Alternative Bezahlmethoden? Tauschkreise? Sharing?

Ich bin privat und auch beruflich sehr interessiert an alternativen Währungen, sei es Bitcoin, Tauschticket, Zeitbanken, Sharing, etc. Von diesem Buch hier hatte ich mir einen guten Überblick über die Möglichkeiten und Vor- und Nachteile dieser alternativen Herangehensweisen an das Thema Bezahlung versprochen.

Grundsätzlich schafft es das Buch auch, zumindest einige der von mir erwarteten Themen anzureißen, sekundäre Literatur zu empfehlen und weitere Rechercheansätze zu setzen.
Für mein Empfinden bewegt sich das Autorenteam aber deutlich zu weit in der Vergangenheit, um wirklich aktuell zu sein. Viele Seiten werden darauf verschwendet auf die Schöpfer von Regionalgeld und ihre Visionen einzugehen.
Zu wenig Zeit wird darauf verwendet, die Risiken solcher Modelle und die Nachteile zu beleuchten.
Waldorfschulisches Sozialromantikdenken von einer Gesellschaft ohne Bösewichter, Neider oder Gierschlünde wird hier vertreten, das für mich mit meinem Erfahrungsschatz und meinen Gedanken gänzlich an der Realität vorbei geht. Gänzlich subjektiv werden die Bezahlmethoden Regionalgeld und Zeitbanken als die Lösung aller Probleme hochgejubelt. Dabei wird vergessen, daß ein Finanzsystem kein Sozialsystem ist und es zwar reizvoll ist, in ein System zu investieren, das soziale Projekte förderte, Unternehmen aber nun mal auch positive Bilanzen aufweisen sollten und ein Geldsystem, in dem das Geld „rostet“ also mit der Zeit an Wert verliert, hierfür einfach im Vergleich zu Geld, das allein durch sein Vorhandensein Gewinn abwirft, nicht attraktiv genug ist.

Erst zum Ende des Buches hin, als es dann um real umsetzbare Modelle auch für den Einzelnen geht, wie Kleiderkreisel, Carsharing und co, gelang es den Autoren wieder, mich halbwegs zu überzeugen, da blieb dann aber teilweise nur der Raum weniger Absätze zu einem Thema, das doch so viel aktueller, als irgendein chiemgauischer mittlerweile verstobener Visionär gewesen wäre.

Dazu kommt, daß das Buch im Bezug auf Bitcoins einfach nicht auf dem neusten Stand ist, der Hackerangriff vor wenigen Monaten, hat den Blick auf Bitcoins überall geändert. Weiterhin wird das System Bitcoin aus meiner Sicht unzureichend erläutert. Das was im Buch steht, wußte ich auch bereits vorher, da hätte ich mir tiefgehender Erläuterungen, die über eine Auflistung der Stellen, die Bitcoins akzeptieren, hinausgehen, gewünscht. Das habe ich aber leider nicht bekommen.

Die Tauschkreisel fand ich recht interessant, der wichtigste Tauschkreisel wird aber leider nicht genannt oder gar erwähnt, warum auch immer, findet Tauschticket keine Erwähnung im Buch und man beschränkt sich auf die Nennung sehr regionaler und damit allgemein wenig reizvoller Tauschkreise.
Ebenso fehlen mir die weiteren Währungsmethoden, die es immer häufiger gibt, seien es Paybackpunkte, Smartcart, Flugmeilen, etc. Diese werden unter den Tisch fallen gelassen, als gäbe es sie gar nicht.

Einziger Höhepunkt und damit wirklich neu für mich war der Bericht über die in Japan praktizierten Zeittauschbörsen „Fureai Kippu“ zur Pflege und Unterstützung von Alten oder Kindern. Leider wurde auch das Thema nur sehr kurz angerissen, dazu hätte ich mir ebenfalls weitere und tiefgehendere Informationen gewünscht.

Fazit: Das Buch reißt viele Themen an, läßt sich zu für mich eher uninteressanten inaktuellen Themen seitenweise aus, während die aktuellen und spannenden Dinge in kurzen Absätzen abgerissen werden und damit schlicht nicht ausreichend informativ sind.
Wer einen kurzen allgemeinen und leicht verständlichen Überblick über alternative Währungsmethoden haben möchte, ist mit dem Buch relativ gut bedient, allerdings fehlten mir da eben auch einige Punkte, die die Autoren schlicht ignoriert oder bewußt weggelassen haben.
Das Buch ist außerdem für mich nicht objektiv genug, negativ Aspekte der Modelle werden nicht erläutert, lediglich die positiven Aspekte herausgestellt, das ist für mich nichts, was ich lesen möchte, sondern manipulativ.

Schade… zugute halten muß man allerdings einen halbwegs unterhaltsamen und eingängigen Schreibstil. Das Lektorat hätte allerdings deutlich besser sein können, Tippfehler gab es diverse. Leider.

Bei dem Buch handelt sich um ein Rezensionsexemplar.

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