Frühwerke von Haruki Murakami

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Haruki Murakami

Wenn der Wind singt / Pinball 1973

Ich lese Murakami nicht, ich verschlinge ihn. Seine Texte fesseln mich, halten mich fest, binden mich und lassen mich manchmal auch jämmerlich ersaufen, um dann nach Luft schnappend und in tiefer Traurigkeit wieder in die Realität aufzutauchen.
Ich liebe jede Seite, die er schreibt, jedes Wort, das er wählt und jede Geschichte, die er erzählt…. dachte ich.
Mit Feuereifer und viel Freude habe ich mich daher in dieses Leseabenteuer gestürzt, diese frühen Werk meines Meisters gelesen. Wie üblich habe ich mir viel Zeit und Ruhe angetan, um jedes Wort genießen zu können. Das funktioniert bei dem ersten Teil des Romans ganz wunderbar. Hier konnte ich in jeder Zeile meinen Autor erkennen, oder nein, eher eine Frühform meines geliebten Schreibers. Es war interessant, zu vergleichen, abzuwägen und zu erkennen, wie er beim Schreiben seinen Weg findet und noch ein wenig unsicher mit Worten und Sprache experimentiert. Allerdings sind hier beide Bücher aus meiner Sicht tatsächlich keine Geschichten, sondern Experimente, kein linearer Ablauf, keine wunderbaren Wendungen, wie man sie sonst von ihm erwartet, eher Fragmente, Ideen, Gedanken locker zu Papier gebracht. Sicherlich wunderbar zu lesen, allerdings kein leichter Einstieg für jemanden, der Murakami eben nicht kennt.
Gerade der zweite Roman stellt einen Murakami Neuling sicherlich vor eine harte Aufgabe, sogar mir, die ich doch seine Texte so schätze, fiel es hin und wieder schwer, mich zu konzentrieren, bei ihm zu bleiben und nicht abzuschweifen, weil das, was er da schreibt, doch noch nicht die Spitze, die Punktgenauigkeit hat, wie ich sie von ihm gewohnt bin. Immer öfter stellte sich mir im zweiten Teil des Buches die Frage, wo er mich hinführen will und immer seltener interessierte mich die Antwort.
Gut, mit dem Wissen, dass es sich hier um zwei Frühwerke handelt, kann ich damit leben, damit umgehen, aber meine Begeisterung ist deutlich gemildert. Leider.
Jemandem, der nichts von Murakami kennt, würde ich dieses Buch hier ganz klar nicht als Einstieg empfehlen, das kann wirklich nur genießen, wer den Autor bereits kennt und schätzt und der sich durchaus auch auf experimentielle Schreibstile einlassen möchte.

Am Ende bleibe ich zwiespältig zurück, den einerseits ist es eine wahnsinnige Erfahrung diese frühen Geschichten zu lesen, andererseits kommt zumindest die zweite Geschichte bei weitem nicht an die Genialität der neueren Werke heran.
Wie bewertet man so etwas als Fan? Schwer zu sagen… genossen habe ich die Lektüre in jedem Fall.

Besonders hervorheben möchte ich auch hier wieder dieses einfach nur fantastische Cover. Der Dumont Verlag hat hier einen Geniestreich begangen. Bereits bei den letzten beiden Büchern war sichtbar, wie fantastisch hier Bücher gestaltet wurden. Auch hier ist die Blume, die bei Abnahme des Schutzumschlags zur Pusteblume wird, einfach nur wunderschön. Wer auch immer das erdacht hat, Danke. Es bereichert mein Buchregal jeden Tag!

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