Ich bin also ein Trüffelschwein? Na danke, Herr Bredack!

Vegan für alle – Warum wir richtig leben sollten – Jan Bredack

Ich liebäugele immer wieder mit der veganen Ernährung. Mein Veganprojekt sollte mich einen Monat lang vegan ernähren, nach knapp 2 Wochen warf ich das Handtuch, mir ging es gesundheitlich definitiv nicht gut, trotz ausreichender Information und ausgewogener veganer Ernährung, fühlte ich mich schlechter denn je.
Das Projekt wurde also abgebrochen und ich aß endlich wieder, was ich mochte, worauf ich Lust hatte und ging nach 2 Wochen Anspannung, endlich wieder locker und gelöst durchs Leben. Kein Überlegen, darf ich das essen, ist da nicht vielleicht doch irgendwas Tierisches drin? Einzig die Entscheidung, das schmeckt mir oder das schmeckt mir nicht spielte wieder eine Rolle.
Viele vegane Gerichte haben dennoch Einzug in meinen Speiseplan gehalten. Vorallem die Reismilch Kokos kann ich aus meinem Alltag nicht mehr wegdenken und ich habe viele Alternativen kennengelernt, wie ich mit meinen ganzen Lebensmittelunverträglichkeiten leben kann. Trotzdem gehöre ich zu den Genußessern, ich gönne mir gerne etwas Gutes, aber ich möchte auch auf nichts verzichten.
Diese Nutzer seiner Supermärkte bezeichnet Herr Bredack recht unschön als Trüffelschweine und gibt gleichzeitig zu, daß diese Kunden sehr lukrativ, weil wohlhabend und kaufwillig sind.

Auch ich wünsche mir einen seiner Supermärkte für Köln oder Bonn, einfach weil mir mein Einkauf im Veganz in Berlin so viel Freude bereitet hat und ich den veganen Brunch dort sehr angenehm empfand, es war lecker und ich konnte auf Anhieb die Dinge finden, die ich haben wollte und das in einer kaum zu fassenden Auswahl und Variation.

Ich kann den Veganismus also nachvollziehen, ich habe auch lange Jahre wirklich vegetarisch gelebt, aber auch das war bei mir eben nichts, was mich nachhaltig glücklich machte. Ich habe für mich entschieden, ja ich möchte Tiere essen, ich möchte keine künstlich hergestellten Ersatzstoffe aus Pflanzenfasern, ich möchte Tier. Gesundes und gutes Tier, das ja. Aus diesem Grund gibt es bei uns selten Fleisch, aber eben immer sehr hochwertiges von glücklichen Kühen und Schweinen. Geflügel gibt es selten.
Ich bin den Tieren für das Fleisch dankbar und fühle mich nicht schlecht, wenn ich es Esse. Meine Katze hat schließlich auch keine Schuldgefühle, wenn sie eine Maus frißt.

Grundsätzlich gefällt mir auch die vegane Welle, je mehr Menschen vegan und bewußt leben, um so größer wird das Angebot an guten Produkten, an Molkereiersatzprodukten, auf die ich mit meiner leider immer stärker werdenden Laktoseintoleranz angewiesen bin. Was mir aber nicht gefällt ist der moralische Zeigefinger, dieses Bekehrertum, dieser Wettbewerb „Ich lebe noch veganer als du“. Das bringt mich auf die Palme.
Es ist mein Leben, ich entscheide, was ich esse, was ich trage, wie ich mich verhalte. Wenn ein Neugieriger sich mit Ledertasche in einen veganen Supermarkt verirrt, sollte man sich freuen, daß er den Weg gefunden hat und neugierig probiert, statt seine Ledertasche missmutig zu beäugen und sich zu beklagen, daß er heute zwar vegan kauft, morgen aber wieder bei REWE die Blutwurst in den Wagen lebt.
Mir fehlt es in der veganen Szene an Toleranz.

Bredack schreibt, er könne mit keiner Frau mehr zusammen sein, die nicht vegan lebt. Das verstehe ich nicht. Mir ist gänzlich egal, was mein Mann ißt, ich lebe sogar seit Jahren mit einem Mann zusammen, den ich als Nichtraucher kennenlernte und der nun aufeinmal wieder dem Tabak fröhnt, das ist kein Streitpunkt, das ist einfach eine Facette und ich bin tolerant genug, sie zu akzeptieren, anstatt ihn von meiner rauchfreien Lebensweise überzeugen zu wollen. Hin und wieder jubele ich ihm ein wenig Tofu unter, würde ich da jedes Mal Diskussionen führen, würde er das gar nicht essen. So kam letztens nach der vegetarischen Bolognese oder gar meinem Versuch mit veganem Mett, die Bitte das doch wieder zu kochen.

Ich halte nicht viel von Radikalismus, weder beim Essen, noch bei der politischen Einstellung, ein Buch, das mir vorschreibt, was das richtige Leben ist, ärgert mich daher eher, spricht es mir doch die Entscheidung ab, was ich für richtig halte.
Bredacks Geschichte zu lesen, war dennoch meist unterhaltsam, wenn ich diesen Menschen auch durch seinen Wandel nicht sympathischer finde und seine Schilderungen doch von einem ziemlich seltsamen Blick auf die Welt zeugen.

So erzählt er beispielsweise, wie besonders seine Auswahl der Mitarbeiter in den Veganzsupermärkten ist, leider konnte ich davon nur wenig mitbekommen, die Damen, die das Buffet damals im Veganz machten, waren schlicht weg schlechtgelaunt, muffelig und unfreundlich und hielten mir auf meine Frage, ob man das Fenster schließen könnte, einen Vortrag über gesunde Frischluft, eine Haltung, die ich in vielen Bioläden mitbekomme, der Kunde ist hier eben leider häufig noch nicht König und statt die vielen guten und tollen Produkte sinnvoll anzupreisen, wird dem Käufer vermittelt, wie unwissend er ist und wie sehr er grad beim Chakkrafinden stört oder was auch immer gerade wichtiger sein könnte, als die Frage des Kunden.
Hier würde ich mir eine Veränderung wünschen, wie ich sie beispielsweise im Momo in Bonn erlebt habe, sehr freundliche hilfsbereite Verkäufer, die mit ihrem Dogma nicht so beschäftigt sind und wirklich jeden Kunden, auch die neugierige Omi, die eigentlich vermutlich erstmal nichts kaufen wird, freundlich beraten.

Wie gesagt, grundsätzlich ist das Buch unterhaltsam und findet einen relativ angemessenen Tonfall, der von vielen Extremveganern dankenswert weit entfernt ist. Wenig gefallen hat mir allerdings, daß Bredack häufig Ansprachen oder Texte anderer zitiert oder auch eine Podiumsdiskussion nachberichtet. Das war langweilig und interessierte mich wenig.

Wer sich über den Veganismus informieren will, der findet in dem Buch allerdings nur wenige Infos, das hier ist wirklich eher eine Autobiografie, eine der durchaus unterhaltsameren, aber eben auch eine mit der ich nicht immer übereinstimmte und die sprachlich hier und da ein wenig plump um die Ecke kommt.

2 Gedanken zu „Ich bin also ein Trüffelschwein? Na danke, Herr Bredack!

  1. Ich denke Herrn Bredack geht es bei der Aussage bezüglich einer Partnerin grundsätzlich um deren Einstellung. Und von daher kann ich seine Begründung nachvollziehen mit einer nicht Veganerin nicht zusammen sein zu wollen.

    Wenn Essen verbindet ist es etwas sehr bereicherndes.
    Oder halt etwas sehr blockierendes. Und wenn Herr Bredack da halt seine Schwäche hat (oder Überzeugung), eine Frau nur noch als Veganerin zu akzeptieren leuchtet mir das schon ein.

    Danke für deinen tollen Bericht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s