Mal was anderes… ich bin ein Pferdemädchen :)

 

Unbenannt

Bodenarbeit von Vanessa Bee

Ich bin an dieses Buch sehr vorurteilsbehaftet herangegangen.
Ich reite seit dem Grundschulalter, ich habe selbst Reitunterricht gegeben und im Bereich von Dressurturnierpferden als Bereiterin gearbeitet. In meiner Familie gibt es viele Pferdehalter, es wird ein wenig gezüchtet, seit einiger Zeit habe ich mich jedoch fast ganz vom Reitsport zurückgezogen, aus Zeitgründen.
Ich muß gestehen, diesen Pferdeflüstererkram immer eher als Humbug abgetan zu haben und zu den klassischen Erziehungsmethoden bei einem Pferd zu tendieren. Wohlgemerkt, mit klassisch meine ich keineswegs Zuckerbrot und Peitsche, ich halte lediglich nichts von Kuschelpädagogik bei Tieren, das hängt wohl auch mit meiner Einstellung zum Reitsport zusammen. Für mich ist es ein Sport, ich erwarte von meinem Pferd, daß es mein Kamerad ist, aber auch daß es Leistung bringt und sich aktiv an der Ausbildung beteiligt.
Trotzdem hatte ich immer schon eine Schwäche für Problempferde, sei es der Traberhengst, der plötzlich zum Dressurpferd umerzogen werden soll und darauf erstmal Nullbock hat, sei es die zickigbiestige Stute, die wenn sie gut drauf ist traumhaft läuft und an ihren schlechten Tagen latscht, als wäre sie kreuzlahm und stamme nicht von den besten Vorfahren ab oder der kleine Feigling, der zitternd in der Halle steht und sich kaum traut an einem Strohballen vorbei zu laufen. Solche Tiere haben mich immer fasziniert und herausgefordert, die Dressurpferdchen der anderen, die problemlos ihre Kür ablieferten, egal, welcher Reiter da oben gerade sein Unwesen trieb, fand ich immer langweilig.
Hätte ich damals schon dieses Buch gekannt, hätte ich vieles vielleicht anders gemacht oder auch besser verstanden, vieles scheine ich jedoch intuitiv richtig gemacht zu haben und so komme ich auf erstaunlich vielen Seiten zu den gleichen Schlüssen, Anregungen und Ideen, wie die Autorin.

Auf einigen anderen Seiten runzele jedoch auch ich die Stirn. Sei es die komplette Ablehnung von Gerten oder der Hinweis, daß Strafen nicht zum Ziel führt. Auch einem Pferd müssen Grenzen aufgezeigt werden, ein kleiner Klaps kann das deutliche „Nein“ bei verbotenem Tun aus meiner Sicht unterstreichen, obwohl dieser nicht mal schmerzt. Eine Gerte wird in der klassischen Reitausbildung nicht als Strafe eingesetzt, sondern als Anreiz, niemand mit Verstand prügelt mit einer Reitgerte auf ein Pferd ein und erwartet, daß es so etwas lernt oder sich wie gewünscht verhält. Die Gerte wird zum Antippen und leichten Animieren genutzt, daß ein Autor eines Pferdebuches so etwas weiß, auch wenn er keinen Pferdeleistungssport betreibt, setze ich eigentlich voraus.
Grundsätzlich bietet das Buch nette Anregungen, Ideen und Denkanstöße. Ich werde sicherlich nicht dazu übergehen mit unseren Pferden Agility-Parcours abzulaufen, statt sie abzureiten, aber die ein oder andere vertrauensbildende Übung gefällt mir und ich werde sie mir abschauen.
Ein wenig skeptisch bin ich im Hinblick darauf, daß die ein oder andere Übung mit dem ein oder anderen Pferd nicht gänzlich ungefährlich sein dürfte. Ich rate also Eltern, die der Meinung sind, ihre Kinder könnten mit dem Buch ein wenig Spaß mit ihrem Pony oder Pferd haben, eher davon ab, dies unbeaufsichtigt stattfinden zu lassen.
Grundsätzlich geht es bei dem Buch auch weniger darum die genannten Parcours zu erledigen, als darum, einen Blick für sein Pferd zu erlangen, Verständnis und Vertrauen auf beiden Seiten aufzubauen und zu erhalten und die Beziehung zwischen Reiter und Pferd zu intensivieren und für Alltagssituationen stark zu machen.
Das hat mir gefallen und war unterhaltsam und gut geschildert.
Hier und da bin ich mit der Autorin nicht einer Meinung und finde ihre Darstellung zu absolut, bzw. zu wenig vielschichtig.

Ein großer Nachteil des Buches ist leider sein absolut chemischer Geruch, keine Ahnung woran das liegt, aber es stinkt wirklich erheblich nach Chemikalien, wenn man es aufschlägt. Das ist unschön.

Ein Gedanke zu „Mal was anderes… ich bin ein Pferdemädchen :)

  1. Habe gerade deinen Blog entdeckt!
    Und ich als Pferdefrau mit zwei Arabern mußte natürlich gleich diesen Artikel lesen. Ich kenne dieses Buch nicht, arbeite aber sehr viel mit Horsemanship und Zirkuslektionen. Reite aber klassische Dressur und springe.
    Allerdings habe ich viel mit Trainern erarbeitet, nur rein aus einem Buch zu lernen ist sicher nicht zu empfehlen. Aber zum nachlesen immer interessant.
    LG aus der Strick- und Pferdeecke
    Bettina

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s