Go Vegan! oder doch lieber nicht?

Ich bin als Hobby-Bloggerin ja eigentlich immer an allem interessiert, was sich rund ums Essen entwickelt.
Ich habe 6 Jahre meines Lebens rein vegetarisch gelebt, aus Überzeugung. Ich habe in diesen 6 Jahren erhebliche gesundheitliche Probleme angefangen von Hauterkrankungen, über Mangelerscheinungen, bis zu Problemen mit dem zentralen Nervensystem gehabt. Eines Tages verspürte ich den erheblichen Wunsch nach Currywurst. Tagelang, wochenlang, monatelang, irgendwann knickte ich ein. Viecher hin Viecher her, ich brauchte eine Currywurst. Diese Currywurst war das Leckerste, was ich in meinem Leben je gegessen habe und ich werde sie nie vergessen.
Seitdem lebe ich nicht mehr vegetarisch, ich achte sehr bewußt auf hohe Qualität bei den Lebensmitteln, die wir zu uns nehmen, probiere auch einmal vegetarische Varianten aus oder auch rein vegane Gerichte. Für mich ist aber Veganismus kein Dogma, keine Glaubensfrage, sondern eine Spielart der Ernährung, statt zum Inder, zum Chinesen oder zum Spanier, gehe ich halt zum Veganer hin und wieder. Fakt ist aber, daß ich bei den meisten Hauptgerichten doch immer das Fleisch oder zumindest tierische Produkte vermisse. Ich esse sie nun mal gerne, sie schmecken mir.
Ich habe für mich selbst entschieden, daß ich Fleisch essen möchte und Tierprodukte ebenfalls.
Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, ist meine Neurodermitis komplett verschwunden, Mangelerscheinung, wie das häufige Zahnfleischbluten oder starke Kopfschmerzen (keine Migräne, die habe ich leider immer noch) und auch die nervlichen Probleme sind komplett zurück gegangen. Jetzt mag man sagen, gut, die hat sich halt falsch vegetarisch ernährt, irgendeine Erklärung für das Mißfallen am eigenen Dogma findet der Dogmatiker ja immer…

Warum ich all das erzähle, damit man weiß, daß ich keineswegs abgeneigt bin, die vegane Lebensweise durchaus reizvoll finde, aber eben nicht diszipliniert genug, um sie durchzuhalten.
Weiterhin bin ich aufgrund meiner eigenen Erfahrung davon überzeugt, daß wir Menschen tierische Produkte in gewissen Mengen brauchen, um uns ausgewogen und gesund zu ernähren.

Neugierig begann ich nun also die Lektüre dieses Buches und saß bereits beim Vorwort kerzengrade auf dem Sofa und hätte am Liebsten das Buch in die Ecke geworfen. So viele platte und flache Verallgemeinerungen haben mich schlicht genervt.
Die Autorin berichtet, von dem psychologischen Ansatz, daß Kinder die im Supermarkt gereicht Wurst nur mögen, weil ihnen von den Umstehenden suggeriert wird, daß die Wurst toll ist. Ein sicherlich nicht von der Hand zu weisender Ansatz ist, daß Geschmack und Essgewohnheiten anerzogen werden, aber wenn ein Kind keine Wurst mag, dann kann die Mutti noch 10 Mal sagen, „Feines Würstchen!“ gegessen wird das dennoch nicht. Dieser Ansatz ist für mich also einfach nicht realitätsbezogen. Wir essen nicht Fleisch, weil es uns anerzogen wurde, Fleisch zu essen, sondern weil wir Fleisch essen wollen oder eben nicht.

Den nächsten Text von Surdham Göb fand ich schlicht belanglos und inhaltsarm und es würde mich doch sehr wundern, wenn das Zerwik tatsächlich 2008 als erstes veganes Restaurant Deutschlands eröffnet hat. Da gab es doch schon früher sogar in kleineren Städten Restaurants, die diese Art des Essens anboten.

Weiter ging es mit Dr. Henrich, der mir erstmal erzählt wie gesundheitsschädlich die Milch ist. Ja, weiß ich, bin schließlich laktoseintolerant, mir tut Milch nicht gut, aber als so böse, wie der Dr. Henrich die Milch darstellt, würde selbst ich sie nicht betrachten. Gestört hat mich hier vorallem die Absolutheit der Aussagen, das nicht Zulassen anderer, das Gegenteil beweisender Studien und ganz wichtig, daß er auf Studien verweist, ohne diese klar zu bezeichnen, so daß es mir recht schwer fiel, diese auch im Netz zu finden, dort stellte ich dann recht schnell fest, daß es zu so ziemlich jeder der ganannten Studien wiederum eine Studie gab, die das Gegenteil oder zumindest etwas deutlich Abweichendes ergab. Fakt ist nun also, daß ich mir im Klaren darüber bin, daß ich je nach Herangehensweise mit einer Studie immer genau das beweisen kann, was ich beweisen will und dass es häufig sehr erhellend sein kann, sich den Auftraggeber einer Studie vor Augen zu führen, bevor man sich ihren Wahrheitsgehalt und Realitätsgrad bewußt macht.
Auf der Internetseite von Dr. Henrich macht er dafür Werbung auch seinen Hund vegan zu ernähren. Ich stelle mir gerade vor, wie ich meine Katze auf vegane Nahrung umstelle und muß leicht schmunzeln. Lili würde mir Tofu und Seitan um die Ohren hauen und sehr deutlich ihre übliche Nahrung verlangen.

Wirklich interessant fand ich dann den Text der Bloggerinnen Nicole Just und Felicia Meyer-Jendro, das war erfrischend, das war nett geschrieben, das deckte sich zumindest ein wenig mit meiner Wahrnehmung und meinem Denken. Beide waren mir allerdings aus der Bloggerszene bereits bekannt und das Kochbuch „La Veganista“ steht noch auf meiner Wunschliste.

Als nächstes kommt Ariane Sommer zu Wort, die wie üblich, wenn man ihr das Wort erteilt, viel sagt, ohne etwas auszusagen. Ihr geht es bei der veganen Lebensweise hauptsächlich darum, daß sie sich schöner fühlt, vegan, nicht nur optisch, sondern auch spirituell, danke Ariane, das freut mich sehr.

Im nächsten Text geht es um Björn Moschinski, radikal und interessant, schildert er seine Beweggründe und vorallem auch seine rein vegane Lebensweise, er verzichtet tatsächlich auch außerhalb des Essen auf jegliche tierischen Produkte. Für mich nicht praktikabel, aber ich bewundere diese Disziplin und vorallem diese Recherchearbeit. Ein für mich sehr interessanter Artikel, der aus den Texten fast genauso hervorsticht, wie die sympathischen Überlegungen der beiden Bloggerinnen.
Auch wenn ich seine Denkweise nicht teile, regt sie mich doch zum Nachdenken an.

Patrick Barboumian kommt als Nächster mit seiner Meinung zur veganen Lebensweise um die Ecke. Der stärkste Mann der Welt ißt keine Tiere und lebt mittlerweile sogar vegan, er schildert, warum er dies tut und kann das durchaus interessant rüber bringen, wirklich überzeugend finde ich ihn dennoch nicht, einfach weil ich das Stemmen von Gewichten, das Tragen von Baumstämmen und das Ziehen von Lkw nicht wirklich mit dem Veganismus in Verbindung bringen kann. Trotzdem fand ich den Artikel interessant, wenn auch ein wenig belehrend.

Klaus Wolf erklärt viel zu veganem Wein und Fruchtsäften, fand ich auch interessant, aber etwas sehr trocken geschrieben.

Raphel Fellmer lebt im Geldstreik, betreibt Foodsharing und weiteres, für mich ein zwar informativer, aber recht langweiliger Artikel, der Leser wird mit Zahlen bombardiert, die sich so nur schwer überprüfen lassen und ich muß gestehen Fellmer ist mir schlicht unsympathisch. Dieser Artikel hat mir persönlich nichts gegeben.

Stefan Bröckling ist Aktivist für Tierrechte und lebt vegan, ich muß gestehen, daß ich seinen Beitrag nicht in Gänze gelesen habe. Ja, Demos sind wichtig zur Meinungsbildung, Mißstände aufzeigen durch Aktionen, all das finde ich gut. Tote Tiere in Fußgängerzonen, Boykott von Reitturnieren und ähnlichem kann ich persönlich nichts abgewinnen, auch hatte ich beim Lesen seines Textes ein wenig das Gefühl, das es ihm weniger um die Tiere geht, als darum sich durch seine Meinung „Ich bin DAGEGEN“ von der Masse abzuheben. Kein Artikel, der mir gefallen oder mich weitergebracht hätte.

DR Haferbecks Text steckte für mich voller Informationen, war aber so schlecht strukturiert, dass es mir schwer fiel mich auf den Text zu konzentrieren und ihn gleichzeitig für mich realistisch einzuschätzen. Der Mann hat durchaus interessante Dinge zu sagen, aber es gelang ihm hier aus meiner Sicht nicht, auf den Punkt zu kommen und mich zu fesseln.

Antje Schäfer stellt eine Beziehung zwischen Yoga und Veganismus her, da ich mit den Lehren des Yoga nichts anfangen kann, fand ich auch diesen Text nur wenig bereichernd.

Claudia Renner, wieder ein bekanntes Gesicht aus der Bloggerszene, schreibt über ihren Weg zum Veganismus. Durchaus interessant, vorallem die kleine Box mit den Hinweisen auf vegane Blogs, aber für mich auch hier etwas zu sehr bemüht zu bekehren. Warum kann der Veganer an sich nicht einfach vegan sein, ohne Menschen, die eben nicht vegan sind, gleich als nicht verständig genug zu deklarieren. Das nervt mich je weiter ich lese, umso mehr. Nur weil ich diese Lebensweise für mich nicht bejahe, heißt das doch nicht, daß ich irgendwie dümmer bin, als Veganer, weniger engagiert oder gar ungesünder.
Das ist es vermutlich auch, was mich hauptsächlich an diesem Buch stört, ich mag es die Menschen vorgestellt zu bekommen, aber jeder dieser Menschen tut, als wäre der Veganismus, die einzige tolerable Lebensweise und das stört mich massiv.

Attila Hildmann ist der Nächste, der von seinem Weg zum Veganismus berichtet, wie üblich tut er das mit vielen Worten und sehr wortgewandt. Seinen Text habe ich gerne gelesen und nein, ich bin kein Hildmann-Fan, aber ich finde seine Challenge Ideen ansprechend und durchführbar. Ihn selbst empfinde ich als charismatisch und medientauglich, warum also sollte so jemand nicht für den Veganismus eintreten, im Gegensatz zu den anderen Schreibern des Buches tut er das auch auf eine, für mich als nicht Veganer angenehme und keineswegs absolute oder belehrende Art, im Gegenteil, ich empfinde seinen Text als Möglichkeit.

Udo Rinas bringt interessante sozialpädagogische Überlegungen zum Thema Veganismus und weiterer Entwicklung ein, das könnte spannend sein, ist aber so langweilig geschrieben, daß es mir schwer fiel, nicht weiter zu blättern.

Jan Bredack, den ich bereits aus einem sehr informativen Internetfilmchen über die Veganz-Märkte kannte, berichtet spannend und informativ. Sein Beitrag hat mir gut gefallen und ich wünsche mir seit Langem einen Veganz in Köln oder Bonn. Möge man meinen Wunsch bitte erhören, Danke!

Sandra und Anja Umann, Modelable Umasan, ihr Beitrag ist wieder recht interessant und auch gut lesbar. Leider zeigt ein Blick auf die Homepage, daß vegane Mode vorallem eines ist, langweilig, schwarz und grau und für den Normalbürger kaum bezahlbar. (Ja, für ein Designerlable, sind die Preise angemessen, das weiß ich.) Hier würde ich mir wünschen, daß der Schritt vom Designerlable weg, zur Produktion für den Normalbürger, Normalveganer ginge, das sehe ich hier jedoch nicht. Trotzdem war dieser Text einer der interessanteren im Buch.

Stefan Becker (Naturkosmetik benecos), hier hab ich einige für mich und meinen täglichen Alltag wichtige Infos aus dem Text und den Infoboxen gezogen, leider ist auch dieser Bericht sehr trocken und holprig geschrieben.

Anne Bonnie Schindler und Sara Rodenhizer schildern ihren Weg zu einem feministischen Sexshop mit fast ausschließlich veganen Produkten, das war interessant, hätte allerdings durchaus ein wenig wortschmeichlerischer geschrieben sein können, das Thema lädt doch zu witzigen Anekdoten oder Vergleichen ein, warum also so bieder und trocken? Schade.

Marco und Tina Maas betreiben ein veganes Tattoostudio, ich muß gestehen mir nie Gedanken über die Farbe unter meiner Haut gemacht zu haben, so daß ich ihren Beitrag wieder sehr spannend fand. Auch die sehr persönliche Schilderung der Kriegserfahrungen von Marco Maas ging nahe und das hat mir an diesem Text sehr gut gefallen. Er wirkt dadurch sehr viel persönlicher als viele der anderen Texte. Leider fällt auch hier der Satz „So doof kann man gar nicht sein, daß man das nicht kapiert!“ Doch doch, man kapiert es nur auf andere Art und geht auf andere Art und Weise damit um. Ich verstehe nicht, warum der überzeugte Veganer nicht einfach damit leben kann, daß andere die Dinge durchaus ebenfalls erkennen, aber zu den Einschränkungen und Veränderungen eben nicht gänzlich bereit sind. Nicht vegan lebende Menschen werden als pervers bezeichnet, das stört mich erheblich und trübt mein Interesse an dem, was die beiden zu sagen hätten.

Sandra Forster hat das erste vegane Restaurant Deutschlands eröffnet, das Zerwirk, ich finde im Netz darüber leider nichts, aber ich bin mir sehr sicher bereits in den 90ern in veganen Restaurants gegessen zu haben, in Deutschland. Das stört mich hier ein wenig, entweder täusche ich mich oder aber die Recherche war hier nicht ganz sauber. Frau Foster berichtet leider nicht sonderlich einnehmend und ich finde sie etwas langweilig, so daß ich beim Lesen ihres Textes nur wenig wirklich Interessantes und Wissenswertes mitgenommen habe.

Anschließend findet sich ein Glossar und eine Liste mit weiterführender Literatur, was ich wirklich gut fand und wo ich dann auch einiges für mich Interessantes auf die Wunschliste gesetzt habe.

Fakt ist, daß ich nach der Lektüre des Buches immer noch keine Veganerin bin, aber sehr viele Hinweise und Links gefunden habe, die mich schlauer gemacht haben.
Leider sind viele der Texte von einem so belehrenden und überheblichem Stil, daß ich beim Lesen immer wieder ärgerlich wurde. Auch stilistisch hätte ich mir hier und da ein wenig mehr fesselnde Raffiniesse gewünscht.

Ganz schlimm finde ich jedoch die Aufmachung des Buches und den Satz. Das weiße Papier stört beim Lesen, die schwarz-weiß Fotos sind häufig von sehr schlechter Qualität und das Design erweckt den Eindruck einer lieblos gebundenen Diplomarbeit, die man mit Word irgendwie zusammengschustert hat.

Als Fazit bleiben also einige wirklich interessante Infos und wenige interessante Texte, in einem leider wenig ansprechenden optischen Erscheinungsbild.

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