Die Sache mit meiner Schwester – Anne Hertz

Ja, die bonbonfarbenen Bücher haben es bei mir schwer.
Eigentlich dürfen sie meist gar nicht in mein Buchregal einziehen. Nun gut, dieses hier ist von den Hertz-Schwestern, die mag ich und ihre Bücher in der Regel auch, also hab ich meinen Hautausschlag bei bonbonbunten Buchcovern überwunden und mich einfach mal drauf eingelassen.
Was soll ich sagen, meine Überwindung und mein Mut wurden belohnt.
Ich bekam hier eine wirklich unwahrscheinlich emotionale Geschichte geliefert, die ich, selbst mit einer mir gänzlich unähnlichen Schwester gesegnet, in weiten Strecken nur zu gut kannte. Man haßt sich, man liebt sich, man schlägt sich im Kindesalter fast die Köppe ein und wenn man erwachsen ist, dann entfernt man sich immer mal wieder ein bißchen, nähert sich wieder an und freut sich eigentlich viel zu selten, daß man da eine Schwester hat, die manchmal den Blickwinkel erweitert, einen in den Arm nimmt, wenn man wütend ist und für die man da ist, wenn es bei ihr grad nicht so läuft. Blut ist halt doch irgendwie dicker als Wasser, eben weil mir diese Geschichte und die Erlebnisse selbst recht nah sind, ging mir das alles auch recht nah. Ich konnte verstehen, daß man sich erstmal besäuft, wenn man gerade einen Crash gebaut hat, bei dem die Schwester die Augen erstmal nicht mehr öffnet. Ich kann auch verstehen, daß man mit sich selbst als Tante total unzufrieden ist und dennoch erstmal nicht so genau weiß, wie man es denn besser machen sollte.

Dabei ist das Büchlein zu keinem Zeitpunkt belehrend oder gar maßregelnd, sondern einfach herzerfrischend, witzig, ein bißchen gemein und böse und doch hier und da zuckerwattebonbonfarbenschön. Am Ende war ich allerdings sehr erleichtert, daß wenigstens einer der vorkommenden Kerle kein komplettes fieses Monster ist, das hätte mich sonst ein wenig aus der Bahn geschmissen.
Besonders schön fand ich hier den Bezug zu den beiden Autorinnen, die kleinen biografischen Hinweise, die Parallelen, auf die man als Leser, der die Schwestern Hertz ein klitzekleines bißchen kennt, stößt und über die man sich freut und bei denen man rätseln kann, was ist real, was nicht, wer verbirgt sich hinter der Person und warum zum Geier haben sie den armen lieben Lektor so durch den Kakao gezogen.

Am Ende kommt man recht atemlos an, schaut sich um, ob alle noch heil vorhanden sind und bekommt ein bißchen heile Welt geliefert, damit man sich zudecken, umdrehen und endlich einschlafen kann, wenn man wie ich, das Buch in einer Nacht beendet.

Danke, das hat Spaß gemacht!

3 Gedanken zu „Die Sache mit meiner Schwester – Anne Hertz

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