet er von dem Genuss, den es bereiten kann, einmal nicht selbst den Kochlöffel zu schwingen, sondern das Werk eines anderen zu genießen.

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Ein ganzer Abschnitt richtet sich an diejenigen, die sich immer zu viel Arbeit machen und zeigt Vereinfachungen, Erleichterungen, wie Planung schon hilft, sich nicht zu sehr zu streßen und das übermäßiger Ehrgeiz eher zu traurigen Ergebnissen, denn zu wirklich gutem Essen führt. Slater ist ein Freund der Einfachheit, des Minimalismus und dennoch des wirklich reichhaltigen Essens. Hier zeigt er auf, dass man sich als Koch die Arbeit erleichtern kann, in dem man auf einfache Gerichte zurück greift, die wenig Zubereitungszeit in Anspruch nehmen und dennoch mit guten hochwertigen Zutaten einfach nur toll sind. Büffelmozzarella mit Oliven, eine einfache Hühnerbrühe können schon zauberhaft sein.

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Weiter geht es mit Anregungen für ein paar einfache Mittag- und Abendessen. Hier nennt er passend zur Jahreszeit tolle Anregungen für die flotte Küche mit guten Zutaten. Im Abschnitt „Überlebensführer für Köche“ nimmt er Bezug auf den Zwang zu kochen, niemand muß jeden Tag kochen, man kann auch ohne zu kochen tolles Essen genießen, sei es Käse mit Feigen und Oliven, tolles Obst oder hochwertige Fertiggerichte, sind sättigend und sicher auch nicht immer ganz schlecht. Hier folgen so viele witzige und treffende kleine Tipps und Tricks, dass es ein Genuß war sie zu lesen.

Mein Liebling: „Räucherlachs und Champagner sind kein Luxus!“… wie Recht er damit hat und es finden sich dort Anregungen, was man auch in großen Mengen auf Vorrat zubereiten kann und was sich dafür eher nicht eignet.

Slater gelingt es sogar die richtigen Worte für den Besuch des Fastfoodrestaurants zu finden, denn manchmal muß auch das einfach sein. Ein dicker Burger mit viel Soße ist doch hin und wieder der pure Genuss, warum also sich nicht auch das ab und an gönnen?

Hierauf folgt ein Kapitel dazu, dass man seinem Bauch vertrauen soll, dass man nicht dem Rezept, sondern seinem Gefühl glauben soll. Wann sind Dinge gar? Wie riecht etwas richtig? Welche Geräusche entstehen beim Kochen und was sagen sie uns. Slater führt hier vor, wie auch ich beim Kochen vorgehe, chaotisch, aber mit viel Herz und Gefühl.

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Dann gibt er Verbesserungsvorschläge, wie kann man Speisen retten, was ist Geschmack und wie kann man den Geschmack einer Speise verbessern. Wie man Geschmäcker verstärkt oder sie abmildert, welche Gewürze bei welchen Speisen was auslösen.

Auch Hinweise zu seinen meist fehlenden Maßangaben finden sich, ein Kapitel über das richtige Werkzeug, auch hier bleibt er sich treu. Wenn etwas  gut in der Hand liegt und seinen Zweck erfüllt, ist es das richtige Werkzeug. Man braucht nicht für alles das passende Messer, den richtigen Löffel. Man braucht gutes Werkzeug, aber nicht teures.

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Schließlich kommt er bei den Zubereitungsarten an. Dämpfen, Kochen, Grillen, zu allem verliert er hier ein paar Worte, führt ein, schlägt vor, berichtet, dass einem das Wasser im Munde zusammen läuft. Er berichtet auch über Einkaufen, Möglichkeiten in der heutigen Zeit an gute und hochwertige Lebensmittel zu kommen und berichtet über Kinder in seiner Küche.

Es folgt dann eine kleine allgemeingehaltene Materialkunde.

Gewürze, Kräuter, Zutaten auch dies kommt nicht zu kurz in Slaters kleiner Kochkunde. Beschreibungen von reifem Gemüse, wie man feststellt, was wirklich gut ist und was reif und essbar ist. Hier beschränkt er sich auf einen kurzen Überblick, der aber erstmal absolut ausreichend ist.

Auch dem Fisch widmet er einen Teil seines Buches. Wie bereitet man welchen Fisch zu, was ist ein küchenfertiger Fisch, was ist noch zu tun, wie brät, röstet, kocht man den Fisch richtig. Ebenso gibt er den verschiedenen Fleischsorten ausreichend Raum.

Dann widmet er sich wieder seinem Steckenpferd, dem richtigen Kochen zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Er schlägt für jeden Monat saisonale Speisen und Gerichte vor und schwelgt in Empfehlungen.

Dann ist man erst beim Rezeptteil des Buches angelangt und hier folgen einige wirklich einfache Grundrezepte.

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Ein einfaches Brot, Brathühnchen, Nudelsuppe und dann Hinweise, wie man das einfache Gericht verändern, verbessern oder verfeinern kann. Alles ganz simple, mit reichbebilderten Erklärungen und tollen Ideen zur Veränderung und viel Bestärkung, es selbst zu verändern und zu variieren. Die Gerichte sind wirklich einfach und der versierte Koch wird hier nichts großartig ganz Neues finden, aber Anregungen für Veränderungen und allein Slaters Art über das Kochen zu schreiben, verursachen bei mir Genuss.

Rezepte für Suppen, Pasta, Kuchen, Süßigkeiten, für jeden ist etwas dabei. Nicht viele Rezepte, dafür mit Abwandlungen, interessanten Ideen zur Veränderung und eben tollen Worten.

Slaters Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Es ist fantastisch.

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Ich habe mich eben an die luxuriöse aromatische Nudelsuppe gewagt und sie ein wenig abgewandelt.

Zutaten:

2 Chilischoten

2-3 kleine Knoblauchzehen

1 walnußgroßes Stück Ingwer

ein paar Korandersamen

eine handvoll frischer Koriander und ein paar Wurzeln

Zitronengras

Sesamöl

Hühnerbrühe mit Fleisch (hab ich immer auf Vorrat selbstgemacht eingefroren)

400 ml Kokosmilch (fand ich etwas zu viel, nächstes Mal weniger)

Limettensaft

Nam Pla (Austernsoße aus dem Asialaden)

eine Handvoll Minze

Asiatische Nudeln (eine Handvoll)

Flusskrebsfleisch

Chilis halbieren und Kerne entfernen. Knoblauch schälen, Ingwer schälen. Chilis, Knoblauch, Ingwer, Zitronengrad, Koriandersamen (vorher zerstossen) zusammen mit dem Koriander (Blätter und Wurzeln) und einem Schuss Sesamöl zu einer Würzpaste verarbeiten.(Küchenmaschine oder Häcksler) Die Hälfte der Würzpaste im Topf erhitzen mit der Hühnerbrühe und der Kokosmilch ablöschen, zum Kochen bringen und 10 Min köcheln lassen. Krebsfleisch dazu geben, Nudeln dazu geben. Minze dazu geben.

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Mit Limettensaft und Austernsoße abschmecken.

Ich fand es fantastisch, scharf (aber nicht zu scharf, bin ja empfindlich), frisch und lecker.

Dem Mr war es etwas zu exotisch, ich befürchte die Kokosmilch war nicht seins. Er hat sein Tellerchen zwar aufgefuttert, aber wollte nicht unbedingt noch Nachschlag, so ist dass wenn der Mann so experimentierfreudig, wie eine Bodenfliese ist… seufz. Ich fands toll und die Suppe läßt sich auch super vorbereiten und zur Arbeit mitnehmen.         IMG_4674

 

5 Gedanken zu „Nigel Slater – Einfach genießen

  1. Pingback: Chicken &Rice  | jetztkochtsieauchnoch

  2. Durch deinen Blog bin ich auf Nigel Slater aufmerksam geworden und habe mir das Buch „Eat“ zugelegt. Die ganze letzte Woche habe ich Rezepte daraus gekocht und bin restlos begeistert…es geht sehr schnell, es schmeckt hervorragend und die ganze Familie ist begeistert. Werde mir dieses hier wohl auch zulegen!!

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