Nacktschnecken – Rebecca Martin

Nacktschnecken von Rebecca Martin hatte mich fest im Griff, seit ich Klappentext und Beschreibung im Dumont Verlagsprogramm gelesen hatte. Klar, der Umschlag war irgendwie zu sehr Sarah Kuttner (Mängelexemplar), aber trotzdem irgendwie traf das alles meinen Nerv und ich habe mich auf das Lesen des Buches unwahrscheinlich gefreut.

Normalerweise folgt auf diese Freude dann immer sehr rasche Ernüchterung, der Text ist nicht so toll, wie ich es erwartet habe, die Geschichte irgendwie fad, irgendwas ist ja immer. Bei Nacktschnecken war das aber nicht so, im Gegenteil mit jeder Seite und jeder Unmöglichkeit, die Nora da schon wieder verbockte, stahl sich mir ein tieferes Grinsen ins Gesicht, fühlte ich mich mehr verstanden und irgendwie nicht allein.

So lange hab ich mich wie Nora gefühlt, irgendwie nicht angekommen, irgendwie verkehrt, irgendwie falsch verstanden und fehl am Platze, mit dem falschen Mann an meiner Seite, dem falschen beruflichen Ziel vor Augen und überhaupt schien mir dieses komplette Leben, das ich lebte nicht zu passen, es war nicht viel zu groß oder viel zu klein, aber es zwickte an den entscheidenden Stellen. Hätte ich Nacktschnecken früher gelesen, hätte ich vielleicht eher erkannt, dass ich auf dem ganz falschen Dampfer war, dass es nicht mutig ist, so zu sein, wie andere es erwarten, dass es nicht toll ist Dinge zu erreichen, die einem nichts bedeuten, die sich aber toll und fantastisch anhören.

Auch wenn Rebecca Martin es mit ihrer hippen Sprache und den coolen Dialogen hier und da für meinen Geschmack ein wenig übertreibt, hat sie es mit ihrem Text über Nora, die irgendwie sucht und dann doch nicht findet, geschafft mich zu berühren. An so vielen Stellen habe ich Eselsöhrchen ins Buch geknickt, weil ich mich in diesen Situationen so gut wiederfinden konnte und zwar in Situationen, über die man nicht mal mit der besten Freundin spricht, über Gefühle, die man hat, aber nicht haben sollte, Bedürfnisse, die man fühlt, aber befriedigen kann, Ängste, die man hat aber nicht zeigen will, Wut, die man fühlt, aber nicht fühlen soll, auf Menschen, die sie nicht verdient haben, die man aber dennoch nicht ganz unterdrücken kann.

Dank für diesen Text, auch wenn ich mich mit dem Ende nicht so richtig anfreunden kann, hat mir der Rest des Buches beim Lesen einfach wirklich viel gegeben.

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