Die Geheimnisse der Welt von Lisa O’Donnell

 

Unbenannt

Im letzten Jahr habe ich bereits „Bienensterben“ von Lisa O’Donnell gelesen und war bezaubert von ihrem Stil und ihrer Feinfühligkeit und dennoch der teilweise schon fast groben Erzählweise.

Natürlich mußte ich dann auch das nächste Buch von ihr sofort lesen. „Die Geheimnisse der Welt“ hat im Grunde eine ähnliche Thematik, wie „Bienensterben“, präsentiert sich aber sprachlich und erzählerisch ganz anders. Es geht um den kleinen Micheal, der in der Arbeiterschicht groß wird, sein Vater ist arbeitslos, die Mutter träumt von einem Studium, die Großmutter wohnt mit im Haus. Es sind einfache aber liebevolle Verhältnisse, die Micheal kennenlernt. Das Buch ist aus seiner Sicht geschrieben und die Sprache daher eine sehr einfache kindliche, was mir zugegeben zwischenzeitlich schon mal ein wenig auf die Nerven ging, weil ich fand, dass die Autorin es für einen 12jährigen, dann doch zu einfach ausgedrückt hat. Grundsätzlich war „Die Geheimnisse der Welt“ aber ein absoluter Lesegenuss, es ist fantastisch, wie O’Donnell die Probleme in dieser Familie und dem Umfeld herausarbeitet. Wie sie an das Hauptproblem herangeht und das Zwischenmenschliche aus der Sicht von Micheal schildert. Micheal, der erst nicht versteht, was seiner Mutter zugestoßen ist und warum man ein Geheimnis daraus macht. Michael, der das Wort Vergewaltigung nachschlagen muß, weil er sich nicht traut zu fragen. Michael, der heimlich irgendwie doch in eines der Nachbarsmädchen verliebt ist und auch mit diesen neuen Gefühlen ganz schön zu kämpfen hat, zumal alle anderen ihre eigenen Probleme mit sich herumschleppen und niemand da ist, der sich wirklich mal mit ihm beschäftigt.

Sehr gelungen fand ich auch den sozialen Aspekt des Buches, wie reagiert eine Nachbarschaft, wenn etwas passiert, welche Probleme ergeben sich, wer gibt wem die Schuld woran, wie überwindet man Ängste und Hass.

Das hat Lisa O’Donnel wieder sehr gut in Worte gefasst und auch wenn ich den kleinen Michael manchmal schütteln wollte, weil mir die einfache Kindersprache dann doch irgendwie auf die Nerven ging, habe ich es sehr genossen, seine Erlebnisse zu teilen und seinen Reifungsprozess zu beobachten.

Eine Leseempfehlung für die Freunde intelligenter und anspruchsvoller Literatur, die nicht nur eine gute Geschichte lesen möchten, sondern dabei auch noch ihr Hirn benutzen wollen.

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