Schlafgänger oder ein Buch, das gänzlich anders ist.

Puuuh, ich bin ja eigentlich Schnellleser, 100 Seiten pro Stunde, kein Problem. Dieses kleine 140 Seiten Werk habe ich dennoch seit Tagen in Bearbeitung, was keineswegs heißt, daß es nicht gut wäre, es ist nur einfach so anspruchsvoll, daß ich immer wieder den Faden verliere und zu meiner gewohnten Lesestunde abends vor dem Einschlafen im Bett fast schon nicht mehr aufnahmefähig genug bin, um dem literarisch verarbeiteten Gespräch zu folgen. In der Kurzbeschreibung steht: „Und sie findet dafür eine Sprache, wie sie zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur noch nicht zu hören war.“ und das trifft es sehr genau. Dieser Roman ist nämlich eigentlich irgendwie keiner, es sind Fragmente, Überlegungen, Gesprächsfetzen, zusammengewürfelt, gemixt und nicht immer auf Anhieb verständlich, zumindest für mich nicht. Dabei ist die Sprache eigentlich gar nicht so schwer, es ist lediglich ein Problem, den Faden nicht zu verlieren oder ihn überhaupt zu erkennen. Allerdings habe ich das eben beim Lesen als Herausforderung empfunden und den ungewohnten Umgang mit Sprache durchaus genossen. Mir ist am Ende des Buches nicht wirklich klar, was die Autorin mir sagen wollte, dafür bietet der Text zu viel Freiheit für Interpretation, zu viel Platz, um ihn mit eigenen Gedanken zu füllen. Fakt ist jedoch, das Buch hat mich angesprochen, die Autorin hat es geschafft meinen Blickwinkel auf bestimmte Gegebenheiten zu erhöhen. Allerdings hatte ich zwei kleine Problemchen mit dem Buch, erstens mag ich es überhaupt nicht, wenn mitten im Fließtext die Schrifttype wechselt, was hier zwar immer eine durchaus ersichtliche Bedeutung hatte, was mich aber einfach jedes Mal aus dem Lesekonzept bringt.
Zweitens waren in den Text immer wieder englische und französische Fragmente eingestreut, mein Englisch war dafür durchaus ausreichend, meine Mutter, die das Buch nach mir gelesen hat, hatte mit den Sätzen ihre Probleme. Das Französisch hat mich, die ich gerade mal Urlaubsfranzösisch spreche und ein Glas Wein und Käse bestellen kann, absolut überfordert. In den Googleübersetzer eingegeben, erhielt ich auch kein verständliches Ergebnis und die Übersetzung meiner Mutter, die immerhin zweisprachig in Belgien aufgewachsen ist, stellte mich auch nicht wirklich zufrieden. Hier würde ich mir wünschen, daß es eine Fußnote oder Übersetzung gegeben hätte, die mir beim Verständnis geholfen hätte, wenn es auch zum Text paßte, diese Verständigungsprobleme zwischen Autor und Leser einzubauen und irgendwie auch das reizvoll war, fand ich es doch hauptsächlich störend.

Dieses Buch ist also kein wirklicher Roman, eher ein kleines literarisches Werk, das sicherlich niemandem Freude bereitet, der eine leicht verständliche unterhaltende Geschichte lesen möchte, wer aber durchaus experimentiell liest, sich auf Texte, die nicht der Norm entsprechen auch mal einlassen kann und wer gerne Lücken mit seinen eigenen Überlegungen füllt, für den ist dieses Buch eine wahre Fundgrube an Ideen, Gedanken und Überlegungen.
Ich habe die Lektüre genossen.

2 Gedanken zu „Schlafgänger oder ein Buch, das gänzlich anders ist.

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